Sonntag, 16. August 2009

Mirko Tag 162: Anti-touristisches Programm.

Nachdem ich um sieben Uhr in der Früh ins Hotel gelassen werde und
endlich schlafen kann, erwache ich nach zwei Stunden wieder. Ich wecke
die Hotelbetreiberin ebenso auf, da ich eigentlich auschecken müsste,
aber auch gerne noch ne Nacht dranhängen würde. Ist geritzt und jetzt
wird weitergeschlafen.
Um vier treffe ich mich wieder mit Yiva. Sie hat frei, da bietet sich
das an. Und dann besichtigen wir keine Tempel oder andere Attraktionen
oder essen landestypische Gerichte, wie es sich sonst für Touristen
gehört, sondern machen das, was Chinesen so tun. Erst mal werde ich
zum Steakessen eingeladen. Von einer Vegetaröse, wohlbemerkt. Dann
geht es Shoppen, beim Walmart. Obst und so. Die selbe Mall, die
Walmart beherbergt, sonst aber ziemlich leersteht (in Deutschland wäre
das ein Skandal, wenn ein so großes Einkaufscenter keine Geschäfte
böte), bietet im obersten Stock eine Eislaufbahn. Sie wollen mir da
erst Schlittschuhe mit Zacken vorne andrehen, die aber ziemlich
unbequem sind und überall drücken, sonst aber zu locker sitzen, weil
die anderen Eishockeyschuhe kaputt seien. Alle. Später erfahre ich,
dass die nur an Leute vergeben werden, die das schon können. "Lass
rüberwachsen da! Ich bin Mirko, eines Wintertages am Mackenstedter
Rixmoor geboren, bevor ich überhaupt stehen konnte, lief ich schon auf
Kufen.", protestiere ich. Erfolgreich. Dass ich aber als
Kniegeschädigter seit knapp drei Jahren nicht mehr gelaufen bin,
verheimliche ich mal lieber. Und dann dreh ich meine Piruetten und
polarisiere die freudig erregten Blicke der Massen. Läuft also. Auch
mit dem Knie. Ich bin sehr stolz auf mich.
Dann wird Billiard gespielt. Kann ich nicht wirklich, Yiva auch nicht.
Und dann geht es an den Strand in eine Art Freizeitpark mit Karussels
und so. Es ist. Bereits nach Mitternacht, aber das hält niemanden
davon ab, die Fahrgeschäfte weiterhin fahren zu lassen.
Um halb drei bin ich im Hotel. Und das ziemlich reibungslos. Zwar hat
Echo, die Betreiberin, die mir zur Vorsicht ihre Nummer gegeben hat,
ihr Handy ausgestellt, aber die Eingangstür ist nur angelehnt.
Von der Dusche aus kann ich im TV den Bundesliga-Start mitverfolgen.
Von der Dusche aus. Geil. Könnte perfekt sein, aber es spielt ja nur
der VFB. Ich schlafe also irgendwann, mittlerweile nicht mehr in der
Dusche, ein, werde aber kurz danach wieder geweckt, per Telefon. Yiva
ist am Strand in meiner Nähe. Hat sich mit der Mitbewohnerin
gestritten und will nicht dahin zurück. Ich soll vorbeikommen. Da
starker Wind weht, ist das Bild vom Bildschirm, auf dem eben noch
Fußball lief, schwarz, also gehe ich die paar Meter vor die Tür.
Völlig aufgelöst werde ich aufgefordert, morgen nicht zu gehen. Man
wird mich vermissen. Ich mutiere hier auch irgendwie Widerwillen zum
Herzensbrecher. Ich fühle mich schlecht dabei. Dennoch setze ich sie
in ein Taxi.
Dann ist es fünf. Herzlichen Glückwunsch, Mirko, in drei Stunden
klingelt der Wecker. Dann geht es über Shenzhen nach Hongkong.
Im Sinne eines erholsamen Urlaubs waren die Tage in oder auf Xiamen
(mangels Stadtplan weiß ich bis heute nicht, ob es sich um Festland,
eine Insel oder zwei Inseln handelt), aber schön allemal. Im Sinne des
Mirko.

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