Sonntag, 27. September 2009

Tag 210: Racism in Xi'an?

As several foreign friends of mine are wondering what I am writing every day, I decided to writ this article in English. I will use some bad words, I hope you don’t mind. I also hope you don’t mind if my English is a little bit poor but this year my brain is full of Chinese which makes it complicated to switch to this language.

In the next week, on October 1st, China is going to celebrate its 60th birthday and to prepare for this event, everybody buys flags to decorate the houses and one can really feel the rise of national pride. But today, I think, national pride turns to kind of racism.

It all begins at lunch time. We don’t have any lessons today and so we are arriving relatively late at 12:45 pm in the canteen. Lukas and I have to charge our canteen-cards. The charging-station closes at 1:00 pm, but as they are a bit lazy, they already prepare to close earlier. I am lucky and they take my 200 Yuan and charge my card. Lukas is waiting right behind me but when my card is charged, they just close the fucking window, pointing at the fucking clock at the wall that does not show the correct time. “Open the fucking window, lady! It’s not yet 1 pm.” But no chance.

Suddenly, five Chinese people appear behind us, having the same intention as we do. And suddenly the window is open again and three of their cards are being charged but as soon as Lukas is appearing in front of the window, it’s closed again. We have to come back another day. Fuck that.

Luckily my card is charged and we don’t have to starve today.

In the afternoon we call the Chinese office of the Lufthansa in Shanghai to change the date of our flight-tickets back to Germany, that we issued last year in October. That day we were told we can change the date once without having to pay anything. However, the fucking Lufthansa-Office in Shanghai does not seem to know anything about that, they are demanding a payment of 100 Euro. Fuck that, we will call the office in Germany another day.

In the evening we are going back to the canteen, again relatively late (all the other students having lunch at 6:00 pm, we are arriving at 6:45 pm. They should be happy that we are not complaining, that our food is already cold but still pay the full price. But they are not happy. They still want to make some money by saving some energy by switching the light off in the area we are sitting and still eating. “Lady, would you please switch on the fucking light again?” No. All the lady, a pretty beautiful one, does is smiling spitefully in our direction.

There is nothing like doing things yourself and I myself go over to switch the fucking lights on again. The canteen working-staff is looking at me but is too afraid to challenge me again. Of course I am a good man and switch off the light when we are leaving but to show my anger I am not willing to clean my table for them.

To calm down, we are following the invitation of an ex-Prof of our institute that I met at the Bierfest in the Sofitel to come to his bar that he just opened a few months ago. On the map it appears not being too difficult to reach it but in fact we have a long ride in the taxi as our map is old and the area of the bar has just been constructed. We get a beer and a cocktail. Denis’ cocktail contains orange juice. The orange juice bottle nearly explodes as it’s opened but nobody believes us that this might be an indication for the orange juice being bad. But Denis survives his drink.

Than we are moving to the Salsa with the intention to be the last ones on the dancefloor. But we are not allowed to enter the club as we don’t have any passports. Fuck that! Why are ‘minors’ supposed to carry passports all the time? They are too valuable and too big, they just do not fit in any Jeans pockets. Again we feel like victims of racism.

But why should we be annoyed about the Salsa, we just cross the road and go to the 爱上-Club. The name means something like ‘in love’ so we hope to be welcome in here. And we are. More than just welcome. The man who introduces himself as being the manager uses the few minutes of time that Denis and Philipp are on the toilet to tell me how handsome I am. Three times. I am thankful that not everybody turned to be kind of a racist, however I quickly order some beers, hoping he disappears as I am embarrassed by this situation.

Donnerstag, 24. September 2009

Ich und meine Brüder.

Tag 209: Bad KTV.

Meine Lieblingsprofessorin, Fräulein Ai, muss und heute leider vertrösten, ihre Vorlesung fällt wegen Besuchs aus. Und dann kommt auch noch der Anruf, dass wir morgen keine Vorlesung haben, stattdessen haben wir Freitag einen Laborversuch. Wir haben also sehr viel Zeit, sogar noch mehr, da wir abends nicht früh schlafen gehen müssen.
Ich schließe mich also heute mal Lukas und Cathrin an und gehe zum Taekwondo. Zwar laufe ich am Anfang beim Sprint zum Warmmachen allen davon, da meine Beine die längsten sind, bei den Dehnübungen versag ich aber total, selbst die Damen mit einer Körpergröße von etwas mehr als 1,50 Metern können ihr Bein höher heben, als ich. Es gilt in Zukunft, meine Bänder auszuleiern.
Nach zwei Stunden Training könnte ich dann auch eigentlich ins Bett, aber was wäre ich für ein Student, der, trotz eines freien Donnerstags daheim bliebe? Also treffen Thomas, Philipp und ich uns mit Wels und zwei seiner Freunde in der Stadt bei einem sogenannten Bad KTV. Wir wollen schließlich am Ende nicht sagen, wir hätten in China nichts ausprobiert. Dies ist eine Karaoke-Bar mit gewissen Extra-Leistungen. Da wir nämlich nur Herren der Schöpfung sind, werden uns, gegen kleinen Aufpreis, ein paar Damen zur Seite gesetzt. Diese haben dann die Aufgabe, die gekauften Getränke selber wegzutrinken und etwas mit ihren Reizen zu spielen. Da ich aber sehr müde bin, fallen mir diese Reize nicht wirklich auf und die beiden Damen tun mir fast ein wenig leid, dass wir alle recht wenig Interesse an ihnen zeigen, so sehr sie sich auch bemühen. Eigentlich warten wir nämlich auch nur auf die Frau, die für uns tanzt, ein wenig unbekleideter. Wels sagt, das müsste man mal mitgemacht haben. Sie ist aber nicht im Hause. Und auch per Telefon kann sie nicht erreicht werden. Wir werden also ein wenig hingehalten, bis wir erfahren, dass das ganze ja eigentlich auch illegal ist und momentan die Kontrollen etwas schärfer seien.
Das Bier ist also weggetrunken, die Dame kommt nicht und die Klimaanlage funktioniert auch nicht, das sind genug Gründe, um die Lokation zu wechseln. Im 1+1 waren wir schon länger nicht mehr. Und hier tanzen dann auch tatsächlich Frauen. Aber sehr lange bleiben wir nicht, da uns einfällt, da der Donnerstag ja für den Praktikumsbericht reserviert ist.

Tag 208: Campus-Radio.

Im letzten Semester konnte man sich drauf verlassen, dass man bei geöffnetem Fenster nicht unbedingt verschläft, da pünktlich um sieben liebliche Klänge aus den Lautsprechern, die überall auf dem Campus verteilt sind, ertönen und einen sanft aus den Träumen reißen.
Dieses Semester stottert die Sound-Produktion noch ein wenig, wirklich regelmäßig geht die Sendung des Campus-Radios nicht auf Tour, was aber auch daran liegt, dass dringend Nachwuchs gesucht wird. Momentan werben also sämtliche Clubs und Vereine tagsüber auf dem Campus an improvisierten Ständen.
Thomas, Arne, Philipp und Jae haben sich spaßeshalber mal beworben und dürfen heute Abend vorsprechen. Sie werden, des Ausländerbonus' wegen, an der Schlange vorbeigeführt und müssen nicht einmal die Vorbereitungsphase mitmachen, dürfen gleich den englischen Text vorlesen und ein paar Vorschläge zur Sendung machen.
Ich bin mir sicher, dass sie gut sprechen, dennoch gibt es scheinbar einige Kritikpunkte. Man darf sich selber die Frage stellen, ob man sich Kritik über die eigenen Englisch-Kenntnisse gefallen lassen darf, wenn der Kritiker selber nicht in der Lage ist, diese Kritikpunkte auf Englisch zu verfassen.
Zumindest wird keiner genommen, zumal man im ersten Semester nur geschult wird, im zweiten darf man dann erst selber ran. Und da sind wir, bekanntlich, weg. Aber uns es wird versprochen, dass wir irgendwann einen Auftritt haben. Und auf diesen Tag freue ich mich bereits jetzt.

Tag 207: 100 Punkte-Show.

Gestern habe ich erst gegen Mitternacht angefangen, Zeichen zu lernen. Ich kann mir nicht helfen, ich bin scheinbar so schlau, denn die 100 Punkte-Show geht in die nächste Runde. Zwar sind Lukas, Denis und Jae genauso gut, wie ich, aber da sie unmittelbar neben mir sitzen, ist doch sofort klar, woher das ganze rührt.
In "Einführung in die Drucktechnik" erfahren wir heute, dass ein Druckbild aus ganz vielen kleinen Punkten besteht und man meistens nur vier verschiedene Farben benötigt, um das ganze farbig hinzubekommen. Wahnsinn, wie einfach das ist.
Auf meinem Rückweg vom alten Campus fahr ich mit dem Fahrrad einen Umweg (anders rum um den Häuserblock) und stehe schwupps im Stau, da der Verkehr umgeleitet wird. Und zwar über den Parkplatz vom Baumarkt. Dreispurig. Rund um irgendwelche Schlaglöcher und parkende Autos.

Mittwoch, 23. September 2009

Tag 206: Weitere Panikmache.

Als sei es nicht schon genug, dass anscheinend das H1N1-Virus in Xi'an gastiert, jetzt sind anscheinend auch noch Terroristen vor Ort. Zumindest wird das via stille Post verbreitet, die Medien sagen anscheinend nichts. Die Terroristen kommen demnach aus einer Region, die in jüngster Vergangenheit sowieso schon für etwas Unruhen gesorgt hat, und jene Einzelgänger laufen über belebte Plätze und verteilen verschiedene Viren mittels Spritzen wahllos an die Bevölkerung.
Was daran dran ist, kann ich nicht sagen, da ich es noch von keiner offiziellen Quelle gehört habe, Kommilitonen wissen alle nur Bruchstücke und warnen, dass wir nicht zu viel rausgehen sollten, Busse gar meiden. Sei es nun wegen der Schweinegrippe oder wegen der Terroristen.
Tatsächlich laufen heute Abend mehrere Polizei-Truppen, stark bewaffnet, über das Gelände der gut besuchten Wildganspagode. Aus der Ruhe bringen lasse ich mich davon aber noch lange nicht. Schließlich meide ich stets die wirklich am stärksten besiedelten Flecken in Xi'an, nämlich die Busse.
Fahrrad fahren ist also auch in dieser Beziehung sehr gesund.

Tag 205: Schäbiger Samstag.

Mit der gesunden Stimme eines Rockers, versoffen, verraucht und kratzig erwache ich. Und solange die Stimme noch im Arsch ist, sehe ich keinen Grund, jegliche Körperhygiene zu betreiben, ein Frühstück ist aber gerne drin.
Ich schlüpfe also in die Kleidung unserer gestrigen Bustour und gehe auf den Flur in der Hoffnung, jemanden mit etwas Essbarem zu finden. Cathrin und Nadine geht es ähnlich, wie mir, Cathrin und ich werden also zum Laden geschickt, während Nadine Eier kocht. Zum vierten Mal in Folge regnet es auch diesen Samstag, unser Weg zum Supermarkt ist also gespickt mit Pfützen. Und wenn man dann schon Klamotten trägt, die auf die Waschmaschine warten und dazu Flipflops aus Schaumgummi - dann ist es jawohl legitim, dass man nicht jedem kleinen See auf dem Weg ausweicht, sondern mit viel Freude und Schwung in sie hineinspringt.
Auf dem Grund der letzten Pfütze vor unserem Haus befindet sich viel Dreck, wie mir kurz nach dem Aufkommen bewusst wird. Da ist es aber schon zu spät, denn sämtlicher Schlamm wurde mit hochgewirbelt und hat sich, dank meiner O-Beine, an der Innenseite der Oberschenkel, an den Unterschenkeln und sogar im Gesicht verteilt. Volltreffer. Aber immer noch kein Grund zum Duschen, erstmal Frühstück. Und dazu ein Konterbier.
Vom Frühstückstisch erheben wir uns erst einmal nicht. Draußen ist es grau, die Wohnung ist dunkel, Kerzen spenden uns Licht, während wir irgendwelche Quiz' aus Frauenzeitschriften durchgehen.
Bei der Kombination von Kerzen und Langeweile entstehen manchmal komische Dinge. Zumeist verschafft zunächst das Wachs Abwechslung, sei es zu Figuren geknetet, oder masochistisch in heißer Form über Finger und Hände gekippt. Finger und Hände sind aber auch schnell langweilig, wie wär's also, wenn man mal einen Bauchnabel damit füllt?
Das ist nichts besonderes. Besonders wird es erst, wenn es dann getrocknet ist. Und wenn einem dann auffällt, dass dieser Bauchnabel ja behaart ist. Nun gut, ein beherzter Ruck von Cathrin sorgt dafür, dass er es jetzt nicht mehr ist.
Wir schauen noch die Video-Aufnahmen des gestrigen Abends und einen Film an, dann ist es auch schon wieder Zeit für das Bett. Der Konterkoffer ist schließlich auch leer und nach einem Aufbäumen des Körpers gegen die Trägheit sieht es heute nicht mehr aus.
Wer sich nun fragt, wo das heutige Fußballspiel geblieben ist: Aus weiser Voraussicht haben wir es abgesagt.

Tag 204: Philipps Partybus.


Philipp hatte Montag Geburtstag, was wir Sonntag schon im kleinen Kreise gefeiert hatten, aber um unseren chinesischen Kommilitonen auch etwas Abwechslung im grauen Uni-Alltag zu bieten, sollte das ganze noch einmal etwas größer nachgeholt werden, zum Beispiel heute.

Allerdings haben unsere Nachbarn sich mal wieder hintenrum über unsere Betreuerin beschwert, dass wir zumindest in der Woche nach 22 Uhr zu laut seien. Kann ich nicht nachvollziehen, aber wir müssen uns es ja nicht weiter mit ihnen verscherzen, also fällt eine Feierlichkeit im Wohnheim aus.

Auch in Clubs wollen wir nicht ziehen, da gingen schließlich nur unartige Menschen hin und hier hält man sich für artige, fleißige Studenten.

Draußen wird es immer kälter, also wär ein Park auch die falsche Location, warum feiern wir also nicht einfach in einem Bus!? Einfach reinsetzen, losfahren und, sofern möglich, im Kreis fahren, bis wir müde sind.

Letzteres galt als Schnapsidee, allerdings als eine ziemlich gute und realisierbare und schon war Philipp gleich am Dienstag bei der Busgesellschaft (ein Endbahnhof ist gleich neben dem Campus) und hat mal gefragt, was es wohl kostete, einen Bus zu mieten. Für 100 Yuan pro Stunde könnten wir einen fahrbaren Untersatz bekommen, darin ist dann alles enthalten: Fahrer, Sprit. Es kostet ihm viel Überzeugungskraft, aber letztendlich kann er das Unternehmen davon abbringen, einen guten Reisebus zu Verfügung zu stellen, sondern den schäbigsten, den sie besitzen: Alter Linienbus, eine während der Fahrt aufspringende Hintertür und ein Getriebe, dass sich dem Beat unserer Musik anpasst. Das ganze dann bitte für heute von 21 Uhr bis morgen früh um 3 Uhr.

Mit einem Bus alleine ist es aber natürlich noch nicht getan und da wir mit einer Gruppe von 40 Leuten rechnen plus eventuel welche, die wir während der Fahrt aufgabeln, mussten wir in der Woche täglich den Supermarkt aufsuchen und den Biervorrat wegkaufen. Zudem werden profihaft Mischgetränke zubereitet und in große Flaschen abgefüllt. Und Deko besorgen Philipp und Hanna: blinkende Leuchtstäbe und Kunststoff-Blumen kaufen sie, dazu die Musikanlage plus einen großen Haufen Batterien. Die halbtägige Odyssee, die sie dafür hinlegen, ist es wert. Und heute lassen wir noch zwischen den Vorlesungen ein 1,50 x 0,50 Meter großes Banner drucken mit der Aufschrift: "Philipps Partybus - 陪我们吧!" (macht mit!). Unsere BWL-Nachhilfe-Stunde fällt mangels Schlüssel für den Raum aus und so haben wir schon um vier Uhr Feierabend, genug Zeit für alle Vorbereitungen.

Dass es nochmal knapp wird, liegt natürlich daran, dass die meisten von uns noch einmal schlafen wollen, aber wir kommen pünktlich am Tor an, schmücken den Bus und machen uns auf zur ersten Station, dem alten Campus, um einige Leute aufzugabeln.

Der Busfahrer ist einer der besseren, macht, trotz Ausschlagen unseres Bestechungsversuchs, alles mit und hält auch mal auf der rechten Spur einer gut befahrenen Straße, blockiert sie für eine Viertel Stunde, bis sämtliche Passagiere ihre Notdurft in einem Fast-Food-Restaurant erledigt haben. Er wartet auch gerne im Bus, während wir die, heute spärlich besetzte, Moonkey-Bar stürmen. Hier wittert man das Geschäft des Lebens, als dreißig Leute den Laden betreten und auf die Bar zustürmen. Kurz vor der Bar biegen sämtliche Personen allerdings ab, um auch hier einem gewissen Druck nachzukommen, es gehen lediglich 10 Bier über die Theke, und zwar die günstigsten. Lediglich die dort spielende Band kann sich freuen, dass die Tanzfläche vor ihnen flashmäßig für zwei Lieder gerockt wird, bevor alle wieder in den Bus gehen.

Wir drehen eine 8:Von der Oststraße geht es, vorbei am Glockenturm, gerade weiter in die Weststraße, aus dem Mauertorr raus, nach links gen Süden, an der Mauer entlang, wieder nach links gen Osten, dann wieder links durch das Tor, die Südstraße hoch, am Glockenturm vorbei in die Nordstraße, dann nach rechts gen Osten, nochmal rechts gen Süden und nochmal rechts durch's Tor in die Oststraße. Vielleicht drehen wir diese Runde auch zwei Mal, ich weiß es nicht, guck ja nicht nur durch's Fenster.

Die Oststraße, die belebteste von allen, scheint während wir sie passieren, für einen Moment still zu stehen, denn sämtliche Leute wenden nur die Köpfe und schauen dem blinkenden, jubelnden, mit Ausländern gespickten Bus hinterher. So ist es gewollt.

Wir halten noch am Youth-Hostel, um die Bar auf einen Absinth zu stürmen. Es ist gegen zwölf und irgendjemand hat Geburtstag, also gleich. Wir zünden also seine aufgefahrene Torte an und sind die ersten, die gratulieren dürfen. Ein Stück Torte gibt es noch und dann sind wir auch schon wieder weg.

Am Bahnhof gibt es später noch was zu Essen und ein wenig Getränke-Nachschub, das letzte Bier dann in gediegener Atmosphäre an der großen Wildganspagode, hier stößt auch unser treuer Fahrer mit uns an.
Wir überziehen eine halbe Stunde, aber das ist wohl egal. Aus Dankbarkeit räumen wir noch, gegen des Fahrers willen, unseren schäbigen Party-Express auf und dann geht es ausnahmsweise in keinen Club mehr, sondern ins Bett, oder auf die Sofas, sofern man Chinese ist und es bis zum Ende mit uns ausgehalten hat.

Tag 203: Praktikumsbericht.

Unser Praktikum ist seit mehr als zwei Monaten zu Ende, dennoch haben wir immer noch Zeit, unseren Bericht zu schreiben, allerdings wird es langsam knapp, Abgabezeitpunkt ist der 30.09.

Da heute Donnerstag ist und wir traditionell nachmittags frei haben, machen Lukas und, jeweils im eigenen Zimmer, mal an die Arbeit, sämtliche Aufschriften zu entziffern und zu digitalisieren. Die Bedingungen sind gut: das Internet läuft flüssig, das Wetter bietet keinen Grund, sich nach einem Ausgang zu sehnen, Nahrung und Getränke sind vorhanden, im Wohnzimmer ist die Musik von Rammstein zum Ausgleich aufgelegt.

Es könnte konzentriert gearbeitet werden, wäre da nicht ein Faktor: Unsere Tür. An dieser klopft es heute mal wieder besonders häufig. Und da Lukas so etwas nicht hört, werde ich immer aus dem Schreibfluss gerissen, um zu öffnen. In 80 % der Klopf-Fälle handelt es sich um Cathrin, die wegen irgendetwas belanglosem vorbeischaut, zum Beispiel, um Lukas zu besuchen. Leider denkt sie nicht daran, dass sie mal seinen Schlüssel mitnehmen könnte.

Cathrin bleibt nie länger als ein paar Minuten, aber die Zeit reicht ihr schon, um von unserer Musik genervt zu sein. Von einem Reflex getrieben läuft sie also jedes Mal zur Anlage, um die Lautstärke auf einen Bruchteil herunterzudrehen. Sie ist nur noch wahrnehmbar, wenn man unmittelbar vor den Boxen sitzt. Aber da sitz ich nicht. Auch ich werde vom Reflex getrieben und drehe die Lautstärke wieder hoch.

Cathrin geht dann wieder, allerdings nicht, ohne wieder gedankenlos am Lautstärkeregler nach links zu drehen. Jetzt muss ich noch einmal aufstehen, um alles in seine gewohnte Ordnung zu bringen. Dann habe ich wieder eine Viertel Stunde Zeit. Mehr aber auch nicht, denn spätestens dann klopft es abermals.

Meine Ausbeute am heutigen Tage nach recht wenig, aber ich schaffe tatsächlich eine Seite Fließtext, was mindestens zwei Seiten auf Deutsch entspräche. Und es macht sogar einigermaßen Spaß, das Wochenende sollte ich wieder dafür nutzen.

Donnerstag, 17. September 2009

Tag 202: Unsere Vorlesungen.


Diese Woche nimmt mit "Chinesische Geschichte" auch endlich die letzte Vorlesung für die erste Hälfte des Semesters (nach der Hälfte wird "Drucktechnische Betriebswirtschaftslehre" durch irgendwas abgelöst) Fahrt auf, da wird es mal Zeit, dass ich ein kleines Resumée ziehe:
- Druckverfahren B: Ein, thematisch, recht einfaches Fach, Stoff des zweiten Semesters (in Deutschland), Zeichen dafür sind hauptsächlich bekannt oder zusammenreimbar. Kein Grund, sonderlich an den Lippen des Profs zu kleben, zumal es nicht wirklich schnell vorangeht und ein Blick auf die PowerPoint reicht, um zu wissen, wo wir sind. Der Prof scheint ein Spaßvogel zu sein, zumindest lacht der ganze Kurs desöfteren mal. Wir schließen uns an, widmen uns zeitweise dann aber doch wieder den Büchern, Playstations, Billiardtischen und dergleichen. Jede zweite Woche treffen wir uns mit dem Prof zum Klären von Fragen. Bisher haben wir keine. Fünf Zeitstunden wöchentlich.
- Drucktechnische BWL: BWL hatten wir auch schon. Dennoch schreib ich hier immer die Folien mit, da sie lange an die Leinwand projektiert werden. Einfach nur, um schnelles Schreiben zu lernen. Ist wichtig für die Prüfungen. Es gibt noch ein paar Probleme mit dem Zeichenverständnis, aber in der ebenfalls zweiwöchig stattfindenen Nachhilfe erübrigt sich das, denn uns wird gesagt, was wichtig ist. Die Fall-Aufgaben, deren Fragestellung über fünf Seiten gehen, sind gewiss nicht wichtig für uns, nur zum Verständnis der Chinesen. Für die ist das immer Hausaufgabe, macht aber keiner. Weil es keiner versteht, glaube ich. Oder alle so faul sind. Das beruhigt einen. Fünf Zeitstunden wöchentlich.
- Lichtempfindliche Materialien: Fach mit viel Chemie. Nicht mein Lieblingsfach. Wurde mir in der Schule auch nicht gerade toll beigebracht. Der Prof unterrichtet uns zweimal die Woche privat im Deutschclub. Also eigentlich wirft er meistens nur PowerPoint-Folien an die Wand, die er noch etwas ändert, bzw. mit englischen Wörtern des Verständnisses wegen ergänzt. Wir schreiben immer brav mit und haben am Ende von drei Stunden meistens einen Krampf in den Händen. Ich schreibe schon schnell, meiner Meinung nach, und vor allem nicht gerade schön, aber Nadine und Arne sind noch viel schneller. Ich weiß nicht, wie die das machen. Streber. Am Ende der Vorlesung gibt es um die acht Fragen zum Abschreiben. Die Antworten kopieren wir dann zuhause aus dem selbst mitgeschriebenem Skript und geben sie die nächste Stunde ab. Obwohl manchmal haargenau das gleiche auf den Zetteln der jeweiligen Studenten steht, bekommen die einen lediglich ein "good" plus Unterschrift und Datum auf das Blatt, andere aber ein "very good" plus Unterschrift und Datum. Nadine hat immer ein "very good". Fünf Zeitstunden wöchentlich.
- Chinesische Kultur: Die Professorin ist keine geringere, als Professorin Ai. Sie war schon unsere Professorin im Intensivsprachkurs für's mündliche Anfang unserer Zeit hier in China. Sie weiß also, wie es um uns und unsere Sprachkenntnisse bestellt ist, spricht (allerdings von Natur aus) recht langsam und deutlich (chinesische Kommilitonen finden sie deshalb etwas langweilig) und ist recht süß. Der Vorlesungsinhalt ist, sofern man das nach einer Woche behaupten kann, recht interessant und Balsam für die Seele, da man bei ihr alles versteht. Das ganze ist eine Privatvorstellung für uns. Vier Zeitstunden wöchentlich.
- Chinesisch: Haben wir noch zweimal wöchentlich, wir hangeln uns im Buch entlang und das ganze läuft etwas schwerfällig, da das Niveau, verglichen mit den Fachbüchern, ziemlich gering ist. In einer Woche schaffen wir eine Lektion mit ca. 40 neuen Vokabeln, die Woche darauf steht dann der Vokabeltest an. Ich bin Spitzenreiter. Jedes Mal 100 Punkte. Bam! In your Face! Ich werde bald dafür plädieren, dass wir etwas mehr ins Eingemachte gehen. Sechs Zeitstunden wöchentlich.
Das macht dann insgesamt 25 Zeitstunden pro Woche, plus Fahrten auf den neuen Campus, plus Vor- und Nachbereitungen, plus Hausaufgaben. Wo bleibt da bitte Zeit zum Leben?
Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir das schaffen.

Tag 201: Gutes Wetter.

Heute ist endlich mal ein Wetterumschwung, es ist wahrlich heiß, ein laues Lüftchen weht, die Luft ist klar, man sieht die Berge. Zudem haben wir nicht zu lange Vorlesung und da wir jetzt wissen, das Xi'an auch kalt sein kann und es vielleicht das letzte Mal ist, dass wir ohne Angst vor Schnupfen rausgehen können, nutzen wir das ganze doch mal aus und gehen wieder bolzen.
Das hat sich auch ein großer Teil des Campus gedacht, sodass wir keinesfalls alleine auf dem Platz sind. Bolzen heißt dann für uns eigentlich nur, volle Kanne auf's Tor zu knülzen, also eine dicke Berta abzulassen. Dazu brauchen wir ein Tor und natürlich auch den Strafraum, den wir uns aber gleich am Anfang sichern können. Wer wagt es schon, den großen, den kräftigen und den schönen Deutschen (Denis, Lukas und mich) von ihrem Territorium zu verdrängen?
Zwei Stunden bolzen wir also, während immer mehr Kommilitonen den Sportplatz besiedeln. Am Ende gibt es vier kleine Felder, auf denen sich je dreißig Chinesen tummeln und irgendwie versuchen, ein Spiel durchzuführen. Und dann gibt es noch uns in unserem Strafraum.
Ein kleines, schlechtes Gewissen ist dabei. Aber jene Kommilitonen sind auch nächstes Jahr noch hier und können das Wetter ausnutzen, wir nicht. Das werden sie auch verstehen, hoffe ich.

Dienstag, 15. September 2009

Tag 200: H1N1.

Und ich dachte schon, sowas gäbe es hier nicht. Aber jetzt ist sie da: Die gute Schweinegrippe. Jojo steckt bereits bis mindestens Donnerstag in Quarantäne, darf sein zuhause nicht verlassen, da er mit einem jetzt infizierten essen war. Und grundsätzlich munkelt man, dass der Campus bald vorübergehend geschlossen wird, da Jojos Freund nicht der einzig betroffene ist, etwas offizielles erfahren wir hier aber wahrscheinlich als letzte, da wir beispielsweise in keinem Email-Verteiler vorhanden sind oder uns etwa die Mühe machen, jedes neue Plakat auf dem Campus zu übersetzen.
Uns bleibt also nichts anderes übrig, als abzuwarten, Tee zu trinken, die Abwehrkräfte zu stärken und große Menschenmassen zu meiden, wobei wir für letzteres wahrscheinlich im falschen Land sind.
Und dennoch bleibt es mir unbegreiflich, wie man diesem Virus Einlass in das Land gewehren konnte, sind die Kontrollen am Flughafen und am Campus-Tor mit Wärme-Bild-Kameras und dergleichen doch so hoch. Außerdem füllt man im Flugzeug doch schon genügend Formulare aus, da kann doch eigentlich nichts passieren.
Ich bin übrigens erkältet, wie Freitag vorhergesagt. Kann man dazu noch Schweinegrippe bekommen, oder bin ich jetzt theoretisch immun? Ich bitte um Aufklärung.

Tag 199: Genussartikel höchster Güteklasse.

Der Praktikumsbericht steht heute eigentlich auf dem Plan, aber wenn sowas schon auf dem Plan steht, kann man davon ausgehen, dass es garantiert verschoben oder gestrichen wird, erst recht, wenn sich ein paar Leute denken, dass es doch mal wieder schön wäre, zur Metro zu fahren.
Da ich weiß, wie teuer so etwas werden kann, wenn man keinen Einkaufszettel dabei hat, dafür aber ein volles Portemonnaie oder eine Kreditkarte, stecke ich mir heute nur 200 Yuan in die Tasche und lasse die Karte zurück und bitte die anderen, mir maximal 10 % meines Budgets zu leihen.
Mein Geld reicht genau für vier Artikel:
- 150 g schwarze Oliven
- 500 g grüne Oliven mit Füllung
- 500 g italienische würzige Salami
- 1000 g holländischen Gouda
Ich danke Philipp, dass er mir dafür sieben Yuan leiht.

Philipp dagegen hat ein wenig mehr im Wagen, da er morgen Geburtstag hat. Und da heute Sonntag ist, kann man ja einfach reinfeiern, bei Cocktail, Whisky und Zigarre.

Man gönnt sich heute ja sonst nichts.

Tag 198: SatoBacher München ist einer der Region berühmteste Bier ist das Bier in München.



Deutschland hat eine lange Tradition des Weines, seinen
hervorragenden Wein die Technologie weltweit
renommierten deutschen Bier Welt-namhafte deutsche
Bier, das ist ein Synonym für qualitativ hochwertig
e Bier, über die Arten von bis zu mehr als 5000 Arten
von München, Deutschland, ist die Heimatstadtdes Bieres
BatoBacher München ist einer der Region berühmteste
Bier ist das Bier in München, Deutschland, einer der
berühmtesten Bier, Color seichten, reichen Geschmack
von Weizen, Nongchun nicht bitteren Geschmack. Bubble
reiche, zarte weiße

Dieser poethische Erguss ziert das Rückseiten-Etikett einer Flasche des weltberühmten Satobacher Biers (1 Eintrag bei google!) aus Deutschland, das es, als Exportprodukt, heute für 15 Yuan (Qingdao kostet 10 Yuan) in der "Before Sunset"-Bar während des Punkrock-Konzerts zu kaufen und trinken gibt.
Und dabei möchte ich es auch belassen.

Montag, 14. September 2009

Tag 197: Regenmassen.

"Lukas, wie fahren wir heute zur Uni?". "Ja mit Fahrrad, oder?!". "Weiß ich jetzt nicht. Guck mal raus, Alta!". "Ja, regnet doch nicht."
Damit hat Lukas recht. Aber hat er jemals gelernt, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen? Gut, streng genommen tut er das gerne mal zu oft, aber heute anscheinend nicht. Und ich bin auch zu schwach, jetzt Widerworte zu finden, will auch nicht als faules Stück darstehen, also sitzen wir wenig später auf dem Drahtesel und kommen trockenend Fußes am alten Campus an. Und sogar mit Luft im Reifen, denn bei den letzten drei Fahrten habe ich zweimal das letzte Stück schieben müssen um dann den kaputten Vorderreifen dort für zwei Yuan flicken zu lassen. Zwei Yuan sind vier Busfahrten.
Natürlich fängt es schon während der ersten Vorlesung an zu regnen. Das ist klar. Denn seit wir aus dem Urlaub zurück sind, fängt es jeden Freitag irgendwann an zu regnen. Und es hört dann sonntags oder montags wieder auf. Aber auf diese Erfahrungswerte legte Lukas heute morgen ja keinen Wert. Und er hat noch immer die Hoffnung, dass sich das bis vier Uhr, also Feierabend, gelegt hat.
Hat es nicht. Stattdessen gleichen die Straßen mal wieder Flüssen (die Bodenversiegelung, hier noch schlimmer, als in Deutschland, wo pro Tag eine Fläche von 100 Fußballfeldern versiegelt wird) und wenn man dann ein Fahrrad ohne Schutzblech besitzt, ist die Fahrt eine Wonne. Man ist also nach wenigen Metern komplett durchnässt, wobei sich in das normale Regenwasser noch viel Staub und kleine Steinchen gemischt haben, was die Kleidung aussehen lässt, wie Sau und in den Haaren ein Gefühl hinterlässt, als hätte man gerade nach einem Peeling-Duschgel anstelle des Shampoos gegriffen.
Zum Shampoo greifen darf dann auch, trotz seiner fatalen Fehleinschätzung des Tages am heutigen morgen, zunächst Lukas. Und das macht er wahrscheinlich einmal öfter, denn solange, wie er das Bad blockiert, kann ich mir sicher sein, eine Erkältung davonzutragen.
Und dabei war es vor drei Wochen noch so heiß.

Freitag, 11. September 2009

Tag 196: Die Küken sind da.

Es ist eigentlich eine Frechheit. Unser einer studiert schon seit über drei Wochen, kam dazu wegen des Praktikums zwei Wochen später in die Ferien und die ganzen neuen Erstsemestler haben bis diese Tage einen faulen Lenz geschoben. Denn sie beginnen erst in dieser Woche. Das aber auch nicht richtig, denn scheinbar gibt es so viel zu klären; zunächst muss sich jeder einer Gesundheitskontrolle via Wärmebild-Kamera unterziehen, dann sich irgendwo melden, den Pavillon seines Instituts suchen, dann wird dort der Studentenausweis rausgesucht (was, sofern sie nach Passbildern suchen, sich als sehr schwierig darstellen dürfte, da Passbilder von Menschen eben diesen Menschen in lebender Form gar nicht mehr gleichen, so blass sind die Antlitze) und ganz wichtig ist natürlich auch der Einzug ins Wohnheim. Es herrscht also ein reges Treiben auf dem Campus und um das alles "angenehmer" zu gestalten, läuft den ganzen Tag durch die Lautsprecher alte Militär-Musik und immer wieder irgendwelche motivierenden Ansagen.
Da die Studenten aber alle gerade mal 18 oder 19 sind, also noch viel zu klein für die große, weite Welt, hängt an jedem Studenten noch ein Elternpaar dran, was die Masse an Menschen, vor allem zu den Stoßzeiten in der Mensa, noch größer macht. Wenn ich da zurückdenke; Meine Begleitung ins neue Heim reichte gerade Mal bis zum Bremer Bahnhof. Da wurde die Türe geöffnet, man sagte mir: "Nun geh!". Ich ging. Den ersten Zug verpasste ich. Den zweiten bestieg ich mit zwei sperrigen, schweren Koffern. Niemand half mir. In Stuttgart kam ich am Bahnhof an. Die S-Bahn. Die Verbindung hatte ich mir zuvor selber rausgesucht. Auf dem Campus irrte ich ein wenig umher, bis ich den Hausmeister fand. Den Weg vom Hausmeister zur Wohnung lief ich alleine. Ich schloss alleine auf. Ich entleerte alleine meinen Koffer. Meine erste Mahlzeit bereitete ich mir selber zu. Ich aß alleine.
Ein paar Tage später wurden mir meine restlichen Sachen gebracht. Vom Bruder. Und der erklärte sich auch nur bereit, weil ich Bier und einen abgefahrenen Road-Trip versprach.
Die chinesischen Studenten hier haben es hingegen gewiss gut.
Was gut an dem Massenaufkommen ist, ist das steigende Sortiment im Supermarkt. Die verkaufen jetzt sämtlichen Schnickschnack für den Einzug, sodass auch unsere Wohnung weiter veredelt wird. Wir haben jetzt endlich wieder ein Licht im Badezimmer, nachdem wir die Ursache für den Ausfall der normalen Lampe noch immer nicht erforscht haben. Und einen Spiegel, einen richtigen. Und Pärchen-Tassen. Eine pinke und eine blaue mit Bärchen drauf für den Kaffee am Morgen. Wir werden uns bei den Farben abwechseln.
Außerdem gehe ich davon aus, dass meine SMS-Box (Stand: 3900 Nachrichten) in den nächsten Wochen und Monaten weiter stark gefüllt wird, sobald die ersten neuen, die uns schließlich noch nicht kennen, ihre Schüchternheit überwunden haben und uns zum Englisch-Lernen nutzen wollen.

Tag 195: Garagenverkauf.

Heute geht es nach langer Zeit mal wieder (zumindest für mich) an die verlängerte Südstraße zum guten Garagenverkauf. Auf zwei Etagen à drei Gängen reihen sich dicht an dicht Klamotten-, Schuh-, DVD und Musik- und Schnickschnack-Läden, alle in der Größe einer Garage und oftmals mit den gleichen Artikeln. Diese Artikel sind dann, ich sage mal, halboriginal. Qualitativ und preislich sind sie besser als reine Plagiate, kommen aber nur seltenst an Markenprodukte ran. Aber das ist ja egal.
Zur Perfektionierung meines Disco-Outfits mit gelbem Bierhemd und pinker Hose ist mein einziges Objekt der Begierde eigentlich ein paar Chucks (moderne Stoffschuhe, Cathrin besitzt derer, allein in China, bestimmt schon zehn Paare) in greller, pinker oder grüner Farbe.
Aber natürlich gibt es die nur in Frauengrößen. Und da diese hier alle noch ein paar Nummern kleiner ausfallen, als sie es normal schon tun, pass ich leider überhaupt nicht hinein. Der Frust ist groß. Es gibt also nur noch drei Hüte und ein paar, rein aus trotz, da unsere Damen sie überhaupt nicht gut finden, Retroshorts mit bunten Mustern. Und noch ein paar Schuhe. Bei der Schuhsuche tu ich mir mittlerweile nicht mehr wirklich schwer. Ich schicke nämlich immer Lukas vor, der ein gutes Gespür für gutes Schuhwerk hat und da er mit seinen Klumpfüßen letztendlich doch in kein Paar reinpasst, da bei Größe 44 Schluss ist, nehm ich sie mir einfach mit. Ich empfinde auch nur noch ein kleines schlechtes Gewissen, das recht schnell weicht. Lukas könnte ja auch einfach mal die Füße rasieren und bei der Fußmassage den Service mit der Hornhaut-Raspel nutzen, dann passt ihm bestimmt auch ein Paar.

Tag 194: Deutsche Musik.

Unser "Lichtempfindliche Materialien"-Prof ist heute sehr verzweifelt, als wir, alle, wohl aus Rücksichtsnahme auf gewisse andere, langsamere Kommilitonen unter uns, zwei Minuten nach Beginn der Vorlesung noch nicht im Raum sind. Bzw. er ist schon vorher sehr verzweifelt, denn zwei Minuten nach Beginn werde ich schon von unserer Betreuerin angerufen, wo wir denn bleiben. Letztendlich ist aber alle Aufregung umsonst, denn er entlässt uns am Ende 20 Minuten früher.
Laut Internet und Szene-Magazin legt heute ein deutscher DJ in einer Bar auf. Und da muss man ja hin, als Landsmann. Dort erscheinen wir sogar pünktlich, trotzdem wir den Bus nehmen. Leider wird uns nur dort gesagt, dass das Konzert wegen einer Privatfeierlichkeit (sehr privat, es ist kein Gast da) ausfallen muss. Armer DJ, ist nur wegen des Konzerts gestern hier hergekommen und fliegt morgen schon wieder weg. Er steht dann auch so verloren vor der Türe. Und da können wir ihn ja nicht einfach stehen lassen, sondern wir nehmen ihn einfach mit in die Moonkey-Bar und mit etwas Glück darf er ja dort seinen Computer anschließen.
Darf er. Aber nur für zwanzig Minuten, weil danach vier andere Bands spielen wollen. Bis er kommt, laufen hauptsächlich langsame Schnulzen. Mir tun die Chinesen etwas leid, die vielleicht gerade wegen dieser Musik gekommen sind, denn nun schallt ihnen gutes Dark-Urban-Electro-Gedöhns um die Ohren, laut und mit gutem Bass. Und dann kommen wieder Schnulzen.
Wir werden hier also nicht alt, auch der DJ entpuppt sich, trotz guter Musik, als abgedrehter Veganer-Freak mit sehr speziellen Weltansichten. Draußen treffe ich noch unseren ehemaligen Chef, aber dann geht es artig und zu normaler Uhrzeit ins Bett.

Mittwoch, 9. September 2009

Tag 193: Fisch.



Über unangebrachte Tierhaltung, erst recht Fischen gegenüber, habe ich mich schon öfters geäußert. Heute fällt es einmal mehr auf, als wir auf dem alten Campus in den Supermarkt gehen. Dieser hält sich nämlich einen Wach-Fisch. An der Wand zwischen den beiden Eingangstüren befindet sich nämlich ein Aquarium mit, auf dem ersten Blick, einer dickflüssigen, grünen Brühe, die sich Wasser schimpft. Und bei genauem Hinsehen kann man ab und zu etwas gülden schimmerndes Erkennen. Das ist Fisch. Laut den Supermarktangestellten hat auch er keinen Namen, aber es gehe ihm auch ohne Namen gut.
Ob es ihm wirklich so gut ist, wagen wir zu bezweifeln. Das Wasser steht, es gibt keine Pumpe und ich weiß nicht, ob er sich gerne von Algen ernährt. Und Freunde hat er auch keine. Brauchen Fische vielleicht auch nicht, aber wenn er sähe, wie sich andere Fische verhalten, so wäre er bestimmt nicht so gestört.
Fisch nämlich, und da muss man ihm sehr gute Augen attestieren, rastet nämlich voll aus, wenn er, von welchem Fleck des Aquariums aus auch immer, an der Oberfläche etwas erspäht. Bei Futter ist es verständlich, aber sobald nur ein Finger sich einen halben Dezimeter der grünen Brühe nähert, schießt er herbei und springt, den Mund geöffnet, entgegen. Uns macht er damit Angst und garantiert kann er auch jeden Einbrecher so vertreiben.
Bald soll Fisch, so wird uns versprochen, Freunde bekommen. Und dann sei auch das Aquarium sauber. Ich bin gespannt. Sollte das nicht eintreffen, so haben wir uns überlegt, dass Fisch auch sehr gut bei Thomas im Pool wohnen könnte.

Tag 192: Unerwähnenswerter Sonntag.

An diesem Sonntag ist nicht wirklich viel erwähnenswert. Das Wetter lässt zu wünschen übrig, die Agilität der Hausbewohner ebenso, im Hinterkopf klopfen immer wieder der morgen stattfindene Vokabeltest und sein guter Freund, die Lichtempfindliche Materialien-Hausaufgabe, an, aber beide werden gut ignoriert und zwar solange, bis dann doch was passiert, nämlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem Jae, die Koreanerin sagt, sie habe koreanisch gekocht.
Und das hat sie heute gut gemacht. Sushi und andere kleine Snacks gibt es. Es ist meine erste richtige Mahlzeit heute, was sogar bei mir persönlich die Frage aufwirft, was ich anstatt zu essen denn sonst den ganzen Tag getrieben habe.
Ein Highlight von heute ist noch, dass unsere Betreuerin uns anruft, da die Campus-Polizei sich gemeldet hätte. Und zwar nicht wegen des Lochs in der Hecke, in das Denis und Nadine gestern in der Früh gefallen sind, sondern wegen des fliegenden Teppichs aus Cathrins Wohnung. Besser gesagt wegen der beiden fliegenden Teppiche. Denn Cathrin schafft heute Sperrmüll nach unten. Nach offiziell zwei Wochen gibt es also den ersten Mahn-Anruf für die Dame. Ein guter Einstand. Wir haben dafür länger gebraucht.
Und letztendlich wird zumindest dem Vokabeltest doch noch Zutritt gewehrt. Bis spät am Abend. Als Student hat man manchmal ein sehr hartes Leben.

Tag 191: Indisch.

Aus Erfahrung und Rücksicht wurde dieses Wochenende extra uns überlassen, wann wir denn unser Fußballspiel haben wollen. Tag ist egal, aber Hauptsache am Nachmittag, sagten wir.
Vor allem war dies Denis' Wunsch.
Und dieser Wunsch soll erfüllt werden. Heute. Um 16 Uhr. Was, mit etwas Lebenserfahrung und Nachdenken weiß man das, bedingt, dass wir so gegen drei Uhr los sollten. Um halb drei schläft der gute Herr mit den langen Haaren aber noch seelenruhig und jetzt binnen einer halben Stunde fertig werden?! "Vergesst es!", lautet die knappe Antwort. Nachkommen, das will er.
Tut er aber nicht. Hätte aber locker geklappt, da, mit etwas Chinaerfahrung und Nachdenken weiß man das, eine abgemachte Zeit nicht unbedingt wirklich abgemacht sein muss. Um vier Uhr ist der Platz noch belegt. Und es fehlen Gegner und Schiri. Über eine Stunde später ist Denis immer noch nicht da, aber das Spiel wird zumindest angepfiffen. Sieg.
Abends zieht es uns ins indische Restaurant. Es ist meine erste richtige Mahlzeit des Tages. Wir erfahren hier, dass wir noch gerade im Radius der kostenfreien Lieferungsservice-Region liegen und da wir als Ausländer auch noch Rabatt erhalten, kann es passieren, dass wir uns in Zukunft gar nicht mehr die Mühe machen, hier her zu fahren, sondern uns einfach mal was liefern lassen.
Und irgendwie ist es das dann auch schon mit dem heutigen Tag. Motivation, um irgendwas zu machen, ist bei keinem erkenntlich. Ich fürchte, wir werden langsam alle alt und zweimal am Wochenende loszuziehen ist nicht mehr drin.

Sonntag, 6. September 2009

Tag 190: Dancing-King.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe es wieder geschafft. Das dritte Wochenende am Stück. Bam! Ich bin wieder der letzte auf der Tanzfläche, wieder im Salsa. Dabei sieht es zunächst nicht danach aus: Nach einer kleinen Einweihungsfeierlichkeit bei Cathrin und Jay in der Wohnung ziehen Andy, Thomas und ich erst alleine los, da das in der großen Gruppe, erst recht mit Denis ("jaaa, ich muss mir eben noch ein T-Shirt anziehen. Und noch duschen und Zähne-Putzen. Altaschalta, was macht ihr auch jetzt schon wieder so viel Stress? Das hättet ihr mir auch mal vor zwei Stunden sagen können, dass wir jetzt los wollen!") und Lukas ("Ich habe noch zwei gleiche Socken an, brauche aber zwei unterschiedliche.") immer etwas lange dauert. Das SongSong ist im China-Grooves-Magazine (englischsprachiges Magazin für Leute wie uns in Xi'an mit Veranstaltungs-Tipps und dergleichen) angepriesen, letztendlich ist es aber auch nur der Loco-Club unter neuem Namen und als wir ankommen, verlassen viele Leute den Schuppen. Im Salsa ist dann auch noch nicht so viel los, weshalb wir nur mal kurz ins 1+1 marschieren, allerdings ist das hiesige Publikum abermals so penetrant auf der Balz, dass wir uns das hier auch schenken und zurück ins Salsa fahren.
Nach diesem Tripp sind wir allerdings schon recht müde. Verständlich. Außerdem liegt eine harte Woche Studium hinter uns. Heute sogar bis sechs Uhr abends. Das hätte ich mir in Stuttgart nie gegeben, da war der Freitag doch schon der erste Tag vom Wochenende, aber hier ist man ja artig. Wir wollen also eigentlich zurück, aber ich habe noch einen Auftrag zu erfüllen und kann bei den anderen noch einen Zeitaufschub von zwei Songs erkämpfen.
Die Tanzfläche ist allerdings noch recht gut gefüllt; die letzten Gäste, hauptsächlich Ausländer, treiben sich hier noch rum und ich sehe mein Ziel in Gefahr. Aber dann gebe ich dem DJ ein Zeichen. Ich zwinker ihm zu, mach mit der Hand ein paar Bewegungen. Er guckt nicht hin. Dennoch tut er das, was ich will und legt eine gute, alte Schnulze auf. Das Rausschmeißer-Lied. Und es wirkt. Nach den ersten paar Takten ist die Fläche leer. Thomas und ich stehen die zwei Minuten durch und sind glücklich und zufrieden, denn wir haben es wieder geschafft.
Thomas, du bist ein Teufelskerl. Und Mirko, du erst recht.
Die anderen treffe ich heute Abend übrigens nicht mehr wieder, da sie ihren ganz eigenen Irrweg durch die Club-Szene Xi'ans gelaufen sind.

Tag 189: Chinesische TV-Werbesendungen.

Das chinesische Schönheitsideal ist, wie schon oft erwähnt, weiß und mager. Je dünner und farbloser eine holde Maid daherkommt, als desto schöner gilt sie. Nicht gerade bei uns Austauschstudenten, aber wir stellen ja auch nur einen Bruchteil der Bevölkerung da, unsere Meinung dazu wird zwar zur Kenntnis genommen, das war es dann aber auch schon.
Außerdem hat unsere Meinung einen noch viel größeren und mächtigen Gegenpart, als eine Person jemals darstellen könnte, nämlich das Fernsehen.
Im TV laufen gerne Werbesendungen über Produkte, die entweder sehr schlank machen oder sehr weiß oder beides. Normale Filme werden mittendrin unterbrochen und in einer 15minütigen Sendung wird diese und jene Wunderwirkung einer Pille, einer bestimmten Kleidung oder irgendwelcher elektronischer Mittel angepriesen.
So kann man beispielsweise einen BH kaufen, der sämtliches Fett aus Bauch und hüften wie ein Magnet anzieht und hoch in die Brust hievt. Ich habe ihn jetzt noch nicht gekauft oder ausprobiert, aber ich stelle jetzt mal die Hypothese auf, dass das nicht funktionieren kann.
Dann wiederum gibt es weißheitsgradsteigernde Pillen und Crèmes, die super angesagt sind. Laut der Werbung scheinen sie auch zu wirken, wenn man den via Photoshop schlecht retuschierten Vorher- / Nachher-Bildern Glauben schenken darf. Und tatsächlich; europäische Frauen werden hier gerne mal gefragt, welchen Whitening-Faktor ihre Sonnencrème denn besitzt. Und mein weißes Bäuchlein ist auch sehr angesagt und wird oft für Vergleiche herbeigezogen, wenn uns eine Dame ihre hässliche Bräune demonstrieren möchte.
Sehr schlecht ist auch die Werbesendung, in der ein Elektronischer Schmetterling verkauft werden soll, den man sich an den Bauch klebt und der dann automatisch jegliches Fett in Muskeln verwandelt oder es einfach verschwinden lässt. Hier macht man sich gar nicht die Arbeit, bei den Vergleichsbildern etwas zu retuschieren, sondern man tauscht die Personen einfach aus; Aus der korpulenten Schwarzafrikanerin wird eine grazile Araberin, aus dem bierbäuchigen Mitt-Vierzigjährigen ein junger Sprössling mit Waschbrettbauch und der Italiener ist auch schnell ein Schwede. Aber das ist egal, da für Chinesen die Westler einfach gleich aussehen (wie umgekehrt für ungeschulte europäische Augen auch alle Asiaten gleich zu sein scheinen).
Interessant ist auch, dass laut TV Volley-Ball mit einem Ei gespielt wird, denn das Fernsehbild vom Spiel ist stark verzerrt, sodass alle, sowieso schon schlanken Spielerinnen noch viel schlanker wirken, später die Werbung oder die Kommentatoren jedoch sind wieder proportional richtig eingeblendet.
Trotzdem dieser gigantische Gegner, das TV, so offensichtlich manipuliert und schummelt, fallen die jungen Damen reihenweise darauf rein und verfallen diesem Beauty-Wahn. Ich sehe persönlich keine Chance, das zu ändern, dennoch kämpfen wir weiter, wie Don Quichotte gegen die Windmühlen, gegen diesen Trend an und verbreiten die Kunde, dass zu schlank und zu weiß eher kränklich als schön rüberkommt.

Tag 188: Vortrag.

Heute muss ich in Chinesisch einen Vortrag halten. Auf Chinesisch. Über meinen Urlaub. Gutes Thema, da gibt es viel zu berichten. Und alles aus dem Stehgreif. Lediglich ein paar Folien habe ich gestern noch vorbereitet, aber dann musste ich ja zu den anderen zum KTV stoßen. Das Karaoke-Singen ist auch daran Schuld, dass meine Schlafenszeit nur 3 Stunden beträgt. Aber letztendlich ist das gut, denn das beruhigt mich morgens. Bekannterweise bin ich nämlich nicht der Vortrags-Mensch; egal, wie klein oder groß die Gruppe ist, ich bekomme immer schwitzige Hände, eine wackelnde, meist hohe Stimme (wie damals im Stimmbruch) und komme aus dem Konzept, klammer mich an meinen Zettel mit Stichworten, die Stichsätze sind, zitternd. Heute nicht. Heute bin ich zu müde. Aber der Vortrag läuft wie geschmiert, keine Probleme.
Ich sollte öfter so eine Vorbereitung machen, nehme ich an.
Im Vokabeltest habe ich auch 100 Punkte. Genauso wie Lukas. Wir sollten uns "Superbrain-WG" nennen. Das wär abgefahren, Menschenskind.
Im Vortrag habe ich übrigens auch mal meine Reiseroute aufgemalt, welche ich euch hier nicht vorenthalten möchte.

Mittwoch, 2. September 2009

Tag 187: RMB aka Yuan aka Kuai aka Spielgeld

Vielleicht kommt dieser Eintrag etwas spät, aber besser als nie. Heute geht es hier um das gute, alte Geld.
Chinas Währung heißt Renminbi, die Einheiten heißen (offiziell) 1 Yuan = 10 Jiao = 100 Fen oder (umgangssprachlich) 1 Kuai = 10 Mao = 100 Fen.
1 Yuan, bzw. 1 Kuai ist ungefähr 0,10 Euro wert, dementsprechend ist 1 Jiao, bzw. 1 Mao 0,01 Euro wert und 1 Fen 0,001 Euro, also ein Zehntel Cent, ein Tausendstel Euro.
Banknoten sehen wie folgt aus: Es gibt gerade Mal Münzen für 1 Fen, 1 Jiao und, eher selten, 1 Yuan. Letzter ist wohl am häufigsten in der Shanghaier U-Bahn im Umlauf, denn über die Hälfte der dortigen Ticketautomaten nimmt nur Münzen. Und wenn man doch mal mit einem Schein bezahlt und als Wechselgeld viele Münzen bekommt, kommt gleich einer zu dir und tauscht sämtliche Münzen wieder in Scheine um.
Scheine gibt es dafür umso mehr: 1 Jiao, 2 Jiao, 5 Jiao, 1 Yuan, 5 Yuan, 10 Yuan, 20 Yuan, 50 Yuan und 100 Yuan. Ab einer Wertigkeit von 10 Euro gibt es dann aber auch keine höheren Beträge mehr und ein Bankautomat gibt ausschließlich 100 Yuan-Noten raus. Wenn man jetzt in ein Elektronikgeschäft geht und zu europäischen Preisen eine Elektronik-Gerät erwirbt und dieses bar zahlen möchte, läuft man mit einem Batzen Geld rum, der seinesgleichen sucht.
Da es aber lästig ist, so viele Scheine, erst recht von kleiner Wertigkeit, mit sich rumzutragen, habe ich von Anfang an eine kleine Prolltasche angelegt, die zuhause, im Schreibtisch sämtliche Scheine unter 5 Yuan beinhält. Zusammengepresst war dieses Bündel zuletzt über 5 cm dick und ich habe schon den Reisverschluss der Prolltasche deshalb zerstört, sodass ich mich zum Handeln gezwungen sah und jetzt nach und nach alle Scheine im Campus-Supermarkt gegen Ware eintausche. Zuletzt habe ich zwei Eis' in einer Wertigkeit von 0,30 Euro bezahlt. Mit 30 Banknoten. Die Supermarkt-Fachkräfte, bei denen wir einschlägig bekannt sind, waren entzückt. Meine Tasche war dennoch nicht halb geleert, sodass ich am Abend noch einmal über 50 Scheinchen in Getränke investierte.
Nun ist die Tasche wieder gut geleert, aber ich bin schon wieder ordentlich am Nachfüllen.

Tag 186: Strom- und Wasserrechnung.

Schon letzte Woche sollten wir eigentlich, sofern Zeit da war, zum alten Campus und unsere Wasser- und Stromrechnung bezahlen. Heute wollen wir den Plan auch in die Tat umsetzen. So eine Rechnung ist ja schnell bezahlt. Die steht irgendwo im Computer, zusammengerechnet, man legt nur noch seine Moneten auf den Tresen und verabschiedet sich.
Aber hier muss natürlich alles anders laufen. Hier ist alles unübersichtlich auf ein Papier mit Durchschlag gekritzelt und die Zahlen müssen noch einmal mit irgendeinem Faktor multipliziert und dann per Taschenrechner aufsummiert, wobei es gerne mal zu Tippfehlern kommt.
Während die erste Wohnung, Arne und Philipp, einen sehr schönen Betrag von 230 Yuan für ein halbes Jahr aufweisen, liegt der von Denis' Wohnung bei weit über 1000 Yuan. Denn die gute Dame hat in diesem Fall die Rechnungen für ein ganzes Jahr zusammengezählt, da unsere Vorgänger wohl vergaßen, zu bezahlen. Und gerade die Wintermonate hauen hier rein, was die Preise angeht. Es sei nicht ihr Problem, sagt sie. Wir wohnen jetzt da und würden dementsprechend selbstverständlich für die Rechnungen aufkommen. Wir protestieren.
Also machen wir erstmal mit Thomas weiter. Bei ihm passt der Strom auch nicht ganz, aber er wird entschädigt, indem man ihm sagt, dass die Wasseruhr zu kompliziert abzulesen sei und man ihm dieses deshalb nicht in Rechnung stellen könnte. Er jubelt. Schließlich ist er es, der in seinem Wohnzimmer einen großen Pool stehen hat, den er gerne mal befüllt mit 200 Litern. Allerdings kostet der Kubikmeter kühlen, chlorversetzten Nass' auch nur 29 Yuan.
Thomas erhält seine Rechnung, da sind wir auch schon eine Stunde in dem kleinen Kabuff, das sich Büro nennt. Und eigentlich hätte die Frau schon Feierabend, aber heute will sie wohl nicht. Außerdem stehen mit Denis' Wohnung ja noch drei aus.
Und dann fällt ihr auf, dass Ende September ja sowieso wieder abgerechnet wird und ob es nicht schöner wär, wenn wir dann alles bezahlten.
Mit diesem Einfall kommt sie sehr früh.

Tag 185: Mustache-Power.

Heute fällt der Strom aus. Von zehn bis fünf. Was macht man in so einer Zeit? Man ist vollkommen aufgeschmissen.
Wir haben Glück, einen Gasherd zu besitzen, denn so kann uns Cathrin oben, in ihrern neuen, sauberen Wohnung, ein sehr gutes Frühstück zubereiten. Sogar mit Kaffee.
Aber irgendwann hat es sich ausgefrühstückt, und dann? Zudem kommt noch die Müdigkeit aufgrund der letzten Nacht. Und draußen ist es grau, was auch nicht zur Aufmunterung anregt. Und durch das Grau ist es auch im Raum viel zu dunkel, da kann man nicht mal lernen. Vokabeln wären nämlich angesagt, jetzt beginnt wieder die unsegliche Zeit, in der jeden Montag ein Vokabel-Test ansteht. Aber bei den Lichtverhältnissen macht man sich ja die Augen kaputt.
Während der Hauptteil es vorzieht, zu schlafen, haben Denis und ich einen genialen Einfall: Da Denis' Freundin Jule sich die Haare färben möchte, genau wie Hannas Schwester Verena, zwacken wir uns ein wenig von dieser Farbe ab und färben uns unseren Oberlippenbart. Braun. So wirkt er dichter. Unsere Gene meinen es nämlich noch nicht so gut mit uns und entgegen unserer richtigen Haarfarbe ist der Bart in dieser Region sehr hell.
Wir machen das weiß Gott nicht, weil es gut aussieht. Wir sehen unseren Aufenthalt hier drüben eher als Experiment, wie weit man mit schlechtem Geschmack und Aussehen dennoch gut ankommt. Und bisher laufen wir ganz gut.
Auf die Idee mit dem Mustache hat uns unser Idol Peter Griffin aus der Comedy-Serie Family Guy, die zum Zeitvertreib gerne über DVD läuft, gebracht. Und da Thomas sich immer ein wenig ziert, obwohl er locker einen solchen Bart in drei Stunden haben könnte, ergreifen wir heute die Initiative.

Tag 184: Oktoberfest in Xi'an.


Es hat die ganze Nacht geregnet und das Umschalten von einem trockenen, stumpfen Kunstrasenplatz auf einen nassen, zumindest für den Ball rutschigen scheint vielen meiner Mannschaftskameraden nicht wirklich zu gelingen. Und so erlebe ich das wohl schlechteste Fußballspiel hier in China und ich bin mitten drin, zusammen mit Lukas und erstmals wieder mit Denis.
Dass das alles andere als dolle ist, sieht auch unser neuer Trainer ein, der mitten in der zweiten Halbzeit kommentarlos das Weite sucht. Ich bin gespannt, ob er je wieder kommt.
Dennoch sind die Oberschenkel anschließend hart wie Stein, nicht zuletzt wegen des harten Trainings am Donnerstag noch. Dennoch gilt es, der Einladung des Paulaner-Vertriebschefs für China zu folgen und am Abend in den Hof des edlen Sofitel-Hotels zu fahren. Dort wird Oktoberfest gefeiert, vier Tage lang, mit Paulaner-Bier, bayerischem Essen à la carte, stilechten Bierzelt und extra eingeflogener bayerischer Kapelle mit Gaudi-Musik.
Mit 188 Yuan Eintritt und 90 Yuan pro Liter Bier sind selbst die Preise deutsch, aber die Rechnung, dass wir ja dieses Jahr sowieso den Cannstatter Wasen, das Münchener Oktoberfest und den Bremer Freimarkt verpassen, ist Grund genug, dennoch hinzugehen. Und das Essen ist wirklich sehr gut. Und natürlich die Musik. Außerdem haben wir zwei Freikarten, weshalb wir Spätzle und Wels mitnehmen, wobei ersterer sich extra aus dem Bett quält, seine Kopfschmerzen aber nicht runterspülen kann und somit keinen sehr schönen Abend verlebt.
Das Festzelt ist halb mit Chinesen, halb mit Europäern, hauptsächlich Deutschen von irgendwelchen Firmen gefüllt. Diese halten uns übrigens durchweg für Engländer. Ich weiß nicht, ob wir uns wirklich so verändert haben im letzten halben Jahr.
Für jeden Tisch ist ein Trainee abgestellt, eine kleine, verschüchterte Chinesin, die ihren Job möglichst gut machen möchte und viel zu aufmerksam ist: Hat man gerade den letzten Bissen Essen vom Teller auf die Gabel befördert, ist der Teller auch schon weggeräumt. Thomas und ich wissen die Unsicherheit der Service-Kräfte zu unserem Spaß auszunutzen und spießen gerne das letzte Stück Leberkäs' auf, führen es in Richtung Mund und dann blitzschnell, kurz bevor das zarte Pfötlein da ist, zurück auf den Teller. Und nicht nur einmal. Außerdem schauen wir ihnen lange in die Augen; ein Blick, den keine standhält. Und wir weiten unseren wirklich gekonnten Tanz auf den Gang aus, sodass keiner mehr an uns vorbeikommt und nach anfänglichen zarghaften Versuchen und längerem Warten einen großen Umweg in Kauf nimmt.
Aber ich wette, sie haben auch ein wenig Spaß.
Bier, Musik und Essen sind also original Deutsch, die Bierzelt-Garnitur kann das leider nicht behaupten, denn an diesem Abend gehen mehrere Bierbänke zu Bruch. Aber darauf ist man vorbereitet, es werden postwendend neue gebracht. Und man muss sie nicht einmal bezahlen.
Um elf ist leider schon alles vorbei, nachdem die Musik schon kurz nach zehn aufhört. Schade, aber jetzt kann es ja weiter in den Salsa-Club gehen. Komischerweise führe in auf dem Weg dorthin ein wirklich schönes Blumengesteck vom Hotel mit, weil Thomas zuvor mit dem Zeigefinger drauf zeigte und sagte: "Da!". Und ich verstand.
Es ist auch kein Problem, dieses Gesteck, ohne Fragen, in der Garderobe abzugeben und das kostet nicht mal was. Dabei ist es viel sperriger als eine Jacke, kann nicht mal an den Haken gehängt werden.
Die harten Oberschenkel habe ich schon längst vergessen oder wieder weich getanzt, denn ich gehe wieder ab. Um vier Uhr machen sich alle anderen auf den Weg, Thomas und ich haben aber noch einen Auftrag zu erfüllen. Und den erfüllen wir: Wir sind wieder die letzten auf der Tanzfläche. Das zweite Mal hintereinander und mindestens schon das fünfte Mal insgesamt.
Teufelskerle, so kann man uns nennen!

Sonntag, 30. August 2009

Tag 183: Bergfest.

Wer in der Schule in Mathe gut aufgepasst hat und sich dazu noch ein wenig mit dem Kalender auseinandergesetzt hat, der weiß, dass 2 x 183 = 366 ergibt und dass ein normales Jahr 365 Tage hat. Und so dürfte jetzt auffallen, dass wir uns bereits in der zweiten Hälfte unseres Auslandsjahres befinden, wenn man jetzt mal behauptet, dass wir auch wirklich ein ganzes Jahr bleiben.
Viele sagen "erst", ich sage "schon", da es mir nach wie vor sehr viel Spaß hier macht.
Da dieser Tag auch noch ein Freitag ist, sollte man meinen, dass eine Feierlichkeit vorprogrammiert ist. Ist es aber nicht. Eine Woche Studium kann ganz schön schlauchen, wirklich alt werden wir heute nicht und auf die Pirsch geht es erst recht nicht.
Man muss auch nicht immer feiern!

Tag 182: Möbel kaufen.

Seit letztem Wochenende ist auch die sechste (und damit letzte) für uns Austauschstudenten reservierte Wohnung in unserem Haus bewohnt, und zwar durch Cathrin und Jae, eine feine Südkoreanerin.
Die Wohnung ist allerdings noch recht sperrlich eingerichtet, da sie in den letzten Jahren nie benutzt wurde und so gilt es, Möbel zu besorgen. Die kosten hier ja nicht viel.
Lukas, als guter Liebhaber Cathrins, und ich, als hilfsbereiter, gutherziger Mensch, begleiten die beiden Damen zum Möbel-Garagen-Verkauf. Aber nicht zu dem, wo wir damals waren (der lag am anderen Ende der Stadt), sondern in den ein paar Nebenstraßen vom Campus. Dieser ist neuer und irgendwie bilden sich die Verkäufer auch ganz schön was darauf ein, denn kaum einer ist wirklich verhandlungsbereit, Preise bleiben Preise, das bin ich gar nicht mehr gewohnt. Lediglich bei großen Abnahmen kann man etwas an der Summe schrauben und durch die Tatsache, dass wir so nah entfernt wohnen, erspart uns wenigstens die Transportkosten.
Und weil es gerade so schön ist, leisten Lukas und ich uns noch zwei Sessel in der Form einer Hand. Diese sind leider alle eingeschweißt und später, zuhause, wissen wir dann auch, warum: Durch die gespannte Folie ist ein Sitzen im Laden nicht möglich und man bemerkt erst zuhause, sehr spät, dass die 90 °-Lehne nicht unbedingt die bequemste ist. Aber irgendwie kriegen wir das schon hin.
Letztendlich kaufen wir in drei Garagen etwas und bestellen alle auf vier Uhr zum Campus. Sie kommen, leicht versetzt, um fünf. Wir haben ja schon bezahlt, also ist das mit der Pünktlichkeit nicht mehr so ernst zu nehmen.
Durch die Verspätung kommen Lukas und ich (Denis ist verschnupft und hat dann Angst, sich zu bewegen) etwas verspätet zum Fußballtraining. Unser Kader scheint aufgrund einer uns bevorstehenden langen und harten Saison auf 50 Spieler aufgestockt zu sein, zumindest kenn ich die Hälfte der Buben noch nicht. Und auch der Trainer ist neu. Und der meint es gut mit uns. Scheuchen tut er uns. Zwei Stunden lang. Und das, obwohl ich seit mehr als sechs Wochen sportlich nichts mehr gemacht habe.
Abends sind wir zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Ein Muskelkater der feinsten Sorte ist vorprogrammiert. Aber wenn's hilft.

Donnerstag, 27. August 2009

Tag 181: Es hat sich austheresiert.

Ein Name ist in meinen Memoiren seit langer Zeit nicht mehr gefallen: Theresa. Das hat vor allem den Grund, das ich nicht mehr viel Kontakt zu ihr hatte in der letzten Zeit. Einmal nur, ich bin gerade aus Japan wieder in in Shanghai angekommen, da hat sie mich angerufen und, wie üblich, gebenten, ins Nono zu kommen. Ich habe ihr angeboten, nach Shanghai zu kommen. Wollte sie nicht. Ging nicht. Dann war Funkstille, obwohl ich ihr aus jeder Stadt auch nur auffordernd geschrieben habe, dass sie vorbei kommen soll. Ohne Antwort. Ich habe dann mal versucht, sie anzurufen. Und nochmal. Und dann nochmal. Und eine Woche später nochmal. Aber es ist wie verhext. Es kommt immer eine Fehlermeldung. Wahrscheinlich ist ihr Handy kaputt.
Heute, es ist chinesischer Valentinstag und morgen haben wir erst spät Vorlesung und Hannas Freundin Annemarie verlässt uns morgen, es könnte also keine besseren Gründe geben, machen wir uns dann mal alle gemeinsam auf den Weg ins Nono, zu Theresa.
Im Club ist das Entsetzen groß. Ich erkenne nur noch ein mir bekanntes Gesicht, es ist ein Kellner. Männlich. Keine weibliche Managerin. Auch keine weibliche angebliche Managerin. Er wüsste auch nicht, wo Theresa sei. Aber hier arbeiten tut sie nicht mehr.
Trauer. Und Leere. Was mach ich denn nun?

Tag 180: Mückenaufzuchtstation.

Ich weiß gar nicht, was die alle haben. Ich habe keine Probleme. Vielleicht stink ich nicht so doll, wie alle anderen. Aber allmorgenlich beklagt man sich hier über die Mücken (fälschlicherweise im Schwaben-Deutsch Schnaken genannt), deren Stiche, den daraus resultierenden Juckreiz, das daraus resultierende Kratzen und die dadurch resultierenden aufgekratzten Körperglieder. Wie gesagt, ich habe damit kein Problem.
Nachdem wir wieder in einer Vorlesung, BWL, eher wenig verstanden haben und in "Lichtempfindliche Materialien" sogar Extra-Unterricht bekommen, weil selbst die Chinesen das Fach für zu schwer halten, machen wir uns am Nachmittag dann mal auf die Ursache für das hohe Mückenaufkommen.
Diese finden wir sehr schnell. Es ist die Baustelle, die ich von meinem Fenster aus sehe und von der wir nicht wissen, was es werden soll. Auf einer kleinen Erhebung wurde schon vor Monaten eine Kuhle ausgehoben. Dann wurden Wende aus Beton gegossen. Zwischendurch wurde eine Wand wieder gesprengt, weil man wohl fälschlicherweise was falsch gemacht hat. Oder weil man Dynamit testen wollte. Oder weil man Spaß am Knall hatte. Auf jeden Fall ist diese Wand während meines Urlaubs wieder gegossen worden und auch der Boden. Und dieses Becken ist nun mit Regenwasser und vielleicht auch anderem Wasser leicht gefüllt. Es ist ein sehr schön stehendes Gewässer, zumindest auf dem ersten Blick, bei näherer Betrachtung bewegt sich die Oberfläche aber doch wegen vieler kleiner Mücken.
Diese Ursache haben wir also nun gefunden. Die Ursache, warum ich von ihnen nicht attackiert werde, aber nicht.

Tag 179: Studienbeginn.

Was haben wir ihn vermisst! Diesen schönen Raum ohne Fenster, in dem die Luft steht, wo aber dennoch auf das Lüften durch die Türe verzichtet wird, da stickige Luft besser ist als die urinzersetzte auf dem Flur, die derer in einer Autobahnraststätte gleicht. Kurzum, unseren Deutschclub.
Hierhin führt uns heute unser Weg zu unserer ersten Vorlesung im neuen Semester. Chinesisch ist angesagt, drei Stunden, und es geht weiter im Takt im Buch. Es ist nicht der schnellste Takt, der vorgelegt wird, das ganze kommt sehr schwerfällig in die Gänge. Unsere Prüfungsergebnisse vom April (!) bekommen wir dann auch heute. 82 %. Nicht sehr gut. Allerdings war die Prüfung auch nicht gerade dem Vorlesungsniveau angeglichen.
Dass das Niveau des Chinesisch-Unterrichts auch höher ausfallen dürfte, zeigt uns bereits die nächste Vorlesung am Nachmittag; Ein hoher Klassenraum verschluckt leider die Stimme des Professors recht leicht, gibt dafür aber jedes Rascheln und Tuscheln der Studenten umso lauter wieder. Dazu kommt ein Skript und ein Buch mit Sachtexten, in denen das Chinesisch nicht gerade viel mit unseren Texten aus dem Chinesisch-Unterricht zu tun hat. Kurzum: Trotzdem das Thema nicht das schwerste ist, hapert es dennoch in allen Belangen gut am Verständnis.
Da ist jetzt selbstständiges Reinknien angesagt. Irgendwie wird das schon laufen. Wir sind ja nicht doof.

Unverhofft kommt dann meistens doch recht oft. Wegen der Besprechung unseres Stundenplans werden wir ins Büro unserer Betreuerin gebeten. Und diese überreicht uns insgesamt drei Pakete. Lukas bekommt auch eins. Von Cathrin. Die ist mittlerweile hier eingezogen. Das Paket ist ebenso von Anfang April. Es hat also nur über vier Monate gedauert. Während die Fußballschuhe (Lukas besitzt derer nun drei) weiterhin in Top-Qualität sind, kann man das vom Parmesan-Käse leider nicht sagen. Für Experimentierzwecke wird er trotzdem aufgehoben.

Dienstag, 25. August 2009

Mirko Tag 178: Kurzes Strohfeuer der Liebe.

Am Morgen erreicht mich eine SMS von einer mir unbekannten Nummer. Es ist die 3400. seit meiner Zeit in China. In dieser Nachricht steht „Mirko, ich mag dich!“ auf Chinesisch. Nicht die (oder der, ich wurde während des Urlaubs dreimal gefragt, ob ich nicht zufällig homosexuell sei) erste. Aber trotzdem kann ich ja mal hinterfragen, wer sie ist.
Sie ziert sich ein wenig bei der Antwort, gibt mir nur das Stichwort „Qingdao“ und ich muss stark nachdenken. Nein, da habe ich eigentlich nur einmal meine Nummer vergeben, an Shushen, und lediglich einmal in der Bierstraße mit einer anderen Gruppe geredet. Aber da war eine junge Frau unter ihnen, die mir ab und zu Blicke zu warf. Möglicherweise ist es sie.
Aber sie ist nicht ganz mein Fall. Und was bringt es, knapp zwei Wochen später sich zu melden, wenn ich zu weit weg bin. Dennoch möchte sie wissen, ob ich sie nicht auch mag oder ob es da eine Dame in meinem Leben gäbe. Die SMS bombardieren mich beinahe sekündlich. Viel zu stressig. Ich sage, dass es da jemanden gäbe. Ist aber mein Geheimnis. Aber sie gibt nicht auf. Also sage ich ihr, dass ich Hutschmiknik mag. Ah, eine Deutsche. Die ist bestimmt sehr hübsch. Und da hätte die sie ja wahrscheinlich erst recht keine Chance. Nein, Deutsche ist sie nicht. Sie ist Uigurin und nicht besonders hübsch. Aber ihr Vater hat Geld, er ist Yak-Händler.
Sie mag es nicht, dass ich anscheinend mehr das Geld als die Liebe liebe. Sie schreibt mir, dass ich ein Herzensverschwender bin, und sie hat bereits angefangen, mich nicht mehr zu mögen. Das ging schnell. Jetzt frage ich mich, wer der Herzensverschwender ist. Sie schreibt ein letztes Mal. Es ist Nachricht Nummer 3500.
Abends grillen wir mal wieder. Bietet sich an, wir haben 5 kg Fleisch. Und genügend Menschen zu Besuch, die mitessen. Und dann geht es schon gegen zwölf Uhr ins Bett. Ich kann nicht schlafen. Jetlag-Feeling. Und als ich dann doch schlafe, um zwei, erhalte ich einen Anruf von Yiva Xiamen. Sie ist aufgelöst und angetrunken. Wann käme ich wieder nach Xiamen? Scheinbar bin doch ich der Herzensverschwender.

Tag 177: Urlaubsende.

Xi’an – Peking: 1100 km
Peking – Shanghai: 1250 km
Shanghai – Tokyo: 1800 km
Tokyo – Kyoto: 500 km
Kyoto – Nara: 50 km
Nara – Osaka: 30 km
Osaka – Shanghai: 1600 km
Shanghai – Hangzhou: 180 km
Hangzhou – Ningbo: 160 km
Ningbo – Xiamen: 840 km
Xiamen – Hongkong: 1400 km
Hongkong – Guangzhou: 140 km
Guangzhou – Qingdao: 2200 km
Qingdao – Shanghai: 780 km
Shanghai – Xi’an: 1400 km
All diese Distanzen machen ergeben eine Strecke von 13430 km, die ich in den letzten Wochen zurückgelegt habe. Was bin ich doch rumgekommen! Und schön war’s. Aber es ist auch angenehm, jetzt endlich wieder eine Konstanze zu haben und nicht nur aus dem (kaputten) Rucksack zu leben. Und dass das Lotterleben mal aufhört ist auch ganz wichtig. Streng genommen werde ich jetzt wahrscheinlich erstmal einen kleinen Jetlag durchleben, denn meine innere Uhr dürfte sich so sechs Stunden hinter der Zeit und dem Tagesrhythmus befinden, der mir in Xi’an wieder bevorsteht.
Vorbei ist also erstmal die Zeit, in der man abends erst spät losgeht, am frühen Morgen wiederkommt und dann bis zum Mittag schläft, um am Nachmittag appetitlos ein Frühstück reinzuprügeln. Ab spätestens übermorgen zählt wieder eiserne Disziplin.
Aber erst ab übermorgen. Denn da wir nun fast alle (die Ausnahme bildet Philipp, der noch in Shanghai steckt) in Xi’an eingetroffen sind und dazu noch die Familien und Freunde von Lukas, Nadine und Hanna vor Ort sind, was eine stolze Anzahl von 18 Deutschen hervorruft, sollten wir uns dem hiesigen Volke noch einmal im ganzen präsentieren.
Und so geht es abends ins KTV. Ich habe mich besonders herausgeputzt, denn ich trage ein quietschgelbes Hemd, auf dem Kühe und Bierkrüge so wie die Aufschrift „Beer“ zu lesen ist, das ich in der Brauerei in Qingdao gekauft habe, weil es einfach so stillos ist, dass es schon wieder toll aussieht, dazu trage ich meine Pinke Hose, auf der sowas wie Tiger drauf sind und das chinesische Wort für „hübsch“, dazu habe ich weiße Socken an, die aber nicht mehr weiß sind, weil ich sie einst mit einem roten T-Shirt gewaschen habe, und somit schön rosé schimmern und da das noch nicht genug ist, finde ich zum Glück noch Cathrins bunten Chucks in unserer Wohnung. Die sind zwar ganz neu und eigentlich noch zu klein für meine Füße, aber da muss ich durch.
Der Taxifahrer lacht mich aus. Zweimal. Also er würde nicht zugeben, dass er über mich lacht, aber ich spür das ja. Das ist mir aber egal. Ich seh toll aus und das weiß ich und ich spüre auch viel Rückendeckung in unserer Gruppe.
Leider verschwinden später auch die Damen in der Disco, als ich sie antanze. Oder es versuche. Sie kommen aber irgendwann wieder, weil mein Tanzstil zur Kleidung passt und es so insgesamt wieder stimmig wirkt.
Ich bin am Ende der letzte auf der Tanzfläche. Das wollte ich so, weil ich das im Salsa fast immer bin. Anschließend gibt es noch frittiertes Fleisch in frittiertem Brötchen mit scharfer Soße von der Straße. Anschließend haben wir mal wieder einen typischen Taxifahrer. Er weiß natürlich nicht, wo unsere Uni liegt. Und deshalb will er nicht losfahren, sondern so lange in seinem Gehirn kramen, bis ihm eine Erleuchtung erscheint. Die kommt. In Person von mir. Ich geleite ihn und Hanna, ihre Schwester und ihre Freundin sicher durch den Straßen-Dschungel Xi’an.
Mit Hannas Schwester Verena spring ich dann noch in die Hecke. Das haben Thomas und ich schon mal gemacht. Damals war die Hecke weich und wir haben über Monate ein schönes Loch als Andenken erkennen können. Das ist leider jetzt zugewachsen und muss erneuert werden. Leider hat die Hecke an Kraft gewonnen. Wir springen, aber am Ende liegen wir oben auf. Auf ziemlich spitzen Ästen und Dornen. Das war ein Schuss in den Ofen. Das raus klettern schmerzt am meisten.
Es ist halb sechs. Aber es ist ja auch noch ein typischer Ferientag. Aber Akklimatisation sieht anders aus.

Tag 176; Ordentlich abschnorcheln.

Letzter Tag fernab von Xi'an, wird langsam Zeit, fit und munter für die Vorlesungszeit zu werden. Also schnorchel ich den Hauptteil des Tages so richtig im Bett ab. Wenn ih nicht gerade schlafe, lese ich das von Torben mitgebrachte und sehr empfehlenswerte Buch "Für Uwe" von Christian Ulmen. Und ich lese es durch. Ich brauch sonst Monate für ein Buch, heute scharf ich es am zweiten Tag. Was aber auch wieder etwas blöd ist, denn so habe ich nun streng genommen Altpapier im Gepäck nach Xi'an.
Ich wage mich mittags mal nach draußen, um was zu Essen zu finden. Und dann noch in die Stadt, in der Hoffnung, einen internationalen Buchladen zu finden. Find ich nicht. Dafür eine zunächst nettaussehende Gasse. Als ich sie aber betrete, folgt mir ein Mob. Ich habe ein wenig Angst, aber es sind nur die Warchbagdvd'ler, die hier ihre überaus kostbaren Produkte verticken.
Abends ess ich im Hostel. Eigentlich aber hat Philipp mich in die Pflicht genommen, mich mit ihm und seinen Leuten in der Stadt zu treffen. Dabei habe ich schon fast geschlafen, aber gut, ab vor die Tür. Sämtliche Taxifahrer meinen, auf ihrer Straßenseite sei es blöde, einzusteigen, denn es gäbe keine Wendemöglichkeit. Baustelle. Eine von 2000 momentan.
Aber eben wegen der schlechten Wendemöglichkeit fahren auf der anderen Straßenseite keine Personentransporter. Und wenn doch, dann muss ich mich den quirligen Chinesen geschlagen geben, die irgendwie vor mir die Türklinke betätigen.
Nach über einer halben Stunde gebe ich auf. Ich schwitze und bin müde und muss morgen früh raus.

Sonntag, 23. August 2009

Tag 175: Wieder alleine(?)

Mirko Tag 175: Wieder alleine(?)
Torben und Toni sind letzte Nacht aufgebrochen, zurück geht's ins gelobte Heimatland. Und ich bin wieder alleine. Aber bin ich das wirklich? Nein, das war ich im Urlaub noch nie, glaube ich. Der Grundstein dafür liegt heute darin, dass ich unsere Luxusabsteige verlasse und 50 Hausnummern weiter in der selben Straße ein Vierbettzimmer im Hostel beziehe. Und da spann ich erstmal den ganzen Tag aus. Lesen, schlafen und leider, mangels Klimaanlage, auch schwitzen. Gegen acht Uhr abends wird es laut, da die beiden Südamerikaner, die ebenso den Nachmittag verschlafen haben, von den Damen ihrer Freundesgruppe geweckt werden. Nach kurzem Smalltalk und beschnuppern fällt dann der entscheidende Satz: "Hey German Guy, you should join us making Party." Eigentlich wollte ich ja mal einen ruhigen Abend verleben. Aber beim Hundeblick des Nicaraguas werde ich dann doch schwach und schon sitze ich mit der bunt gemischten Gruppe internationaler Studenten aus HongKong im Taxi auf dem Weg in den Sky-Club. Man kann diesen Club umsonst betreten und dann für jedes Getränk einzeln teuer zahlen, oder man zahlt umgerechnet acht Euro und hat dann den ganzen Abend freie Getränke. Zudem erhält man ein pinkes Armband, damit alle wissen, dass man für lau säuft. Wir nehmen das Angebot an. Wegen des pinken Armbands.
Qualität steckt nicht gerade in den freien Getränken und so schmeckt weder Bierchen noch Mischgetränk wirklich. Wenn es hoch kommt, habe ich am Ende gerade mal meinen Eintritt rausgetrunken. Ich besinne mich also voll und ganz auf meine Stärken: Tanzen. Und beobachten. Und heute beobachte ich, dass ich mit kurzer Leinenhose und T-Shirt ziemlich underdressed bin. Denn vor allem die chinesischen Frauen sind aufgebrezelt wie auf einem Galaabend. Aber was soll ich machen? Mit meinen Haaren versprühe ich schon genug Glamour. Und ich trage ein pinkes Armband. Sie nicht.
Ich beobachte des weiteren, dass es zwei Tanzflächen gibt. Und zwar, weil die Chinesinnen sich nicht wirklich gerne mit den Ausländern mischen. Sie tanzen also langsam und gesittet im Mittelgang, alle in Reih und Glied nebeneinander mit Blick zur Tanzfläche. Und auf der ist dann der Rest der Welt zu finden. Im Vergleich tanzen diese wie Barbaren, wild und freudig mit regem Interesse am interkulturellen Austausch in jeglicher Hinsicht.
Ich tanze irgendwo dazwischen. Alleine (?).

Tag 174: Shanghais Taxifahrer.

Mirko Tag 174: Shanghais Taxifahrer.
Shanghais Taxifahrer sind die schlimmsten. Also verallgemeinert, ich will gute Beispiele nicht verleugnen.
Gerade in einer international und wirtschaftlich so bedeutsamen Stadt wie Shanghai sollte man eigentlich davon ausgehen, dass ein bisschen Englisch verstanden wird. Oder dass zumindest bedeutsame Plätze bekannt sind. Zumal der Hauptanteil der Kunden aus Touristen aus dem Westen besteht. Aber hier nicht. Hier kennt man gerade einmal große Straßen und es liegt am Kunden, den Weg zu beschreiben.
Heute wollen wir in die französische Konzession, ein bisschen auf Kultur machen und uns anschauen, wo die Kommunistische Partei gegründet wurde. Nun hat eines meiner Familienmitglieder leider die Karte im Hotel vergessen (vielleicht absichtlich, denn er will kein Packesel sein) und es liegt an mir, zu beschreiben, wo wir hinwollen. In meiner Beschreibung fallen folgende Schlagwörter, selbstverfreilich auf Chinesisch: "Französisches Viertel", "Konzession", "Mao", "Museum", "Geburtstag Kommunistische Partei". Ich ernte zum Teil Gelächter. Gibt es hier nicht. Aber wir fahren erstmal los. Der Fahrer telefoniert viel mit Kollegen und versteht zumindest das mit dem französischen Viertel. Aber das ist groß. Dennoch könnten wir ja mal die Straßen durchfahren. Torben ruft dann mal die Service-Nummer an und erklärt dort auch nochmal unser Wunschziel. Am anderen Ende der Leitung hat man dann eine Idee. Wir sollen es mal mit dem Schlagwort "erster Kongress" versuchen. Klappt. Die Reise kostet dann nur 48 Yuan. Der Rückweg mit Wegbeschreibung 13... Und alles nur, weil man zu unflexibel ist, sich aus ein paar Wörtern das Ziel zusammenzureimen. Ist ja nicht so, dass es sich um einen unbedeutenden Ort handelt.
Ein weiteres Manko ist die Datenverarbeitung der Fahrer. Mal ist es First In First Out, mal ist es Last In First Out. Wenn ich also mein Ziel revidiere und doch woanders hin will, wird das erst registriert, wenn ich beim ersten angekommen bin. Und dann wiederum, wenn ich noch eine Hilfestellung biete und einen bekannten Ort in der Nähe nenne, geht es erst dahin.
Manchmal aber denken sie weiter, wenn sie aus einem Gespräch erfahren, wo wir hinwollen. "Nanjing West Road, ich sag dann Stopp!" lautet meine Anweisung zunächst. Und im Gespräch erfährt er, dass wir in eine Bar wollen. Zum Glück kennt er da eine. In der Nähe. Dass diese aber nicht in der gewünschten Straße liegt, ist Nebensache. Er steuert sie einfach an und muss nur noch die Gegenfahrbahn überqueren. Ich schreite ein und sage, dass es nicht richtig ist. Er is schockiert und bleibt stehen. Einfach so. Da soll sich der Gegenverkehr, dreispurig, sich mal schön selber den Weg um unsere Karosserie bahnen.
Auch der Fahrstil lässt öfter mal verzweifeln. Zwar wird der Fahrer stets erfurchtsvoll "Meister" genannt, aber das ist er im Normalfall nicht. Grundsätzlich wird wohl angenommen, dass ein ruckelndes Fahrzeug toll ist und zeigt, wie viel Kraft in ihm steckt und so lässt man es immer fast absaufen. Kurz davor schaltet man aber doch noch einen Gang höher und schwupps ist man schnell im fünften Gang. Bei Tempo 38.
Gerne wird auch immer im Takt zur Musik Gas gegeben, sodass man am Ende fast ein Schütteltrauma davonträgt, weil man erst in den Sitz gepresst wird und kurz darauf wieder nach vorne fliegt, weil die Beschleunigung schlagartig verpufft.
Aber gut, letztendlich habe ich sie alle lieb.

Tag 173: Schrecken aller Watchbagdvd'ler.

Mirko Tag 173: Schrecken aller Watchbagdvd'ler.
Es gewittert heute zunächst, wir kommen spät raus und gehen in die NanjingLu, die große Fußgängerzone. Eigentlich um zu essen, aber wenn man schon da ist, kann man ja auch noch Shoppen, zumal wir Jule dabei haben. Eine Frau. In den Geschäften ist es recht angenehm; kühl, geordnet, die Verkäufer sind zurückhaltend. Sobald man aber auf die Straße geht, kann es nervig werden; heiß und schwül, chaotisch, alle zehn Meter wird man aufs Neue angesprochen, ob man wirklich nicht doch eine Uhr, eine Tasche oder eine DVD kaufen möchte. Als ob man sich binnen zehn Metern umentscheiden würde. Man kann jetzt jedem Fälschungenverticker genervt sagen, dass man nichts will. Aber genervt ist scheiße. Und langweilig. Also machen wir uns gerne einen Spaß draus, sie schnell stummzuschalten. Mal studieren wir ihre Zettel ganz genau und fragen bei jedem Bild, um was es sich handelt. Dann rennen wir, abgesprochenerweise sofort schreiend in verschiedene Richtungen davon, sobald wir angesprochen werden. Oder wir halten uns die Ohren zu und sagen laut und in hoher Stimmlage "Ich kann dich nicht hören, ich kann dich nicht hören...". Oder wir summen ein Lied und klatschen und tanzen dazu. Oder aber wir versuchen, ihm auch irgendwelche Dinge zu verkaufen.
Meistens verstummen die Heinis dann sofort. Aber trotzdem wir bei den Aktionen viel Aufmerksamkeit ernten, fühlt sich der nächste zehn Meter weiter ebenso berufen, uns anzusprechen.
Lernen werden die es wohl nie.

Tag 172: Hoher Cocktail.

Mirko Tag 172: Hoher Cocktail.
Es ist typisch Denis. Um halb drei kommt der Anruf mit der Anweisung, zu dieser und jener Straße zu gehen. Dort sei es interessant und wir treffen uns dort. Aber wir könnten vorher noch was essen, er müsste nur noch kurz ein Bahnticket besorgn. Im Hotel. Die machen das.
Um halb sieben trifft er dann auch am Treffpunkt ein. Nur vier Stunden später. Aber wir sind ohne ihn ja nicht aufgeschmissen, machen unser eigenes Ding und erkunden die Gegend. Eigentlich wollen wir den Lebensmittelmarkt besuchen, aber der scheint ein Problem mit Nagetieren zu haben, zumindest liegt im Eingangsbereich scheinbar zur Warnung für alle Artgenossen eine Ratte mit halb abgespaltetem Kopf. So kenn ich es nur aus Piratenfilmen, wo am Hafen über lange Zeit Piraten am Galgen baumeln um zu zeigen, was mit Eindringlingen passiert.
Wir betreten den Markt nicht. Zu vieles dort würde uns an das aus dem Kopfe tretende Gehirn der Ratte erinnern und garantiert keinen Appetit bereiten.
Das Viertel bietet letztendlich viele kleine Künstlerläden mit noch mehr Schnickschnack, also genau richtig für Jule. Wir hingegen wissen die Happy Hour der kleinen Lokale mehr zu schätzen.
Dann geht's in die Super Brand Mall zum Sushi essen. Wir bilden einen guten Turm von kleinen Tellerchen und können somit gesättigt in die Bar im Grand Hyatt Hotel im 86. Stock fahren. Hier kostet der Cocktail soviel wie das Bier, nämlich 95 Yuan, aber das ist immer noch günstiger als ein Ticket in für den Fernsehturm oder den Flaschenöffner. Allerdings bietet die Bar auch nicht viel mehr Aussicht, die Luft...
Zum Ausklang besuchen wir abermals das Windows. Stimmungs- und preismäßig ist das die beste Wahl. Und hier macht der Bruder mir mal vor, wie man sich richtig verhält. Wenn ich nämlich nach vier Wochen harten Reisens kurz eine Auszeit auf die chinesische Art brauche und den Kopf kurz auf die verschränkten Arme auf dem Bartisch zum Ruhen platziere, dann haut der nicht einfach ab, sondern rettet erst meine Wertgegenstände und weckt mich dann auf, wenn es zurück zum Hotel geht.
Für den Weg brauchen wir zwei Taxis, da der erste Fahrer wahrscheinlich von unserem Gelaber und den Chinesisch-Versuchen ist und uns gläubig macht, dass wir fast da sein und aussteigen müssten. Toni braucht sogar drei Taxis, weil er sich beim anschließenden Versuch, Brot zu kaufen, verläuft. Zwar findet er frittierte Teigware, aber keine Abnehmer mehr, da Torben und ich längst schlafen.

Tag 171: Wiedertreffen mit der Meute

Mirko Tag 171: Wiedertreffen mit der Meute.
Frühstück gibt es abends um sechs in Altstadtviertel zusammen mit Denis und Jule, die zufällig auch in Shanghai rumlungern. Reichlich spät für die erste Mahlzeit am Tag und der Magen, mangels Füllung zusammengezogen, dankt es mit nur sehr langsamer Aufnahmegenehmigung. So kommen wir erst spät vom Tisch weg und sehen noch ein paar Tempel. Allerdings nur von außen, sie haben nämlich schon geschlossen.
Auf der Dachterrasse der Captain's Bar mit Blick über Fluss und Skyline treffen wir uns dann mit Nadine und der Schwester und der Mama. Und weil es im der Runde so gesellig ist, ziehen wir auch noch in das Zapatas. Wir spacken noch einmal so richtig auf der Tanzfläche ab (Powerdancing, nach drei Liedern ist die Kleidung nassgeschwitzt), dann packen wir auch hier die Sachen. Haben schließlich seit dem Frühstück nichts mehr zu essen gehabt, da bietet sich der Döner-Mann, einer der wenigen in China, an.
Ich befinde mich den ganzen Abend brav an Tonis und Torbens Seite, was bewirkt, dass wir gemeinsam und relativ frühzeitig in der Heia verschwinden.