Sonntag, 16. August 2009

Mirko Tag 160: Xiamen.

Gestern saß ih im Flugzeug in Reihe 9. Das war ganz hinten. Und die
Stühle waren nur zur Hälfte besetzt. Für so wenig Passagiere lohnte
es sich also nicht, die Heizung anzuschalten. Wenn ich nicht alles
falsch gemacht habe, droht mir morgen eine Erkältung. Nach dem
Einschecken im Hotel beging ich mich auf die Suche nach einem
Abendessen. Das konnte mir nur das Fischrestaurant bieten. Und dabei
hab ich es mit Fisch doch gar nicht so. Erst recht nicht, wenn er
schon den ganzen Tag da rumliegt. Mir blieb keine Wahl. Fisch und
Muscheln und Gemüse und Reis. Und es schmeckte vorzüglich,
erstaunlicherweise. Mit 60 Yuan hatte es dann auch seinen Preis.
Die Nacht musste ich in Angst verbringen, denn beim Öffnen des
Rucksacks flog mir eine Zykade entgegen. Zykaden sind bis zu 15 cm
lange Insekten, braun, und zur Paarungszeit besonders laut. Sie
platzierte sich auch gleich im Lampenschirm über meinem Kopfkissen.
Bestimmt wartete sie darauf, dass ich schlafe, um mir in den Mund zu
krabbeln und dort Eier zu legen. Die Angst davor und die Tatsache,
dass direkt vor meiner Zimmertür zwei Katzen am Kämpfen waren,
ließen mich erst sehr spät schlafen.
Ich habe Glück, die Zykade landet zu lautstark auf meinem
Nachbarkopfkissen. Ich kann sie locker aus dem Fenster schmeißen. Soll
sie ihre Zykadenspiele doch woanders fortführen.
Mein Hotel liegt in einem kleinen Kaff fast direkt am Meer. Nur fast,
da sich jetzt jemand gedacht hat, man könnte einen schönen
Hotelkomplex dazwischenbauen. Oder damit anfangen, denn gebaut wird da
nichts mehr. Aber zum Meer kann ich sowieso noch nicht, ich brauch
noch eine Badehose. Für die Lauf ich ein paar Kilometer durch die
Gegend, erfolglos. Dann hüpf ich also nur in Unterhose rein, am Strand
ist sowieso niemand außer mir.
Nach Rückkehr zum Hotel und einer Dusche fahr ich mit dem Bus Richtung
Stadt und steige zufällig an der Hauptattraktion aus, einem
buddhistischen Tempel. Ich bin wieder der einzige Ausländer, was aber
niemandem auffällt, da es wohl brauch ist, sich vor jeder der
schätzungsweise 500 bronzenen und steinernen Bhuddas mit einem
Räucherstäbchen bewaffnet zu verbeugen und ein Gebet zu sprechen. Ich
belass es einfach bei einem knappen "Moin!". Hab mit den Knaben ja
nichts am Hut.
Dann sehe ich hinter der letzten Tempelanlage einen Weg in den Wald.
Es geht den Berg rauf. Nicht weit. Nur bis zum güldenen Pavillion auf
einer Anhöhe. Denke ich. Aber eine Treppe könnte ich ja jeweils noch
laufen. Nur befindet sch hinter jeder Treppe noch eine und irgendwann
bin ich auf dem höchsten Punkt der Insel. Mein Körper zeigt mir
stolz, dass er mittlerweile an sämtlichen Stellen Schweißdrüsen
entwickelt hat. Beruhigend stell ich aber fest, dass auch bei den
Chinesen kein Kleidungsstück trocken bleibt. Wir schmoren alle im
eigenen Sud. Und dann fangen meine Beine an zu zittern.
Unterzuckerung. Stimmt, das Frühstück habe ich ja ganz vergessen. Und
da es schon fast vier Uhr ist, fiel das Mittagessen auch aus. Ich
erinnere mich an die Empfehlung des Reiseführers, das Tempelessen zu
probieren. Ist zwar vegetarisch, aber das Entenfleisch ähnelnde Tofu
soll toll sein. Geb ich den Vegetariern doch mal die Chance, mich zu
überzeugen. Und was sagt die dann zu mit? "Nein, so ein Tofu gibt es
hier nicht. Und überhaupt, kommen sie um fünf wieder." Um fünf. In
einer Stunde. Hallo?! Hab ich gefrühstückt?! Liebes Vegetariervolk,
ihr könnt euch bei diesem Tempel bedanken, dass ich aus stillem
Protest im ortsansässigen Fast-Food-Restaurant eine Burger mit der
Extraportion Fleisch verzehre.
Es ist mir zuwider, im eigenen nunmehr kalten Schweiß zu hocken, also
wieder Hotel, dritte Dusche für heute, schlafen. Später zurück in
die Stadt, essen und einen Amüsierschuppen finden. Im ersten Rockcafé
bin ich der einzige, in der Bar gegenüber kann ich froh sein, dass mir
der Spiegel, also das Magazin, etwas Unterhaltung verschafft und so
bin ich jetzt wieder voll und ganz aufgeklärt, was im März so los war.
Ich steige ins Taxi ein. "Zurück zum Hotel", denke ich. "Kennen Sie
noch eine gute Bar?", frage ich.
Und schon stehe ich vor einer durch und durch rotbeleuchteten Fassade
mit der Aufschrift "True Love". Ist aber kein Bordell oder so. Das
Bier kostet trotzdem stolze 40 Yuan, da bin ich froh, dass sich
verschiedene Gruppierungen betrunkener Geschäftsmänner darum battlen,
an wessen Tisch der Ausländer mit den coolen Haaren darf. Mir fehlt es
an nichts: Obstteller, Gegrilltes und zu jeder Zeit ein kaltes
Getränk. Im Gegenzug muss ich es nur ertragen, dass sie sehr
anhänglich sind und möglichst lange meine Hand schütteln oder meine
Schulter klopfen wollen, sowie dass sie zum Teil so rotzevoll sind,
dass nicht nur ein Glas umkippt und mich besudelt.
Am Ende, zwei Gruppierungen wollen das jetzt draußen miteinander
regeln, lande ich bei Onkel John aus Hongkong am Tisch. Seinen Sohn
hat er jetzt schon dazu abkommandiert, in einigen Tagen meinen
Reiseführer in seiner Heimatstadt zu spielen. Ich glaube, von der
Gastfreundschaft hier kann man noch einiges lernen.
Zwischendurch werden mir zudem noch einige Nummer zugesteckt und was
wäre ich für ein Mann, wenn ich darauf nicht reagieren würde. So
habe ich für morgen auch einen, diesmal weiblichen, Reiseführer.
Es ist vier, als ich wieder beim Hotel ist. Das hat natürlich, als
kleiner Familienbetrieb, die Pforten verriegelt. Ich habe aber nichts
in den Bedingungen darüber gelesen, wann man spätestens zurück sein
muss und so klingel ich unverblümt. Die Tür wird geöffnet. Prima.

Mirko Tag 159: Regenschauer, Sonnenschein, Schweiß.

Das Wetter zur Zeit in der Region von Shanghai, Hangzhou und Ningbo
gehört nicht gerade zum angenehmsten. Gerade scheint noch die Sonne,
schon zieht eine große Regenwolke auf und regnet sich aus, nur um
danach gleich wieder der Sonne Platz zu machen. Und die lässt den
Regen dann wieder verdampfen. Dadurch ist die Luft so gesättigt, dass
die vom Regen nasse Kleidung gar keine Gelegenheit bekommt, um zu
trocknen. Ich weiß insgesamt gar nicht, ob ich gerade schwitze oder ob
es nur die Wasserpartikel der Luft sind, die sich an mir ablagern. Und
dann kommt man in ein Geschäft und wird von der Klimaanlage
kaltgepustet. Kein Wunder, dass sämtliche Rezeptionsdamen des Hostels
um die Wette husten.
Dennoch muss ih vor die Tür, wenigstens etwas von Ningbo sehen. Diese
Stadt soll Shanghai etwas ähneln, durch einen Fluss geteilte Stadt mit
einer farbenfroh beleuchteten Skyline. Aber der großen Metropole auf
der anderen Seite der Meereseinschneise kann Ningbo keine Konkurrenz
machen, viel zu klein sind die Gebäude.
Ich besuche noch ein altes Anwesen, das Tianyige, das die älteste
Bibliothek Chinas beherbergen soll und auch die einzige
Mahjongausstellung der Welt. Wow. Dafür zahlt man dann auch 30 Yuan
Eintritt. Nicht wenig für China. Die Bibliothek verfügt über eine
nicht sehr große Auswahl an Kopien von Kopien der aus dem 9.
Jahrhundert stammenden Bücher und aus den Schildern wird klar, dass
sie erst 1980 neu aufgebaut wurde. Ganz schön alt also. Die
Mahjongausstellung ist jetzt auch nicht die größte, allerdings für
mich auch nicht so Interesse. Viel spektakulärer ist der sprechende
Vogel, der einen auf drei Sprachen begrüßt.
Für eine kleine Besucherin hat sich das Kommen dennoch gelohnt. Stolz
erzählt sie ihren Eltern, dass ich der erste Ausländer bin, den sie
je gesehen hat. Auch ich bin zu Tränen gerührt. Sie darf auch mal
anfassen.
Auf dem Rückweg laufe ich über eine lange Brücke. Eine Passantin ist
mir sympatisch, denn auch zeigt deutlich, wie genervt sie von den
Mofafahrern ist, die den Gehweg als ihren Weg deklarieren und uns nur
ungern Platz machen. Ich hätte nicht auf die Frage, wo ich herkomme,
reagieren sollen, denn nun wird mir ein halbstündiger Monolog über
die Ungerechtigkeit auf der Welt und die Ausbeutung Chinas
vorgetragen. Das alles auf Chinesisch, sodass ich oft nur erahnen
kann, was sie gerade sagt. Aber ich bekomme am Ende nochmal eine
Zusammenfassung in gutem Englisch. Sie scheint nicht ungebildet zu
sein und deutet an, dass sie wohl ein paar mal zu oft ihre Meinung
gesagt zu haben, denn Arbeit habe sie wohl seit kurzem keine mehr und
bei genauerer Betrachtung trägt sie auch ihren ganzen Hausrat mit sich
rum. Natürlich würde ich ihr gerne weiter lauschen, aber leider
leider ziehen schon seit einiger Zeit Gewitterwolken auf. Und Mama
sagt, was auch das Fernsehen bestätigt, dass man bei Gewitter alles
ander als auf einer Brücke stehen sollte.
Ich lasse mich noch eine Stunde im Hostel trocknen, dann geht es zum
Flughafen. Da will ich einen Gürtel oder zumindest ein Band kaufen,
damit nichts durch den kaputten Reißverschluss rutschen kann. Aber
Gürtel wir genauso ausgesprochen, wie Tragetasche, und irgendwie
erschwert das die ganze Suche. Zum Glück werde ich beim Samsonite-
Laden selber fündig, leide hat die Marke auch wieder ihren Preis. Aber
sicher ist sicher, denn ich will bis nach Xiamen im Süden nicht das
halbe Gepäck verloren haben.
Ich könnte übrigens auch mit dem Zug dorthin fahren, allerdings gilt
es abzuwägen, ob 300 Yuan für 24 Stunden Fahrt oder 500 Yuan für
eine Stunde Flug günstiger sind. Denn Ferienzeit ist eine kostbare
Zeit.

Mirko Tag 158: Ningbo.

Heute verschlafe ich eine Dreiviertel Stunde. Aber gut, die hatte ich
eingeplant, vor vier Stunden, als ich den Wecker stellte. Dennoch
verfalle ich in eine Hektik und zerstöre mit nur einer Bewegung den
Reißverschluss meines Rucksacks.
Ohne Frühstück geht's ins Taxi. Ich sage zweimal, dass ich zum
Ostbahnhof möchte und zeige zur Klarstellung auch nein Bahnticket. Hat
er verstanden.
Als wir beim Hauptbahnhof sind, hinterfrage ich, ob das so seine
Richtigkeit hat. Nein. Natürlich sind wir falsch. Aber keine Panik,
wir werden schon pünktlich kommen. Ich schieb auch keine Panik, bin
noch zu müde dafür. Der Fahrer dann allerdings schon. Denn er fährt
ziemlich dicht auf und nimmt die lediglich zum Schalten von der Hupe.
Letztendlich ist die Aufregung umsonst, denn wir kommen sehr pünktlich
an. Ich muss die Kosten für das Bahnticket (25 Yuan) also nicht von
seinem Lohn abziehen.
Mein Hostel macht beim Empfang einen guten Eindruck. Aber in meinem
Zimmer scheinen einige schon länger zu leben, denn sie haben es sich
dort einigermaßen eingerichtet. Und sie mögen den herben Geruch von
Kleidung, die zu lange nass auf einem Haufen liegt und zu faulen
beginnt. Dennoch bleibe ich dort erstmal für zwei Stunden. Schlafen.
Als ich dann durch den Park vor der Tür Richtung Stadt laufe, werden
ein paar Fotographen auf mich aufmerksam. Sie rufen mir, des Scherzes
wegen, auf chinesisch hinterher, ich solle mal herkommen. Sie wissen
nicht, dass ich verstehe. Und gehorhe. Und dann habe auch ich den den
ersten Modelauftritt meines Lebens in der Tasche. Ich soll diese und
jene Kleidung tragen und so und so posieren. Natürlich wirke ich dabei
sehr professionell, hab mir im Fernsehen schließlich schon viele
Tricks abgeguckt. Bald werde ich also in irgendeinem Modemagazin
erscheinen. Und dann tanz ich mi meinem Anwalt an, denn der
Veröffentlichung habe ich nicht zugestimmt. Und dann winkt das ganz
große Geld. Und da ich dieses Geld schon förmlich riechen kann, gönn
ich mir Pizzahut ein Festmahl. Spaghetti mit Räucherlachs und grünem
Spargel in Dillsoße. Bekomm ich zu Hause von Lukas nie serviert.
Da es anschließend regnet, mal wieder, nur jetzt sehr doll, und da die
einzige Alternative, das Teemuseum, schon geschlossen hat, zieh ich
mich ins Hostel zurück. Auch abends geh ich nur noch zum Essen raus.
Ich schlafe früh ein. Das soll man im Urlaub nämlich auch mal machen.

Dienstag, 4. August 2009

Mirko Tag 157: Hangzhou.

Es ist ja so klar: alle anderen Zimmergenossen müssen nicht nur früh aufstehen, sondern auch noch auschecken, was bedeutet, dass sie ihre Koffer packen müssen und sobald sie dann raus sind, kommen die Putzfrauen, um die Betten neu zu beziehen. Bei fünf Gästen neben Hu Jie und mir macht das gleich zehn mal Halligalli zwischen sieben und zehn Uhr. An Schlaf ist also erst wieder ab nach zehn Uhr zu denken. Dann aber auch bis halb eins.
Nachmittags dann etwas shoppen. Ich schaue mir gerade Hosen an, bis der Verkäufer herbeieilt und meint, dass meine Größe nicht dabei ist. "Weil mein Arsch zu dick ist, oder?", frage ich. "Ja!", sagt er. Ich liebe diese direkte Art.
Hu Jie verlässt mich danach, sein Heimweg dauert nämlich über zwei Stunden.
Ich irre also alleine umher und mir fällt auf, dass es hier etwas gibt, was Shanghai nicht wirklich zu bieten hat: Natur. Okay, man darf sie nicht betreten, die Grünflächen. Und im See treibt der ein oder andere Fisch oben, womit sich auch die Frage erübrigt, ob jemand darin schwimmen geht. Ich glaube, deshalb kann auch kein Chinese schwimmen (die meisten lernen es erst auf der Uni. In der Prüfung gibt es 100 Punkte, wenn man 25 Meter durchschwimmt). Die ganzen Gewässer sind zu dreckig. Wahrscheinlich ist es da gleich, ob man im Notfall ertrinkt oder später an den Folgen der Vergiftungen dahinrafft.
Ich schlafe noch zwei Stunden und will dann eigentlich nur was essen gehen. Aber gut, ein Bier in der Bar von gestern kann ja nicht schaden. Ich kaufe sechs zum Preis von dreien. Ist somit von den Kosten wie ein Bier in Deutschland oder wie ein halbes in Japan. Und ich kaufe sie, weil man dann immer noch eins verschenken kann. So lernt man Leute kennen.
Die ersten drei trinke ich alleine. Es dauert, bis der Rest des vollen Ladens seine Scheu überwunden hat und mich anspricht. Ich bin da ja viel zu schüchtern, spreche selber niemanden an. Zu viel Angst.
Die zwei ersten Knaben sind sehr angetan von mir. Und natürlich verspreche ich, dass wir Freunde auf Lebenszeit bleiben. Dann werde ich rumgereicht, von Frau zu Frau. Einer erzähle ich, dass ich die beiden gerade erst kennengelernt habe. Das wird mir übel genommen, ich habe die Freundschaft geleugnet, wirft man mir vor. Ich kann besänftigen.
Dann kommt eine weitere Dame zu mir. Um anzustoßen. Läuft. Doch gerade setze ich das kühle, nasse Glas von den Lippen, spüre ich schon etwas anderes, weiches auf ihnen. Es sind die ihren, die sich zärtlich aber doch mit einer Druckbeistellung von beachtlichen müMetern an die meinen schmiegen und auch ich denke in diesem Moment: die musst du heiraten. Aber anstatt dass wir zusammen zum Standesamt gehen, verlässt sie den Laden. Alleine. Ich wurde also benutzt.
Aber wozu brauch ich diese Frau, wenn ich doch schon Freunde auf Lebenszeit habe? Dem Frust, der sich aufbauen könnte, biete ich keine Gelegenheit, sich zu entfalten.
Es ist wieder halb vier, als ich zurückkomme. Das Zimmer ist leer. Gut so. Allerdings bin ich es morgen, der um acht Uhr mit dem Auschecken beginnen muss, damit ich den Zug um zehn Uhr nach Ningbo erwische. Wenn ich da bin, muss ich bestimmt wieder ein Schlafdefizit ausgleichen.


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Mirko Tag 156: Club(be)funde.

Ich verlasse heute Shanghai für's erste und fahre mit dem Zug gen Westen nach Hangzhou. Am Bahnhof bin ich in der Wartehalle der einzige Ausländer, später im Zug allerdings besteht mein Abteil zu 80 % aus Artgenossen. Ist es verwerflich, dass ih da ein weni an Rassismus denke?
In Hangzhou ist man bestens auf Touristen eingestellt. Dumme, reiche Touristen, denen man alles verkaufen kann. Deshalb bekommt der Herr, der mich mit seinem Privatwagen zum Hostel bringen will, auch nur den Vogel gezeigt, als er 80 Yuan haben will. Auch für 40 Yuan bin ich nicht zu haben. Ich nehme den Bus. 3 Yuan für zwei Stationen.
Bei deb weiteren Suche nach dem Hotel hätte er mir nämlich auch nicht helfen können, da ich lediglich die Haltestelle aufgeschrieben hab, sonst aber nichts. Und an dieser Haltestelle reiht sich ein Hotel an das nächste. Hangzhou ist doch nicht so die Kleinstadt, wie ich gedacht habe. 6.000.000 Einwohner ist schon eine gute Zahl. Aber ich habe Glück, denn was liegt da einfach so vor mir auf der Straße rum? Das gute alte Internet.
Das Hotel bietet mir ein nettes Bett im Sechsbettzimmer für unschlagbare 4 Euro pro Nacht.
Ich treffe mich mit dem guten alten Hu Jie, der nach seinem DC-Studium hier in einem Vorort arbeitet. Wir gucken uns ein wenig die Sehenswürdigkeiten an, allerdings wenig gezielt. Hier ein wenig schöne Altstadt, da den großen Westsee, um den sich die Stadt zieht. Mit einem Golfwagen werden wir in etwas mehr als einer Stunde rum gefahren.
Dann essen und weil Hu Jie besonders heiß darauf ist: Bier trinken. Ist ja auch Wochenende, also schließe ich mich ihm an. Und was ich in Shanghai nicht gefunden habe, finden wir hier umso häufiger: gute Clubs. Also eher eine Bar mit viel lauter Musik. Und mit Bier. Und da man hier ein schlechtes Gewissen ob der Preise von 20 Yuan pro Getränk hat, gibt es pro gekauftet Flasche noch eine dazu. Gratis und geschenkt. Und man muss sie nicht mal austrinken. Machen wir natürlich trotzdem. Sind ja Männer.
Es dauert natürlich nicht lange, bis wir Anschluss finden und an einen Tisch gewinkt werden. In Deutschland darf man sich schon freuen, denn ich lerne viele neue Trinkspiele.
Wenn man dann fertig getrunken hat, kommen Chinesen auf viele komische Ideen. Gut, dass man noch essen geht, ist jetzt nicht so merkwürdig. Aber es gibt keinen Burger oder Döner, sondern Krebse. Und diese haben die Eigenschaft, mit ihrem glatten Panzer in der roten Soße besonders glitschig zu sein, sodass sie leicht aus den Stäbchen gleiten und auf der beigen eine herrliche Sauerei hinterlassen.
Doch damit nicht genug der blöden Ideen. Man könnte ja noch zum KTV gehen und den Ausländer englische Lieder singen lassen. Ich bin also gezwungen, die Backstreet Boys zu covern und erhalte für meine erbärmlichen Versuche immerhin einen Anstandsapplaus.
Um halb vier erreiche wir unser nunmehr gefülltes Siebenbettzimmer (für Hu Jie wurde eine weitere Matratze hinzugefügt) und unsere Zimmergenossen erfreuen sich ob dieser kleinen Ruhestörung.
Wehe, die sind morgen zu früh zu laut.


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Mirko Tag 155: Club(be)suche.

Letzter Tag Familienbesuch und deshalb ist es die letzte Chance, die obersten Stockwerke des Shanghai World Financial Centers zu besuchen. Es ist leider zu bewölkt, sonderlich viel sieht man nicht, fotografieren lohnt sich also nicht, aber dafür ist dann das Internert verantwortlich.
Das ist dann auch schon das ganze Tagesprogramm, abends spendet der Japaner von nebenan die Henkersmahlzeit und dann bin ich auch schon wieder ganz alleine in der Metropole. Schade, war eine sehr schöne Woche.
Was mach ich also jetzt den weiteren Abend über? Erstmal Fußmassage. Li ist ganz aufgeregt und kichert verlegen, als sie mit ihrem zarten Körper den kleinen Massagesalon betritt. So zart die Pfötlein auch sein mögen, so kräftig kann sie zupacken. Ich wähle die Deluxe-Version von zwei Stunden Massage und Tee und Obst so viel mir beliebt. Li versteht ihr Hanswerk und gibt sich zudem viel Mühe, deutlich Chinesisch zu sprechen, damit ich alles verstehe. Sie denkt auch gar nicht daran, sich in Englisch abzumühen. Gut so. Überhaupt bin ich erfreut, auch wenn es mich wundert, dass ich in einer internationalen Großstadt wie Shanghai hauptsächlich im guten und klaren Chinesisch angesprochen werde.
Gegen Ende der zwei Stunden werden mir noch einmal Tomaten gebracht. Und eine Nudelsuppe steht noch auf dem Tablett. Leider steht sie dort nicht lange genug sondern schickt sich an vom leicht schräg gehaltenen Tablett zu rutschen. Der Kellner, hat gerade neu angefangen im Salon, versucht noch gegenzusteuern, was sich auf die Schale mit der heißen Brühe aber eher wie eine Springschanze auswirkt, sodass sogleich meine Beine mit ihrem Inhalt besudelt sind. Es brennt nur kurz. Die Gedanken an den armen neuen Kellner, der jetzt bestimmt gefeuert wird, vertreiben den Schmerz.
Die Beine werden noch einmal gewaschen und dann sind auch schon mehr als zwei Stunden vergangen. Mit neuer Energie in den Beinen will ich mich auf die Suche nach einer Bar oder einem Club machen. Soll es hier geben. Sagt das Internet. Und das Internet hat immer recht. Bars finde ich nicht. Clubs dagegen finde ich so einige, allerdings komme ich mir an keinem wirklich willkommen vor. An jeder Tür berinde sich ein Augenschlitz für Schlitzaugen (was für ein schlechtes Wortspiel...) und es dröhnt keine Musik heraus. Auch Kunden seh ich kaum welche. Vielleicht ist freitags Ruhetag. Oder es handelt sich um ganz exklusive Clubs. Gegen ein Uhr, ich irre schon eine ganze Zeitlang umher, öffnen sich dann doch bei sämtlichen Clubs die Augenschlitztüren. Feierabend. Und heraus kommen nur Frauen. Eine schöner als die andere. Wär ich mal bloß nicht so feige gewesen und reingegangen. Aus Frust trinke ich noch ein Bier in Binbins Laden. Dann geh ich die Straße weiter runter. Man findet hier alles: Straßenessen, Schnickshnack-Stände, Kleidung, DVD, Haustiere, Restaurants, Shops und sogar Frisöre werden noch besucht. Um halb drei nachts. Man findet alles. Nur keine vernünftigen Bars.
Und noch was fehlt heute: mein Lieblingszuhälter, den ich sonst immer vorm Hotel vertrösten muss, warum ich seine Damen schon wieder nicht in Anspruch nehmen will. Schade, mit dem ließ sich immer gut reden. Und vielleicht kennt er noch eine Bar.


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Mirko Tag 154: Shopping.

Ich sitze im Businesscenter des Hotels um meine weiteren Urlaubsziele zu planen und denke, die Welt geht unter. Sekündlich wird es dunkler, bis es dann endlih schüttet wie aus Kübeln. Endlich. Ih habe das Dauernieseln nämlich langsam satt. So bleibt es dann auch zwei Stunden, das Mittagessen muss im Hotel stattfinden (deutsch und japanisch, abermals) aber dann können wir auch schon endlich vor die Tür treten.
Heute wollen wir shoppen gehen, denn ich habe noch immer kein kitschiges Hawaii-Hemd. Zuerst schauen wir aber in den Elektronikladen, der von der Größe einem deutschen Karstadt gleicht. Und hier frage ich mich: wo ist der hochgelobte Aufschwung des Landes? Außer uns drei Europäer tummeln sich hier nur noch einige hundert Verkäufer, die sich es aus Langeweile schon selber vor ihrer Ware, also Fernseher, gemütlich gemacht haben.
Die nächste Mall bietet alles: Elektronik, Kleidung, Schmuck. Aber eins bestimmt nicht: Originales. Mir fällt ein, dass ich noch ein Ladekabel für den iPod, auf dem ich meinen Blog weitrrschreibe, brauche. Das angeblich originale kostet zu viel. Es gibt aber noch eine Kopie. Als ich auf Chinesisch bitte, das einmal ausprobieren zu dürfen, merkt die Verkäuferin, dass sie mich nicht leicht verarschen kann und rudert sofort zurück. Es funktioniert nicht immer. Aber das originale könnte ich günstiger günstiger erhalten. Ist mir aber noch zu teuer. Und letztendlich geht es auf über die Hälfte runter. Ich bin ein guter Geschäftsmann.
Ein Hawaii-Hemd finde ich leider nicht. Wahrscheinlich zu tropisch.
In der Super Brand Mall mitten in der berühmten Skyline finden wir im zehnten Stock ein sehr gutes Zichuan-Restaurant. Exotische, scharfe Gerichte (aber anders scharf als Feuertopf und somit für die Verdauung ungefährlich) und eine tolle Aussicht (da am Nachmittag tatsächlich die Sonne rauskommt und es aufklart) auf die andere Flussseite mit den Bauten in Kolonialstil, super. Anschließend geht es nicht mehr wie angedacht in einen der hohen Wolkenkratzen, da man hier jetzt auch etwas Strom sparen möchte und ab elf Uhr einfach mal alle unnötigen Lichter ausschaltet. Der Cocktail direkt am Fluss schmeckt trotzdem.

Mirko Tag 153: Französische Konzession.

Der Reiseführer sagt, die französische Konzession, ein Viertel, von den Franzosen gebaut, sei toll. Ist es auch, deshalb gehen wir auch dahin. Zunächst liegt die Gründungsstätte der kommunistischen Partei auf dem Weg. Man muss für den Einlass in das jetzige Museum ein Ticket zum Preis von 0 Euro erwerben. Ohne kommt man nicht rein. Drinnen ist es ganz interessant, wenngleich auch ein wenig propagandisch. Damit nicht nur Einheimischen das politische Konzept schmackhaft gemacht wird, ist gleich nebenan ein weiteres Museum dem Holländer (für Stiefpappchen Bert, ebenfalls Holländer, natürlich sehr interessant) Sneevliet gewidmet. Der war damals in der Gründergruppe um Onkel Mao dabei.
Den Rest der Route hätte man dann auch abkürzen können, da einige Sehenswürdigkeiten einfach nicht mehr da stehen, wo sie laut Karte sein sollen. Entweder sind sie gar nicht mehr da, oder sie sind auf der anderen Straßenseite. Aber ich kann dem Reiseführer, trotzdem er erst von 2008 ist, kaum einen Vorteil machen. Denn so viel, wie hier jetzt gebaut wird, da ist es kein Wunder, dass Parks über Nacht verschwinden oder alte Stadtviertel auf die andere Straßenseite gehievt werden, da an ihrer Stelle ein Wolkenkratzer besser ins Bild passt.
Wenn man also wieder einen Reiseführer für Shanghai rausbringen will, wartet man am besten, bis die Expo im nächsten Jahr vorbei ist!


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Mirko Tag 152: Shanghais Altstadt.

Bevor wir heute Shanghais Altstadt mit Tempeln und Teehäusern besuchen, stehen wir vor einer schweren Investitionsfrage: Kaufen wir Regenschirme oder nicht? Jo. Und schon sind wir einen Euro ärmer. Pro Person! Aber sie lohnen sich, da Shanghai für diese Woche das schlechte Wetter gepachtet hat.
Es dauert anschließend ein wenig, bis wir den Anfangspunkt für die vom Reiseführer empfohlene Route finden. Dann geht es in einen Tempel (kein großer Unterschied zu japanischen, man darf allerdings fast in jeden Raum - wenn was kaputt geht, wird es einfach neu gemacht) und in schmale Gassen, die man in diesem Zustand nicht einmal im armen Xi'an findet. Die Suche nach dem Mittagessen gestaltet sich als etwas schwierig, da das angepriesene Restaurant sich auf der anderen Straßenseite befindet, als im Plan angezeigt und außerdem gibb es auch nicht wie versprochen durchgehend warme Küche. Also gehen wir zum nächsten Touristenspot, der richtigen Altstadt. Hier gibt es einen Schnickschnack-Laden neben dem nächsten und jeder zweite Passant bietet einem tolle Rolex in super Qualität zu unschlagbaren Preisen an. Ich gebe schnell auf, überhaupt noch auf sie zu reagieren. Tolles Altstadt-Feeling! Die Restaurants bieten ebenso "originales" typisches chinesisches Essen an. Also sowas, was normale Chinesen nicht essen. Und es riecht auch nicht gut. Die letzte Lösung ist also wieder Sushi. Und ich kann abermals sagen, dass japanisches Essen in China zumindest prrislich unschlagbar ist und sich auch qualitativ sehen lassen kann.
Weil das Wetter sich niht gerade bessert, geht es frühzeitig zurück. Abends bin ich dann fit genug, Binbin, die Kellnerin von vorgestern, in ihrem Feuertopf-Restaurant zu besuchen. Ich bekomm ein Bier, bis sie Feierabend hat. Das ist um zwei. Nachts. Nach einem Gang über den Nachtmarkt geht es zu ihrer Schlafstätte. Das ist ebenfalls ihr Restaurant, wo alle Kellnerinnen bleiben, bis die Bahnen wieder fahren.
Ich werde gefragt, warum ich im Hotel lebe. Morgen wird sie mir helfen, eine Wohnung zu suchen. Ich breche ihr fast das Herz, als ich ihr den Grund erzähle. Ich fühle mich schlecht dabei.


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Mirko Tag 151: Genervt.

Heute bin ich ziemlich genervt. Es nervt mich, dass das mit dem Weglassen des Glutamats im Feuertopf nicht geholfen hat und meine Nacht mit Bauchkrämpfen früh endet. Es nervt mich, dass der frische Regen in der Stadt nicht gut riecht, sondern stinkt. Es nervt mich, dass man ständig über schmutzige Baustellen läuft, weil einfach alles baufällig ist, da nichts qualitativ hochwertig gebaut ist, sondern nur die Fassade schön ist. Es nervt mich, dass sämtliche Autos hupen, grundlos, endlos. Es nervt mich, dass mir dauernd "Beckehem" hinterhergerufen wird. Das ist nicht mein Name. Es nervt mich, dass man mich an touristischen Attraktionen nur mit "Watchbagdvd" anspricht. Das ist auch nicht mein Name. Es nervt mich, wenn ich dann zum ersten "Nein" sage, dass der zweite trotzdem noch sein Glück versucht. Es nervt mich, dass die Taxifahrer zum Teil nicht sehr kooperativ sind und eine Karte nicht lesen können, da sie ihre Brille nicht dabei haben, mich in meinen chinesischen Wegbeschreibungsversuchen unterbrechen und mih anmeckern, weil sie in die Einbahnstraße nicht abbiegen können.
Aber solche Tage gehören auch dazu. Und ich möchte mich auch gar nicht großartig beschweren.



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Mirko Tag 150: The Bund is closed.

Um einen ersten Eindruck von der Stadt zu gewinnen, klappern wir heute die Haupteinkaufsstrasse und den Bund, die Uferprommenade mit der schönen Skyline ab. Letztere ist aber wegen Bauarbeiten für die Expo im nächsten Jahr gesperrt. Das wusste ich schon vorher, dennoch weist uns jeder zweite auf dem Weg darauf hin, weshalb wir unbedingt bei ihm oder ihr Postkarten kaufen müssten, weil man ja nichts sieht geschweige denn Fotos machen kann. Das Geld sparen wir uns aber für das ein oder andere Bier auf den Dachterrassen einiger Bars am Bund, von da ist die Aussicht noch besser.
Heute Abend essen wir Feuertopf. Ging bisher immer nach hinten los. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mal sehen, wie es heute wird. Schließlich bitte ich darum, dass Glutamat weggelassen wird. Vielleicht ist das das Böse.
Natürlich kann ich vor Mama nicht den harten, abweisenden Macker raushängen lassen und komme natürlich dem Wunsch der Kellnerin nach, meine Nummer zu hinterlassen. Mal schauen, wann sie sich meldet.


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Mirko Tag 149: Zurück in die "Heimat".

Beim Aufstehen merk ich sie noch nicht so und auch noch nicht unter der Dusche. Erst nach dem Auschecken spüre ich die Müdigkeit. Zum Glück muss ich nur wieder reisen und habe schon im Suff letzte Nacht entschlossen, auf dem Weg zum Flughafen keinen Umweg über Osakas Innenstadt zu machen. Ist auch gut so, denn sobald ich im Bus sitze, regnet es in einer Tour.
Abends lande ich also wieder in meiner chinesischen "Heimat", nämlich in Shanghai. Aus Xi'an kommend habe ich damals die Sauberkei und Ordnung dieser Metropole geschätzt, aber aus Japan kommend gleicht auch Chinas Vorzeigestadt noch ein wenig einem Drecksloch. Zum Glück kehre ich nicht direkt nach Xi'an zurück.
Da ich nicht wirklich weiß, wo ich genau hin muss und die U-Bahn-Station überfüllt ist von ahnungslosen Menschen, weil einfach keine Fahrpläne aushängen und kaum ein Kartenautomat Scheine annimmt, nehm ich ein Taxi zum Hotel, wo die ehrenwerte Mama ihren verlorenen Sohn wieder in die Arme schließen darf.
Um mich langsam wieder an das Land zu gewöhnen, geht es heute japanisch essen. Natürlich in einem sauberen, schön eingerichteten Restaurant. In China oftmals Mangelware.



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Mirko Tag 148: Nara.

Tränen fließen bei Thomas, Andy und Philipp, als ich ihnen am Morgen sage: "Macht's gut, ihr Trottel, ich geh nach Nara, alleine. Und zwar für einen Tag, da es morgen wieder zurück nach China geht.
Im Zug sitzen hinter mir zwei deutschsprechende junge Damen. Ich könnte mich mit ihnen unterhalten, aber nach einigem Lauschen sehe ich aber davon ab. Die eine hat schon mal gesehen, wie einem anderen die Seele aus dem Körper entschwunden ist. Voll crazy. Und die ist so extrovertiert. Das ist ja nicht mein Fall. Ich bin ja eher nicht so extrovertiert.
In Nara nehm ich auf gut Glück einen Ausgang und Frage mich, wo btte die im Internet angepriesene Schönheit in dieser Plattenbau-Siedlung liegen soll. Zum Glück liegt mein Hostel auf der anderen Seite des Bahnhofs und da ist es tatsächlich schön. Viele Tempel, Schreine, Pagoden und Rehe. Vor allem Rehe. Und Hirsche. Und die laufen in den Parks und oft in den Straßen rum. Und sie sind ganz zahm. Süß.
Am Nachmittag klapper ich sämtliche Sehenswürdigkeiten ab. Abends geht's mit Peter, irischer Lehrer, Mitte 40, ist etwas über beschämt, was das Budget betrifft, das er in Tokyo versoffen hat, essen. Klingt gut. Also für meinen Abend. Leider ist er recht schnell müde, also klapper ich alleine die Stadt ab und suche Clubs und Bars. Isb ja Freitagabend. Aber in Nara ist da nicht so viel los. Zufällig find ich noch einen Pub. Samurai Inomoto soll ich meinen neuen Kumpel nennen. Er ist Geschäftsmann und schon etwas älter, aber des davon überzeugt, in einem Monat die Welt zu verändern. Zusammen mit zwei englischen Studenten schmieden wir dann Pläne zur Gestaltung einer einheitlichen Welt und am Ende sind wir die Freunde aller weiteren Besucher. Und natürlich bedingt das jede Menge Schnaps. Black Russian (White Russian, nur ohne Milch) vom Engländer und Sake vom Japaner spendiert. Natürlich alles nur in großen Gläsern. Samurai Inomoto führt mich noch zu einer anderen Bar. Gut, dass ich dort kurz auf dem Tisch einnicke und etwas Bier verschütte, mag so wirken, ist aber noch lange kein Indiz dafür, dass ich müde bin und nach Hause sollte. Ich will noch weiter, finde aber bis auf einen Club, bei dem mir schon an der Tür erzählt wird, dass ein Bier über zehn Euro kostet, nichts mehr. Mangels Uhr erfahre ich auch erst im Hostel, dass es schon gegen vier Uhr ist. Und um neun ist Check-Out-Ultimatum. Klingt nicht nach viel erholsamen Schlaf.



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Mirko Tag 147: Kyoto.

In Kyoto war ich vor drei Jahren schon, dass ich nun keine Kosten gescheut habe, wiederzukommen, sollte zeigen, dass die Stadt wirklich schön ist. In ihr gibt es neben einigen hundert Schreinen noch mehr als tausend Tempel. Die Buddhisten mussten früher echt Langeweile gehabt haben. Wir nehmen uns vor, alle zu besuchen. Heute. Um sie zu finden, soll eine Busroutenkarte dienen. Der erste ist der goldene Tempel, gleichzeitig der schönste und wichtigste. Wissen wir natürlich erst dort, als wir heimlich hei einer Touristengruppe lauschen, denn vorbereitet haben wir uns nicht so wirklich. Nun haben wir also schon das Highlight gesehen, wozu sich noch die Füße wundlaufen? Wir ziehen trotzdem weiter, haben ja auch ne Tageskarte für den Bus. Kaiserpalast. Klingt gut. Aber hier geht man das ganze ruhiger an, es ist zwölf, Mittagspause. Auch für uns der ideale Zeitpunkt, mal zu frühstücken. Haben wir nämlich vor lauter Tatendrang vergessen. Wir werden in einer kleinen Nebenstraße fündig. Das Restaurant ist klein und traditionell, soll heißen: Schuhe aus, im Schneidersitz am niedrigen Tisch sitzen und sehr gutes Sashimi (verschiedene Fischsorten roh in Streifen geschnitten) essen. Das leckerste Essen bislang und überhaupt, in Fernost.
Kaiserpalast ist in Ordnung. Viele Tore. In die Gebäude darf man nicht. Allerdings seien die auch sehr sperrlich eingerichtet, versöhnt man uns. Und man darf nichts anfassen oder den Weg verlassen. Der Kaiser muss da ein sehr ödes Leben geführt haben, kein Wunder, dass er jetzt lieber in Tokyo lebt. Ein Highlight bleibt die Alarmanlage, die anspringt, sobald man sich der Mauer zu sehr nähert. Von uns wird sie schamlos ausgenutzt, damit mal etwas Stimmung in die sehr stillen Höfe kommt. Nichtsdestotrotz ist der Palast natürlich sehr beeindruckend.
Unser Schild mit der Nummer 8, das wir uns bei Dico's in Xi'an "ausgeliehen" haben, damit es min uns auf große Reise geh. Und unsere Fotos ziert, wähnen wir schon verloren, da es nicht mehr auf dem Baum liegt, auf dem wir es vor der Mittagspause platziert haben. Glücklicherweise finden wir es im Schubkarren des Müllsammlers wieder. Manchmal haben wir sehr viel Glück.
Nach ein paar weiteren Tempelanlagen besuchen wir abends die City, trinken Bier im Pub, lernen von einem Franzosen Anmachtipps für Japanerinnen und machen tolle Fotos mit einer Dame in einer schön bunten Fotobox, die hier an vielen Straßenecken stehen. Zwar sagt sie, falls ihr Chef (sie hat gerade eigentlich Dienst) sie sieht, "I will fire!", aber das Risiko geht sie gerne ein.
Dann geht eine kleine Odyssee los. Da der Busverkehr größtenteils ab zehn Uhr eingestellt wird, nehmen wir einen letzten, der zumindest in die richtige Richtung fährt. Nach zwei Stationen ist dann schon Feierabend, wir werden rausgeworfen. Also Taxi. Teuer, aber was ist hier nicht teuer. Nach einiger Zeit ist aber auch hier Feierabend. Schluss. Geht nicht weiter. Ist nicht seine Region. Also raus. An einer Kreuzung mit sechs Straßen. Welche wir nehmen müssen, weiß der Fahrer auch nicht. Aber wir nehmen die richtige und müssen auch nur noch 15 Minuten laufen.


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Mirko Tag 146: Sonnenfinsternis.

Heute verpassen wir beinahe die Sonnenfinsternis. Von einer Insel im Süden Japans soll man sie am besten und längsten sehen können, also wir Tokyo doch wohl auch eine tolle Sicht auf das Schattenspiel zwischen Planet Mond und Stern Sonne bieten können. Mitten auf der Straße erhascht Philipp W-LAN, und checkt den Zeitpunkt des Events. 11:12 Uhr. Jetzt ist es 11:10 Uhr. Glück gehabt. Jetzt dürfen noch schnell die Wolken verschwinden und dann... tatsächlich, für eine halbe Sekunde ist die helle Sichel sichtbar. Mehr gibt es heute nicht zu sehen. Uns bleibt nichts, als auf die nächste zu warten.
Enttäuscht steigen wir nun in den Shinkansen Richtung Kyoto, alte Kaiserstadt im Süden, bekannt für viele Tempel und Schreine.
Unser dortiges Hostel hat im letzten Jahr erst die Pforten geöffnet, was bedeutet, dass es sehr modern und stilvoll eingerichtet ist, allerdings auch etwas entfernt von der City liegt. Also passiert heute auch nicht mehr viel, außer Essen und gutes belgisches, verhältnismäßig günstiges Bier besorgen und Dank der guten Internetverbindung mal wieder alle Seiten besuchen, die China uns so verwehrt.


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Mittwoch, 22. Juli 2009

Tag 145: In Japan auf der Suche nach...

Mirko Tag 145: In Japan auf der Suche nach...
... Frühstück: finden wir in einem Sushi-Restaurant. Gutbund im Vergleich zu Deutshland recht günstig.
... gutem Wetter: heute Fehlanzeige. Es regnet nur, weshalb das Sightseeing kleiner ausfallen muss.
... Englishsprechenden: finde man seltener, als gedacht. Trotzdem Tokyo eine internationale Metropole ist, ist Englisch keine häufig angewandte Sprache.
... Bahntickets: S-Bahntickets sind schnell am Automaten erhältlich. Shinkansen-Tickets gibt es am Schalter. Das ganze aber zu noh höheren Preisen als in Deutschland (3 Stunden nach Kyoto für 100 Euro. Allerdings fährt die Regionalbahn für 60 Euro gleich 10 Stunden).
... Rückflugtickets: Japan ist etwas blöde. Zu Schleuderpreisen lockt man einen ins Land, gehen darf man aber nur gegen hohe Bezahlung. Mehr als 1000 Euro könnte ich für einen Flug nach Shanghai (pro Tag fliegen acht Maschinen rüber) buchen. Es wird zum Glück günstiger, wenn man gleich einen Rückflug nach Osaka mitbucht. Und vielleicht noch günstiger, wenn man diesen dann letztendlich wieder storniert. Werde es ausprobieren. Vielleicht kann ich Japan so austricksen.
... Mülleimern: Tokyo ist verdammt sauber. Klar, es gibt auch saftige Strafen, wenn man Müll auf die Straße schmeißt, aber ich frage mich, wie die Einwohner das handhaben. Denn es gibt wirklich so gut wie nirgendwo Mülleimer. Maximal findet man welche neben Supermärkten oder Getränkeautomaten. Abends im Hostel klärt uns ein Japanologie studierender Franzose auf, dass man Angst vor Bomben im Mülleimer hat. Deshalb stehen keine mehr. Und auf der Straße zu essen oder trinken gilt als rüde. Somit trinkt man gleich neben den Automaten aus und muss keinen Müll mit sich rumschleppen. 
... Bier: Hiervon gibt es viele Sorten, viele werben mit ihrer deutschen Brautechnik. Aber sie sind auch teuer. Vor allem in Pubs kann man schnell mal acht bis zehn Euro loswerden, gute belgische Biere sind für uns Studenten schlicht unbezahlbar.
... seinem Hotel: am hohen Regierungsgebäude, von dem wir heute Abend die Sich über die Innenstadt (welche aufgrund des schlechten Wetters nicht lohnenswert ist) haben wollen, spricht uns ein Ami an. Er ist froh, dass zumindest wir Englisch könnten. Kann ja sonst keiner. Keiner in dieser viel zu großen Stadt. Er sucht nämlich sein Hotel. Und keiner kann ihm helfen. Seit vier Tagen nicht. Armer Bub! leider sind unsere Englischkenntnisse zwar ausgeprägt, helfen können wir ihm trotzdem nicht. 

Tag 144: Freakige Japaner.

Mirko Tag 144: Freakige Japaner.
Wir finden unser Hostel nach einem weiteren Morgenbad und einer Nudelsuppe als Frühstück Dank guter Wegbeschreibung sehr schnell. Dieses wirbt damit, das günstigste der ganzen Innenstadt zu sein, weshalb man allerdings auch einige Abstriche machen müsste. So sind möglichst viele Zimmerchen auf kleinster Fläche mit Spahnplatten gebastelt, auf die Gänge passen keine zwei Leute nebeneinander und in unserem Zimmer muss der erste gleich in sein Bett steigen, damit der zweite auch eintreten kann. Aber Platz wird überbewertet, wir müssen hier ja nur schlafen.
Deshalb gehen wir auch sofort wieder in die Stadt und zwar in das Jugendviertel von Shibuya. Die spinnen schon ein bisschen, die Japaner. Vor allem die Japanerinnen. Die laufen gerne in Schuluniformen und Prinzessinnenkleidchen rum, tragen Schleifchen im Haar und schminken sich das Gesicht, bis es wie Porzellan wirkt. Es laufen also verdammt viele Püppchen auf den Straßen rum, ich kann sie als Frauen noch nicht ganz so ernst nehmen.
Cool ist das Viertel aber allemal, es gibt gute Kleidung und, ganz wichtig, Döner-Buden. Was hab ich die in China vermisst!
mit der Ringbahn geht es dann ins Elektronik-Viertel, wo ein sechsgeschössiges Elektronikgeschäft neben dem nächsten steht. Schnäppchen sind leider Fehlanzeige. Dafür fallen wieder die ganzen verkleideten Damen auf. In Baby- und Haushälterinkostümen verteilen sie Flyer. Ihre Angebote reichen von 2000 bis 5000 ¥ (ca. 40 €) pro halbe Stunde. Nur für welche Dienstleisung? Wir finden heraus, dass man sie fotographieren darf. Und es finden sich tatsächlich sehr viele zahlfreudige männliche Kunden. 
Neben den Elektronikgeschäften gibt es noch viele, die sich voll und ganz auf die Figuren japanischer Mangas, also Comics, konzentrieren. Es gibt diese Figuren und deren Kleidchen in allen möglichen Größen. Und alles wird gerne und für viel Geld gekauft.
Mir bleibt also nur die Schlussfolgerung, dass die Japaner voll und ganz auf diesen Comic-Kram abfahren und das Schönheitsideal hierdrin gefunden wurde, sodass die Damen möglichst ähnlich aussehen möchten, um den Herren zu gefallen.
Mir gefallen sie nicht.    

Tag 143: Reisen.

Mirko Tag 143: Reisen. 
Die Nacht im Zug versprach, eine der besten zu werden. Da aber jedes Viererabteil (ich übernachte mit zwei holden Damen zusammen) zu schließen sind, die Temperatureinstellung der Klimaanlage aber dem Schaffner überlassen ist, welcher von den russischen Mitfahrenden oft laut darauf aufmerksam gemacht wird, dass es zu warm sei, pustet die kalte Lüftung die ganze Nacht durch. Die Decke ist allerdings recht undurchlässig bezogen auf alles. Dadurch frier ich entweder Ode ich schwitz wie sonstwas in meiner Privatsauna. Schnell rieche ich wie ein Iltis. Zweimal Wache ich in der Nacht auf, weil mir erst der iPod aus der Hand gleitet und nur durch die Stöpsel im Ohr vorm Aufprall gechützt wird. Beim zweiten Mal rutscht er an der Wandseite durch den Schlitz und der Dame unter mir auf den Schädel. Bei ihr hab ih wohl verschissen.
Morgens in Peking ist es wie immer dort: grau, versmogt, stickig. Ich schwitze wieder. Ekelhaft. Wir bringen den Vormittag im McDonald's unserer Lieblingsmall zu, da dieser als einziger geöffnet hat. Mit etwas Wasser und einer Männerdusche, also viel Deodorant, machen wir uns frisch, reisen zum Flughafen und fliegen nach Shanghai. dor. Wird das Flugzug binnen eine Stunde gewechselt. Um neun Uhr Ortszeit landen wir in Tokyo, aber natürlich längst noch nicht in der Innenstadt. Wieder eine Stunde zugfahrt, Aber das ist nur noch eine Kleinigkeit. Wir wissen auch eigentlich gar nicht, wohin wir müssen, aber Rippori klingt doch gut. Nur ist da schon tote Hose, es wohnen nur alte Menschen dort, die Mafia und ein Waliser, der uns darüber aufklärt. Er will uns auch helfen, ein Hotel zu suchen, wir schließen uns aber dann doch einem Schweden an, der zufällig in unsere Richtung muss. Eigentlich soll es in ein Capsule Hotel gehen, aber wir schwitzen schon wieder. Und in den Hotels gibt es keine Dusche. Warum gehen wir also nicht gleich in eine öffentliche Badeanstalt? Schnapsidee von Thomas. Wir setzen sie dennoch in die Tat um und dürfen dort für viel weniger nächtigen als im wasserlosen Hotel. Nach angenehmen Wechselbädern und Duschen geht es im Bademantel auf die Entspannungssessel, die je mit einem Fernseher ausgestattet sind. Auch das bietet uns kein Hotel. Allerdings gäbe es auch da keine 40 Japaner mittleren bis hohen Alters, die so ihre Probleme mit Erkältungen und dem Schnarchen haben. 

Tag 143: Reisen.

Mirko Tag 143: Reisen. 
Die Nacht im Zug versprach, eine der besten zu werden. Da aber jedes Viererabteil (ich übernachte mit zwei holden Damen zusammen) zu schließen sind, die Temperatureinstellung der Klimaanlage aber dem Schaffner überlassen ist, welcher von den russischen Mitfahrenden oft laut darauf aufmerksam gemacht wird, dass es zu warm sei, pustet die kalte Lüftung die ganze Nacht durch. Die Decke ist allerdings recht undurchlässig bezogen auf alles. Dadurch frier ich entweder Ode ich schwitz wie sonstwas in meiner Privatsauna. Schnell rieche ich wie ein Iltis. Zweimal Wache ich in der Nacht auf, weil mir erst der iPod aus der Hand gleitet und nur durch die Stöpsel im Ohr vorm Aufprall gechützt wird. Beim zweiten Mal rutscht er an der Wandseite durch den Schlitz und der Dame unter mir auf den Schädel. Bei ihr hab ih wohl verschissen.
Morgens in Peking ist es wie immer dort: grau, versmogt, stickig. Ich schwitze wieder. Ekelhaft. Wir bringen den Vormittag im McDonald's unserer Lieblingsmall zu, da dieser als einziger geöffnet hat. Mit etwas Wasser und einer Männerdusche, also viel Deodorant, machen wir uns frisch, reisen zum Flughafen und fliegen nach Shanghai. dor. Wird das Flugzug binnen eine Stunde gewechselt. Um neun Uhr Ortszeit landen wir in Tokyo, aber natürlich längst noch nicht in der Innenstadt. Wieder eine Stunde zugfahrt, Aber das ist nur noch eine Kleinigkeit. Wir wissen auch eigentlich gar nicht, wohin wir müssen, aber Rippori klingt doch gut. Nur ist da schon tote Hose, es wohnen nur alte Menschen dort, die Mafia und ein Waliser, der uns darüber aufklärt. Er will uns auch helfen, ein Hotel zu suchen, wir schließen uns aber dann doch einem Schweden an, der zufällig in unsere Richtung muss. Eigentlich soll es in ein Capsule Hotel gehen, aber wir schwitzen schon wieder. Und in den Hotels gibt es keine Dusche. Warum gehen wir also nicht gleich in eine öffentliche Badeanstalt? Schnapsidee von Thomas. Wir setzen sie dennoch in die Tat um und dürfen dort für viel weniger nächtigen als im wasserlosen Hotel. Nach angenehmen Wechselbädern und Duschen geht es im Bademantel auf die Entspannungssessel, die je mit einem Fernseher ausgestattet sind. Auch das bietet uns kein Hotel. Allerdings gäbe es auch da keine 40 Japaner mittleren bis hohen Alters, die so ihre Probleme mit Erkältungen und dem Schnarchen haben. 

Tag 142: Bye Bye Xi'an.

Mirko Tag 142: Bye bye Xi'an.
Es steht unserer neuen Heimatstadt ein trauriger Zag bevor: etappenweise verlassen wir die Gegend in verschiedene Richtungen, beginnend mit den Damen (welche meinen Reiseführer löblicherweise in ihrer Bude eingeschlossen haben). Auch ich packe, leicht angekatert, meinen Rucksack und begleite Lukas noch zum Halbfinale. Da steht es kurz vor Ende wieder Unentschieden und der Coach besteht darauf, dass ich von den anderen Kleidung anziehe, um wenigstens einen Elfmeter zu schießen. Leider ist erst das dritte Paar Schuhe ein nicht kaputtes und dann ist es zu spät. Und was passiert dann? Wir verlieren natürlich. Und das alles nur, weil ich viel zu verwöhnt bin, was Fußballschuhe betrifft. 
Ich mache mich dann mal schnell aus dem Staub und fahre zum Bahnhof. Nach einer Stärkung im Dico's, in dem wir wegen Nahrungsknappheit zunächst nur ein Schild mit der Nummer 8 bekommen, das uns ab jetzt begleiten wird, besteigen wir unseren Zug. Dieses Mal Softsleeper, Luxusklasse, viele Ausländer, westliche Toilette, eigenes Licht am weichen Bett.
Uns steht jetzt ein Tripp über mehr als 24 Stunden bevor, bis wir endlich Tokyo erreichen.

Tag 141: Biermesse.

Mirko Tag 141: Biermesse
Heute ist der letzte Praktikumstag. Wir arbeiten ein letztes Mal so richtig überhaupt nicht. Sondern wir begeben uns auf Abschiedstournee durch die Abteilungen und sammeln Unterschriften auf unserer Arbeitskleidung. Da wir gestern auf Denis und Philipps Wunsch hin (sie kamen verfrüht von ihrem Praktikum bei Hongkong zurück) noch bis spät bei Theresa im Club waren, kommen wir zudem gut zu spät, machen diesen Fauxpas aber mit der Verteilung von 95 Eis wieder gut. Das lassen wir uns ganze 10 Euro kosten. Papa, also Chefe, den wir bisher in der Midlife-Crisis wähnten, da er viel gestresst war und uns wenig beachtete, zudem das Rauchen anfing und sehr wortkarg in Bezug auf seine Frau war, ist sichtlich gerührt und umarmt mich gleich fünf Mal. Und dann ist es auch schon drei Uhr, Zeit, Feierabend zu machen. Was sollten sie auch dagegen tun? Mich rausschmeißen?
Ich komm keine Minute zu spät, denn da der Rest heute größtenteils frei gemacht hat, wollen wir möglichst früh bei der Biermesse auf dem Messegelände sein. Dort angekommen zeigt sich, dass die hiesige Überbeschäftigung (pro Kunde ein Arbeiter) nicht unbedingt das beste sein muss, da man beim Hauptreingang nicht weiß, was am Nebeneingang los ist. So wird uns zunächst erzählt, es gäbe keine Karten mehr und wir haben Glück, dass unser Taxi auf dem Weg zurück den Nebeneingang passiert, wo sehrwohl noch Einlass gewährt wird. Und so kommen wir dann doch noch zu unserem Glück in Form vieler Weizenbiere (acht von zehn ausstellenden Biersorten sind Deutsch). Und da es für die Einheimischen immer wieder ein Highlight ist, sich mit Deutschen im Wetttrinken zu messen, müssen wir die wenigsten Getränke selber bezahlen. Zudem gewinn ich immer, Mama und Papa dürfen stolz auf ihren Prachtbuben sein. Neben deutschem Bier gibt es noch gutes deutsches Essen, aber das wird vollkommen überbewertet. Ich wage heute mal einen Selbstversuch und gebe vor, kein Englisch zu sprechen. Eine gute Erfahrung, da ich dennoch, erst recht mit steigendem Pegel, ne ganze Menge zu verstehen scheine. Es ist nur etwas nervig, das ganze durchzuziehen und die anderen als Übersetzer herzuziehen, wenn ich mal etwas nicht verstehe und die Damen und Herren auf Englisch umschwenken. Nach sechs oder sieben geexten Weizen kann ich von Glück reden, dass die Blase mich vom Tisch einer Gruppe Geschäftsmanner wegtreibt, da jene meinen, es wär jetzt Zeit für Schnaps. Und den kann ich nicht unbedingt gebrauchen. Lukas auch nicht, er trinkt aber trotzdem und was er davon hält, zeigt er in Form einer Schweinehaxe. Später platziert er die leere Shnapsflasche versehentlich an meiner Stirn, die dann eine schöne Beule ziert. Nachdem er mich letztens schon in eine Hecke geschubst hat, da er seine Kraft unter- und meinen Gleichgewichtssinn überschätzt hat, kann ich mich wohl glücklich schätzen, morgen ohne ihn Richtung Japan zu verschwinden. Wer weiß, wozu er noch fähig ist.

Tag 140: Chinas Tierwelt.

Mirko Tag 140: Chinas Tierwelt
Chinas Tiere können einem leidtun. Neben der Tatsache, dass sie, tot, zu Schleuderpreisen zum Verzehr angedreht werden, sind sie auch lebendig nicht gerade viel wert. So kann man sie beispielsweise an vielen dichtbefahrenen Straßen erwerben; Hamster und Mäuse in kleinen Käfigen,Goldfische in Einmachgläsern und Hundewelpen werden gerne im luftdichten Fahrradkoffer an den Ort des Verkaufs gebracht. Goldfische kann man zudem zur Belustigung der Kinder selber angeln, was nicht so schwer ist,da sie zu hunderten hungrig im kleinen flachen Edelstahlbecken nur so auf den Köder warten. Ihre Qualität wird dann danach bemessen, ob sie das starke Schütteln des Glases überleben oder nicht. Wenn die Hundewelpen nicht verkauft werden, muss man nur ein paar Jahre warten, dann kann man an der Terrakottaarmee ihre Felle erwerben. Natürlich sind es dann offiziell keine Hunde mehr, sondern Wölfe. Schäferhundwölfe. Und Katzenwölfe gibt es aich noch. Beliebt sind auch Schildkröten, hauptsächlich zum Essen, aber man bekommt auch kleine als Haustiere an vielen Straßenecken. Diese sind zusammen in einem Netz gefangen, damit sie nicht wegrennen. Von denen wollten Lukas und ich schon dine für das kleine Fischbecken I'm Eingangsbereich der Firma kaufen, aber bisher lebten da zwei Goldfische. Unsere Frage, wie diese hießen, wurde stets verständnislos mit "Fisch" beantwortet. Einen sonderlichen Bezug zu Tieren hat man hier nicht. Fisch 1 und Fisch 2 essen übrigens nur Wasser, wurde uns gesagt. Heute ist Fisch 1 tot. Er war krank. Fisch 2 ist auch krank. Den brauchen wir nicht mehr. Wenn er auch endlich tot ist, werden zwei neue gekauft. Dafür bekommt der Husky vom Firmentor heute einen neuen Spielkameraden. Bisher war er immer nur kurz am Tor angebunden, schlafend, hechelnd, es sei denn, der Wächter schlägt ihn mal wieder. Ich hoffe inständig, beide Huskys nicht bald auch an Terrakottaarmee wiederzutreffen.  
Wer Tiere nur zum Essen mag, sollte in einen Supermarkt gehen. Hier stehen viele Aquarien, überfüllt mit Fischen, Wasserschlangen und übereinander gestapelten fetten Kröten. Wer es nicht übers Herz brechen kann, die Tiere selber zu töten, kann trotzdem zugreifen, da in jedem Becken das ein oder andere Tier schon an der Oberfläche treibt. 
Unsere Nachbarn haben sich jetzt auch Haustiere zugelegt und zwar zwei kleine Enten. Diesen wurden die Flügel recht bald entnommen, sodass sie nur noch laufen können. Also werden sie zweimal täglich ums Haus getrieben. Den Weg kennen sie schon auswendig. Clevere Tiere. Nur schade, dass ich auch ihnen keine hohe Lebenserwartung zutraue. 

Tag 139: Pasta und Basta!

TORBEN. Nachtragen!!!!!!!!!!

Dienstag, 14. Juli 2009

Tag 138: Süß und niedlich..

Seit einiger Zeit fallen mir immer mehr Damen meines, jüngeren und älteren Alters auf, die ganz besondere Kleidung tragen: Diese ist zumeist zweifarbig, weiß mit einem sehr dicken farbigen Querbalken. Diesen ziert wiederum in weiß ein ganz besonderer Schriftzug: vorne steht 'niedlich' drauf, hinten 'süß'.
Als ich es das erste Mal sah, geriet ich in eine etwas peinliche Situation. Im Vorbeifahren auf dem Rad hab ich aus dem Augenwinkel die anmutende Gestalt einer dieses Shirt tragenden Dame erfasst. Ein weiterer Blick fiel auf den Schriftzug, der erst mal so wahrgenommen wird. Und dann habe ich mich noch dreimal umgedreht, um auch sicherzugehen, dass ich richtig gelesen habe.
Nun werde ich aber natürlich als schillernde Persönlichkeit auch dauerhaft beobachtet, so auch meine Blicke. Und die fielen nun mal öfter als sonst in die Richtung der, hierzulande, stattliche Oberweite (natürlich nur in die Richtung). Und was erntet man dafür? Spöttisches Gelächter von den Damen.
Wie schaffen es Modedesigner, die keinen vernünftigen englischen Satz auf einen Stoff drucken können, zwei deutsche Worte komplett richtig zu schreiben? Und dann auch noch 'süß', das bekanntlich mit ü und ß geschrieben wird?

Tag 137: Der Weg des Wassers.

In China ist das Wetter manchmal so, wie man es sich daheim auch gerne mal wünscht: Vorm Wochenende regnet es, währenddessen ist es schön und danach regnet es wieder.
So auch heute, wie ich beim Aufstehen feststelle. Lukas wird geweckt (nachdem sein Wecker es, abermals, auch nach einer dreiviertel Stunde Musik nicht schafft) und nachdem ich aus dem Bad komme, frage ich ihn, ob ihm aufgefallen ist, dass wir wohl mit dem Taxi fahren. Hat er, da ich ihm ja auch den tollen Hinweis gegeben habe. Ich verstehe nicht, aber es ist mir auch erstmal egal. Erst etwas später merke ich, was er meint: sein ganzer Türrahmen ist nass und es tropft alle halbe Minute auf den Boden. Nein, das war ich nicht. Aber es geht trotzdem erstmal zur Arbeit.
Wir arbeiten jetzt nicht mehr richtig und haben auch kein schlechtes Gewissen, wir kümmern uns lieber, wenn auch recht halbherzig, um unseren Praktikumsbericht. Außerdem wollen wir mal den anderen Praktikanten die Chance geben, sich zu beweisen, nachdem uns schon öfter gesagt wurde, dass die deutschen und japanischen Praktikanten die besten sind. Hört, hört, mal gute Worte über die Japaner.
Wenn wir gerade mal nicht am schreiben sind, reden wir und zwar mittlerweile mit jedem. Und wir spielen vorm Verlassen der Räumlichkeiten gerne an der Klima-Anlage rum, sie pustet dann 30 °C warme Luft anstatt 17 °C kalte hinein. Und es ist erstaunlich, wie lange es dauert, bis jemand es merkt. Und um 18 Uhr komme ich zu meinem Highlight des ganzen Praktikums: Ich darf die Feierabend-Klingel drücken und somit vielen Menschen eine Freude machen.
Der Abend ist dann von ein paar Tiefschlägen geprägt: Ich kann mein Handy anscheinend gar nicht umtauschen. Das geht wohl gar nicht. Hier ist man froh, wenn man etwas los ist. Dann hat es nicht aufgehört zu tropfen. Mittlerweile an drei Stellen. Und der Putz löst sich langsam. Bald haben wir vielleicht einen Durchbruch zu Philipps Wohnung oben. Und dann will ich die heute erfassten Praktikumsberichtdaten vom USB-Stick holen und darf feststellen, dass dieser virenverseucht ist.
Schön ist das nicht!

Tag 136: Umtausch ausgeschlossen.

Einerseits kann ich mich glücklich schätzen, wieder im Besitz eines Mobilfunktelefons zu sein. Andererseits ist es aber auch nervig, wenn man eigentlich ausschlafen will, aber schon ab halb zwölf dauernd das Telefon klingelt, weil man hierzulande ja so brav ist und abends nicht ausgeht, sodass man am Sonntag um diese Zeit schon seit vier Stunden wach ist.
LiYuan hat Hunger und lädt mich ein. Nun, das ist keine schlechte Idee, denn bis ich Luke aus seinem komatösen Schlaf geweckt habe, ist schon wieder abends und mein Magen verlangt jetzt schon was. Also geht es in eines der Restaurants vor dem Campus. Denke ich. Und hoffe ich. Denn ich bin noch ziemlich müde. LiYuan hat aber ihre eigenen Pläne und weiß, wo es viel besser schmeckt, nämlich beim alten Campus, also wird erstmal Bus gefahren. Und da schmeckt es tatsächlich gut und mein Magen dankt es mir. Allerdings esse ich, verständlich nach einer langen Nacht, langsam, um den Bauch nicht zu überfordern. Zudem fehlt noch etwas der Appetit. Zumal ihn mir auch der Typ am Nachbartisch etwas raubt. Dieser hat nämlich schon aufgegessen. Und jetzt raucht er unerlässlich. Das ist ja auch ok. Leider mag er den Rauchgeschmack aber scheinbar nicht so. Denn er macht sich den klebrigen Sirup der Cola zunutze, um das auf der Zunge und im Rachen liegende Nikotin daran zu binden. Mit einer Geräuschkulisse, die einem brüllenden Löwen ähnelt, sammelt er dann den Sirup wieder zusammen, spielt mit dem dickflüssigen Klumpen etwas auf der Zunge, um ihn, zur Kugel geformt, gekonnt vorbei an Tischkannte und beiden Beinen zu Boden fallen zu lassen. Diese Prozedur wiederholt er sieben Mal, bis sich zwischen seinen Füßen ein kleiner See, braun und glibberig, gebildet hat. Dann geht er. Mir tut etwas die Dame leid, die sich danach an den Tisch setzt und mit ihren FlipFlops immer schön durch das Speichel-Nikotin-Sirup-Gemisch gleitet.
Ich esse dennoch auf. (Und im Wohnheim dann sogar noch den BigMac, den mir die anderen aufgehoben haben. McDonald's hat hier nämlich eine Lieferfunktion. Das sollte ich mir für die nächsten Kater-Sonntage merken.)
Eigentlich habe ich schon gestern beschlossen, heute mein Handy umzutauschen. Denn das ist einfach zu langsam und funktionell recht kompliziert. Jetzt bin ich eigentlich schon ganz in der Nähe des Ladens, aber natürlich habe ich das Telefon nicht dabei, geschweige denn die Verpackung. Also wird das ganze auf den Abend verschoben. Dort angekommen erkennt man mich natürlich sofort wieder und binde gleich neun Angestellte. Man erklärt mir, dass man das nicht einfach umtauschen könnte. Ich müsste, genau wie mit der Kamera, in die Nähe des Glockenturms. Darauf habe ich aber eigentlich gar keine Lust, also versuche ich, den Verkäufern einfach privat mein Produkt zu verkaufen. Leider ohne Erfolg, sodass mir nichts übrig bleibt, als morgen nach der Arbeit dahinzufahren. Ich nehme aber trotzdem schon mal ein günstiges Gerät mit, gleichen Modells wie Lukas'. Weil ihnen die Sache mit dem Umtausch unangenehm ist, schenken sie mir noch einen Ersatz-Akku. Jetzt habe ich also schon, den vom letzten Telefon mitgezählt, drei Akkumulatoren für ein Handy. Zumindest mit dem Strom sollte ich erstmal keine Probleme mehr haben.

Tag 135: Gewonnen und verloren.

Viertelfinale. Starker Gegner. Dennoch gehen wir zweimal in Führung und kommen ins Elfmeterschießen. Lukas hält, was er kann. Ich soll eigentlich den entscheidenden sechsten Elfmeter schießen, aber Schiri sagt, kann man da nicht machen, weil ich vorher schon ausgewechselt war. Ich wette, ihm würde das nie im Leben auffallen, wenn ich auch ein Chinese wäre. Letztendlich ist es aber egal, weil mein Ersatz auch trifft und wir gewinnen. Halbfinale ist angesagt, was aber auch bedeutet, dass abermals ein Freitag nicht zum Ausgehen genutzt werden kann. Aber das soll ja gesund sein.
Unsere Mannschaftskameraden feiern diesen Sieg bereits wie den Titel und hüpfen wie wild aufeinander, bis sie nur noch ein einziger Haufen Chinesen sind. Dass das nicht gut ist, zumindest nicht für alle, zeigt sich dann beim auseinanderpflücken. Unsere Nummer 9 hat wohl etwas zu weit unten gelegen, denn er hat zwischen Oberlippe und Nase eine klaffende Wunde und auch das Kinn ist aufgerissen, das Blut fließt in Schwallen. Nach etwas Untersuchung der Sachlage bilden wir einen kleinen Suchtrupp und finden tatsächlich auf dem Spielfeld seine beiden oberen Schneidezähne, einen samt Wurzel, wieder.
Glücklich wirkt er nicht, der 9er. Aber letztendlich hat er es auch nicht so eilig, den Arzt oder das Krankenhaus aufzusuchen, um zumindest den Cut nähen zu lassen. Oder zum Juwelier, damit er sich eine Zahn-Kette machen lassen kann. Nächste Woche werde ich sehen, was aus ihm geworden ist.
Trotzdem das Spiel um halb neun angepfiffen wurde und um halb elf beendet ist, habe ich mir das Gesicht leicht angebrannt. Der Sonne wegen, die nach zwei Tage Regen mal wieder kommt und mit ihren wärmenden Strahlen für viel Verdunstung des nicht ablaufenden Wassers in der Stadt sorgt. Klimamäßig ist es also wieder sehr schön schwül.
Mit einem kleinen Umweg über das Elektronikgeschäft, die mir zwar ein neues Handy verkaufen, aber sagen, dass ich mit dem Kamera-Blitz-Problem zu einer anderen Filiale gehen solle, geht es zurück ins Wohnheim und erstmal ins Bett.
Abends ziehen wir wiedermal einen Geburtstag vor, nämlich Nadines. Die hat morgen. Und da haben Hanna und Thomas sich sehr gut ins Zeug gelegt. Es gibt Schweinebraten mit Rotkohl und Semmelknödeln (bei denen mir vorgeworfen wird, sie zerstört zu haben, weil ich den ersten zu voreilig ungeformt ins Wasser geschmissen habe). Sehr gelungen, sehr lecker.
Es geht heute zur Abwechslung mal ins Salsa, einer Disco, deren Gäste etwas versnobter sind. Mit Ausnahme des Kellners, der uns die Getränke klaut, die uns unsere 'Freunde' (sie haben uns bei sich sitzen lassen und wir haben uns gegenseitig mit Getränken versorgt, bis sie gegangen sind) uns hinterlassen haben. Natürlich ist es auch besser, die angebrochenen Flaschen wegzukippen, als den Deutschen was zu lassen. Ich mache ihm deutlich, dass er gerne vom Tisch fernbleiben darf und einen anderen schicken darf. Zum Dank räumt er den ganzen Tisch auf, als wir noch einmal tanzen gehen.
Dann kommt es zum weiteren Highlight des Tages, bzw. der Nacht: Straßenessen. Guter Hühnerschenkel, kleingeschnibbelt in ein Brot, das vorher frittiert wird. Fantastisch. Und dann soll das nächste Highlight kommen: Schwimmen. Thomas und ich schleichen extra die ganz große Runde um den Campus herum, geben keinen Mucks von uns und am Schwimmbad ist weit und breit niemand zu sehen. Letztendlich müssen wir dann dem Mond danken, dass sein, von der Sonne reflektierendes Licht (also danke ich streng genommen doch der Sonne, oder einfach beidem) auf dem Wasser abermals reflektiert. Sofern Wasser da ist. Da aber kein Licht reflektiert, können wir leicht schlussfolgern, dass die Banausen das Wasser raus gelassen haben und werden letztendlich vor einem Sprung in Comicmanier mit Landung auf dem harten Beton bewahrt.
Und was macht man dann, wenn der Badespaß nicht befriedigt wird? Man kommt auf ganz tolle Ideen. Man ruft den Herren Papa über Skype an. Natürlich im gut angeheiterten Zustand, aber der merkt das mit Sicherheit nicht. Und die ehrenwerten Großeltern auch nicht.
Es ist wieder hell, als ich mich entschließe, endlich mal schlafen zu gehen.

Tag 134: Von Medien und Elektronikgeräten.

Heute ändert sich mein Leben in China auf einen Schlag. Ich bin ein gebrochener Mann. Gerade erfreute ich mich noch an der 2800. Mitteilung auf dem Handy und will die runde Zahl mit einem Feierabendbierchen begießen, da war's das dann auch schon mit dem Nachrichten-Sammeln. Mein Handy hat jetzt so viel mitgemacht in den letzten vier Monaten, so viele Kratzer gesammelt, jetzt braucht es noch die wahren Gebrauchsspuren, denke ich mir. Also will ich es nutzen, um das benannte Feierabendbierchen zu öffnen, da uns die Dame keinen Öffner gereicht hat. Leider unterschätze ich den Druck, den man bei der Hebelwirkung aufbringt. Und das war's dann mit dem Display des finnischen Mobiltelefons. Warum muss denn auch ein kleiner Riss gleich das ganze Anzeigebild zerstören? Und warum zählt ein solcher Fehler beim Hersteller und bei der Versicherung stets als Selbstverschulden, wenn doch scheinbar eine Sollbruchstelle eingerichtet ist, um dem armen Mann das Geld aus der Tasche zu ziehen? Denn ich zehre noch von Erfahrungsberichten aus der Vergangenheit: Da konnten Telefone den ganzen Schnickschnack mit Kamera, Internet, Touchscreen, Farbe, Musik und dem anderen Pipapo nicht. Aber eins konnten sie, neben dem Telefonieren: Bierflaschen öffnen. Und zwar reihenweise.
Jetzt bin ich also schon mal mobil kaum erreichbar. Und andersrum kann ich auch hier keinen erreichen. Und um das ganze noch ein bisschen schlimmer zu gestalten, hat man sich in diesem wunderbaren Land dazu entschieden, neben Youtube, meinem Blog und anderen Seiten auch noch Facebook zu zensieren. Allerdings sollte ich vielleicht eher die Uiguren dafür verantwortlich machen. Ich nehme an, die haben angefangen.
Um mal die Damen in der Vorstufe zu testen, wie sie es so mit der Technik haben und weil wir den Bildschirmschoner (ein Aquarium mit tollen Fischen) so gerne mögen, ziehen wir heute in der Mittagspause Maus und Tastatur aus den Rechner. Als wir dann etwas zu spät zurückkommen, hämmert die gute Qu auch schon auf der Tastatur rum. Komischerweise funktioniert die Maus, die hat sie nämlich tatsächlich wieder reingesteckt. Lukas steckt dann mal die Tastatur wieder ein, es funktioniert aber noch nicht, weshalb Qu wieder unter den Tisch krabbelt und noch einmal umsteckt. Dann wird neu gestartet. Es funktioniert wieder nicht. Scheint wohl kaputt zu sein. Dann schauen wir noch einmal nach und holen den Tastaturstecker wieder aus dem Mausanschluss raus. 'Aber das lilane passt viel schöner in das grüne Loch!', protestiert sie.
Sie schweigt, als nach einem weiteren Neustart alles funktioniert.
Um weiter bei Elektronikgeräten zu bleiben: Seit einiger Zeit entsteht beim Fotografieren mit meiner Digitalkamera mit Blitzlicht Rauch nach dem Auslösen. Zwar habe ich bereits nachgeforscht, dass das an Staub auf dem Blitz liegen könnte. Aber das muss morgen, wenn ich sie umtausche, ja kein anderer wissen.

Tag 133: Strafarbeit

Lukas und ich stellen uns mal voll und ganz in den Dienst der Firma und verrichten zusammen mit einer Horde freudiger Druckweiterverarbeiter eine Aufgabe, die einer Strafarbeit gleicht. Da ein Kunde nämlich nicht damit leben kann, dass auf Seite 32 seines Produktes die Bildunterschrift für die Nähmaschinen von 1949, 1950 und 1951 falsch ist, soll doch bitte jedes Magazin mit einem Aufkleber versehen werden. Und damit dieser auch nach etwas aussieht, rahmt er die kleinen Bilder der Nähmaschinen bitte ein mit einem 2 mm dicken Rahmen.
Bei einer Auflage von über 10.000 ist das eine feine Aufgabe. Hinzukommt, dass die Aufkleber auf dem Bogen (18 Stück umfassend) zu stark ausgestanzt wurden, sodass das Silikonpapier auch durchtrennt ist. Somit wird für das Ablösen des Kleblings vom Silikonpapier ein guter Fingernagel und viel Geduld gefordert. Um die ganze Aufgabe auch noch geiler zu gestalten (und vielleicht auch, weil das Ablösen dann etwas leichter und etwas schneller geht), dass sämtlicher Klebling, der nicht gebraucht wird, also alles, was für den Müll ist, auch noch vom Silikonpapier gelöst werden sollte. Neben 10.000 guten Aufklebern kommen jetzt also noch 10.000 Rahmen und 30.000 Kleber, die für die Nähmaschinen ausgespart werden.
Heute ist der dritte Tag dieser Aufgabe. Und wir werden fertig. Ich hoffe, der Kunde lässt eine Menge springen.

Tag 132: Invasion

Um mal etwas Schwung in die Bude zu bringen, begleitet uns heute Thomas mit in die Firma. Und damit er es tut, habe ich ihm versprochen, meine pinke Hose zu tragen. Beides kommt bei den Frauen sehr gut an, die Männer hingegen begutachten beides sehr argwöhnisch.
Da in der Vorstufe seit Tagen nichts zu tun ist, ist hier die Freude am größten und die Damen erfreuen sich unserer Scherze und Geschichten. Auch in der Weiterverarbeitung geht's rund. Wir täuschen vor, zu helfen, in Wirklichkeit benutzen wir aber die Makulatur zum Bau eines Fußballs.
Das angedachte Match mit dem Ball im fällt leider ins Wasser, da heute endlich mal der erhoffte und angekündigte Regen endlich mal eintrifft.
Dieser Regen zwingt uns am Abend auch endlich mal dazu, in der Wohnung zu bleiben, da Aktivitäten wie Tischtennis, Kreidemännchen malen und Leute mit der Wasserpistole abschießen keinen Sinn machen. Also werden endlich die Ferien etwas mehr geplant, die Ende nächster Woche beginnen. Und da steht jetzt ganz oben Japan auf dem Programm.

Tag 131: Herr Nilsson

Herr Nilsson ist unser Arbeiteräffchen. Zu finden ist es tagein, tagaus in der Buchbinderei im zweiten Stock der Firma, in der tropenähnliche Temperaturen herrschen. Hier fühlt sich Herr Nilsson besonders wohl und kann voll und ganz aufgehen. Es ist ein wirklich sehr emsig arbeitendes Arbeiteräffchen und wird von allen gerne gemocht. Trotz seiner kleinen Körpergröße kann es große Paletten und schwere Papierstapel problemlos von hie nach da transportieren. Es stöhnt nicht, wenn es die Lasten auf den schmalen, knöchrigen Schultern trägt. Vielmehr erfreut es sich seiner Wichtigkeit. Die Mitarbeiter danken es ihm mit Erdnüssen und Bananenstauden, die Herr Nilsson auch aus der Hand isst. Oft zieht es sich aber auch dazu in eine Ecke zurück, um einen kleinen Augenblick ungestört die wichtige Nahrung aufnehmen zu können.
Herr Nilsson braucht nicht viel Schlaf. Aufgrund des schmächtigen Körpers und der optimal angepassten Temperaturen geht nicht viel Energie verloren, sodass Herr Nilsson gerne einmal länger als alle anderen Arbeiter arbeitet. Wenn es dann einmal schläft, träumt Herr Nilsson von einem zweiten Arbeiteräffchen, mit dem es um die Wette arbeiten kann. Zu zweit macht alles viel mehr Spaß, findet Herr Nilsson.
Vor einiger Zeit hat es eine Veränderung in der Firma gegeben. Statt eines zweiten Arbeiteräffchens kamen zwei fremdwirkende Personen in die Buchbinderei. Diese sind viel blasser als alle anderen, aber auch viel größer und kräftiger. Nach anfänglichem Zögern packten diese beiden menschenähnlichen Wesen bei der Arbeit ordentlich mit an.
Affen benutzen oft Stöckchen als Hilfsmittel. Und sie sind sehr lernfähig. Dieser Fähigkeit hat sich Herr Nilsson bedient und lernt seit jeher ohne Scheu von den blassen Menschen. Am meisten liebt es den Schabernack, den die beiden oft treiben. Ihm gefällt es, Papierkügelchen zu basteln und sie nach anderen Arbeitern zu schmeißen.
Übelnehmen tut es ihr keiner. Zumeist lachen alle nur und erfreuen sich der guten Stimmung, die Herr Nilsson verbreitet.

Tag 130: Chinesischer Biergarten.

Jeden Tag nach Feierabend plagen Lukas und mich stets die gleiche Frage: Was essen wir heute. Da wir schon vor der Rückfahrt Hunger haben und bei unserer Ankunft in der Mensa oft nicht mehr viel zu holen ist (und man zudem noch nassgeschwitzt ist, was das Essen nicht unbedingt angenehmer macht), erkunden wir die Speiseangebote in der näheren Umgebung der Firma. Heute zieht es uns in einen Biergarten. Dass es eine Art Biergarten ist, konnte ich bisher nur vermuten, da er sich hinter einer grauen Beton-Mauer befindet. Allerdings wird seit ein paar Tagen immer laute Musik (was man in China Musik nennen kann) gespielt wird und direkt am Tor (Garagentor, doppelt so hoch wie die Mauer) gegrillt wird.
Im Hof stehen die obligatorischen Plastik-Camping-Bestuhlung (Beine sind am Tisch angeschraubt), die anscheinend schon gut von dicken Leuten eingesessen oder von der heißen Sonne geformt wurden, denn sie passen sich dem unebenen Betonboden gut an und wackeln nicht. Über den Hof sind Drahtseile gespannt (und zwar ziemlich straff, da das eine ganz schöne Entfernung ist) und die typischen Glühbirnchen in kitschig bunten Farben hängen daran. Dass sie leuchten, erleben wir heute leider nicht, ist aber bestimmt gigantisch. Es mangelt vielleicht an dem ein oder anderen Baum, aber da die Sonne um halb sieben sowieso nicht mehr knallt, soll uns das heute mal egal sein.
Zu Essen gibt es, wie könnte es anders sein, Gegrilltes. Typisch in kleinen Portionen an Spießen für einen eigentlich geringen, hierzulande aber recht hohem Preis. Leider gibt's zu dem ganzen nur ein Einheitsgewürz, in dem lediglich die Schärfe variierbar ist. Mit diesem Gewürz wird auch das Pizzabrot gut bestäubt. Variationen bieten hingegen die Fleischsorten. Allerdings ist Hühnchenfleisch nicht gleich Hühnchenfleisch, sondern etwas anderes vom Huhn. Knorpelähnlich, würde ich schätzen. Letztendlich will ich aber nicht behaupten, dass es nicht schmeckt.
Zum Glück werden wir beim Bier nicht enttäuscht, das es sogar frisch gezapft gibt. Und es gibt kleine 2 l-Fässer an den Tisch, welche wir aber nicht beziehen. Wir müssen ja noch fahren.

Tag 129: Chinas Wachstum.

Dauernd hört man etwas über das ach so tolle Wachstum Chinas in der jüngsten Zeit. Ein toller Aufschwung soll das sein. Allerdings betrifft das in erster Linie die Wirtschaft.
Nicht so toll kommt es, wenn sich das Wachstum auch auf die Menschenanzahl auswirkt. Vor allem nicht auf die derer, die in irgendeiner Weise Interesse an mir haben. So wird mein Schlaf heute des Öfteren unterbrochen. Zunächst von LiYuan, die das mit dem Schwimmen für bare Münze gehalten hat und dann leider vor verschlossenen Türen stand. Also von innen. Im Wohnheim. Das macht nämlich erst zwischen sechs und sieben wieder auf. Dann klingelt ab halb elf ein paar Mal mein Handy, es ist Spätzle. Zum Glück kann ich mittlerweile auch mit geschlossenen Augen den Bimmelkasten auf lautlos stellen. Und dann klopft es auf einmal an der Tür. Es ist wieder Spätzle. Und er ruft gleichzeitig an. Die Kombination von Klopfen und Klingeln bringt mich leider zu sehr durcheinander, sodass ich in der Hektik das Telefonat annehme. Und jetzt hab ich verloren.
Er will nur kurz in unserer Wohnung auf Audrey, seine Freundin warten. Und zwar, weil es draußen zu heiß ist und er letzte Woche sein Wohnheimszimmer räumen musste, sodass wir jetzt der einzige Zufluchtsort sind. Ich dürfte aber natürlich weiterschlafen, weil ich anscheinend erbärmlich aus der Wäsche schau.
Als ich das erste Mal die Augen wieder öffne, ist er nicht mehr im Wohnzimmer. Er steht stattdessen vor der Klimaanlage in meinem Zimmer. Aber das soll mich ja nicht dran hindern, die Augen wieder zu schließen. Dann wird es wieder laut und ich sehe, dass nun auch Audrey angekommen ist und sich beide begrüßen. Meinen Augenaufschlag bemerken sie nicht und ich simuliere weiterhin den Schlafenden. Als es dann wieder still wird, schaue ich mal wieder auf und sehe nun auch die kleine Dame, die mir später als Audreys Schwester vorgestellt wird. Und nachdem ich dann das vierte Mal aufwache und auch noch Automn, eine Freundin Audreys, genauso schweigend die Klimaanlage anhimmelnd mitten in meinem Zimmer steht, ziehe ich die Notbremse und steh einfach mal auf. Wer weiß, wie viele sonst noch kommen.
Ich bin aber niemandem deswegen böse, erst recht nicht, da ich kurz darauf zum Essen eingeladen werde, was auch gleich sämtliche Kater-Ansätze vertreibt. Ich fühle mich also gerüstet für eine Shoppingtour mit den Häschen aus der Druckvorstufe. Leider muss ich mal wieder kundtun, dass Lukas heute 'wirklich krank' ist. Woran genau das liegt, weiß ich nicht, da Thomas und mir der Nudelsalat bekommen ist und Lukas die Flasche Whisky, die er aus dem 1+1 geschmuggelt hat, in den frühen Morgenstunden wie einst Robin Hood an die um Almosen bittenden verteilt hat. Fakt ist, dass sein Körper vom ständigen Rennen zur Örtlichkeit sehr ermattet ist.
Leider finden wir in der Stadt keine Hawaii-Hemden, lediglich Hosen in selbigem Muster. Um meine Kolleginnen aber nicht zu enttäuschen, kaufe ich mir eine fantastisch aussehende pinke Chiller-Hose.
Bei der Wiederankunft im Wohnheim ist dann nicht mein Zimmer überlaufen, sondern mein Email-Postfach, da die Chinesinnen, die jetzt nach Deutschland fahren dürfen, noch ein 'Motivationsschreiben' für ihren Auslandsaufenthalt schreiben müssen. An wen das geht, weiß ich nicht, aber ich sollte doch bitte mal drüberlesen und korrigieren. Am besten das ganze in roter Schrift. Und reicht man einer Dame den kleinen Finger, packen die anderen die restlichen, sodass ich, anstatt noch etwas zu auszuruhen, sechs dieser Schreiben unter die Lupe nehme.

Tag 128: Ich liebe Lutscher.

Erstaunlich fit geht es aus den Federn, reibungslos und ohne etwas vergessen zu haben zum Spiel, unkompliziert gewinnen wir das ganze 4:2 und stehen unerwartet im Viertelfinale. Dann geht es zurück, Essen wird aus der Mensa per Tüte mitgenommen, nach dem ersten Duschen verzehrt, anschließend muss kurz geruht werden. Das ist sehr wichtig, denn nur so kann man den eigenen Körper beschummeln und ihm weiß machen, dass ein neuer Tag angebrochen ist und man wieder ein Fußballspiel hat. Da fahren wir sogar mit Rad hin. Und wir gewinnen wieder. Locker, flockig 3:0. Irgendwas läuft anders, das ist alles so unkompliziert und erstaunlich pünktlich. Dann die gleiche Prozedur: Essen, duschen, schlafen.
Trotz zweier zwischendurch eingeführten Ruhephasen wollen wir am Abend noch nicht so fit werden. Zu dritt sitze ich mit Lukas und Thomas da, redend, ein wenig Flüssigkeit aufnehmend und vor allem darauf wartend, dass der erste sagt, dass das mit dem Abendprogramm heute wohl keinen Sinn hat. Aber keiner sagt es. Jeder weiß, dass der andere eigentlich viel zu müde ist, aber dennoch will keiner den ersten Schritt machen. Und dann geht es gen Mitternacht tatsächlich noch raus, Richtung 1+1. Draußen sehen wir, dass bei Fu, der illegalerweise zurzeit mit der Freundin in der leerstehenden Wohnung lebt, noch Licht brennt. Und weil es alleine schon so gut mit dem Taxi passt, rufen wir ihn kurz raus und die beiden begleiten uns tatsächlich. Ob sie wissen, auf was sie sich einlassen? Mit zwei Taxis erreichen wir den Club, er ist voller denn je, da dieses Wochenende Michael Jackson-Wochenende ist. Komischerweise läuft nicht einmal seine Musik. Ob man hier auch nur versucht, Profit aus dessen Ableben zu schlagen, wie es, laut Bild-Zeitung, alles momentan zu tun gedenken?
Ich denke eigentlich, dass es sich um zwölf Flaschen Bier handeln würde, wenn ich auf den Preis von 240 Yuan tippe (ein Bier kostet schon alleine 30 Yuan). Letztendlich kriegen wir für den Preis aber doch gleich 24 Flaschen. Ein ganzes Stück Arbeit für 3,5 Trinker, aber da muss man durch. Aber wir schaffen es nicht. Schließlich will noch getanzt werden und, ganz wichtig in einer Disco, geschlafen. Ich lass nämlich ab nach drei die Musik einfach mal Musik sein und den Tresen Kopfkissen und schlafe ungehindert über eine Stunde. Als ich erwache, sehe ich, dass Fus Freundin es mir nachgemacht hat, während sich Lukas und Thomas eine halbe Flasche Whisky ergaunern konnten. Mit den beiden komm ich heute also nicht mehr weit, und somit fahre ich mit Fu und der Dame schon mal vor.
Erwachen tu ich eine halbe Stunde nach meiner Ankunft durch einen Strahl kühlen Wassers in mein Gesicht, denn leider haben Luke und Thomas die Wasserpistole, mit der wir eigentlich nur auf andere Mitbewohner oder auf die Kinder im Hof schießen, sobald sie laut sind. Das ist aber gar nicht schlimm, denn so komme ich noch in den wunderbaren Genuss von Thomas' Nudelsalat. Zudem rufen wir noch LiuRong und LiYuan an, die sich allerdings nicht wirklich an der Idee, jetzt schwimmen zu gehen, erfreuen können. Und auch wir müssen diese Idee verfallen lassen, da in China die Uhren nun mal anders ticken und es ab fünf Uhr draußen furchtbar hell ist.
Der aufmerksame Leser wird merken, dass der Titel nichts mit dem Text zu tun zu haben scheint. Und das ist auch so.
Von Theresa bekomm ich heute übrigens zu hören, dass ich kein guter Freund bin. Schließlich komm ich sie nicht besuchen, sondern ziehe es vor, mich woanders zu amüsieren. Allerdings brauch ich da kein schlechtes Gewissen haben, denn auch sie schaut sich bestimmt nicht ausschließlich unsere Printprodukte an.

Tag 127: Richtige Arbeit.

Mangels auffindbarem Akkuladegerät bleibt die Kamera heute leider daheim. Wie kriegen wir den Tag also am besten rum? Nun, zunächst reden wir am besten mal wieder. Vorzüglich Schwachsinn, denn Lukas und ich haben uns auch nicht mehr so viel neues zu erzählen und sprachlich und kulturell sind wir leider noch nicht so weit, als dass wir eine ernsthafte lange Diskussion über Chinas Dynastien mit all ihren großen Männern und Gedichten führen könnten.
Mittags wird das Wochenende zum ersten Mal eingeläutet. Zum Essen gibt es Bier, das wir in unserem Stammrestaurant jetzt schon günstiger bekommen. 600 ml für 2,50 Yuan. Beim Supermarkt auf dem Campus gibt es dafür gerade einmal 330 ml. Das geht natürlich ein bisschen in den Kopf und macht müde. Wir stellen glücklich fest, dass das Zwischenlager nicht, wie gewöhnlich, abgeschlossen ist und so darf ich freudig die Erfahrung machen, dass es sich auf einem Papierstapel sehr gut schlafen lässt.
Anschließend dürfen wir die ersten ausgedruckten Fotos begutachten und unterschreiben. Da dieser Fan sehr gut drauf ist und verständlich spricht, gesellen wir uns zu ihr und liefern den Rest des Tages Akkord-Arbeit und kleben Verpackungen zusammen. Es ist doch ein tolles Gefühl, der Firma endlich einmal weitergeholfen zu haben.
Nach Feierabend läuten wir das Wochenende ein zweites Mal beim Stammrestaurant ein, bevor es shoppen geht. Erst gibt es einen feinen Hut im Klamottengeschäft, anschließend wird der Carrefour (französische Supermarktkette) erforscht, wir müssen aber feststellen, dass es kaum europäische Ware gibt.
Am Rest des Abends breche ich Theresa mal wieder das Herz, da ich auch heute nicht zu ihr kommen kann. Morgen gibt es nämlich gleich zwei Spiele. Erst das wichtige Achtelfinale vom Turnier, dann ein Liga-Spiel. Und nachdem ich heute schon so hart gearbeitet hab, käme das überhaupt nicht gut, wenn ich den Körper noch durch einen Disco-Besuch schünde.

Tag 126: Tollster Arbeitstag bisher.

Eigentlich stecke ich heute meine Kamera ein, um vom Maschinenpark der Firma ein paar Fotos zu machen, die letztendlich meinen Praktikumsbericht stopfen sollen. Dieser soll nämlich zehn Seiten umfassen. Auf Chinesisch. Das ist doch bekloppt.
Glücklicherweise ist der Akku gut geladen und die Speicherkarte ist leer, denn sobald die fotosüchtigen Chinesen das Bildaufnahme-Gerät aus Japan erblicken, ist eine regelrechte Hysterie ausgelöst. Die Arbeit wird spontan niedergelegt und jeder möchte sein eigenes Bild mit den tollen Hechten aus dem Ausland machen. Zudem werden die Maschinen abgestellt, damit wir besser auf ihnen posieren können.
Zwischendurch werde ich stets um die Speicherkarte gebeten, damit die ersten Bilder auf die Firmen-PCs gezogen werden können. Dafür muss der Abteilungsleiter der Weiterverarbeitung sogar sein Strategie-Spiel unterbrechen, das er gerne und häufig zum Arbeitszeitvertreib spielt.
Die Zeit bis zum Mittag ist damit wie im Flug vergangen und auch danach geht es gut weiter. In der Vorstufe überlässt eine Kollegin einer Kundin ihren Computer, die jetzt die ganze Arbeit macht. Somit langweilt sie sich auch nur und ist sehr daran interessiert, mit uns viel Mist zu reden und Quatsch zu machen. Beim Anschauen der Kamera fällt ihr dann ein Hawaii-Hemd auf, das wir Sonntag fotografiert haben, da wir uns momentan nichts sehnlicher wünschen, als ein kitschig buntes, bequemes Sommerhemd. Sie bietet uns an, am Sonntag mit uns auf die Suche nach einem solchen edlen Stoff zu machen. Nach drei Stunden dort ist mal wieder etwas Fotosession angesagt, dann sollen wir uns noch auf den Sesseln ausruhen und dann ist es auch schon sechs Uhr. Feierabend.
Schneller vergingen die neun Stunden in der Firma bislang an keinem Tag. Morgen sollte ich auf keinen Fall die Kamera vergessen.

Tag 125: Alltagstauglichkeit?

Heute ist wieder so ein Tag, an dem wir unsere Alltagstauglichkeit anzweifeln. Es fängt damit an, dass ich wiederholt etwas verspätet aufwache, aber noch vor Lukas. Das macht für mich eigentlich nicht viel, da ich nicht viel Zeit brauche und auch so rechtzeitig fertig werde. Dann sehe ich aber, dass der iPod nicht aufgeladen ist, zum wiederholten Male in den letzten Tagen. Somit gibt es keine schöne Guten Morgen-Musik. Beim Brotschmieren werden beide Nutella-Gläser auf einmal geleert, Nachschub ist nicht in Sicht. Dann verschwindet Lukas im Bad. Was er da macht, weiß ich nicht. Aber das heißt für mich in erster Linie: 20 Minuten Zeit totschlagen. Und das, obwohl jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, loszufahren, um pünktlich zu sein. Auf dem Display meines Handys leuchtet mir sofort die SMS der Managerin des Nono-Clubs (fünf Anglizismen in einem Satz, grausam!) entgegen. Auf die Frage, wie ihr Geburtstag war, antwortet sie nicht ganz antwortend mit der Frage, ob ich ihr nicht 500 Yuan, also 50 Euro leihen könnte. Ich überlege, ob ich in der Zeit, in der Luke noch im Bad ist, kurz zu ihr hinfahren sollte, um ihr das Geld in Geschenkpapier zu überliefern, aber da sagt er auch schon, dass er gleich fertig ist.
Wir kommen natürlich nicht pünktlich, aber da wir sowieso später kommen dürfen, kümmert das keinen. Wir freunden uns etwas mit dem Bediener des Heißfolienprägetiegels an und einmal pro viertel Stunde ist einer von uns dran und darf die fertig geprägten Bögen auf die Palette stapeln. Wirklich viel Arbeit ist das nicht, aber immerhin etwas.
Nach dem Mittag bleiben wir zufällig eine Stunde im wohlklimatisierten Eingangsbereich auf den Ledersesseln sitzen und reden mit Kunden, bzw. schlafen. Hier wird noch etwas gequatscht, da noch etwas Papier gestapelt und irgendwann ist dann doch tatsächlich Feierabend.
Fu, der illegalerweise für ein paar Tage in die für uns reservierte aber nicht genutzte Wohnung gezogen ist, da seine Freundin ihn besuchen kommt (er verspricht uns aber, dass beide in verschiedenen Räumen schlafen), kocht heute für uns. Bzw. sein Weib tut es. Da dies über zweieinhalb Stunden dauert, ist nachher wie vorher (da zu hungrig) keiner von uns wirklich in der Lage, das benutzte Geschirr abzuwaschen.
Aber wir weichen es wenigstens ein. Das ist der halbe Abwasch. Und damit ein Zeichen, dass wir ein wenig alltagstauglich sind.

Tag 124: Extrem wichtige Termine.

langweiliger denn je zu sein. Denn zum einen dürfen wir nur gucken (Abteilungsleiter weist uns immer wieder darauf hin, dass es für uns nichts zu tun gibt), dann wohnen wir zusammen und haben schon den ganzen Feierabend miteinander zu tun und zum dritten traut sich kaum einer, uns im Doppelpack anzusprechen. Zudem ist es in der Weiterverarbeitung, die im zweiten Stock liegt, extrem heiß, da lediglich Ventilatoren und keine Klimaanlage oder Wasserzerstäuber zur Kälteregulierung vorhanden sind und aufgrund von zwölf verschiedenen Maschinen sehr laut.
Zur Beruhigung des schlechten Gewissens nehmen wir trotzdem jede Maschine genau unter die Lupe, suchen ihre chinesische Bezeichnung raus, erfragen Maschinendetails und schreiben alles nieder. Das reicht allerdings gerade mal für den Vormittag, doch was ist am Nachmittag?
Zum Glück wurde mir gestern geschrieben, dass wir heute um vier ein Fußballspiel hätten. Ich habe eigentlich schon abgesagt. Aber mit einer kleinen Verdrehung der Tatsachen, zum Beispiel der Umwandlung von 'Freundschaftsspiel' zu 'extrem wichtiges Spiel', müssen wir gar nicht lange reden und wir bekommen gerne früher Feierabend. Der Abteilungsleiter fragt uns nämlich auch heute wieder, ob wir nicht schon in Urlaub wollen.
Um vier bekommen wir Feierabend. Gegen fünf sind wir zuhause. Wir gehen den Rückweg nämlich langsam an. Um fünf sind wir aufm Platz. Gegen sechs wird das Spiel angepfiffen. Es ist nur ein Testspiel, die zweite Garnitur darf erstmal ran. Zur zweiten Halbzeit, also lange nach sechs, was mit dem eigentlichen Feierabend gleichzusetzen ist, darf ich ran.
Wir gewinnen unser 'extrem wichtiges Spiel' knapp. Also eigentlich doch recht locker. Also ziemlich ungefährdet. Fünfzehnzueins. Mindestens. Irgendwann zähl ich nicht mehr mit.

Tag 123: Hoher Besuch.

Heute steht uns ein sehr kurzer Arbeitstag bevor, mittags bekommen wir schon Feierabend. Der Grund dafür liegt im Besucht eines deutschen Botschafters aus Peking und zwei Mitarbeitern des Goethe-Instituts (ebenfalls Peking bzw. Xi'an). Wir konnten uns lange darauf vorbereiten, da uns ihr erscheinen gestern Abend angekündigt wurde. Es lebe also weiterhin die chinesische Spontanität.
Also gilt es, uns drei Stunden in der neuen Abteilung, der Druckweiterverarbeitung (da sind Lukas und ich jetzt zusammen) zu akklimatisieren. Dort werde ich (ich bin zentrale Anrufstation, wenn unsere Betreuerin etwas zu verkünden hat) angerufen. Die Frage, ob wir bei der Arbeit sind, ist eher als Floskel gedacht, denn es soll doch bitte noch jemand eine Rede vorbereiten. Leben und Studieren in China und vielleicht noch ein paar kulturelle Unterschiede. Ich leite die Bitte per SMS an die anderen weiter, von denen wir uns abends immer anhören dürfen, wie langweilig es doch den ganzen Tag sei. Sie müssten eigentlich Zeit haben. Dennoch weigern sie sich. Durchweg alle. Durch die Bank durch. Diese Antwort ignoriere ich aber erstmal.
Dann geht es auch schon in der prallen Mittagshitze zurück. Die Zeit zwischen Ankunft und Anwesenheitspflicht im Deutschclub lässt eine Dusche, jedoch kein Mittagessen zu. Dort angekommen werde ich abermals angerufen. In unserer Wohnung sei noch eine Gitarre, die würde noch gebraucht. Der Weg zurück ist zwar nicht der weiteste, aber es ist verdammt heiß. Aber gut, sie wird geholt.
Und dann dauert es doch fast noch eine Stunde, bis der hohe Besuch ankommt. Es werden ein paar Filme, bzw. Power-Point-Präsentationen abgespielt, dann sollen wir doch noch was sagen. Und natürlich ist es die Schuld der zentralen Ansprechstation, wenn sich keiner meldet. Allerdings hasse ich Reden. Und ich bin kein Mann der vielen Worte. Und ich spreche sehr schnell. So fällt meine 'Rede', in der ich eigentlich nur kurz vorstelle, was wir hier so machen, sehr kurz aus.
Allerdings habe ich auch großen Kohldampf, nur haben leider alle Mensen ab spätestens zwei Uhr nichts mehr zu essen. Also wird der eigentlich als frei angedachte Nachmittag zum Kochen verwendet. Und das ist immer ein Teufelskreis: Unser Geschirr wird nur sauber, wenn wir wieder kochen, da wir es brauchen. Der Aufgabe des Spülens komme ich meistens nach, da Thomas und Luke schon mit Messer und Brett bewaffnet sind. Dann spül ich fein säuberlich alles (was verdammt lange dauert, weil Lukas das mit dem Einweichen noch immer nicht so richtig verstanden hat und sich somit oft eine harte Kruste bildet) und schon ist es wieder dreckig. Und nach dem Essen bleibt das dann auch erstmal so. Bis zum nächsten Essen.
Anschließend wird Fußball gespielt und dann ist es wieder so spät, dass es in den Mensen auch kein Abendessen mehr gibt. Der Magen wird nur mäßig gestopft, sodass er zum Einschlafen nicht murrt. Meinem geplanten Stopp des Gewichtsverlusts (bislang ca. 5 kg in) kommt das nicht gerade zugute.

Tag 122: Touristenprogramm die zweite.

Trotz meines späten Einschlafens am frühen Morgen, an dem es draußen eigentlich wieder wärmer werden sollte, muss ich die Klimaanlage erstaunlich selten an- und ausschalten. Wahrscheinlich schlafe ich auch deshalb so unruhig, oder weil ich an Einbrecher denke, da Lukas schon ab zehn wach ist. Und es kommt bekanntlich selten vor, dass er vor mir aufsteht.
Trotzdem bekommt er es nicht gebacken, etwas zu Essen zu beschaffen. Und als wir um halb zwei die Mensen aufsuchen, gibt es lediglich noch zwei Teigwaren, die für über den Tag reichen müssen, da wir schon gleich mit Alex und Gothe von der Grafia verabredet sind. Es steht mal wieder ein Touristenprogramm auf dem Plan. Letztendlich bietet Xi'an ein paar Sachen an, allerdings nicht so viele und erst recht nicht für Regentage, von denen wir heute Morgen zumindest einen erwischt haben.
Auf dem Weg in die Innenstadt wird das Wetter allerdings besser und wir können mal wieder die Stadtmauer per Tandem umrunden. Und in die Kalligraphiestraße. Und letztendlich zur Licht- und Wassershow an der großen Wildganzpagode. Und zwischendurch darf natürlich ein Barbesuch mit gutem deutschen Bier nicht fehlen.
Mittlerweile rufen die Leute nicht mehr einfach nur 'Ausländer' hinter uns her, sondern rufen ob meiner fabulösen Haarpracht nur noch Beckham. Das ganze in chinesischer Aussprache und stets unterschiedlich, aber ich weiß ja, was gemeint ist. Ich wäre trotzdem froh, wenn sie in Zukunft hinter Beckham einfach mal 孟豪, also meinen chinesischen Namen hinterherrufen könnten.
Ich schlafe um elf Uhr ein. Ein Novum!

Tag 121: Langer Samstag.

Der Wecker klingelt um sieben und Lukas und ich sind erstaunlicher fit. Thomas auch, denn er begleitet uns als Fan zum Spiel. Wir steigen pünktlich ins Taxi, es ist bewölkt und nicht zu heiß. Es scheinen gute Bedingungen für ein gutes Fußballspiel zu sein, bis ich mal die Frage in den Raum stelle, ob alle ihre Fußballausweise dabei haben. Ich glaube, der Tag muss erst geboren werden, an dem Lukas tatsächlich an alles denkt, was er so braucht.
Wir hoffen erstmal auf milde Umstände, aber unser Captain nimmt uns jede Hoffnung, dass Lukas so spielen dürfte, sodass jener sich auf den Weg zur Uni machen muss. Unterdessen spielen wir schon mal recht erfolgreich. Und ich darf das erste Mal einen Freistoß schießen. Und ich versenke ihn. Weil ich so toll bin. Ansonsten spiele ich persönlich etwas bescheiden, was aber keiner merkt, weil ich ja ein Tor geschossen habe. Und nur das zählt.
Letztendlich gewinnen wir 3:1, Lukas darf in der zweiten Hälfte noch ran und über einen kleinen Umweg durch Klamottengeschäfte auf der Suche nach kitschigen Hawaii-Hemden sind wir schon um halb zwölf wieder auf dem Campus. Der ganze Samstag liegt also noch vor uns. Und den nutzen wir. Und wie wir ihn nutzen. Ich schlaf drei Stunden und dann ist auch schon wieder abends. Alibimäßig hole ich noch den Staubsauger von den Damen, aber benutzt wird er heute nicht mehr.
Es wird langsam langweilig, wenn ich vom Abend berichte, denn auf Wunsch der Damen gehen wir in den Nono-Club. Hanna hat anscheinend vergessen, dass sie die dortige Musik damals schon nicht mochte, denn sie flucht eigentlich nur die meiste Zeit darüber. Ich werde nach meiner gestrigen Wartesession von sämtlichen Angestellten persönlich begrüßt und da wir jetzt Freunde sind, ist es selbstverständlich, dass auch unser Bier getrunken wird, zumindest teilweise und in kleinen Mengen und stets nur nach dem obligatorischen Anstoßen. Während der ersten Minuten klingelt auch unbemerkt mein Handy dreimal. Es ist, natürlich, Theresa, die wissen will, wo ich bin. Sie ist komischerweise in Zivil da und kann den ganzen Abend bei uns verbringen. Ob sie gefeuert wurde?! Um zwölf hat sie Geburtstag, das weiß aber anscheinend nur ich.
Hanna und Nadine gehen eine halbe Stunde vor uns. Für die Zukunft sollten wir Buben wissen, dass das nicht gut ist, da sie uns somit die Chance nehmen, den Pool aufzusuchen. Denn als wir wiederkommen, scheinen die Sicherheitsbeamten schon wieder in Alarmbereitschaft zu sein. Ab dem Campus-Tor folgt uns unauffällig einer und aus der Nähe des Pools kommen Stimmen. Wir warten noch ein wenig im Schutze der Dunkelheit und können die Stimmen schnell den Damen zuordnen, die schnellen Schrittes und der gegenseitigen Ermahnung, still zu sein, Richtung Wohnheim eilen. Wir lassen es uns nicht nehmen, sie auf Chinesisch anzusprechen und es braucht eine ganz schön lange Zeit, bis sie merken, dass nur wir es sind.
Irgendwie ist meine Müdigkeit noch nicht so fortgeschritten (es ist ja auch erst kurz nach zwei) und so ruf ich mal den Bruder an, der sich noch auf der Geburtstagsfeier meines Großvaters aufhält. Es ist nur noch der enge Familienkreis anwesend und sie sind sehr gewillt, mit mir auf ein Bier anzustoßen. Zum Glück ist auch noch ein zweites im Eisfach. Und zum Glück stoßen sie mit mir an, denn nur so rette ich auch noch die anderen Dosen vor dem Einfrieren.
Und um dann noch ein wenig sentimentaler zu werden, lege ich nach erzwungener Beendigung des Telefonats (Skype-Guthaben ist alle) Michael-Jackson auf und lese alte Blogeinträge aus meiner Stuttgart-Zeit. Und dann ist es auch schon fünf. Wahnsinn.

Tag 120: Ich werde Theresa wohl nicht heiraten.

Letzter Tag in der Druckvorstufe, nächste Woche sind Lukas und ich zusammen in der Weiterverarbeitung. Diese wird mir heute von den Damen, mit denen ich mich in der letzten Woche dauernd unterhalten hab und deren Namen ich irgendwie noch immer nicht kenne, nicht gerade schmackhaft gemacht. Nur gucken, sehr laut, im zweiten Stock, also verdammt warm, heißt es. Ich sollte maximal eine Woche bleiben und dann bitte dafür plädieren, wieder in der Vorstufe sitzen zu dürfen.
Ich denke, hier habe ich nicht nur einen Platz zwischen ihnen an den Computern sondern auch in ihrem Herzen reserviert.
Wenn ich mich nicht gerade unterhalte, so ist ab dem späten Nachmittag dann SMS-Action rund um Theresa angesagt. Heute würde sie erst um zehn mit der Arbeit beginnen, vorher lädt sie zum Essen. Und das kann man ja mal mitnehmen. Sie müsste also eigentlich wissen, dass ich um sechs Uhr Feierabend habe, dann mit dem Rad entweder nach Hause oder in die Stadt fahre. Sie soll mir lediglich einen Zeitpunkt und den Ort nennen, aber das lässt auf sich warten, bis ich dann auf dem Fahrrad sitze und mal anrufe. Ich versteh sie nicht (Telefonieren ist zwar billig, aber ebenso billig ist oft die Netzqualität) und warte auf ihre SMS. In dieser fragt sie aber nur, wo ich denn gerade sei. Ich erkläre ihr nochmal die Not der Lage, dass es heute 40 °C war und die Luft in den Straßen bestimmt, da gestaut, nochmal heißer ist, sie soll nicht solche Lappalien erfragen sondern sagen, wo es hinginge. Acht Uhr Kentucky Fried Chicken (also richtig gutes Essen...), ist gebongt. Ich kann also erst nach Hause und duschen.
Ich komm trotz angekündigter leichter Verspätung pünktlich und ruf dann nach einer viertel Stunde mal an. Es geht aber keiner ran, stattdessen erhalte die die SMS, dass Madame gerade duscht. Ich solle im Nono-Club warten. Klar, wo sonst.
Dort warte ich dann bei zwei (kostenlosen) Wässerchen und unterhalte mich mit dem Personal. Gute Leute. Diese klären Theresa dann auch auf, dass ich eine Stunde da sitze, was sie gar nicht fassen kann, da es doch erst halb zehn ist, als sie den Laden betritt.
Beim Essen erfahre ich, dass Sonntag ihr Geburtstag sei. Diesmal wirklich. Chinesen hätten anscheinen zwei Geburtstage und der 28.6. sei von ihrer Mutter jetzt bestätigt worden. Wenn Chinesen aber nun zwei Geburtstage haben und sie mir schon vier Daten genannt hat... ist sie dann zwei Personen, also schizophren? Und da stell ich mir das erste Mal die Frage: Handelt es sich im Falle einer (um den Club zu übernehmen angestrebten) Hochzeit um Polygamie und ist somit illegal? Mir kommen nicht zum ersten Mal Zweifel, ob es das ganze wert ist.
Immerhin wird meine vorangegangene Wartezeit damit wettgemacht, dass mir anschließend im Club eine ganze Karaffe Whiskey-Eistee vor die Nase gesetzt wird und ich tatsächlich nichts zahlen muss. Diese hat eigentlich einen stolzen Preis von 300 Yuan, so viel habe ich hier insgesamt noch gar nicht verzehrt, glaube ich. Das Würfelspiel wird wieder ausgepackt, damit schneller getrunken wird. Erst mit ihr, dann mit ihr und ihren Freunden, dann nur noch mit ihren Freunden, da sie für eine Weile weg ist. Ich verstehe mich gerade prächtig mit den zwei Herren, als mein Arm grob angepackt wird und ich von einer wütenden Theresa zum Gehen aufgefordert werde. Ich denke zunächst, der Grund sei, dass ich sie anscheinend nicht ausreichend beachtet hab, aber irgendwie war was mit einer anderen Dame, die nicht ganz freundlicherweise mit einem umgangssprachlichen Wort für 'Prostituierte' betitelt wird. Geschlagen hätte man sich. Oder so. Ich bekomm aber irgendwie keine klare Antwort, wir müssten nur auf irgendwas warten. Klar, gewartet habe ich heute ja auch noch nicht genug.
Nach knapp einer halben Stunde habe ich immer noch keine Aufklärung erhalten und das Warten hat noch immer kein Ende, also zieh ich mal die Notbremse und gehe.
Das ist auch besser so, denn morgen haben wir um halb neun ein Spiel. Um halb neun morgens.
Die sind doch verrückt, die Chinesen.

Tag 119: Heute wirklich krank.

Frei nach dem Motto 'Wer feiern kann, kann auch arbeiten', stehe ich heute auf und täusche pure Munterkeit vor. Lukas hat bereits gestern unter dem Vorwand, zu JiangLei ins Büro zu müssen, seinen Arbeitsbeginn erfolgreich auf nach die Mittagspause verschoben, sodass ich ihn auch nur wecken muss, damit er sich nochmal umdrehen kann, aber weiß, dass er dann bald auch raus muss.
Wie schon die letzten Male, an denen es Feuertopf zu essen gab, hat man am nächsten Tag noch seinen Spaß damit. Zwar sagt man, von scharfem Essen hat man zweimal was, aber das ist definitiv untertrieben, ich habe am Morgen gleich dreimal das Vergnügen des 'Afterburns', sodass ich Lukas doch wecken muss, um an seine Tabletten zu kommen. Denn ich habe keine große Lust, den zweiten Donnerstag in Folge gelangweilter weise zuhause zu verbringen, während die Arbeiterbienen sehnsüchtigst auf mich warten.
Und die Tabletten scheinen auch anzuschlagen. Aber ich kann hier nur jedem folgendes mit auf den Weg geben: Eine Radfahrt kann die längste des Lebens werden, wenn die Tabletten doch noch nicht angeschlagen haben. Zumal auch noch frei nach Murphy alle Ampeln auf rot umspringen, wenn man sich in ihrer unmittelbaren Nähe befindet.
Ich habe schon im Gefühl, dass ich heute der einzige Deutsche in der Firma bleibe, entschuldige den armen kleinen Mann, der sich dann mittags meldet und seinen Zustand mir mit einem Mordskater und den üblichen Verdauungsproblemchen seine Abwesenheit erklärt, damit, dass er vormittags was zu tun hat, aber dass er diesmal auch wirklich krank ist. Mein Gott, in nur einem Jahr bin ich genauso alt wie er jetzt... bin ich dann auch so gebrechlich? Ich klammere mich fest an den letzten Strohhalm der Hoffnung, den das Nichtanfangen des Rauchens darstellt.
Die Aussage, dass Luke dieses Mal wirklich krank ist, stößt auf große Belustigung, denn bisher hat niemand anscheinend jemals in Betracht gezogen, dass man auch mal so tun kann. Aber für die Zukunft wissen sie jetzt bescheid und ich habe einem ehrlichen Völkchen mal wieder die Welt erklärt und somit meinen alltäglichen Auftrag auch für heute erfüllt.