Mittwoch, 19. August 2009

Mirko Tag 170: Rabenbruder Mirko

Der heutige Tagesbeitrag ist nicht für Leute geschaffen, die viel von
mir halten und mich unter Umständen als Vorbild, Traum-Schwiegersohn
oder fehlerlos betrachten.
Nach einem Schlendergang durch die Stadt und all ihre
Fälscherwerkstätten und einem Vorabend im Hotel zum Fußballschauen
geht es abends in das Windows, eine Bar mit Disco-Charakter zu
günstigen Konditionen. Es ist Samstag, da bietet es sich an, vor die
Tür zu gehen.
Nun befindet man sich also in diesem Club und kommt zwangsläufig mit
anderen Menschen in Kontakt. Und ich persönlich vergesse dann auch
schnell, mit wem ich eigentlich unterwegs bin und nehme auch mal
Angebote an, weiterzuziehen. Und so zieh ich einfach mit den
Thailändern weiter, wortlos, ohne Torben oder Toni auch nur ein
Zeichen zu geben. Zur Verteidigung muss ich aber auch erwähnen, dass
ich die beiden zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr sehe. Sei es, weil sie
auf Klo sind oder aus Herzschmerz eine Bank zum Ruhen aufsuchen.
Dennoch ist es vielleicht nicht ganz in Ordnung, zwei Buben, die weder
Land, noch Leute, noch Sprache, noch den Weg zurück zum Hotel kennen.
Also darf ich mir später die abenteuerlichen Odysseen der beiden
anhören: während Torben eine zeitlang auf der Parkbank ruht und
hellen ein Taxi besteigt, kommt Toni schon früher auf die Idee mit dem
Taxi und der Hotelkarte. Allerdings unterschätzt er dabei die Wirkung
von schlechten Straßenverhältnissen kombiniert mit ruckartigem
Anfahren und Abbremsenauf einen mit Schnaps gefüllten Magen. Aber in
China ist das kein Problem, sich kurz bei voller Fahrt aus dem Fenster
zu beugen. Der Fahrer freut sich regelrecht und lacht herzhaft. Gegen
ein kleines Trinkgeld wischt er dann auch voller Wonne die
Außenkarosserie ab.
Ich verspreche, sie hier nicht wieder allein zu lassen.

Mirko Tag 169: Touristentrottel Torben.

Nach acht Stunden Reisezeit (Flug eigentlich nur eine Stunde, aber
Verzögerungen und ein zwei Stunden-Bustrip durch den Feierabendverkehr
machen daraus einen Tagestrip) darf ich den herzallerliebsten Bruder
in Shanghai wieder in die Arme schließen. Und er bringt den Toni mit.
Torben entpuppt sich als Touristentrottel, der auf viele Fallen
reinfällt. So gibt er gegen meinen Ratschlag gerne mal Bettlern Geld
und wundert sich, dass sie danach mehr fordern. Auch glaubt er,
Rosenverkäufern, hier oft kleine Kinder statt Inder, zu helfen, indem
er ihnen gleich einen ganzen Straus abkauft. Dass diese das gleich den
ganzen Freunden mitteilen und wir kilometerweit von diesen verfolgt
werden, bis wir nachgeben oder ihre Füße zu wund sind, glaubt er mir
auch erst, als es der Fall ist. Zumindest kassieren wir viele Lächeln
von den Frauen, die uns über den Weg laufen und von uns jene Rosen
geschenkt bekommen. Und auf dem langen Weg kann ich den Kindern
hoffentlich ein bisschen ins Gewissen reden, dass es sich mehr
auszahlt, zu Schule zu gehen.
Und leider verschwindet auch die Dame, der Torben in der Bar einen
Orangensaft spendiert, umgehend, als uns die Kellnerin unauffällig
einen Zettel hinlegt, dass sie nicht dafür verantwortlich sind, wenn
sich andere Damen aushalten lassen und gegebenenfalls auf mehr aus
sind als nur einen Saft.
Aber gut, es ist sein erster Tag und er ist noch jung, ich werde ihm
das schon beibringen.

Mirko Tag 168: Bier, Bier, Bier und nochmals Bier.

Heute will ich dann wirklich mal etwas mehr von der Stadt sehen und
Kultur erleben. Also will ich zunächst in ein Museum. Ins Biermuseum.
Da wollte ich schon morgens hin, aber da musste ich noch schlafen.
Also nehme ich, um Zeit zu sparen und da ich nicht wirklich weiß, wo
wo es sich befindet, nehm ich ein Taxi. Und der Fahrer weiß
natürlich, wo er hin muss. Zur Brauerei. Also gurkt er mich eine halbe
Stunde durch die Stadt und lässt mich am Eingang der Beercity raus.
Der Penner. Das Museum is gar nicht da, erklärt man mir. Stattdessen
bekomm ich Wehmut, da hier gerade Festzelte für das übermorgen
startende Bierfest aufgebaut werden. Ich fahre morgen schon wieder.
Schlechtes Timing. Also guck ich mir das Gelände etwas an und denke
mir nur, wie schön es auf dem Bierfest doch sein müsste.
Dann nehme ich ein Taxi zurück. Und der Fahrer weiß, wo ih hin muss.
Zwar gibt es erst ein paar sprachliche Differenzen, weil dass Wort für
Bierstraße bis auf die Betonung genauso ausgesprochen wird wie
Bierfest, aber wir verstehen uns letztendlich doch.
Ich brauche also insgesamt eineinhalb Stunden, um das Museum, das
unweit des Hostels ist, zu erreichen. Verschenkte Zeit. Das Museum
lohnt sich aber allemal. Neben der Braukunst erfahre ich etwas über
die Geschichte und hiesige Trinkkultur. Zum Bierfest beispielsweise
trinkt man aus Behältnissen mit Plastikschlauch und um frisch
gezapftes Bier mitzunehmen, benutzt man klare Plastikbeutel. Man kauft
also keine Flasche, sondern eine Tüte Bier. Wahnsinn.
Leider liegt ein dichter Nebelschleier über der Stadt,
Aussichtsplattformen und Gebäude lohnen sich also kaum zu besuchen.
Ich guck also nur noch das nötigste an, die Bucht mit dem berühmten
Pavillion im Wasser, also das Wahrzeichen der Stadt.
Im Hostel will heute keiner mehr wirklich raus, aber das muss man auch
nicht, da die Lounge auf dem Dach auch sehr einladend ist und somit
zentraler Treffpunkt ist. Ich mag die Atmosphäre und vor allem den
interkulturellen Austausch. Und das alles in einer Stadt, die sich
ganz dem Bier verschrieben hat. Qingdao gehört definitiv zu den
Highlights meiner Rundreise.

Mirko Tag 167: Deutsches Reinheitsgebot?

Trotz einer überschaubaren Menge an Bier und einem frühen Bettgang
brummt mein Schädel heute morgen gewaltig. Muss am unfiltrierten, dass
zu viele Giftstoffe vom Brauprozess enthält. Da hat man sich bei der
Einführung des deutschen Reinheitsgebots also schon was gedacht, nehme
ich an.
Shushen geht es ähnlich. Antriebslos. Appetitlos. Planlos. Der Strand,
wo wir eigentlich den ganzen Tag verbringen wollen, muss warten. Das
Bett hat momentan eine größere Anziehungskraft. Zwei Stunden Schlaf
gewähre ich ihm ab elf Uhr. Um fün wecke ich ihn dann tatsächlich.
Frühstück. Und dann Strand, aber nur gucken.
Und was gibt es da zu gucken? Eine Menschenmasse sondergleichen. War
ich in Xiamen der einzige weit und breit im Wasser, so schwimmt man
hier die ersten 50 Meter durch ein Meer von Menschen. Unter ihnen
tragen viele Männer Schwimmflügel, Frauen tragen Neoprenanzug plus
zurechtgeschnittener Neopren-Maske, damit sie schön weiß bleiben.
Angst haben muss man hier nicht, da die Bucht mit einem Hainetz
versehen ist. Ob es in dieser Region wirklich Haie gibt, bleibt zu
bezweifeln. Und so bleibt eher die Mutmaßung, dass es eher gespannt
wurde, um die Menschen im Land zu halten.
Nach zwei Stunden geht es zurück ins Hostel. Shushen ist müde, geht
um acht schlafen. Ich finde heraus, dass man auf der Dachterrasse in
der Lounge essen kann. Und das gut und günstig bei chilliger Musik und
Billiard und vielen Gleichgesinnten. Westler, allein auf der Reise und
auf der Suche nach Abenteuern. Deshalb bietet es sich an, zusammen
loszuziehen. Ich habe ja den Tag genügend geruht, sodass ich jetzt gar
nicht müde sein kann.
Zwei Amis, drei Franzosen, ein Guatemateco, ich Deutscher sind am
Start, als wir die erste Disco betreten. Allerdings sind die Service-
Kräfte da immer etwas lästig und drängen einen förmlich dazu, sich
zu setzen und etwas zu trinken zu bestellen. Aber wir wollen wirklich
nicht an der Theke sitzen, auf der gerade ein Mann in Frauenkleidung
tanzt, also gehen wir wieder raus und finden in der Nebenstraße eine
Bar mit Tiachkicker und noch mehr Westlern. Briten, Australier, Russen
schließen sich uns an und es gleicht einer weißen Imvasion, als wir
(mittlerweile mehr als 20 Leute) uns vor einem Restaurant
niederzulassen. Wieder Seafood, wieder sehr gut und verdammt günstig.
Wir bleiben zwei Stunden.
In der Disco machen wir den letzten Tanz mit, dann müssen wir gehen.
Man will schließen. Von einem öffentlichen Platz werden wir auch
verscheucht, der Polizist traut uns nicht.
Und man sollte meinen, dass wir die einzigen Dummen sind, die jetzt,
um halb fünf in der Nacht, zum Strand gehen. Aber weit gefehlt. Es ist
eine Pilgerwanderung von hauptsächlich älteren Chinesen, die es sehr
eilig haben, das Wasser zu erreichen. Und somi ist der Strand fast so
voll, wie vor zwölf Stunden, als ich das letzte Mal hier war. Das ist
doch nicht normal! Aber gut für den Körper und den Geist, sagt man
uns.
Als wir zurückkommen, steht Shushen gerade auf. Es ist halb sechs.
Seine Freundin zwingt ihn dazu, einen Berg hier in der Nähe zu
besteigen. Dabei will er doch heute eigentlich nur am Strand liegen.
Armer Bub!
Ich lehne das Angebot, sie zu begleiten, dankend ab.

Mirko Tag 166: Qingdao.

Die letzte Nacht war nicht unbedingt eine der besten. Ein Taifun hat
das Festland erreicht und somit ist es sehr laut, meine Zimmerpartner
brauchen Licht zum Schlafen und einer von ihnen, sehr suspekt mit
Sonnenbrille, Hut und Vollbart kommt immer nur einmal stündlich rein,
legt irgendwas auf sein Bett und verschwindet wieder, was er durch
lautes Türknallen mitteilt.
Wird Zeit, dass ich den Süden verlasse, nicht nur wegen des Unwetters.
Qingdao lautet das Domizil und ich muss sagen: schönes Plätzchen,
dass sich unsere Vorfahren ausgesucht und kolonisiert haben. Direkt an
einer Meeresbucht gelegen, Berge im Rücken, angenehmes Klima.
Im Hostel, das schönste bisher, ein altes Observatorium, surft der
Chinese neben mir auf der deutschen Seite von eBay. Es ist Shushen, er
hat acht Jahre in Deutschland studiert, macht jetzt mit seiner
Verlobten Urlaub und Hochzeitsfotos. Vor der Hochzeit. Zwei Monate
vorher. Und am Strand. Natürlich. Und er hasst diese kitschigen
Bilder. Aber in China ist das ein Muss.
Aber da er die Bilder jetzt hinter sich hat, möchte er feiern. Für
Feiern bin ich ja eher nicht zu haben, im Urlaub will ich meine Ruhe
und viel schlafen. Aber natürlich gehe ich mit.
Wir landen in der Bierstraße. Sie heißt wirklich so. Sie liegt an der
alten Brauerei und jedes der ihr gegenüber liegenden Fischrestaurants
wirbt damit, der "Birthplace of Beerculture" zu sein. Ich komme aus
dem Strahlen nicht mehr raus. Was für eine schöne Straße! Und es
wird noch besser. Nicht nur, dass Fisch und Meeresfrüchte sehr lecker
sind, es gibt auch besonders leckeres unfiltriertes Rohbier aus großen
Fässern abgefüllt. Hier lässt es sich aushalten. Toll ist auch die
Tatsache, dass, ich nenne ihn Hugo, nicht so viel Bier trinken kann
und irgendwann erbrechen muss. Und das macht er geschmeidig unterm
Tisch - und alle finden es toll! Da ekelt sich keiner. So ist das
einfach. Toll.
Um halb zwölf hat es sich dann ausgetrunken. Sowohl Shushen als auch
ich sind müde. Erstaunlich früh, da werde ich morgen endlich mal
richtig fit sein.

Sonntag, 16. August 2009

Mirko Tag 165: Ein bisschen Guangzhou.

Bevor ich Hongkong verlasse, will ich noch auf den Markt. Ich bin
flexibel, was den Aufbruch betrifft, denn Züge nach Guangzhou gibt es
genügend.
Mit dem Markt wird es nichts, da Hongkong von einem Taifun heimgesucht
wird. Also guck ich mich auf dem Fälscherbasar im Erdgeschoss des
Hostels um. Leider kann ich mich nicht entscheiden, ob ich eine
PlayStation Portable, eine "Original iPhone Kopie" mit Antenne zum
analogen Fernsehen oder das Spionage-Gerät, das man sich irgendwo
hinstellt und per Anruf belauscht, was so Sache ist, kaufe und so
bleibt bei mir der Konsum aus. Dabei sind die Preise verlockend.
Ich steige dann eigentlich schon an der richtigen Station aus, glaube
mir selber aber nicht und kaufe ein Ticket um mit der U-Bahn noch eine
Station weiterzufahren. Da muss mich dann erst der Ticket-Verkäufer
überzeugen, dass die Inter-City-Züge tatsächlich bei der vorherigen
Station abfahren. Also wieder zurück.
Die Hongkonger halten sich auch für was ganz besonderes, glaube ich.
Irgendwie sollen sie zwar zu China gehören, haben aber ihre eigene
Währung (wo sich jede Bank mal so richtig austoben durfte, was das
Design und den Bedruckstoff des Scheins (zumindest die Farbe ist
gleich, aber jede Bank darf das Geld als eigene Werbefläche nutzen und
mal ist es Papier und mal Plastikfolie) betrifft) und die
Grenzkontrollen sind strenger als sonstwo. Und nervig. Und diese blöde
Schweinegrippe tut ihr übriges dazu.
Es dauert also etwas, bis ich den Guangzhouer Bahnhof verlassen darf.
Weil man meine Zahlen auf den Papieren nicht lesen kann, anscheinend.
Dabei sind sie es, die eine 9 wie ein P aussehen lassen und eine 7 wie
eine 1. Mir soll es egal sein, zum Glück werde ich nicht zur
medizinischen Nachuntersuchung gebeten, wie viele andere Ausländer vor
mir. Bin nicht heiß genug.
Vorm Bahnhof kann es kein Taxifahrer fassen, dass ich nicht ihr
unschlagbares Angebot von 120 Yuan nutzen möchte, sondern die Bahn.
"Die kostet aber auch 5 Yuan!". Ach was. Zumindest sind sie so nett
und zeigen mir, wie ich fahren muss.
Das Hostel liegt in bester Lage direkt am Fluss, die Nachbarschaft
besteht aus mindestens zehn Bars von hoher Qualität und einigen
Restaurants. In einem bestell ich Lobster, ohne zu wissen, was es
eigentlich ist. Es sind dann wieder Flusskrebse mit Ballonköpfen, was
heißt, dass der Teller am Ende fast so voll ist, wie am Anfang, weil
der essbare Teil ungefähr der Menge von zwei Nordseekrabben
entspricht. Kein Wunder also, dass ich noch einige Schüsseln Reis
kommen lasse, um einigermaßen gesättigt zu sein.
In den Seitenstraße geh ich Shoppen. Ein paar Adidas Schuhe, drei
Unterhosen, eine Tasche von Diesel (mein Rucksack ist zum Bersten
voll, reise jetzt erstmals mit Handgepäck). Das ganze für 120 Yuan,
zwölf Euro. Das Geld hab ich ja beim Verzicht auf das Taxi gespart.
Was es am Ende wert ist, wird sich noch zeigen.
Und dann geh ich noch zum Frisör. Nicht, weil die Haare schon wieder
zu lang sind, sondern des Services wegen. Kaffee, zwanzig Minuten
Haarewaschen, Kopf- und Nackenmassage, Smalltalk und drei Minuten
Haareschneiden bekomm ich für 20 Yuan. Probleme gibt es nur beim
Schließfach für meine Tasche. Das funktioniert nämlich mit
Fingerabdruck-Sensor. Allerdings nicht immer, wie man hier feststellen
muss.
Die Bars locken die Kundschaft mit tollen Angeboten. Und keiner kommt.
Ist Montag. Erst gegen halb zwölf zähl ich jeweils um die fünf
Gäste je Amüsierschuppen. Einer mit 50 Gästen wär da vorteilhafter,
also wird das bei mir heute nichts. Lediglich in der Lobby der
Jugendherberge verweile ich noch etwas. Das Bier gibt es hier nämlich
zum Einkaufspreis.
Letztendlich habe ich also nicht sonderlich viel von der Stadt
gesehen. Aber mein Anliegen war ja auch nur, eine Freundin zu
besuchen, die diese Tage aber doch nicht da ist. Selber Schuld.

Mirko Tag 164: Touristenprogramm alleine?!

Da beide Zimmerkumpanen früh auschecken müssen, steh ich,
gezwungenermaßen durch den Lärm auch früh auf.
Erste Station soll der große Buddha sein, der irgendwo auf der
Nachbarinsel in den Bergen steht. Dahin geht es mit der Seilbahn. Blöd
ist heute nur, dass Sonntag ist. Und da pilgern noch mehr einheimische
Touristen zu den Attraktionen, sodass man überall Schlange steht und
teurere Preise gelten.
Ich steh also fast eine Stunde an, bis ich überhaupt an der Kasse zur
Seilbahn stehe. Dann gebe ich etwas mehr aus für die Kabine mit
gläsernem Boden. Ein Glücksgriff, denn damit fahren nicht so viele
mit, die Schlange jetzt ist deutlich kürzer. Und da ich eine
Einzelperson bin, komm ich noch etwas schneller dran, weil irgendwo
immer noch Platz für mich ist.
Oben angekommen geht es erst durch ein Dorf. Ui, klingt laut Plan so,
als lebten da noch einheimische Buddhisten oder so. Es ist aber
lediglich ein mediterran wirkendes Dorf aus vielen Restaurants und
Souvenirshops. Soll mir egal sein, die Pizza schmeckt dennoch.
Der Buddha steht dann da auf einer weiteren Anhöhe. Von der Größe
her imponiert er schon, aber er steht auch nur und kann nicht tanzen
oder Feuer spucken. Das wär cool. Also ist es verständlich, dass ich
nicht den ganzen Tag bleibe.
Ich fahre dann zum Peak, einen hohen Berg direkt hinter der
Hochhäuserfassade, prima Ausblick. Hinauf geht es mit der Tram, Ende
des 19. Jahrhunderts erbaut. Und wie es da hoch geht. Steigungen bis
100 % nehme ich mit. Abgefahren, was die damals schon bauen konnten.
Oben könnte ich neben der Aussicht bei Bubba Gumps Shrimps in allen
Varianten essen. Mach ich aber nicht. Viel zu teuer. Die Aussicht ist
gut, nur ist die Luft mal wieder eine graue Brühe und es ziehen
Regenwolken auf. Fotos werden also nichts.
Im Hostel lese ich in der Mail von Anna, die hier zwei Jahre gelebt
hat und mir ihre Tipps nun mitteilt, dass es eine deutsche Kneipe
gibt. Hin da.
Das Schnurrbart liegt im Kneipenviertel und wirkt von innen wie direkt
importiert. Allerdings sind heute auch die Gäste von der Gattung
"Dorfkneipenbesucher kurz vor Schluss": Träge Männer gehobenen Alters
über ihren Bieren hängend, vereinzelt mal redend oder mit flachen
Komplimenten das Herz der hübschen aber kühlen Kellnerin zu erobern
versuchend. Und ich mittendrin. Aber nur kurz. Preise und die
Tatsache, dass es hier zu international ist sodass ich nicht leicht
mit anderen in Kontakt komme treiben mich wieder von Hongkong Island
nach Kowloon. Da gibt es nen Supermarkt, wo das europäische Bier
günstiger ist, als das chinesische und es gibt den Hafen und auf der
anderen Seite des Wassers viele Lichter.
Vor meinem Hostel wird nicht nur der Himmel mit zunehmender Tageszeit
dunkler, auch die Menschen. Chinesen findet man nicht mehr, dafür
viele Afrikaner. Sie bieten mir tolle Sachen zum Rauchen an. Ich muss
leider ablehnen. Rauche ja nicht. Das erkennt auch die ältere Dame und
bittet mich, doch in ihre Bar zu kommen. Den Bierpreis handel ich noch
etwas runter, dann willige ich ein. Wenn sie mich schon so bittet...
In der Bar sitzen mir sechs Damen gegenüber. Sonst gibt es da keine
anderen Gäste. Sie kommen alle von den Philippinen und finden mein
Hostel ganz toll. Sie würden es am liebsten sofort sehen, aber aus
Rücksichtnahme auf meine beiden, heute weiblichen, Mitbewohner muss
ich die Führung absagen. Aber Durst hätten sie und die Mami, wie die
alte Dame, die mich reingebeten hat, wünscht sich, dass ich ihnen ein
Getränk spendieren könnte. Das wünsch ich mir auch. Wirklich. Aber
ich bin Student.
Ich entschuldige mich, dass ich wohl nicht der typische Besucher ihrer
Bar bin und mir ist auch keine wirklich böse, dass ich dann gehe. In
anderen Städten Chinas war das schon anders, aber das ist hier ja auch
nicht wirklich China.

Mirko Tag 163: Kurze (?) Reise nach Hongkong.

Die Reise in eine neue Stadt ist bei mir momentan häufig mit der
Hoffnung auf ein Domizil mit mehr Schlaf verbunden. Ist aber auch
heute nicht wirklich drin, da ich immer nur kurz ein Verkehrsmittel
besteige, maximal eine Stunde unterwegs bin, aussteige, warte und
wieder irgendwo einsteige. Nach Shenzhen mit dem Flieger, da in den
Bus, zu Grenze nach Hongkong, Passkontrolle, nächster Bus, City.
Zwar werden mir schon am Flughafen die obligatorischen Zettel zur
Einreise und zur Schweinegrippe zum Ausfüllen gereicht, aber scheinbar
sieht man nicht ein, warum man mir sofort drei Zettel geben sollte.
Soll der Mirko doch mal schön selber rausfinden, oder nach einer
halben Stunde Schlange stehen vom Grenzbeamten aufgeklärt werden.
Herzlichen Dank. Denn so verpass ich auch den nächsten Bus und darf
noch eine halbe Stunde warten. Zudem fährt dieser dann viel zu langsam
und immer ganz rechts auf der Autobahn, allerdings fällt mir dann auf,
dass hier ja Rechtsverkehr herrscht. Der Busfahrer hält es nicht für
nötig, die Haltestellen anzusagen, also steig ich da aus, wo die
meisten aussteigen. Hab sowieso keinen Plan, wo ich hin muss. Hab ja
noch kein Hostel gebucht. Und einen Plan von der Stadt habe ich auch
nicht. Ich fahr sowieso immer ohne großen Plan und Vorbereitung los.
Dann ist die Erwartungshaltung nicht so hoch. Allerdings weiß ich
jetzt nicht, wo ich anfangen soll. Ich bräuchte Internet, um ein
Hostel zu finden. Allerdings brauch ich dafür Geld. Ich weiß
zumindest, dass man hier mit dem Hongkong-Dollar zahlt, aber was ist
der wert? Was hebt man ab? Und wo ist die nächste ATM-Bank?
In einer riesigen Mall werde ich fündig. 400 $, wird passen, ist der
mittlerste Betrag, den man abheben kann.
Vorm Starbuckscafé nutze ich meine 20 freien Internetminuten auf dem
iPod nih gerade intensiv für die Hostelsuche. Wie auch? Ich muss erst
mal wieder das unzensierte Netz genießen und ausnutzen. Aber dann im
nächsten Café werde ich fündig. Hostel in Kowloon. Da bin ich auch
gerade, finde ich heraus.
Also raus aus der Mall, mit der Adresse auf die Suche nach einem Taxi.
Dann fällt mir aber auf, dass ich schon in der richtigen Straße bin.
Hausnummer 700, ich muss zu 36. So weit kann das nicht sein. Aber ich
laufe dennoch eine halbe Stunde. Hauptsächlich, weil die Häuser so
dicht an die Straße gebaut sind, dass kaum Platz für Passanten ist.
Und dann läuft auch keiner in meinem Tempo. Und dauernd bleibt jemand
aus nichtigen Gründen unerwartet stehen. Dazu habe ich Gepäck auf dem
Rücken. Und es ist heiß. Und ich schwitze. Und ich bin mittlerweile
seit neun Stunden unterwegs. Ich muss mich selber beruhigen. Mich
bremsen, dass ich niemanden anschreie.
Mein Hostel umfasst einen Häuserblock. Im Erdgeschoss haben Inder und
Afrikaner ihren Fälschermarkt, im dritten Geschoss ist die Rezeption,
ich wohne im elften. Allerdings ist das Gebäude in sechs Blöcke
unterteilt, für jeden gibt es zwei Aufzüge, der linke fährt die
geraden, der rechte die ungeraden Zahlen an. Und das ganze in einer
Geschwindigkeit, die selbst die Bezeichnung langsam nicht verdient. Zu
Stoßzeiten kann man also auch hier vor eine halbe Stunde warten, auf
der Fahrt nach ganz oben verhungern.
Mit Andrew, meinem malaysischen Mitbewohner geh ich essen und in ein
Internetcafé, damit meine Weiterreise für übermorgen geklärt ist.
Da er Buddhistenschüler ist, fällt ein Clubbesuch flach. Kein
Problem, ich habe sowieso noch etwas Schlaf nachzuholen und morgen ist
Touristenprogramm dran. Dabei hilft mir der australische Mitbewohner
weiter, der mir einen Plan und seine Tipps überlässt.
Und schon bin ich voll und ganz über die Stadt aufgeklärt. Wär ja
nur verschenkte Zeit gewesen, hätte ich mich vorher informiert.

Mirko Tag 162: Anti-touristisches Programm.

Nachdem ich um sieben Uhr in der Früh ins Hotel gelassen werde und
endlich schlafen kann, erwache ich nach zwei Stunden wieder. Ich wecke
die Hotelbetreiberin ebenso auf, da ich eigentlich auschecken müsste,
aber auch gerne noch ne Nacht dranhängen würde. Ist geritzt und jetzt
wird weitergeschlafen.
Um vier treffe ich mich wieder mit Yiva. Sie hat frei, da bietet sich
das an. Und dann besichtigen wir keine Tempel oder andere Attraktionen
oder essen landestypische Gerichte, wie es sich sonst für Touristen
gehört, sondern machen das, was Chinesen so tun. Erst mal werde ich
zum Steakessen eingeladen. Von einer Vegetaröse, wohlbemerkt. Dann
geht es Shoppen, beim Walmart. Obst und so. Die selbe Mall, die
Walmart beherbergt, sonst aber ziemlich leersteht (in Deutschland wäre
das ein Skandal, wenn ein so großes Einkaufscenter keine Geschäfte
böte), bietet im obersten Stock eine Eislaufbahn. Sie wollen mir da
erst Schlittschuhe mit Zacken vorne andrehen, die aber ziemlich
unbequem sind und überall drücken, sonst aber zu locker sitzen, weil
die anderen Eishockeyschuhe kaputt seien. Alle. Später erfahre ich,
dass die nur an Leute vergeben werden, die das schon können. "Lass
rüberwachsen da! Ich bin Mirko, eines Wintertages am Mackenstedter
Rixmoor geboren, bevor ich überhaupt stehen konnte, lief ich schon auf
Kufen.", protestiere ich. Erfolgreich. Dass ich aber als
Kniegeschädigter seit knapp drei Jahren nicht mehr gelaufen bin,
verheimliche ich mal lieber. Und dann dreh ich meine Piruetten und
polarisiere die freudig erregten Blicke der Massen. Läuft also. Auch
mit dem Knie. Ich bin sehr stolz auf mich.
Dann wird Billiard gespielt. Kann ich nicht wirklich, Yiva auch nicht.
Und dann geht es an den Strand in eine Art Freizeitpark mit Karussels
und so. Es ist. Bereits nach Mitternacht, aber das hält niemanden
davon ab, die Fahrgeschäfte weiterhin fahren zu lassen.
Um halb drei bin ich im Hotel. Und das ziemlich reibungslos. Zwar hat
Echo, die Betreiberin, die mir zur Vorsicht ihre Nummer gegeben hat,
ihr Handy ausgestellt, aber die Eingangstür ist nur angelehnt.
Von der Dusche aus kann ich im TV den Bundesliga-Start mitverfolgen.
Von der Dusche aus. Geil. Könnte perfekt sein, aber es spielt ja nur
der VFB. Ich schlafe also irgendwann, mittlerweile nicht mehr in der
Dusche, ein, werde aber kurz danach wieder geweckt, per Telefon. Yiva
ist am Strand in meiner Nähe. Hat sich mit der Mitbewohnerin
gestritten und will nicht dahin zurück. Ich soll vorbeikommen. Da
starker Wind weht, ist das Bild vom Bildschirm, auf dem eben noch
Fußball lief, schwarz, also gehe ich die paar Meter vor die Tür.
Völlig aufgelöst werde ich aufgefordert, morgen nicht zu gehen. Man
wird mich vermissen. Ich mutiere hier auch irgendwie Widerwillen zum
Herzensbrecher. Ich fühle mich schlecht dabei. Dennoch setze ich sie
in ein Taxi.
Dann ist es fünf. Herzlichen Glückwunsch, Mirko, in drei Stunden
klingelt der Wecker. Dann geht es über Shenzhen nach Hongkong.
Im Sinne eines erholsamen Urlaubs waren die Tage in oder auf Xiamen
(mangels Stadtplan weiß ich bis heute nicht, ob es sich um Festland,
eine Insel oder zwei Inseln handelt), aber schön allemal. Im Sinne des
Mirko.

Mirko Tag 161: Sonne, Strand und Sonnenbrand.

Da ich im dritten Stock unterm Dach wohne, sie Fenster offen stehen
und die Klimaanlage irgendwie auf 32 •C eingestellt ist, wache ich
nicht unbegründet am frühen Vormittag sehr geädert auf. Und zwar
hungrig. Aber hier in der Gegend gibt es ja nichts, außer das
Fischrestaurant. Mein Frühstück fällt also in der Luxusvariante aus,
das gleiche wie vorgestern.
Dann zum Strand. Ja, Mama, ich habe mich eingecrèmet. Und nein,
natürlich schwimm ich nicht zu weit raus, die Strömungen. Das Wasser
ist eigentlich ganz nett, keine Brühe, wie in Shanghai, eher wie die
gute Nordsee, allerdings muss man dazu erst den ersten Müllgürtel
durchqueren.
Am Strand widme lese ich. Hört, hört. Oder ich schlafe. Oder ich
beobachte die einzigen anderen Gäste neben mir, die ab und an mal
aufkreuzen. Das sind dann Hochzeitspaare, ganz in weiß, die jetzt
kitschige Bilder direkt am Wasser machen wollen. Ich hoffe, sie werden
nach der Hochzeit gemacht denn sauber bleibt die Kleidung bestimmt
nicht. Und wenn ich "ganz in weiß" sage, meine ich das auch so:
Brautkleid weiß, Braut ganz weiß geschminkt, Bräutigam ganz in
weiß. Bei allen zehn Paaren sieht das so aus.
Egal, ob ich nun lese, schlafe oder beobachte, ich tu es zu lange. Zu
lange, als dass die Sonnencrème Joh weiter Schutz böte. Und so werde
ich rot. Besonders in den Kniekehlen. Aber egal, wie wir alle wissen,
wird das braun. Später. Erstmal tut es leicht weh.
Um sieben bin ich mit Yiva verabredet, meiner heutigen Reiseführerin.
Sie lässt mich wegen des zu langsamen Busses eine halbe Stunde warten,
aber seit Theresa kenne ich das ja. Während ich da also so stehe,
umkurven mich drei kleine Halbstarke auf ihren Gelenk-Skateboards. Sie
rufen mir abwechselnd etwas zu und amüsieren sich köstlich darüber,
dass ich nichts verstehe. Aber ich verstehe. Und das gebe ihn ihnen zu
spüren, indem ih den Lümmeln an die Ohren packe und zu ihren Müttern
schleife. Sie bekommen alle drei Hausarrest über zwei Tage.
Mit Yiva geht es durch ein paar nette Straßen, etwas essen (sie ist
zufällig Vegetarierin, aber auch sie kann mich nicht umstimmen), an
den Hafen und dann doch wieder in die gestrige Bar. Irgendjemanden
kennt sie dort und so müssen wir nichts bezahlen. Schon wieder eine
Parallele zu Theresa. Und wenn es dann schon halb zwei ist, können wir
ja noch an den Strand gehen und auf denn Sonnenaufgang warten,
gemeinsam mit etwas Bier und Chips. Aber sie hält es nicht durch. Es
wird kalt und Regen kündigt sich an, also geht es dann doch schon um
halb fünf zum Hotel. Heute wird nicht auf mein Klingeln reagiert. Aber
die Hollywood-Schaukel ist ja auch besonders gemütlich und so schlafe
ich dort, bis man mich um sieben hereinbittet.

Mirko Tag 160: Xiamen.

Gestern saß ih im Flugzeug in Reihe 9. Das war ganz hinten. Und die
Stühle waren nur zur Hälfte besetzt. Für so wenig Passagiere lohnte
es sich also nicht, die Heizung anzuschalten. Wenn ich nicht alles
falsch gemacht habe, droht mir morgen eine Erkältung. Nach dem
Einschecken im Hotel beging ich mich auf die Suche nach einem
Abendessen. Das konnte mir nur das Fischrestaurant bieten. Und dabei
hab ich es mit Fisch doch gar nicht so. Erst recht nicht, wenn er
schon den ganzen Tag da rumliegt. Mir blieb keine Wahl. Fisch und
Muscheln und Gemüse und Reis. Und es schmeckte vorzüglich,
erstaunlicherweise. Mit 60 Yuan hatte es dann auch seinen Preis.
Die Nacht musste ich in Angst verbringen, denn beim Öffnen des
Rucksacks flog mir eine Zykade entgegen. Zykaden sind bis zu 15 cm
lange Insekten, braun, und zur Paarungszeit besonders laut. Sie
platzierte sich auch gleich im Lampenschirm über meinem Kopfkissen.
Bestimmt wartete sie darauf, dass ich schlafe, um mir in den Mund zu
krabbeln und dort Eier zu legen. Die Angst davor und die Tatsache,
dass direkt vor meiner Zimmertür zwei Katzen am Kämpfen waren,
ließen mich erst sehr spät schlafen.
Ich habe Glück, die Zykade landet zu lautstark auf meinem
Nachbarkopfkissen. Ich kann sie locker aus dem Fenster schmeißen. Soll
sie ihre Zykadenspiele doch woanders fortführen.
Mein Hotel liegt in einem kleinen Kaff fast direkt am Meer. Nur fast,
da sich jetzt jemand gedacht hat, man könnte einen schönen
Hotelkomplex dazwischenbauen. Oder damit anfangen, denn gebaut wird da
nichts mehr. Aber zum Meer kann ich sowieso noch nicht, ich brauch
noch eine Badehose. Für die Lauf ich ein paar Kilometer durch die
Gegend, erfolglos. Dann hüpf ich also nur in Unterhose rein, am Strand
ist sowieso niemand außer mir.
Nach Rückkehr zum Hotel und einer Dusche fahr ich mit dem Bus Richtung
Stadt und steige zufällig an der Hauptattraktion aus, einem
buddhistischen Tempel. Ich bin wieder der einzige Ausländer, was aber
niemandem auffällt, da es wohl brauch ist, sich vor jeder der
schätzungsweise 500 bronzenen und steinernen Bhuddas mit einem
Räucherstäbchen bewaffnet zu verbeugen und ein Gebet zu sprechen. Ich
belass es einfach bei einem knappen "Moin!". Hab mit den Knaben ja
nichts am Hut.
Dann sehe ich hinter der letzten Tempelanlage einen Weg in den Wald.
Es geht den Berg rauf. Nicht weit. Nur bis zum güldenen Pavillion auf
einer Anhöhe. Denke ich. Aber eine Treppe könnte ich ja jeweils noch
laufen. Nur befindet sch hinter jeder Treppe noch eine und irgendwann
bin ich auf dem höchsten Punkt der Insel. Mein Körper zeigt mir
stolz, dass er mittlerweile an sämtlichen Stellen Schweißdrüsen
entwickelt hat. Beruhigend stell ich aber fest, dass auch bei den
Chinesen kein Kleidungsstück trocken bleibt. Wir schmoren alle im
eigenen Sud. Und dann fangen meine Beine an zu zittern.
Unterzuckerung. Stimmt, das Frühstück habe ich ja ganz vergessen. Und
da es schon fast vier Uhr ist, fiel das Mittagessen auch aus. Ich
erinnere mich an die Empfehlung des Reiseführers, das Tempelessen zu
probieren. Ist zwar vegetarisch, aber das Entenfleisch ähnelnde Tofu
soll toll sein. Geb ich den Vegetariern doch mal die Chance, mich zu
überzeugen. Und was sagt die dann zu mit? "Nein, so ein Tofu gibt es
hier nicht. Und überhaupt, kommen sie um fünf wieder." Um fünf. In
einer Stunde. Hallo?! Hab ich gefrühstückt?! Liebes Vegetariervolk,
ihr könnt euch bei diesem Tempel bedanken, dass ich aus stillem
Protest im ortsansässigen Fast-Food-Restaurant eine Burger mit der
Extraportion Fleisch verzehre.
Es ist mir zuwider, im eigenen nunmehr kalten Schweiß zu hocken, also
wieder Hotel, dritte Dusche für heute, schlafen. Später zurück in
die Stadt, essen und einen Amüsierschuppen finden. Im ersten Rockcafé
bin ich der einzige, in der Bar gegenüber kann ich froh sein, dass mir
der Spiegel, also das Magazin, etwas Unterhaltung verschafft und so
bin ich jetzt wieder voll und ganz aufgeklärt, was im März so los war.
Ich steige ins Taxi ein. "Zurück zum Hotel", denke ich. "Kennen Sie
noch eine gute Bar?", frage ich.
Und schon stehe ich vor einer durch und durch rotbeleuchteten Fassade
mit der Aufschrift "True Love". Ist aber kein Bordell oder so. Das
Bier kostet trotzdem stolze 40 Yuan, da bin ich froh, dass sich
verschiedene Gruppierungen betrunkener Geschäftsmänner darum battlen,
an wessen Tisch der Ausländer mit den coolen Haaren darf. Mir fehlt es
an nichts: Obstteller, Gegrilltes und zu jeder Zeit ein kaltes
Getränk. Im Gegenzug muss ich es nur ertragen, dass sie sehr
anhänglich sind und möglichst lange meine Hand schütteln oder meine
Schulter klopfen wollen, sowie dass sie zum Teil so rotzevoll sind,
dass nicht nur ein Glas umkippt und mich besudelt.
Am Ende, zwei Gruppierungen wollen das jetzt draußen miteinander
regeln, lande ich bei Onkel John aus Hongkong am Tisch. Seinen Sohn
hat er jetzt schon dazu abkommandiert, in einigen Tagen meinen
Reiseführer in seiner Heimatstadt zu spielen. Ich glaube, von der
Gastfreundschaft hier kann man noch einiges lernen.
Zwischendurch werden mir zudem noch einige Nummer zugesteckt und was
wäre ich für ein Mann, wenn ich darauf nicht reagieren würde. So
habe ich für morgen auch einen, diesmal weiblichen, Reiseführer.
Es ist vier, als ich wieder beim Hotel ist. Das hat natürlich, als
kleiner Familienbetrieb, die Pforten verriegelt. Ich habe aber nichts
in den Bedingungen darüber gelesen, wann man spätestens zurück sein
muss und so klingel ich unverblümt. Die Tür wird geöffnet. Prima.

Mirko Tag 159: Regenschauer, Sonnenschein, Schweiß.

Das Wetter zur Zeit in der Region von Shanghai, Hangzhou und Ningbo
gehört nicht gerade zum angenehmsten. Gerade scheint noch die Sonne,
schon zieht eine große Regenwolke auf und regnet sich aus, nur um
danach gleich wieder der Sonne Platz zu machen. Und die lässt den
Regen dann wieder verdampfen. Dadurch ist die Luft so gesättigt, dass
die vom Regen nasse Kleidung gar keine Gelegenheit bekommt, um zu
trocknen. Ich weiß insgesamt gar nicht, ob ich gerade schwitze oder ob
es nur die Wasserpartikel der Luft sind, die sich an mir ablagern. Und
dann kommt man in ein Geschäft und wird von der Klimaanlage
kaltgepustet. Kein Wunder, dass sämtliche Rezeptionsdamen des Hostels
um die Wette husten.
Dennoch muss ih vor die Tür, wenigstens etwas von Ningbo sehen. Diese
Stadt soll Shanghai etwas ähneln, durch einen Fluss geteilte Stadt mit
einer farbenfroh beleuchteten Skyline. Aber der großen Metropole auf
der anderen Seite der Meereseinschneise kann Ningbo keine Konkurrenz
machen, viel zu klein sind die Gebäude.
Ich besuche noch ein altes Anwesen, das Tianyige, das die älteste
Bibliothek Chinas beherbergen soll und auch die einzige
Mahjongausstellung der Welt. Wow. Dafür zahlt man dann auch 30 Yuan
Eintritt. Nicht wenig für China. Die Bibliothek verfügt über eine
nicht sehr große Auswahl an Kopien von Kopien der aus dem 9.
Jahrhundert stammenden Bücher und aus den Schildern wird klar, dass
sie erst 1980 neu aufgebaut wurde. Ganz schön alt also. Die
Mahjongausstellung ist jetzt auch nicht die größte, allerdings für
mich auch nicht so Interesse. Viel spektakulärer ist der sprechende
Vogel, der einen auf drei Sprachen begrüßt.
Für eine kleine Besucherin hat sich das Kommen dennoch gelohnt. Stolz
erzählt sie ihren Eltern, dass ich der erste Ausländer bin, den sie
je gesehen hat. Auch ich bin zu Tränen gerührt. Sie darf auch mal
anfassen.
Auf dem Rückweg laufe ich über eine lange Brücke. Eine Passantin ist
mir sympatisch, denn auch zeigt deutlich, wie genervt sie von den
Mofafahrern ist, die den Gehweg als ihren Weg deklarieren und uns nur
ungern Platz machen. Ich hätte nicht auf die Frage, wo ich herkomme,
reagieren sollen, denn nun wird mir ein halbstündiger Monolog über
die Ungerechtigkeit auf der Welt und die Ausbeutung Chinas
vorgetragen. Das alles auf Chinesisch, sodass ich oft nur erahnen
kann, was sie gerade sagt. Aber ich bekomme am Ende nochmal eine
Zusammenfassung in gutem Englisch. Sie scheint nicht ungebildet zu
sein und deutet an, dass sie wohl ein paar mal zu oft ihre Meinung
gesagt zu haben, denn Arbeit habe sie wohl seit kurzem keine mehr und
bei genauerer Betrachtung trägt sie auch ihren ganzen Hausrat mit sich
rum. Natürlich würde ich ihr gerne weiter lauschen, aber leider
leider ziehen schon seit einiger Zeit Gewitterwolken auf. Und Mama
sagt, was auch das Fernsehen bestätigt, dass man bei Gewitter alles
ander als auf einer Brücke stehen sollte.
Ich lasse mich noch eine Stunde im Hostel trocknen, dann geht es zum
Flughafen. Da will ich einen Gürtel oder zumindest ein Band kaufen,
damit nichts durch den kaputten Reißverschluss rutschen kann. Aber
Gürtel wir genauso ausgesprochen, wie Tragetasche, und irgendwie
erschwert das die ganze Suche. Zum Glück werde ich beim Samsonite-
Laden selber fündig, leide hat die Marke auch wieder ihren Preis. Aber
sicher ist sicher, denn ich will bis nach Xiamen im Süden nicht das
halbe Gepäck verloren haben.
Ich könnte übrigens auch mit dem Zug dorthin fahren, allerdings gilt
es abzuwägen, ob 300 Yuan für 24 Stunden Fahrt oder 500 Yuan für
eine Stunde Flug günstiger sind. Denn Ferienzeit ist eine kostbare
Zeit.

Mirko Tag 158: Ningbo.

Heute verschlafe ich eine Dreiviertel Stunde. Aber gut, die hatte ich
eingeplant, vor vier Stunden, als ich den Wecker stellte. Dennoch
verfalle ich in eine Hektik und zerstöre mit nur einer Bewegung den
Reißverschluss meines Rucksacks.
Ohne Frühstück geht's ins Taxi. Ich sage zweimal, dass ich zum
Ostbahnhof möchte und zeige zur Klarstellung auch nein Bahnticket. Hat
er verstanden.
Als wir beim Hauptbahnhof sind, hinterfrage ich, ob das so seine
Richtigkeit hat. Nein. Natürlich sind wir falsch. Aber keine Panik,
wir werden schon pünktlich kommen. Ich schieb auch keine Panik, bin
noch zu müde dafür. Der Fahrer dann allerdings schon. Denn er fährt
ziemlich dicht auf und nimmt die lediglich zum Schalten von der Hupe.
Letztendlich ist die Aufregung umsonst, denn wir kommen sehr pünktlich
an. Ich muss die Kosten für das Bahnticket (25 Yuan) also nicht von
seinem Lohn abziehen.
Mein Hostel macht beim Empfang einen guten Eindruck. Aber in meinem
Zimmer scheinen einige schon länger zu leben, denn sie haben es sich
dort einigermaßen eingerichtet. Und sie mögen den herben Geruch von
Kleidung, die zu lange nass auf einem Haufen liegt und zu faulen
beginnt. Dennoch bleibe ich dort erstmal für zwei Stunden. Schlafen.
Als ich dann durch den Park vor der Tür Richtung Stadt laufe, werden
ein paar Fotographen auf mich aufmerksam. Sie rufen mir, des Scherzes
wegen, auf chinesisch hinterher, ich solle mal herkommen. Sie wissen
nicht, dass ich verstehe. Und gehorhe. Und dann habe auch ich den den
ersten Modelauftritt meines Lebens in der Tasche. Ich soll diese und
jene Kleidung tragen und so und so posieren. Natürlich wirke ich dabei
sehr professionell, hab mir im Fernsehen schließlich schon viele
Tricks abgeguckt. Bald werde ich also in irgendeinem Modemagazin
erscheinen. Und dann tanz ich mi meinem Anwalt an, denn der
Veröffentlichung habe ich nicht zugestimmt. Und dann winkt das ganz
große Geld. Und da ich dieses Geld schon förmlich riechen kann, gönn
ich mir Pizzahut ein Festmahl. Spaghetti mit Räucherlachs und grünem
Spargel in Dillsoße. Bekomm ich zu Hause von Lukas nie serviert.
Da es anschließend regnet, mal wieder, nur jetzt sehr doll, und da die
einzige Alternative, das Teemuseum, schon geschlossen hat, zieh ich
mich ins Hostel zurück. Auch abends geh ich nur noch zum Essen raus.
Ich schlafe früh ein. Das soll man im Urlaub nämlich auch mal machen.

Dienstag, 4. August 2009

Mirko Tag 157: Hangzhou.

Es ist ja so klar: alle anderen Zimmergenossen müssen nicht nur früh aufstehen, sondern auch noch auschecken, was bedeutet, dass sie ihre Koffer packen müssen und sobald sie dann raus sind, kommen die Putzfrauen, um die Betten neu zu beziehen. Bei fünf Gästen neben Hu Jie und mir macht das gleich zehn mal Halligalli zwischen sieben und zehn Uhr. An Schlaf ist also erst wieder ab nach zehn Uhr zu denken. Dann aber auch bis halb eins.
Nachmittags dann etwas shoppen. Ich schaue mir gerade Hosen an, bis der Verkäufer herbeieilt und meint, dass meine Größe nicht dabei ist. "Weil mein Arsch zu dick ist, oder?", frage ich. "Ja!", sagt er. Ich liebe diese direkte Art.
Hu Jie verlässt mich danach, sein Heimweg dauert nämlich über zwei Stunden.
Ich irre also alleine umher und mir fällt auf, dass es hier etwas gibt, was Shanghai nicht wirklich zu bieten hat: Natur. Okay, man darf sie nicht betreten, die Grünflächen. Und im See treibt der ein oder andere Fisch oben, womit sich auch die Frage erübrigt, ob jemand darin schwimmen geht. Ich glaube, deshalb kann auch kein Chinese schwimmen (die meisten lernen es erst auf der Uni. In der Prüfung gibt es 100 Punkte, wenn man 25 Meter durchschwimmt). Die ganzen Gewässer sind zu dreckig. Wahrscheinlich ist es da gleich, ob man im Notfall ertrinkt oder später an den Folgen der Vergiftungen dahinrafft.
Ich schlafe noch zwei Stunden und will dann eigentlich nur was essen gehen. Aber gut, ein Bier in der Bar von gestern kann ja nicht schaden. Ich kaufe sechs zum Preis von dreien. Ist somit von den Kosten wie ein Bier in Deutschland oder wie ein halbes in Japan. Und ich kaufe sie, weil man dann immer noch eins verschenken kann. So lernt man Leute kennen.
Die ersten drei trinke ich alleine. Es dauert, bis der Rest des vollen Ladens seine Scheu überwunden hat und mich anspricht. Ich bin da ja viel zu schüchtern, spreche selber niemanden an. Zu viel Angst.
Die zwei ersten Knaben sind sehr angetan von mir. Und natürlich verspreche ich, dass wir Freunde auf Lebenszeit bleiben. Dann werde ich rumgereicht, von Frau zu Frau. Einer erzähle ich, dass ich die beiden gerade erst kennengelernt habe. Das wird mir übel genommen, ich habe die Freundschaft geleugnet, wirft man mir vor. Ich kann besänftigen.
Dann kommt eine weitere Dame zu mir. Um anzustoßen. Läuft. Doch gerade setze ich das kühle, nasse Glas von den Lippen, spüre ich schon etwas anderes, weiches auf ihnen. Es sind die ihren, die sich zärtlich aber doch mit einer Druckbeistellung von beachtlichen müMetern an die meinen schmiegen und auch ich denke in diesem Moment: die musst du heiraten. Aber anstatt dass wir zusammen zum Standesamt gehen, verlässt sie den Laden. Alleine. Ich wurde also benutzt.
Aber wozu brauch ich diese Frau, wenn ich doch schon Freunde auf Lebenszeit habe? Dem Frust, der sich aufbauen könnte, biete ich keine Gelegenheit, sich zu entfalten.
Es ist wieder halb vier, als ich zurückkomme. Das Zimmer ist leer. Gut so. Allerdings bin ich es morgen, der um acht Uhr mit dem Auschecken beginnen muss, damit ich den Zug um zehn Uhr nach Ningbo erwische. Wenn ich da bin, muss ich bestimmt wieder ein Schlafdefizit ausgleichen.


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Mirko Tag 156: Club(be)funde.

Ich verlasse heute Shanghai für's erste und fahre mit dem Zug gen Westen nach Hangzhou. Am Bahnhof bin ich in der Wartehalle der einzige Ausländer, später im Zug allerdings besteht mein Abteil zu 80 % aus Artgenossen. Ist es verwerflich, dass ih da ein weni an Rassismus denke?
In Hangzhou ist man bestens auf Touristen eingestellt. Dumme, reiche Touristen, denen man alles verkaufen kann. Deshalb bekommt der Herr, der mich mit seinem Privatwagen zum Hostel bringen will, auch nur den Vogel gezeigt, als er 80 Yuan haben will. Auch für 40 Yuan bin ich nicht zu haben. Ich nehme den Bus. 3 Yuan für zwei Stationen.
Bei deb weiteren Suche nach dem Hotel hätte er mir nämlich auch nicht helfen können, da ich lediglich die Haltestelle aufgeschrieben hab, sonst aber nichts. Und an dieser Haltestelle reiht sich ein Hotel an das nächste. Hangzhou ist doch nicht so die Kleinstadt, wie ich gedacht habe. 6.000.000 Einwohner ist schon eine gute Zahl. Aber ich habe Glück, denn was liegt da einfach so vor mir auf der Straße rum? Das gute alte Internet.
Das Hotel bietet mir ein nettes Bett im Sechsbettzimmer für unschlagbare 4 Euro pro Nacht.
Ich treffe mich mit dem guten alten Hu Jie, der nach seinem DC-Studium hier in einem Vorort arbeitet. Wir gucken uns ein wenig die Sehenswürdigkeiten an, allerdings wenig gezielt. Hier ein wenig schöne Altstadt, da den großen Westsee, um den sich die Stadt zieht. Mit einem Golfwagen werden wir in etwas mehr als einer Stunde rum gefahren.
Dann essen und weil Hu Jie besonders heiß darauf ist: Bier trinken. Ist ja auch Wochenende, also schließe ich mich ihm an. Und was ich in Shanghai nicht gefunden habe, finden wir hier umso häufiger: gute Clubs. Also eher eine Bar mit viel lauter Musik. Und mit Bier. Und da man hier ein schlechtes Gewissen ob der Preise von 20 Yuan pro Getränk hat, gibt es pro gekauftet Flasche noch eine dazu. Gratis und geschenkt. Und man muss sie nicht mal austrinken. Machen wir natürlich trotzdem. Sind ja Männer.
Es dauert natürlich nicht lange, bis wir Anschluss finden und an einen Tisch gewinkt werden. In Deutschland darf man sich schon freuen, denn ich lerne viele neue Trinkspiele.
Wenn man dann fertig getrunken hat, kommen Chinesen auf viele komische Ideen. Gut, dass man noch essen geht, ist jetzt nicht so merkwürdig. Aber es gibt keinen Burger oder Döner, sondern Krebse. Und diese haben die Eigenschaft, mit ihrem glatten Panzer in der roten Soße besonders glitschig zu sein, sodass sie leicht aus den Stäbchen gleiten und auf der beigen eine herrliche Sauerei hinterlassen.
Doch damit nicht genug der blöden Ideen. Man könnte ja noch zum KTV gehen und den Ausländer englische Lieder singen lassen. Ich bin also gezwungen, die Backstreet Boys zu covern und erhalte für meine erbärmlichen Versuche immerhin einen Anstandsapplaus.
Um halb vier erreiche wir unser nunmehr gefülltes Siebenbettzimmer (für Hu Jie wurde eine weitere Matratze hinzugefügt) und unsere Zimmergenossen erfreuen sich ob dieser kleinen Ruhestörung.
Wehe, die sind morgen zu früh zu laut.


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Mirko Tag 155: Club(be)suche.

Letzter Tag Familienbesuch und deshalb ist es die letzte Chance, die obersten Stockwerke des Shanghai World Financial Centers zu besuchen. Es ist leider zu bewölkt, sonderlich viel sieht man nicht, fotografieren lohnt sich also nicht, aber dafür ist dann das Internert verantwortlich.
Das ist dann auch schon das ganze Tagesprogramm, abends spendet der Japaner von nebenan die Henkersmahlzeit und dann bin ich auch schon wieder ganz alleine in der Metropole. Schade, war eine sehr schöne Woche.
Was mach ich also jetzt den weiteren Abend über? Erstmal Fußmassage. Li ist ganz aufgeregt und kichert verlegen, als sie mit ihrem zarten Körper den kleinen Massagesalon betritt. So zart die Pfötlein auch sein mögen, so kräftig kann sie zupacken. Ich wähle die Deluxe-Version von zwei Stunden Massage und Tee und Obst so viel mir beliebt. Li versteht ihr Hanswerk und gibt sich zudem viel Mühe, deutlich Chinesisch zu sprechen, damit ich alles verstehe. Sie denkt auch gar nicht daran, sich in Englisch abzumühen. Gut so. Überhaupt bin ich erfreut, auch wenn es mich wundert, dass ich in einer internationalen Großstadt wie Shanghai hauptsächlich im guten und klaren Chinesisch angesprochen werde.
Gegen Ende der zwei Stunden werden mir noch einmal Tomaten gebracht. Und eine Nudelsuppe steht noch auf dem Tablett. Leider steht sie dort nicht lange genug sondern schickt sich an vom leicht schräg gehaltenen Tablett zu rutschen. Der Kellner, hat gerade neu angefangen im Salon, versucht noch gegenzusteuern, was sich auf die Schale mit der heißen Brühe aber eher wie eine Springschanze auswirkt, sodass sogleich meine Beine mit ihrem Inhalt besudelt sind. Es brennt nur kurz. Die Gedanken an den armen neuen Kellner, der jetzt bestimmt gefeuert wird, vertreiben den Schmerz.
Die Beine werden noch einmal gewaschen und dann sind auch schon mehr als zwei Stunden vergangen. Mit neuer Energie in den Beinen will ich mich auf die Suche nach einer Bar oder einem Club machen. Soll es hier geben. Sagt das Internet. Und das Internet hat immer recht. Bars finde ich nicht. Clubs dagegen finde ich so einige, allerdings komme ich mir an keinem wirklich willkommen vor. An jeder Tür berinde sich ein Augenschlitz für Schlitzaugen (was für ein schlechtes Wortspiel...) und es dröhnt keine Musik heraus. Auch Kunden seh ich kaum welche. Vielleicht ist freitags Ruhetag. Oder es handelt sich um ganz exklusive Clubs. Gegen ein Uhr, ich irre schon eine ganze Zeitlang umher, öffnen sich dann doch bei sämtlichen Clubs die Augenschlitztüren. Feierabend. Und heraus kommen nur Frauen. Eine schöner als die andere. Wär ich mal bloß nicht so feige gewesen und reingegangen. Aus Frust trinke ich noch ein Bier in Binbins Laden. Dann geh ich die Straße weiter runter. Man findet hier alles: Straßenessen, Schnickshnack-Stände, Kleidung, DVD, Haustiere, Restaurants, Shops und sogar Frisöre werden noch besucht. Um halb drei nachts. Man findet alles. Nur keine vernünftigen Bars.
Und noch was fehlt heute: mein Lieblingszuhälter, den ich sonst immer vorm Hotel vertrösten muss, warum ich seine Damen schon wieder nicht in Anspruch nehmen will. Schade, mit dem ließ sich immer gut reden. Und vielleicht kennt er noch eine Bar.


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Mirko Tag 154: Shopping.

Ich sitze im Businesscenter des Hotels um meine weiteren Urlaubsziele zu planen und denke, die Welt geht unter. Sekündlich wird es dunkler, bis es dann endlih schüttet wie aus Kübeln. Endlich. Ih habe das Dauernieseln nämlich langsam satt. So bleibt es dann auch zwei Stunden, das Mittagessen muss im Hotel stattfinden (deutsch und japanisch, abermals) aber dann können wir auch schon endlich vor die Tür treten.
Heute wollen wir shoppen gehen, denn ich habe noch immer kein kitschiges Hawaii-Hemd. Zuerst schauen wir aber in den Elektronikladen, der von der Größe einem deutschen Karstadt gleicht. Und hier frage ich mich: wo ist der hochgelobte Aufschwung des Landes? Außer uns drei Europäer tummeln sich hier nur noch einige hundert Verkäufer, die sich es aus Langeweile schon selber vor ihrer Ware, also Fernseher, gemütlich gemacht haben.
Die nächste Mall bietet alles: Elektronik, Kleidung, Schmuck. Aber eins bestimmt nicht: Originales. Mir fällt ein, dass ich noch ein Ladekabel für den iPod, auf dem ich meinen Blog weitrrschreibe, brauche. Das angeblich originale kostet zu viel. Es gibt aber noch eine Kopie. Als ich auf Chinesisch bitte, das einmal ausprobieren zu dürfen, merkt die Verkäuferin, dass sie mich nicht leicht verarschen kann und rudert sofort zurück. Es funktioniert nicht immer. Aber das originale könnte ich günstiger günstiger erhalten. Ist mir aber noch zu teuer. Und letztendlich geht es auf über die Hälfte runter. Ich bin ein guter Geschäftsmann.
Ein Hawaii-Hemd finde ich leider nicht. Wahrscheinlich zu tropisch.
In der Super Brand Mall mitten in der berühmten Skyline finden wir im zehnten Stock ein sehr gutes Zichuan-Restaurant. Exotische, scharfe Gerichte (aber anders scharf als Feuertopf und somit für die Verdauung ungefährlich) und eine tolle Aussicht (da am Nachmittag tatsächlich die Sonne rauskommt und es aufklart) auf die andere Flussseite mit den Bauten in Kolonialstil, super. Anschließend geht es nicht mehr wie angedacht in einen der hohen Wolkenkratzen, da man hier jetzt auch etwas Strom sparen möchte und ab elf Uhr einfach mal alle unnötigen Lichter ausschaltet. Der Cocktail direkt am Fluss schmeckt trotzdem.

Mirko Tag 153: Französische Konzession.

Der Reiseführer sagt, die französische Konzession, ein Viertel, von den Franzosen gebaut, sei toll. Ist es auch, deshalb gehen wir auch dahin. Zunächst liegt die Gründungsstätte der kommunistischen Partei auf dem Weg. Man muss für den Einlass in das jetzige Museum ein Ticket zum Preis von 0 Euro erwerben. Ohne kommt man nicht rein. Drinnen ist es ganz interessant, wenngleich auch ein wenig propagandisch. Damit nicht nur Einheimischen das politische Konzept schmackhaft gemacht wird, ist gleich nebenan ein weiteres Museum dem Holländer (für Stiefpappchen Bert, ebenfalls Holländer, natürlich sehr interessant) Sneevliet gewidmet. Der war damals in der Gründergruppe um Onkel Mao dabei.
Den Rest der Route hätte man dann auch abkürzen können, da einige Sehenswürdigkeiten einfach nicht mehr da stehen, wo sie laut Karte sein sollen. Entweder sind sie gar nicht mehr da, oder sie sind auf der anderen Straßenseite. Aber ich kann dem Reiseführer, trotzdem er erst von 2008 ist, kaum einen Vorteil machen. Denn so viel, wie hier jetzt gebaut wird, da ist es kein Wunder, dass Parks über Nacht verschwinden oder alte Stadtviertel auf die andere Straßenseite gehievt werden, da an ihrer Stelle ein Wolkenkratzer besser ins Bild passt.
Wenn man also wieder einen Reiseführer für Shanghai rausbringen will, wartet man am besten, bis die Expo im nächsten Jahr vorbei ist!


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Mirko Tag 152: Shanghais Altstadt.

Bevor wir heute Shanghais Altstadt mit Tempeln und Teehäusern besuchen, stehen wir vor einer schweren Investitionsfrage: Kaufen wir Regenschirme oder nicht? Jo. Und schon sind wir einen Euro ärmer. Pro Person! Aber sie lohnen sich, da Shanghai für diese Woche das schlechte Wetter gepachtet hat.
Es dauert anschließend ein wenig, bis wir den Anfangspunkt für die vom Reiseführer empfohlene Route finden. Dann geht es in einen Tempel (kein großer Unterschied zu japanischen, man darf allerdings fast in jeden Raum - wenn was kaputt geht, wird es einfach neu gemacht) und in schmale Gassen, die man in diesem Zustand nicht einmal im armen Xi'an findet. Die Suche nach dem Mittagessen gestaltet sich als etwas schwierig, da das angepriesene Restaurant sich auf der anderen Straßenseite befindet, als im Plan angezeigt und außerdem gibb es auch nicht wie versprochen durchgehend warme Küche. Also gehen wir zum nächsten Touristenspot, der richtigen Altstadt. Hier gibt es einen Schnickschnack-Laden neben dem nächsten und jeder zweite Passant bietet einem tolle Rolex in super Qualität zu unschlagbaren Preisen an. Ich gebe schnell auf, überhaupt noch auf sie zu reagieren. Tolles Altstadt-Feeling! Die Restaurants bieten ebenso "originales" typisches chinesisches Essen an. Also sowas, was normale Chinesen nicht essen. Und es riecht auch nicht gut. Die letzte Lösung ist also wieder Sushi. Und ich kann abermals sagen, dass japanisches Essen in China zumindest prrislich unschlagbar ist und sich auch qualitativ sehen lassen kann.
Weil das Wetter sich niht gerade bessert, geht es frühzeitig zurück. Abends bin ich dann fit genug, Binbin, die Kellnerin von vorgestern, in ihrem Feuertopf-Restaurant zu besuchen. Ich bekomm ein Bier, bis sie Feierabend hat. Das ist um zwei. Nachts. Nach einem Gang über den Nachtmarkt geht es zu ihrer Schlafstätte. Das ist ebenfalls ihr Restaurant, wo alle Kellnerinnen bleiben, bis die Bahnen wieder fahren.
Ich werde gefragt, warum ich im Hotel lebe. Morgen wird sie mir helfen, eine Wohnung zu suchen. Ich breche ihr fast das Herz, als ich ihr den Grund erzähle. Ich fühle mich schlecht dabei.


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Mirko Tag 151: Genervt.

Heute bin ich ziemlich genervt. Es nervt mich, dass das mit dem Weglassen des Glutamats im Feuertopf nicht geholfen hat und meine Nacht mit Bauchkrämpfen früh endet. Es nervt mich, dass der frische Regen in der Stadt nicht gut riecht, sondern stinkt. Es nervt mich, dass man ständig über schmutzige Baustellen läuft, weil einfach alles baufällig ist, da nichts qualitativ hochwertig gebaut ist, sondern nur die Fassade schön ist. Es nervt mich, dass sämtliche Autos hupen, grundlos, endlos. Es nervt mich, dass mir dauernd "Beckehem" hinterhergerufen wird. Das ist nicht mein Name. Es nervt mich, dass man mich an touristischen Attraktionen nur mit "Watchbagdvd" anspricht. Das ist auch nicht mein Name. Es nervt mich, wenn ich dann zum ersten "Nein" sage, dass der zweite trotzdem noch sein Glück versucht. Es nervt mich, dass die Taxifahrer zum Teil nicht sehr kooperativ sind und eine Karte nicht lesen können, da sie ihre Brille nicht dabei haben, mich in meinen chinesischen Wegbeschreibungsversuchen unterbrechen und mih anmeckern, weil sie in die Einbahnstraße nicht abbiegen können.
Aber solche Tage gehören auch dazu. Und ich möchte mich auch gar nicht großartig beschweren.



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Mirko Tag 150: The Bund is closed.

Um einen ersten Eindruck von der Stadt zu gewinnen, klappern wir heute die Haupteinkaufsstrasse und den Bund, die Uferprommenade mit der schönen Skyline ab. Letztere ist aber wegen Bauarbeiten für die Expo im nächsten Jahr gesperrt. Das wusste ich schon vorher, dennoch weist uns jeder zweite auf dem Weg darauf hin, weshalb wir unbedingt bei ihm oder ihr Postkarten kaufen müssten, weil man ja nichts sieht geschweige denn Fotos machen kann. Das Geld sparen wir uns aber für das ein oder andere Bier auf den Dachterrassen einiger Bars am Bund, von da ist die Aussicht noch besser.
Heute Abend essen wir Feuertopf. Ging bisher immer nach hinten los. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mal sehen, wie es heute wird. Schließlich bitte ich darum, dass Glutamat weggelassen wird. Vielleicht ist das das Böse.
Natürlich kann ich vor Mama nicht den harten, abweisenden Macker raushängen lassen und komme natürlich dem Wunsch der Kellnerin nach, meine Nummer zu hinterlassen. Mal schauen, wann sie sich meldet.


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Mirko Tag 149: Zurück in die "Heimat".

Beim Aufstehen merk ich sie noch nicht so und auch noch nicht unter der Dusche. Erst nach dem Auschecken spüre ich die Müdigkeit. Zum Glück muss ich nur wieder reisen und habe schon im Suff letzte Nacht entschlossen, auf dem Weg zum Flughafen keinen Umweg über Osakas Innenstadt zu machen. Ist auch gut so, denn sobald ich im Bus sitze, regnet es in einer Tour.
Abends lande ich also wieder in meiner chinesischen "Heimat", nämlich in Shanghai. Aus Xi'an kommend habe ich damals die Sauberkei und Ordnung dieser Metropole geschätzt, aber aus Japan kommend gleicht auch Chinas Vorzeigestadt noch ein wenig einem Drecksloch. Zum Glück kehre ich nicht direkt nach Xi'an zurück.
Da ich nicht wirklich weiß, wo ich genau hin muss und die U-Bahn-Station überfüllt ist von ahnungslosen Menschen, weil einfach keine Fahrpläne aushängen und kaum ein Kartenautomat Scheine annimmt, nehm ich ein Taxi zum Hotel, wo die ehrenwerte Mama ihren verlorenen Sohn wieder in die Arme schließen darf.
Um mich langsam wieder an das Land zu gewöhnen, geht es heute japanisch essen. Natürlich in einem sauberen, schön eingerichteten Restaurant. In China oftmals Mangelware.



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Mirko Tag 148: Nara.

Tränen fließen bei Thomas, Andy und Philipp, als ich ihnen am Morgen sage: "Macht's gut, ihr Trottel, ich geh nach Nara, alleine. Und zwar für einen Tag, da es morgen wieder zurück nach China geht.
Im Zug sitzen hinter mir zwei deutschsprechende junge Damen. Ich könnte mich mit ihnen unterhalten, aber nach einigem Lauschen sehe ich aber davon ab. Die eine hat schon mal gesehen, wie einem anderen die Seele aus dem Körper entschwunden ist. Voll crazy. Und die ist so extrovertiert. Das ist ja nicht mein Fall. Ich bin ja eher nicht so extrovertiert.
In Nara nehm ich auf gut Glück einen Ausgang und Frage mich, wo btte die im Internet angepriesene Schönheit in dieser Plattenbau-Siedlung liegen soll. Zum Glück liegt mein Hostel auf der anderen Seite des Bahnhofs und da ist es tatsächlich schön. Viele Tempel, Schreine, Pagoden und Rehe. Vor allem Rehe. Und Hirsche. Und die laufen in den Parks und oft in den Straßen rum. Und sie sind ganz zahm. Süß.
Am Nachmittag klapper ich sämtliche Sehenswürdigkeiten ab. Abends geht's mit Peter, irischer Lehrer, Mitte 40, ist etwas über beschämt, was das Budget betrifft, das er in Tokyo versoffen hat, essen. Klingt gut. Also für meinen Abend. Leider ist er recht schnell müde, also klapper ich alleine die Stadt ab und suche Clubs und Bars. Isb ja Freitagabend. Aber in Nara ist da nicht so viel los. Zufällig find ich noch einen Pub. Samurai Inomoto soll ich meinen neuen Kumpel nennen. Er ist Geschäftsmann und schon etwas älter, aber des davon überzeugt, in einem Monat die Welt zu verändern. Zusammen mit zwei englischen Studenten schmieden wir dann Pläne zur Gestaltung einer einheitlichen Welt und am Ende sind wir die Freunde aller weiteren Besucher. Und natürlich bedingt das jede Menge Schnaps. Black Russian (White Russian, nur ohne Milch) vom Engländer und Sake vom Japaner spendiert. Natürlich alles nur in großen Gläsern. Samurai Inomoto führt mich noch zu einer anderen Bar. Gut, dass ich dort kurz auf dem Tisch einnicke und etwas Bier verschütte, mag so wirken, ist aber noch lange kein Indiz dafür, dass ich müde bin und nach Hause sollte. Ich will noch weiter, finde aber bis auf einen Club, bei dem mir schon an der Tür erzählt wird, dass ein Bier über zehn Euro kostet, nichts mehr. Mangels Uhr erfahre ich auch erst im Hostel, dass es schon gegen vier Uhr ist. Und um neun ist Check-Out-Ultimatum. Klingt nicht nach viel erholsamen Schlaf.



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Mirko Tag 147: Kyoto.

In Kyoto war ich vor drei Jahren schon, dass ich nun keine Kosten gescheut habe, wiederzukommen, sollte zeigen, dass die Stadt wirklich schön ist. In ihr gibt es neben einigen hundert Schreinen noch mehr als tausend Tempel. Die Buddhisten mussten früher echt Langeweile gehabt haben. Wir nehmen uns vor, alle zu besuchen. Heute. Um sie zu finden, soll eine Busroutenkarte dienen. Der erste ist der goldene Tempel, gleichzeitig der schönste und wichtigste. Wissen wir natürlich erst dort, als wir heimlich hei einer Touristengruppe lauschen, denn vorbereitet haben wir uns nicht so wirklich. Nun haben wir also schon das Highlight gesehen, wozu sich noch die Füße wundlaufen? Wir ziehen trotzdem weiter, haben ja auch ne Tageskarte für den Bus. Kaiserpalast. Klingt gut. Aber hier geht man das ganze ruhiger an, es ist zwölf, Mittagspause. Auch für uns der ideale Zeitpunkt, mal zu frühstücken. Haben wir nämlich vor lauter Tatendrang vergessen. Wir werden in einer kleinen Nebenstraße fündig. Das Restaurant ist klein und traditionell, soll heißen: Schuhe aus, im Schneidersitz am niedrigen Tisch sitzen und sehr gutes Sashimi (verschiedene Fischsorten roh in Streifen geschnitten) essen. Das leckerste Essen bislang und überhaupt, in Fernost.
Kaiserpalast ist in Ordnung. Viele Tore. In die Gebäude darf man nicht. Allerdings seien die auch sehr sperrlich eingerichtet, versöhnt man uns. Und man darf nichts anfassen oder den Weg verlassen. Der Kaiser muss da ein sehr ödes Leben geführt haben, kein Wunder, dass er jetzt lieber in Tokyo lebt. Ein Highlight bleibt die Alarmanlage, die anspringt, sobald man sich der Mauer zu sehr nähert. Von uns wird sie schamlos ausgenutzt, damit mal etwas Stimmung in die sehr stillen Höfe kommt. Nichtsdestotrotz ist der Palast natürlich sehr beeindruckend.
Unser Schild mit der Nummer 8, das wir uns bei Dico's in Xi'an "ausgeliehen" haben, damit es min uns auf große Reise geh. Und unsere Fotos ziert, wähnen wir schon verloren, da es nicht mehr auf dem Baum liegt, auf dem wir es vor der Mittagspause platziert haben. Glücklicherweise finden wir es im Schubkarren des Müllsammlers wieder. Manchmal haben wir sehr viel Glück.
Nach ein paar weiteren Tempelanlagen besuchen wir abends die City, trinken Bier im Pub, lernen von einem Franzosen Anmachtipps für Japanerinnen und machen tolle Fotos mit einer Dame in einer schön bunten Fotobox, die hier an vielen Straßenecken stehen. Zwar sagt sie, falls ihr Chef (sie hat gerade eigentlich Dienst) sie sieht, "I will fire!", aber das Risiko geht sie gerne ein.
Dann geht eine kleine Odyssee los. Da der Busverkehr größtenteils ab zehn Uhr eingestellt wird, nehmen wir einen letzten, der zumindest in die richtige Richtung fährt. Nach zwei Stationen ist dann schon Feierabend, wir werden rausgeworfen. Also Taxi. Teuer, aber was ist hier nicht teuer. Nach einiger Zeit ist aber auch hier Feierabend. Schluss. Geht nicht weiter. Ist nicht seine Region. Also raus. An einer Kreuzung mit sechs Straßen. Welche wir nehmen müssen, weiß der Fahrer auch nicht. Aber wir nehmen die richtige und müssen auch nur noch 15 Minuten laufen.


Von meinem iPod gesendet

Mirko Tag 146: Sonnenfinsternis.

Heute verpassen wir beinahe die Sonnenfinsternis. Von einer Insel im Süden Japans soll man sie am besten und längsten sehen können, also wir Tokyo doch wohl auch eine tolle Sicht auf das Schattenspiel zwischen Planet Mond und Stern Sonne bieten können. Mitten auf der Straße erhascht Philipp W-LAN, und checkt den Zeitpunkt des Events. 11:12 Uhr. Jetzt ist es 11:10 Uhr. Glück gehabt. Jetzt dürfen noch schnell die Wolken verschwinden und dann... tatsächlich, für eine halbe Sekunde ist die helle Sichel sichtbar. Mehr gibt es heute nicht zu sehen. Uns bleibt nichts, als auf die nächste zu warten.
Enttäuscht steigen wir nun in den Shinkansen Richtung Kyoto, alte Kaiserstadt im Süden, bekannt für viele Tempel und Schreine.
Unser dortiges Hostel hat im letzten Jahr erst die Pforten geöffnet, was bedeutet, dass es sehr modern und stilvoll eingerichtet ist, allerdings auch etwas entfernt von der City liegt. Also passiert heute auch nicht mehr viel, außer Essen und gutes belgisches, verhältnismäßig günstiges Bier besorgen und Dank der guten Internetverbindung mal wieder alle Seiten besuchen, die China uns so verwehrt.


Von meinem iPod gesendet

Mittwoch, 22. Juli 2009

Tag 145: In Japan auf der Suche nach...

Mirko Tag 145: In Japan auf der Suche nach...
... Frühstück: finden wir in einem Sushi-Restaurant. Gutbund im Vergleich zu Deutshland recht günstig.
... gutem Wetter: heute Fehlanzeige. Es regnet nur, weshalb das Sightseeing kleiner ausfallen muss.
... Englishsprechenden: finde man seltener, als gedacht. Trotzdem Tokyo eine internationale Metropole ist, ist Englisch keine häufig angewandte Sprache.
... Bahntickets: S-Bahntickets sind schnell am Automaten erhältlich. Shinkansen-Tickets gibt es am Schalter. Das ganze aber zu noh höheren Preisen als in Deutschland (3 Stunden nach Kyoto für 100 Euro. Allerdings fährt die Regionalbahn für 60 Euro gleich 10 Stunden).
... Rückflugtickets: Japan ist etwas blöde. Zu Schleuderpreisen lockt man einen ins Land, gehen darf man aber nur gegen hohe Bezahlung. Mehr als 1000 Euro könnte ich für einen Flug nach Shanghai (pro Tag fliegen acht Maschinen rüber) buchen. Es wird zum Glück günstiger, wenn man gleich einen Rückflug nach Osaka mitbucht. Und vielleicht noch günstiger, wenn man diesen dann letztendlich wieder storniert. Werde es ausprobieren. Vielleicht kann ich Japan so austricksen.
... Mülleimern: Tokyo ist verdammt sauber. Klar, es gibt auch saftige Strafen, wenn man Müll auf die Straße schmeißt, aber ich frage mich, wie die Einwohner das handhaben. Denn es gibt wirklich so gut wie nirgendwo Mülleimer. Maximal findet man welche neben Supermärkten oder Getränkeautomaten. Abends im Hostel klärt uns ein Japanologie studierender Franzose auf, dass man Angst vor Bomben im Mülleimer hat. Deshalb stehen keine mehr. Und auf der Straße zu essen oder trinken gilt als rüde. Somit trinkt man gleich neben den Automaten aus und muss keinen Müll mit sich rumschleppen. 
... Bier: Hiervon gibt es viele Sorten, viele werben mit ihrer deutschen Brautechnik. Aber sie sind auch teuer. Vor allem in Pubs kann man schnell mal acht bis zehn Euro loswerden, gute belgische Biere sind für uns Studenten schlicht unbezahlbar.
... seinem Hotel: am hohen Regierungsgebäude, von dem wir heute Abend die Sich über die Innenstadt (welche aufgrund des schlechten Wetters nicht lohnenswert ist) haben wollen, spricht uns ein Ami an. Er ist froh, dass zumindest wir Englisch könnten. Kann ja sonst keiner. Keiner in dieser viel zu großen Stadt. Er sucht nämlich sein Hotel. Und keiner kann ihm helfen. Seit vier Tagen nicht. Armer Bub! leider sind unsere Englischkenntnisse zwar ausgeprägt, helfen können wir ihm trotzdem nicht. 

Tag 144: Freakige Japaner.

Mirko Tag 144: Freakige Japaner.
Wir finden unser Hostel nach einem weiteren Morgenbad und einer Nudelsuppe als Frühstück Dank guter Wegbeschreibung sehr schnell. Dieses wirbt damit, das günstigste der ganzen Innenstadt zu sein, weshalb man allerdings auch einige Abstriche machen müsste. So sind möglichst viele Zimmerchen auf kleinster Fläche mit Spahnplatten gebastelt, auf die Gänge passen keine zwei Leute nebeneinander und in unserem Zimmer muss der erste gleich in sein Bett steigen, damit der zweite auch eintreten kann. Aber Platz wird überbewertet, wir müssen hier ja nur schlafen.
Deshalb gehen wir auch sofort wieder in die Stadt und zwar in das Jugendviertel von Shibuya. Die spinnen schon ein bisschen, die Japaner. Vor allem die Japanerinnen. Die laufen gerne in Schuluniformen und Prinzessinnenkleidchen rum, tragen Schleifchen im Haar und schminken sich das Gesicht, bis es wie Porzellan wirkt. Es laufen also verdammt viele Püppchen auf den Straßen rum, ich kann sie als Frauen noch nicht ganz so ernst nehmen.
Cool ist das Viertel aber allemal, es gibt gute Kleidung und, ganz wichtig, Döner-Buden. Was hab ich die in China vermisst!
mit der Ringbahn geht es dann ins Elektronik-Viertel, wo ein sechsgeschössiges Elektronikgeschäft neben dem nächsten steht. Schnäppchen sind leider Fehlanzeige. Dafür fallen wieder die ganzen verkleideten Damen auf. In Baby- und Haushälterinkostümen verteilen sie Flyer. Ihre Angebote reichen von 2000 bis 5000 ¥ (ca. 40 €) pro halbe Stunde. Nur für welche Dienstleisung? Wir finden heraus, dass man sie fotographieren darf. Und es finden sich tatsächlich sehr viele zahlfreudige männliche Kunden. 
Neben den Elektronikgeschäften gibt es noch viele, die sich voll und ganz auf die Figuren japanischer Mangas, also Comics, konzentrieren. Es gibt diese Figuren und deren Kleidchen in allen möglichen Größen. Und alles wird gerne und für viel Geld gekauft.
Mir bleibt also nur die Schlussfolgerung, dass die Japaner voll und ganz auf diesen Comic-Kram abfahren und das Schönheitsideal hierdrin gefunden wurde, sodass die Damen möglichst ähnlich aussehen möchten, um den Herren zu gefallen.
Mir gefallen sie nicht.    

Tag 143: Reisen.

Mirko Tag 143: Reisen. 
Die Nacht im Zug versprach, eine der besten zu werden. Da aber jedes Viererabteil (ich übernachte mit zwei holden Damen zusammen) zu schließen sind, die Temperatureinstellung der Klimaanlage aber dem Schaffner überlassen ist, welcher von den russischen Mitfahrenden oft laut darauf aufmerksam gemacht wird, dass es zu warm sei, pustet die kalte Lüftung die ganze Nacht durch. Die Decke ist allerdings recht undurchlässig bezogen auf alles. Dadurch frier ich entweder Ode ich schwitz wie sonstwas in meiner Privatsauna. Schnell rieche ich wie ein Iltis. Zweimal Wache ich in der Nacht auf, weil mir erst der iPod aus der Hand gleitet und nur durch die Stöpsel im Ohr vorm Aufprall gechützt wird. Beim zweiten Mal rutscht er an der Wandseite durch den Schlitz und der Dame unter mir auf den Schädel. Bei ihr hab ih wohl verschissen.
Morgens in Peking ist es wie immer dort: grau, versmogt, stickig. Ich schwitze wieder. Ekelhaft. Wir bringen den Vormittag im McDonald's unserer Lieblingsmall zu, da dieser als einziger geöffnet hat. Mit etwas Wasser und einer Männerdusche, also viel Deodorant, machen wir uns frisch, reisen zum Flughafen und fliegen nach Shanghai. dor. Wird das Flugzug binnen eine Stunde gewechselt. Um neun Uhr Ortszeit landen wir in Tokyo, aber natürlich längst noch nicht in der Innenstadt. Wieder eine Stunde zugfahrt, Aber das ist nur noch eine Kleinigkeit. Wir wissen auch eigentlich gar nicht, wohin wir müssen, aber Rippori klingt doch gut. Nur ist da schon tote Hose, es wohnen nur alte Menschen dort, die Mafia und ein Waliser, der uns darüber aufklärt. Er will uns auch helfen, ein Hotel zu suchen, wir schließen uns aber dann doch einem Schweden an, der zufällig in unsere Richtung muss. Eigentlich soll es in ein Capsule Hotel gehen, aber wir schwitzen schon wieder. Und in den Hotels gibt es keine Dusche. Warum gehen wir also nicht gleich in eine öffentliche Badeanstalt? Schnapsidee von Thomas. Wir setzen sie dennoch in die Tat um und dürfen dort für viel weniger nächtigen als im wasserlosen Hotel. Nach angenehmen Wechselbädern und Duschen geht es im Bademantel auf die Entspannungssessel, die je mit einem Fernseher ausgestattet sind. Auch das bietet uns kein Hotel. Allerdings gäbe es auch da keine 40 Japaner mittleren bis hohen Alters, die so ihre Probleme mit Erkältungen und dem Schnarchen haben. 

Tag 143: Reisen.

Mirko Tag 143: Reisen. 
Die Nacht im Zug versprach, eine der besten zu werden. Da aber jedes Viererabteil (ich übernachte mit zwei holden Damen zusammen) zu schließen sind, die Temperatureinstellung der Klimaanlage aber dem Schaffner überlassen ist, welcher von den russischen Mitfahrenden oft laut darauf aufmerksam gemacht wird, dass es zu warm sei, pustet die kalte Lüftung die ganze Nacht durch. Die Decke ist allerdings recht undurchlässig bezogen auf alles. Dadurch frier ich entweder Ode ich schwitz wie sonstwas in meiner Privatsauna. Schnell rieche ich wie ein Iltis. Zweimal Wache ich in der Nacht auf, weil mir erst der iPod aus der Hand gleitet und nur durch die Stöpsel im Ohr vorm Aufprall gechützt wird. Beim zweiten Mal rutscht er an der Wandseite durch den Schlitz und der Dame unter mir auf den Schädel. Bei ihr hab ih wohl verschissen.
Morgens in Peking ist es wie immer dort: grau, versmogt, stickig. Ich schwitze wieder. Ekelhaft. Wir bringen den Vormittag im McDonald's unserer Lieblingsmall zu, da dieser als einziger geöffnet hat. Mit etwas Wasser und einer Männerdusche, also viel Deodorant, machen wir uns frisch, reisen zum Flughafen und fliegen nach Shanghai. dor. Wird das Flugzug binnen eine Stunde gewechselt. Um neun Uhr Ortszeit landen wir in Tokyo, aber natürlich längst noch nicht in der Innenstadt. Wieder eine Stunde zugfahrt, Aber das ist nur noch eine Kleinigkeit. Wir wissen auch eigentlich gar nicht, wohin wir müssen, aber Rippori klingt doch gut. Nur ist da schon tote Hose, es wohnen nur alte Menschen dort, die Mafia und ein Waliser, der uns darüber aufklärt. Er will uns auch helfen, ein Hotel zu suchen, wir schließen uns aber dann doch einem Schweden an, der zufällig in unsere Richtung muss. Eigentlich soll es in ein Capsule Hotel gehen, aber wir schwitzen schon wieder. Und in den Hotels gibt es keine Dusche. Warum gehen wir also nicht gleich in eine öffentliche Badeanstalt? Schnapsidee von Thomas. Wir setzen sie dennoch in die Tat um und dürfen dort für viel weniger nächtigen als im wasserlosen Hotel. Nach angenehmen Wechselbädern und Duschen geht es im Bademantel auf die Entspannungssessel, die je mit einem Fernseher ausgestattet sind. Auch das bietet uns kein Hotel. Allerdings gäbe es auch da keine 40 Japaner mittleren bis hohen Alters, die so ihre Probleme mit Erkältungen und dem Schnarchen haben. 

Tag 142: Bye Bye Xi'an.

Mirko Tag 142: Bye bye Xi'an.
Es steht unserer neuen Heimatstadt ein trauriger Zag bevor: etappenweise verlassen wir die Gegend in verschiedene Richtungen, beginnend mit den Damen (welche meinen Reiseführer löblicherweise in ihrer Bude eingeschlossen haben). Auch ich packe, leicht angekatert, meinen Rucksack und begleite Lukas noch zum Halbfinale. Da steht es kurz vor Ende wieder Unentschieden und der Coach besteht darauf, dass ich von den anderen Kleidung anziehe, um wenigstens einen Elfmeter zu schießen. Leider ist erst das dritte Paar Schuhe ein nicht kaputtes und dann ist es zu spät. Und was passiert dann? Wir verlieren natürlich. Und das alles nur, weil ich viel zu verwöhnt bin, was Fußballschuhe betrifft. 
Ich mache mich dann mal schnell aus dem Staub und fahre zum Bahnhof. Nach einer Stärkung im Dico's, in dem wir wegen Nahrungsknappheit zunächst nur ein Schild mit der Nummer 8 bekommen, das uns ab jetzt begleiten wird, besteigen wir unseren Zug. Dieses Mal Softsleeper, Luxusklasse, viele Ausländer, westliche Toilette, eigenes Licht am weichen Bett.
Uns steht jetzt ein Tripp über mehr als 24 Stunden bevor, bis wir endlich Tokyo erreichen.

Tag 141: Biermesse.

Mirko Tag 141: Biermesse
Heute ist der letzte Praktikumstag. Wir arbeiten ein letztes Mal so richtig überhaupt nicht. Sondern wir begeben uns auf Abschiedstournee durch die Abteilungen und sammeln Unterschriften auf unserer Arbeitskleidung. Da wir gestern auf Denis und Philipps Wunsch hin (sie kamen verfrüht von ihrem Praktikum bei Hongkong zurück) noch bis spät bei Theresa im Club waren, kommen wir zudem gut zu spät, machen diesen Fauxpas aber mit der Verteilung von 95 Eis wieder gut. Das lassen wir uns ganze 10 Euro kosten. Papa, also Chefe, den wir bisher in der Midlife-Crisis wähnten, da er viel gestresst war und uns wenig beachtete, zudem das Rauchen anfing und sehr wortkarg in Bezug auf seine Frau war, ist sichtlich gerührt und umarmt mich gleich fünf Mal. Und dann ist es auch schon drei Uhr, Zeit, Feierabend zu machen. Was sollten sie auch dagegen tun? Mich rausschmeißen?
Ich komm keine Minute zu spät, denn da der Rest heute größtenteils frei gemacht hat, wollen wir möglichst früh bei der Biermesse auf dem Messegelände sein. Dort angekommen zeigt sich, dass die hiesige Überbeschäftigung (pro Kunde ein Arbeiter) nicht unbedingt das beste sein muss, da man beim Hauptreingang nicht weiß, was am Nebeneingang los ist. So wird uns zunächst erzählt, es gäbe keine Karten mehr und wir haben Glück, dass unser Taxi auf dem Weg zurück den Nebeneingang passiert, wo sehrwohl noch Einlass gewährt wird. Und so kommen wir dann doch noch zu unserem Glück in Form vieler Weizenbiere (acht von zehn ausstellenden Biersorten sind Deutsch). Und da es für die Einheimischen immer wieder ein Highlight ist, sich mit Deutschen im Wetttrinken zu messen, müssen wir die wenigsten Getränke selber bezahlen. Zudem gewinn ich immer, Mama und Papa dürfen stolz auf ihren Prachtbuben sein. Neben deutschem Bier gibt es noch gutes deutsches Essen, aber das wird vollkommen überbewertet. Ich wage heute mal einen Selbstversuch und gebe vor, kein Englisch zu sprechen. Eine gute Erfahrung, da ich dennoch, erst recht mit steigendem Pegel, ne ganze Menge zu verstehen scheine. Es ist nur etwas nervig, das ganze durchzuziehen und die anderen als Übersetzer herzuziehen, wenn ich mal etwas nicht verstehe und die Damen und Herren auf Englisch umschwenken. Nach sechs oder sieben geexten Weizen kann ich von Glück reden, dass die Blase mich vom Tisch einer Gruppe Geschäftsmanner wegtreibt, da jene meinen, es wär jetzt Zeit für Schnaps. Und den kann ich nicht unbedingt gebrauchen. Lukas auch nicht, er trinkt aber trotzdem und was er davon hält, zeigt er in Form einer Schweinehaxe. Später platziert er die leere Shnapsflasche versehentlich an meiner Stirn, die dann eine schöne Beule ziert. Nachdem er mich letztens schon in eine Hecke geschubst hat, da er seine Kraft unter- und meinen Gleichgewichtssinn überschätzt hat, kann ich mich wohl glücklich schätzen, morgen ohne ihn Richtung Japan zu verschwinden. Wer weiß, wozu er noch fähig ist.

Tag 140: Chinas Tierwelt.

Mirko Tag 140: Chinas Tierwelt
Chinas Tiere können einem leidtun. Neben der Tatsache, dass sie, tot, zu Schleuderpreisen zum Verzehr angedreht werden, sind sie auch lebendig nicht gerade viel wert. So kann man sie beispielsweise an vielen dichtbefahrenen Straßen erwerben; Hamster und Mäuse in kleinen Käfigen,Goldfische in Einmachgläsern und Hundewelpen werden gerne im luftdichten Fahrradkoffer an den Ort des Verkaufs gebracht. Goldfische kann man zudem zur Belustigung der Kinder selber angeln, was nicht so schwer ist,da sie zu hunderten hungrig im kleinen flachen Edelstahlbecken nur so auf den Köder warten. Ihre Qualität wird dann danach bemessen, ob sie das starke Schütteln des Glases überleben oder nicht. Wenn die Hundewelpen nicht verkauft werden, muss man nur ein paar Jahre warten, dann kann man an der Terrakottaarmee ihre Felle erwerben. Natürlich sind es dann offiziell keine Hunde mehr, sondern Wölfe. Schäferhundwölfe. Und Katzenwölfe gibt es aich noch. Beliebt sind auch Schildkröten, hauptsächlich zum Essen, aber man bekommt auch kleine als Haustiere an vielen Straßenecken. Diese sind zusammen in einem Netz gefangen, damit sie nicht wegrennen. Von denen wollten Lukas und ich schon dine für das kleine Fischbecken I'm Eingangsbereich der Firma kaufen, aber bisher lebten da zwei Goldfische. Unsere Frage, wie diese hießen, wurde stets verständnislos mit "Fisch" beantwortet. Einen sonderlichen Bezug zu Tieren hat man hier nicht. Fisch 1 und Fisch 2 essen übrigens nur Wasser, wurde uns gesagt. Heute ist Fisch 1 tot. Er war krank. Fisch 2 ist auch krank. Den brauchen wir nicht mehr. Wenn er auch endlich tot ist, werden zwei neue gekauft. Dafür bekommt der Husky vom Firmentor heute einen neuen Spielkameraden. Bisher war er immer nur kurz am Tor angebunden, schlafend, hechelnd, es sei denn, der Wächter schlägt ihn mal wieder. Ich hoffe inständig, beide Huskys nicht bald auch an Terrakottaarmee wiederzutreffen.  
Wer Tiere nur zum Essen mag, sollte in einen Supermarkt gehen. Hier stehen viele Aquarien, überfüllt mit Fischen, Wasserschlangen und übereinander gestapelten fetten Kröten. Wer es nicht übers Herz brechen kann, die Tiere selber zu töten, kann trotzdem zugreifen, da in jedem Becken das ein oder andere Tier schon an der Oberfläche treibt. 
Unsere Nachbarn haben sich jetzt auch Haustiere zugelegt und zwar zwei kleine Enten. Diesen wurden die Flügel recht bald entnommen, sodass sie nur noch laufen können. Also werden sie zweimal täglich ums Haus getrieben. Den Weg kennen sie schon auswendig. Clevere Tiere. Nur schade, dass ich auch ihnen keine hohe Lebenserwartung zutraue. 

Tag 139: Pasta und Basta!

TORBEN. Nachtragen!!!!!!!!!!

Dienstag, 14. Juli 2009

Tag 138: Süß und niedlich..

Seit einiger Zeit fallen mir immer mehr Damen meines, jüngeren und älteren Alters auf, die ganz besondere Kleidung tragen: Diese ist zumeist zweifarbig, weiß mit einem sehr dicken farbigen Querbalken. Diesen ziert wiederum in weiß ein ganz besonderer Schriftzug: vorne steht 'niedlich' drauf, hinten 'süß'.
Als ich es das erste Mal sah, geriet ich in eine etwas peinliche Situation. Im Vorbeifahren auf dem Rad hab ich aus dem Augenwinkel die anmutende Gestalt einer dieses Shirt tragenden Dame erfasst. Ein weiterer Blick fiel auf den Schriftzug, der erst mal so wahrgenommen wird. Und dann habe ich mich noch dreimal umgedreht, um auch sicherzugehen, dass ich richtig gelesen habe.
Nun werde ich aber natürlich als schillernde Persönlichkeit auch dauerhaft beobachtet, so auch meine Blicke. Und die fielen nun mal öfter als sonst in die Richtung der, hierzulande, stattliche Oberweite (natürlich nur in die Richtung). Und was erntet man dafür? Spöttisches Gelächter von den Damen.
Wie schaffen es Modedesigner, die keinen vernünftigen englischen Satz auf einen Stoff drucken können, zwei deutsche Worte komplett richtig zu schreiben? Und dann auch noch 'süß', das bekanntlich mit ü und ß geschrieben wird?

Tag 137: Der Weg des Wassers.

In China ist das Wetter manchmal so, wie man es sich daheim auch gerne mal wünscht: Vorm Wochenende regnet es, währenddessen ist es schön und danach regnet es wieder.
So auch heute, wie ich beim Aufstehen feststelle. Lukas wird geweckt (nachdem sein Wecker es, abermals, auch nach einer dreiviertel Stunde Musik nicht schafft) und nachdem ich aus dem Bad komme, frage ich ihn, ob ihm aufgefallen ist, dass wir wohl mit dem Taxi fahren. Hat er, da ich ihm ja auch den tollen Hinweis gegeben habe. Ich verstehe nicht, aber es ist mir auch erstmal egal. Erst etwas später merke ich, was er meint: sein ganzer Türrahmen ist nass und es tropft alle halbe Minute auf den Boden. Nein, das war ich nicht. Aber es geht trotzdem erstmal zur Arbeit.
Wir arbeiten jetzt nicht mehr richtig und haben auch kein schlechtes Gewissen, wir kümmern uns lieber, wenn auch recht halbherzig, um unseren Praktikumsbericht. Außerdem wollen wir mal den anderen Praktikanten die Chance geben, sich zu beweisen, nachdem uns schon öfter gesagt wurde, dass die deutschen und japanischen Praktikanten die besten sind. Hört, hört, mal gute Worte über die Japaner.
Wenn wir gerade mal nicht am schreiben sind, reden wir und zwar mittlerweile mit jedem. Und wir spielen vorm Verlassen der Räumlichkeiten gerne an der Klima-Anlage rum, sie pustet dann 30 °C warme Luft anstatt 17 °C kalte hinein. Und es ist erstaunlich, wie lange es dauert, bis jemand es merkt. Und um 18 Uhr komme ich zu meinem Highlight des ganzen Praktikums: Ich darf die Feierabend-Klingel drücken und somit vielen Menschen eine Freude machen.
Der Abend ist dann von ein paar Tiefschlägen geprägt: Ich kann mein Handy anscheinend gar nicht umtauschen. Das geht wohl gar nicht. Hier ist man froh, wenn man etwas los ist. Dann hat es nicht aufgehört zu tropfen. Mittlerweile an drei Stellen. Und der Putz löst sich langsam. Bald haben wir vielleicht einen Durchbruch zu Philipps Wohnung oben. Und dann will ich die heute erfassten Praktikumsberichtdaten vom USB-Stick holen und darf feststellen, dass dieser virenverseucht ist.
Schön ist das nicht!

Tag 136: Umtausch ausgeschlossen.

Einerseits kann ich mich glücklich schätzen, wieder im Besitz eines Mobilfunktelefons zu sein. Andererseits ist es aber auch nervig, wenn man eigentlich ausschlafen will, aber schon ab halb zwölf dauernd das Telefon klingelt, weil man hierzulande ja so brav ist und abends nicht ausgeht, sodass man am Sonntag um diese Zeit schon seit vier Stunden wach ist.
LiYuan hat Hunger und lädt mich ein. Nun, das ist keine schlechte Idee, denn bis ich Luke aus seinem komatösen Schlaf geweckt habe, ist schon wieder abends und mein Magen verlangt jetzt schon was. Also geht es in eines der Restaurants vor dem Campus. Denke ich. Und hoffe ich. Denn ich bin noch ziemlich müde. LiYuan hat aber ihre eigenen Pläne und weiß, wo es viel besser schmeckt, nämlich beim alten Campus, also wird erstmal Bus gefahren. Und da schmeckt es tatsächlich gut und mein Magen dankt es mir. Allerdings esse ich, verständlich nach einer langen Nacht, langsam, um den Bauch nicht zu überfordern. Zudem fehlt noch etwas der Appetit. Zumal ihn mir auch der Typ am Nachbartisch etwas raubt. Dieser hat nämlich schon aufgegessen. Und jetzt raucht er unerlässlich. Das ist ja auch ok. Leider mag er den Rauchgeschmack aber scheinbar nicht so. Denn er macht sich den klebrigen Sirup der Cola zunutze, um das auf der Zunge und im Rachen liegende Nikotin daran zu binden. Mit einer Geräuschkulisse, die einem brüllenden Löwen ähnelt, sammelt er dann den Sirup wieder zusammen, spielt mit dem dickflüssigen Klumpen etwas auf der Zunge, um ihn, zur Kugel geformt, gekonnt vorbei an Tischkannte und beiden Beinen zu Boden fallen zu lassen. Diese Prozedur wiederholt er sieben Mal, bis sich zwischen seinen Füßen ein kleiner See, braun und glibberig, gebildet hat. Dann geht er. Mir tut etwas die Dame leid, die sich danach an den Tisch setzt und mit ihren FlipFlops immer schön durch das Speichel-Nikotin-Sirup-Gemisch gleitet.
Ich esse dennoch auf. (Und im Wohnheim dann sogar noch den BigMac, den mir die anderen aufgehoben haben. McDonald's hat hier nämlich eine Lieferfunktion. Das sollte ich mir für die nächsten Kater-Sonntage merken.)
Eigentlich habe ich schon gestern beschlossen, heute mein Handy umzutauschen. Denn das ist einfach zu langsam und funktionell recht kompliziert. Jetzt bin ich eigentlich schon ganz in der Nähe des Ladens, aber natürlich habe ich das Telefon nicht dabei, geschweige denn die Verpackung. Also wird das ganze auf den Abend verschoben. Dort angekommen erkennt man mich natürlich sofort wieder und binde gleich neun Angestellte. Man erklärt mir, dass man das nicht einfach umtauschen könnte. Ich müsste, genau wie mit der Kamera, in die Nähe des Glockenturms. Darauf habe ich aber eigentlich gar keine Lust, also versuche ich, den Verkäufern einfach privat mein Produkt zu verkaufen. Leider ohne Erfolg, sodass mir nichts übrig bleibt, als morgen nach der Arbeit dahinzufahren. Ich nehme aber trotzdem schon mal ein günstiges Gerät mit, gleichen Modells wie Lukas'. Weil ihnen die Sache mit dem Umtausch unangenehm ist, schenken sie mir noch einen Ersatz-Akku. Jetzt habe ich also schon, den vom letzten Telefon mitgezählt, drei Akkumulatoren für ein Handy. Zumindest mit dem Strom sollte ich erstmal keine Probleme mehr haben.

Tag 135: Gewonnen und verloren.

Viertelfinale. Starker Gegner. Dennoch gehen wir zweimal in Führung und kommen ins Elfmeterschießen. Lukas hält, was er kann. Ich soll eigentlich den entscheidenden sechsten Elfmeter schießen, aber Schiri sagt, kann man da nicht machen, weil ich vorher schon ausgewechselt war. Ich wette, ihm würde das nie im Leben auffallen, wenn ich auch ein Chinese wäre. Letztendlich ist es aber egal, weil mein Ersatz auch trifft und wir gewinnen. Halbfinale ist angesagt, was aber auch bedeutet, dass abermals ein Freitag nicht zum Ausgehen genutzt werden kann. Aber das soll ja gesund sein.
Unsere Mannschaftskameraden feiern diesen Sieg bereits wie den Titel und hüpfen wie wild aufeinander, bis sie nur noch ein einziger Haufen Chinesen sind. Dass das nicht gut ist, zumindest nicht für alle, zeigt sich dann beim auseinanderpflücken. Unsere Nummer 9 hat wohl etwas zu weit unten gelegen, denn er hat zwischen Oberlippe und Nase eine klaffende Wunde und auch das Kinn ist aufgerissen, das Blut fließt in Schwallen. Nach etwas Untersuchung der Sachlage bilden wir einen kleinen Suchtrupp und finden tatsächlich auf dem Spielfeld seine beiden oberen Schneidezähne, einen samt Wurzel, wieder.
Glücklich wirkt er nicht, der 9er. Aber letztendlich hat er es auch nicht so eilig, den Arzt oder das Krankenhaus aufzusuchen, um zumindest den Cut nähen zu lassen. Oder zum Juwelier, damit er sich eine Zahn-Kette machen lassen kann. Nächste Woche werde ich sehen, was aus ihm geworden ist.
Trotzdem das Spiel um halb neun angepfiffen wurde und um halb elf beendet ist, habe ich mir das Gesicht leicht angebrannt. Der Sonne wegen, die nach zwei Tage Regen mal wieder kommt und mit ihren wärmenden Strahlen für viel Verdunstung des nicht ablaufenden Wassers in der Stadt sorgt. Klimamäßig ist es also wieder sehr schön schwül.
Mit einem kleinen Umweg über das Elektronikgeschäft, die mir zwar ein neues Handy verkaufen, aber sagen, dass ich mit dem Kamera-Blitz-Problem zu einer anderen Filiale gehen solle, geht es zurück ins Wohnheim und erstmal ins Bett.
Abends ziehen wir wiedermal einen Geburtstag vor, nämlich Nadines. Die hat morgen. Und da haben Hanna und Thomas sich sehr gut ins Zeug gelegt. Es gibt Schweinebraten mit Rotkohl und Semmelknödeln (bei denen mir vorgeworfen wird, sie zerstört zu haben, weil ich den ersten zu voreilig ungeformt ins Wasser geschmissen habe). Sehr gelungen, sehr lecker.
Es geht heute zur Abwechslung mal ins Salsa, einer Disco, deren Gäste etwas versnobter sind. Mit Ausnahme des Kellners, der uns die Getränke klaut, die uns unsere 'Freunde' (sie haben uns bei sich sitzen lassen und wir haben uns gegenseitig mit Getränken versorgt, bis sie gegangen sind) uns hinterlassen haben. Natürlich ist es auch besser, die angebrochenen Flaschen wegzukippen, als den Deutschen was zu lassen. Ich mache ihm deutlich, dass er gerne vom Tisch fernbleiben darf und einen anderen schicken darf. Zum Dank räumt er den ganzen Tisch auf, als wir noch einmal tanzen gehen.
Dann kommt es zum weiteren Highlight des Tages, bzw. der Nacht: Straßenessen. Guter Hühnerschenkel, kleingeschnibbelt in ein Brot, das vorher frittiert wird. Fantastisch. Und dann soll das nächste Highlight kommen: Schwimmen. Thomas und ich schleichen extra die ganz große Runde um den Campus herum, geben keinen Mucks von uns und am Schwimmbad ist weit und breit niemand zu sehen. Letztendlich müssen wir dann dem Mond danken, dass sein, von der Sonne reflektierendes Licht (also danke ich streng genommen doch der Sonne, oder einfach beidem) auf dem Wasser abermals reflektiert. Sofern Wasser da ist. Da aber kein Licht reflektiert, können wir leicht schlussfolgern, dass die Banausen das Wasser raus gelassen haben und werden letztendlich vor einem Sprung in Comicmanier mit Landung auf dem harten Beton bewahrt.
Und was macht man dann, wenn der Badespaß nicht befriedigt wird? Man kommt auf ganz tolle Ideen. Man ruft den Herren Papa über Skype an. Natürlich im gut angeheiterten Zustand, aber der merkt das mit Sicherheit nicht. Und die ehrenwerten Großeltern auch nicht.
Es ist wieder hell, als ich mich entschließe, endlich mal schlafen zu gehen.

Tag 134: Von Medien und Elektronikgeräten.

Heute ändert sich mein Leben in China auf einen Schlag. Ich bin ein gebrochener Mann. Gerade erfreute ich mich noch an der 2800. Mitteilung auf dem Handy und will die runde Zahl mit einem Feierabendbierchen begießen, da war's das dann auch schon mit dem Nachrichten-Sammeln. Mein Handy hat jetzt so viel mitgemacht in den letzten vier Monaten, so viele Kratzer gesammelt, jetzt braucht es noch die wahren Gebrauchsspuren, denke ich mir. Also will ich es nutzen, um das benannte Feierabendbierchen zu öffnen, da uns die Dame keinen Öffner gereicht hat. Leider unterschätze ich den Druck, den man bei der Hebelwirkung aufbringt. Und das war's dann mit dem Display des finnischen Mobiltelefons. Warum muss denn auch ein kleiner Riss gleich das ganze Anzeigebild zerstören? Und warum zählt ein solcher Fehler beim Hersteller und bei der Versicherung stets als Selbstverschulden, wenn doch scheinbar eine Sollbruchstelle eingerichtet ist, um dem armen Mann das Geld aus der Tasche zu ziehen? Denn ich zehre noch von Erfahrungsberichten aus der Vergangenheit: Da konnten Telefone den ganzen Schnickschnack mit Kamera, Internet, Touchscreen, Farbe, Musik und dem anderen Pipapo nicht. Aber eins konnten sie, neben dem Telefonieren: Bierflaschen öffnen. Und zwar reihenweise.
Jetzt bin ich also schon mal mobil kaum erreichbar. Und andersrum kann ich auch hier keinen erreichen. Und um das ganze noch ein bisschen schlimmer zu gestalten, hat man sich in diesem wunderbaren Land dazu entschieden, neben Youtube, meinem Blog und anderen Seiten auch noch Facebook zu zensieren. Allerdings sollte ich vielleicht eher die Uiguren dafür verantwortlich machen. Ich nehme an, die haben angefangen.
Um mal die Damen in der Vorstufe zu testen, wie sie es so mit der Technik haben und weil wir den Bildschirmschoner (ein Aquarium mit tollen Fischen) so gerne mögen, ziehen wir heute in der Mittagspause Maus und Tastatur aus den Rechner. Als wir dann etwas zu spät zurückkommen, hämmert die gute Qu auch schon auf der Tastatur rum. Komischerweise funktioniert die Maus, die hat sie nämlich tatsächlich wieder reingesteckt. Lukas steckt dann mal die Tastatur wieder ein, es funktioniert aber noch nicht, weshalb Qu wieder unter den Tisch krabbelt und noch einmal umsteckt. Dann wird neu gestartet. Es funktioniert wieder nicht. Scheint wohl kaputt zu sein. Dann schauen wir noch einmal nach und holen den Tastaturstecker wieder aus dem Mausanschluss raus. 'Aber das lilane passt viel schöner in das grüne Loch!', protestiert sie.
Sie schweigt, als nach einem weiteren Neustart alles funktioniert.
Um weiter bei Elektronikgeräten zu bleiben: Seit einiger Zeit entsteht beim Fotografieren mit meiner Digitalkamera mit Blitzlicht Rauch nach dem Auslösen. Zwar habe ich bereits nachgeforscht, dass das an Staub auf dem Blitz liegen könnte. Aber das muss morgen, wenn ich sie umtausche, ja kein anderer wissen.

Tag 133: Strafarbeit

Lukas und ich stellen uns mal voll und ganz in den Dienst der Firma und verrichten zusammen mit einer Horde freudiger Druckweiterverarbeiter eine Aufgabe, die einer Strafarbeit gleicht. Da ein Kunde nämlich nicht damit leben kann, dass auf Seite 32 seines Produktes die Bildunterschrift für die Nähmaschinen von 1949, 1950 und 1951 falsch ist, soll doch bitte jedes Magazin mit einem Aufkleber versehen werden. Und damit dieser auch nach etwas aussieht, rahmt er die kleinen Bilder der Nähmaschinen bitte ein mit einem 2 mm dicken Rahmen.
Bei einer Auflage von über 10.000 ist das eine feine Aufgabe. Hinzukommt, dass die Aufkleber auf dem Bogen (18 Stück umfassend) zu stark ausgestanzt wurden, sodass das Silikonpapier auch durchtrennt ist. Somit wird für das Ablösen des Kleblings vom Silikonpapier ein guter Fingernagel und viel Geduld gefordert. Um die ganze Aufgabe auch noch geiler zu gestalten (und vielleicht auch, weil das Ablösen dann etwas leichter und etwas schneller geht), dass sämtlicher Klebling, der nicht gebraucht wird, also alles, was für den Müll ist, auch noch vom Silikonpapier gelöst werden sollte. Neben 10.000 guten Aufklebern kommen jetzt also noch 10.000 Rahmen und 30.000 Kleber, die für die Nähmaschinen ausgespart werden.
Heute ist der dritte Tag dieser Aufgabe. Und wir werden fertig. Ich hoffe, der Kunde lässt eine Menge springen.

Tag 132: Invasion

Um mal etwas Schwung in die Bude zu bringen, begleitet uns heute Thomas mit in die Firma. Und damit er es tut, habe ich ihm versprochen, meine pinke Hose zu tragen. Beides kommt bei den Frauen sehr gut an, die Männer hingegen begutachten beides sehr argwöhnisch.
Da in der Vorstufe seit Tagen nichts zu tun ist, ist hier die Freude am größten und die Damen erfreuen sich unserer Scherze und Geschichten. Auch in der Weiterverarbeitung geht's rund. Wir täuschen vor, zu helfen, in Wirklichkeit benutzen wir aber die Makulatur zum Bau eines Fußballs.
Das angedachte Match mit dem Ball im fällt leider ins Wasser, da heute endlich mal der erhoffte und angekündigte Regen endlich mal eintrifft.
Dieser Regen zwingt uns am Abend auch endlich mal dazu, in der Wohnung zu bleiben, da Aktivitäten wie Tischtennis, Kreidemännchen malen und Leute mit der Wasserpistole abschießen keinen Sinn machen. Also werden endlich die Ferien etwas mehr geplant, die Ende nächster Woche beginnen. Und da steht jetzt ganz oben Japan auf dem Programm.