Mittwoch, 22. Juli 2009
Tag 145: In Japan auf der Suche nach...
... Frühstück: finden wir in einem Sushi-Restaurant. Gutbund im Vergleich zu Deutshland recht günstig.
... gutem Wetter: heute Fehlanzeige. Es regnet nur, weshalb das Sightseeing kleiner ausfallen muss.
... Englishsprechenden: finde man seltener, als gedacht. Trotzdem Tokyo eine internationale Metropole ist, ist Englisch keine häufig angewandte Sprache.
... Bahntickets: S-Bahntickets sind schnell am Automaten erhältlich. Shinkansen-Tickets gibt es am Schalter. Das ganze aber zu noh höheren Preisen als in Deutschland (3 Stunden nach Kyoto für 100 Euro. Allerdings fährt die Regionalbahn für 60 Euro gleich 10 Stunden).
... Rückflugtickets: Japan ist etwas blöde. Zu Schleuderpreisen lockt man einen ins Land, gehen darf man aber nur gegen hohe Bezahlung. Mehr als 1000 Euro könnte ich für einen Flug nach Shanghai (pro Tag fliegen acht Maschinen rüber) buchen. Es wird zum Glück günstiger, wenn man gleich einen Rückflug nach Osaka mitbucht. Und vielleicht noch günstiger, wenn man diesen dann letztendlich wieder storniert. Werde es ausprobieren. Vielleicht kann ich Japan so austricksen.
... Mülleimern: Tokyo ist verdammt sauber. Klar, es gibt auch saftige Strafen, wenn man Müll auf die Straße schmeißt, aber ich frage mich, wie die Einwohner das handhaben. Denn es gibt wirklich so gut wie nirgendwo Mülleimer. Maximal findet man welche neben Supermärkten oder Getränkeautomaten. Abends im Hostel klärt uns ein Japanologie studierender Franzose auf, dass man Angst vor Bomben im Mülleimer hat. Deshalb stehen keine mehr. Und auf der Straße zu essen oder trinken gilt als rüde. Somit trinkt man gleich neben den Automaten aus und muss keinen Müll mit sich rumschleppen.
... Bier: Hiervon gibt es viele Sorten, viele werben mit ihrer deutschen Brautechnik. Aber sie sind auch teuer. Vor allem in Pubs kann man schnell mal acht bis zehn Euro loswerden, gute belgische Biere sind für uns Studenten schlicht unbezahlbar.
... seinem Hotel: am hohen Regierungsgebäude, von dem wir heute Abend die Sich über die Innenstadt (welche aufgrund des schlechten Wetters nicht lohnenswert ist) haben wollen, spricht uns ein Ami an. Er ist froh, dass zumindest wir Englisch könnten. Kann ja sonst keiner. Keiner in dieser viel zu großen Stadt. Er sucht nämlich sein Hotel. Und keiner kann ihm helfen. Seit vier Tagen nicht. Armer Bub! leider sind unsere Englischkenntnisse zwar ausgeprägt, helfen können wir ihm trotzdem nicht.
Tag 144: Freakige Japaner.
Wir finden unser Hostel nach einem weiteren Morgenbad und einer Nudelsuppe als Frühstück Dank guter Wegbeschreibung sehr schnell. Dieses wirbt damit, das günstigste der ganzen Innenstadt zu sein, weshalb man allerdings auch einige Abstriche machen müsste. So sind möglichst viele Zimmerchen auf kleinster Fläche mit Spahnplatten gebastelt, auf die Gänge passen keine zwei Leute nebeneinander und in unserem Zimmer muss der erste gleich in sein Bett steigen, damit der zweite auch eintreten kann. Aber Platz wird überbewertet, wir müssen hier ja nur schlafen.
Deshalb gehen wir auch sofort wieder in die Stadt und zwar in das Jugendviertel von Shibuya. Die spinnen schon ein bisschen, die Japaner. Vor allem die Japanerinnen. Die laufen gerne in Schuluniformen und Prinzessinnenkleidchen rum, tragen Schleifchen im Haar und schminken sich das Gesicht, bis es wie Porzellan wirkt. Es laufen also verdammt viele Püppchen auf den Straßen rum, ich kann sie als Frauen noch nicht ganz so ernst nehmen.
Cool ist das Viertel aber allemal, es gibt gute Kleidung und, ganz wichtig, Döner-Buden. Was hab ich die in China vermisst!
mit der Ringbahn geht es dann ins Elektronik-Viertel, wo ein sechsgeschössiges Elektronikgeschäft neben dem nächsten steht. Schnäppchen sind leider Fehlanzeige. Dafür fallen wieder die ganzen verkleideten Damen auf. In Baby- und Haushälterinkostümen verteilen sie Flyer. Ihre Angebote reichen von 2000 bis 5000 ¥ (ca. 40 €) pro halbe Stunde. Nur für welche Dienstleisung? Wir finden heraus, dass man sie fotographieren darf. Und es finden sich tatsächlich sehr viele zahlfreudige männliche Kunden.
Neben den Elektronikgeschäften gibt es noch viele, die sich voll und ganz auf die Figuren japanischer Mangas, also Comics, konzentrieren. Es gibt diese Figuren und deren Kleidchen in allen möglichen Größen. Und alles wird gerne und für viel Geld gekauft.
Mir bleibt also nur die Schlussfolgerung, dass die Japaner voll und ganz auf diesen Comic-Kram abfahren und das Schönheitsideal hierdrin gefunden wurde, sodass die Damen möglichst ähnlich aussehen möchten, um den Herren zu gefallen.
Mir gefallen sie nicht.
Tag 143: Reisen.
Die Nacht im Zug versprach, eine der besten zu werden. Da aber jedes Viererabteil (ich übernachte mit zwei holden Damen zusammen) zu schließen sind, die Temperatureinstellung der Klimaanlage aber dem Schaffner überlassen ist, welcher von den russischen Mitfahrenden oft laut darauf aufmerksam gemacht wird, dass es zu warm sei, pustet die kalte Lüftung die ganze Nacht durch. Die Decke ist allerdings recht undurchlässig bezogen auf alles. Dadurch frier ich entweder Ode ich schwitz wie sonstwas in meiner Privatsauna. Schnell rieche ich wie ein Iltis. Zweimal Wache ich in der Nacht auf, weil mir erst der iPod aus der Hand gleitet und nur durch die Stöpsel im Ohr vorm Aufprall gechützt wird. Beim zweiten Mal rutscht er an der Wandseite durch den Schlitz und der Dame unter mir auf den Schädel. Bei ihr hab ih wohl verschissen.
Morgens in Peking ist es wie immer dort: grau, versmogt, stickig. Ich schwitze wieder. Ekelhaft. Wir bringen den Vormittag im McDonald's unserer Lieblingsmall zu, da dieser als einziger geöffnet hat. Mit etwas Wasser und einer Männerdusche, also viel Deodorant, machen wir uns frisch, reisen zum Flughafen und fliegen nach Shanghai. dor. Wird das Flugzug binnen eine Stunde gewechselt. Um neun Uhr Ortszeit landen wir in Tokyo, aber natürlich längst noch nicht in der Innenstadt. Wieder eine Stunde zugfahrt, Aber das ist nur noch eine Kleinigkeit. Wir wissen auch eigentlich gar nicht, wohin wir müssen, aber Rippori klingt doch gut. Nur ist da schon tote Hose, es wohnen nur alte Menschen dort, die Mafia und ein Waliser, der uns darüber aufklärt. Er will uns auch helfen, ein Hotel zu suchen, wir schließen uns aber dann doch einem Schweden an, der zufällig in unsere Richtung muss. Eigentlich soll es in ein Capsule Hotel gehen, aber wir schwitzen schon wieder. Und in den Hotels gibt es keine Dusche. Warum gehen wir also nicht gleich in eine öffentliche Badeanstalt? Schnapsidee von Thomas. Wir setzen sie dennoch in die Tat um und dürfen dort für viel weniger nächtigen als im wasserlosen Hotel. Nach angenehmen Wechselbädern und Duschen geht es im Bademantel auf die Entspannungssessel, die je mit einem Fernseher ausgestattet sind. Auch das bietet uns kein Hotel. Allerdings gäbe es auch da keine 40 Japaner mittleren bis hohen Alters, die so ihre Probleme mit Erkältungen und dem Schnarchen haben.
Tag 143: Reisen.
Die Nacht im Zug versprach, eine der besten zu werden. Da aber jedes Viererabteil (ich übernachte mit zwei holden Damen zusammen) zu schließen sind, die Temperatureinstellung der Klimaanlage aber dem Schaffner überlassen ist, welcher von den russischen Mitfahrenden oft laut darauf aufmerksam gemacht wird, dass es zu warm sei, pustet die kalte Lüftung die ganze Nacht durch. Die Decke ist allerdings recht undurchlässig bezogen auf alles. Dadurch frier ich entweder Ode ich schwitz wie sonstwas in meiner Privatsauna. Schnell rieche ich wie ein Iltis. Zweimal Wache ich in der Nacht auf, weil mir erst der iPod aus der Hand gleitet und nur durch die Stöpsel im Ohr vorm Aufprall gechützt wird. Beim zweiten Mal rutscht er an der Wandseite durch den Schlitz und der Dame unter mir auf den Schädel. Bei ihr hab ih wohl verschissen.
Morgens in Peking ist es wie immer dort: grau, versmogt, stickig. Ich schwitze wieder. Ekelhaft. Wir bringen den Vormittag im McDonald's unserer Lieblingsmall zu, da dieser als einziger geöffnet hat. Mit etwas Wasser und einer Männerdusche, also viel Deodorant, machen wir uns frisch, reisen zum Flughafen und fliegen nach Shanghai. dor. Wird das Flugzug binnen eine Stunde gewechselt. Um neun Uhr Ortszeit landen wir in Tokyo, aber natürlich längst noch nicht in der Innenstadt. Wieder eine Stunde zugfahrt, Aber das ist nur noch eine Kleinigkeit. Wir wissen auch eigentlich gar nicht, wohin wir müssen, aber Rippori klingt doch gut. Nur ist da schon tote Hose, es wohnen nur alte Menschen dort, die Mafia und ein Waliser, der uns darüber aufklärt. Er will uns auch helfen, ein Hotel zu suchen, wir schließen uns aber dann doch einem Schweden an, der zufällig in unsere Richtung muss. Eigentlich soll es in ein Capsule Hotel gehen, aber wir schwitzen schon wieder. Und in den Hotels gibt es keine Dusche. Warum gehen wir also nicht gleich in eine öffentliche Badeanstalt? Schnapsidee von Thomas. Wir setzen sie dennoch in die Tat um und dürfen dort für viel weniger nächtigen als im wasserlosen Hotel. Nach angenehmen Wechselbädern und Duschen geht es im Bademantel auf die Entspannungssessel, die je mit einem Fernseher ausgestattet sind. Auch das bietet uns kein Hotel. Allerdings gäbe es auch da keine 40 Japaner mittleren bis hohen Alters, die so ihre Probleme mit Erkältungen und dem Schnarchen haben.
Tag 142: Bye Bye Xi'an.
Es steht unserer neuen Heimatstadt ein trauriger Zag bevor: etappenweise verlassen wir die Gegend in verschiedene Richtungen, beginnend mit den Damen (welche meinen Reiseführer löblicherweise in ihrer Bude eingeschlossen haben). Auch ich packe, leicht angekatert, meinen Rucksack und begleite Lukas noch zum Halbfinale. Da steht es kurz vor Ende wieder Unentschieden und der Coach besteht darauf, dass ich von den anderen Kleidung anziehe, um wenigstens einen Elfmeter zu schießen. Leider ist erst das dritte Paar Schuhe ein nicht kaputtes und dann ist es zu spät. Und was passiert dann? Wir verlieren natürlich. Und das alles nur, weil ich viel zu verwöhnt bin, was Fußballschuhe betrifft.
Ich mache mich dann mal schnell aus dem Staub und fahre zum Bahnhof. Nach einer Stärkung im Dico's, in dem wir wegen Nahrungsknappheit zunächst nur ein Schild mit der Nummer 8 bekommen, das uns ab jetzt begleiten wird, besteigen wir unseren Zug. Dieses Mal Softsleeper, Luxusklasse, viele Ausländer, westliche Toilette, eigenes Licht am weichen Bett.
Uns steht jetzt ein Tripp über mehr als 24 Stunden bevor, bis wir endlich Tokyo erreichen.
Tag 141: Biermesse.
Heute ist der letzte Praktikumstag. Wir arbeiten ein letztes Mal so richtig überhaupt nicht. Sondern wir begeben uns auf Abschiedstournee durch die Abteilungen und sammeln Unterschriften auf unserer Arbeitskleidung. Da wir gestern auf Denis und Philipps Wunsch hin (sie kamen verfrüht von ihrem Praktikum bei Hongkong zurück) noch bis spät bei Theresa im Club waren, kommen wir zudem gut zu spät, machen diesen Fauxpas aber mit der Verteilung von 95 Eis wieder gut. Das lassen wir uns ganze 10 Euro kosten. Papa, also Chefe, den wir bisher in der Midlife-Crisis wähnten, da er viel gestresst war und uns wenig beachtete, zudem das Rauchen anfing und sehr wortkarg in Bezug auf seine Frau war, ist sichtlich gerührt und umarmt mich gleich fünf Mal. Und dann ist es auch schon drei Uhr, Zeit, Feierabend zu machen. Was sollten sie auch dagegen tun? Mich rausschmeißen?
Ich komm keine Minute zu spät, denn da der Rest heute größtenteils frei gemacht hat, wollen wir möglichst früh bei der Biermesse auf dem Messegelände sein. Dort angekommen zeigt sich, dass die hiesige Überbeschäftigung (pro Kunde ein Arbeiter) nicht unbedingt das beste sein muss, da man beim Hauptreingang nicht weiß, was am Nebeneingang los ist. So wird uns zunächst erzählt, es gäbe keine Karten mehr und wir haben Glück, dass unser Taxi auf dem Weg zurück den Nebeneingang passiert, wo sehrwohl noch Einlass gewährt wird. Und so kommen wir dann doch noch zu unserem Glück in Form vieler Weizenbiere (acht von zehn ausstellenden Biersorten sind Deutsch). Und da es für die Einheimischen immer wieder ein Highlight ist, sich mit Deutschen im Wetttrinken zu messen, müssen wir die wenigsten Getränke selber bezahlen. Zudem gewinn ich immer, Mama und Papa dürfen stolz auf ihren Prachtbuben sein. Neben deutschem Bier gibt es noch gutes deutsches Essen, aber das wird vollkommen überbewertet. Ich wage heute mal einen Selbstversuch und gebe vor, kein Englisch zu sprechen. Eine gute Erfahrung, da ich dennoch, erst recht mit steigendem Pegel, ne ganze Menge zu verstehen scheine. Es ist nur etwas nervig, das ganze durchzuziehen und die anderen als Übersetzer herzuziehen, wenn ich mal etwas nicht verstehe und die Damen und Herren auf Englisch umschwenken. Nach sechs oder sieben geexten Weizen kann ich von Glück reden, dass die Blase mich vom Tisch einer Gruppe Geschäftsmanner wegtreibt, da jene meinen, es wär jetzt Zeit für Schnaps. Und den kann ich nicht unbedingt gebrauchen. Lukas auch nicht, er trinkt aber trotzdem und was er davon hält, zeigt er in Form einer Schweinehaxe. Später platziert er die leere Shnapsflasche versehentlich an meiner Stirn, die dann eine schöne Beule ziert. Nachdem er mich letztens schon in eine Hecke geschubst hat, da er seine Kraft unter- und meinen Gleichgewichtssinn überschätzt hat, kann ich mich wohl glücklich schätzen, morgen ohne ihn Richtung Japan zu verschwinden. Wer weiß, wozu er noch fähig ist.
Tag 140: Chinas Tierwelt.
Chinas Tiere können einem leidtun. Neben der Tatsache, dass sie, tot, zu Schleuderpreisen zum Verzehr angedreht werden, sind sie auch lebendig nicht gerade viel wert. So kann man sie beispielsweise an vielen dichtbefahrenen Straßen erwerben; Hamster und Mäuse in kleinen Käfigen,Goldfische in Einmachgläsern und Hundewelpen werden gerne im luftdichten Fahrradkoffer an den Ort des Verkaufs gebracht. Goldfische kann man zudem zur Belustigung der Kinder selber angeln, was nicht so schwer ist,da sie zu hunderten hungrig im kleinen flachen Edelstahlbecken nur so auf den Köder warten. Ihre Qualität wird dann danach bemessen, ob sie das starke Schütteln des Glases überleben oder nicht. Wenn die Hundewelpen nicht verkauft werden, muss man nur ein paar Jahre warten, dann kann man an der Terrakottaarmee ihre Felle erwerben. Natürlich sind es dann offiziell keine Hunde mehr, sondern Wölfe. Schäferhundwölfe. Und Katzenwölfe gibt es aich noch. Beliebt sind auch Schildkröten, hauptsächlich zum Essen, aber man bekommt auch kleine als Haustiere an vielen Straßenecken. Diese sind zusammen in einem Netz gefangen, damit sie nicht wegrennen. Von denen wollten Lukas und ich schon dine für das kleine Fischbecken I'm Eingangsbereich der Firma kaufen, aber bisher lebten da zwei Goldfische. Unsere Frage, wie diese hießen, wurde stets verständnislos mit "Fisch" beantwortet. Einen sonderlichen Bezug zu Tieren hat man hier nicht. Fisch 1 und Fisch 2 essen übrigens nur Wasser, wurde uns gesagt. Heute ist Fisch 1 tot. Er war krank. Fisch 2 ist auch krank. Den brauchen wir nicht mehr. Wenn er auch endlich tot ist, werden zwei neue gekauft. Dafür bekommt der Husky vom Firmentor heute einen neuen Spielkameraden. Bisher war er immer nur kurz am Tor angebunden, schlafend, hechelnd, es sei denn, der Wächter schlägt ihn mal wieder. Ich hoffe inständig, beide Huskys nicht bald auch an Terrakottaarmee wiederzutreffen.
Wer Tiere nur zum Essen mag, sollte in einen Supermarkt gehen. Hier stehen viele Aquarien, überfüllt mit Fischen, Wasserschlangen und übereinander gestapelten fetten Kröten. Wer es nicht übers Herz brechen kann, die Tiere selber zu töten, kann trotzdem zugreifen, da in jedem Becken das ein oder andere Tier schon an der Oberfläche treibt.
Unsere Nachbarn haben sich jetzt auch Haustiere zugelegt und zwar zwei kleine Enten. Diesen wurden die Flügel recht bald entnommen, sodass sie nur noch laufen können. Also werden sie zweimal täglich ums Haus getrieben. Den Weg kennen sie schon auswendig. Clevere Tiere. Nur schade, dass ich auch ihnen keine hohe Lebenserwartung zutraue.
Dienstag, 14. Juli 2009
Tag 138: Süß und niedlich..
Als ich es das erste Mal sah, geriet ich in eine etwas peinliche Situation. Im Vorbeifahren auf dem Rad hab ich aus dem Augenwinkel die anmutende Gestalt einer dieses Shirt tragenden Dame erfasst. Ein weiterer Blick fiel auf den Schriftzug, der erst mal so wahrgenommen wird. Und dann habe ich mich noch dreimal umgedreht, um auch sicherzugehen, dass ich richtig gelesen habe.
Nun werde ich aber natürlich als schillernde Persönlichkeit auch dauerhaft beobachtet, so auch meine Blicke. Und die fielen nun mal öfter als sonst in die Richtung der, hierzulande, stattliche Oberweite (natürlich nur in die Richtung). Und was erntet man dafür? Spöttisches Gelächter von den Damen.
Wie schaffen es Modedesigner, die keinen vernünftigen englischen Satz auf einen Stoff drucken können, zwei deutsche Worte komplett richtig zu schreiben? Und dann auch noch 'süß', das bekanntlich mit ü und ß geschrieben wird?
Tag 137: Der Weg des Wassers.
So auch heute, wie ich beim Aufstehen feststelle. Lukas wird geweckt (nachdem sein Wecker es, abermals, auch nach einer dreiviertel Stunde Musik nicht schafft) und nachdem ich aus dem Bad komme, frage ich ihn, ob ihm aufgefallen ist, dass wir wohl mit dem Taxi fahren. Hat er, da ich ihm ja auch den tollen Hinweis gegeben habe. Ich verstehe nicht, aber es ist mir auch erstmal egal. Erst etwas später merke ich, was er meint: sein ganzer Türrahmen ist nass und es tropft alle halbe Minute auf den Boden. Nein, das war ich nicht. Aber es geht trotzdem erstmal zur Arbeit.
Wir arbeiten jetzt nicht mehr richtig und haben auch kein schlechtes Gewissen, wir kümmern uns lieber, wenn auch recht halbherzig, um unseren Praktikumsbericht. Außerdem wollen wir mal den anderen Praktikanten die Chance geben, sich zu beweisen, nachdem uns schon öfter gesagt wurde, dass die deutschen und japanischen Praktikanten die besten sind. Hört, hört, mal gute Worte über die Japaner.
Wenn wir gerade mal nicht am schreiben sind, reden wir und zwar mittlerweile mit jedem. Und wir spielen vorm Verlassen der Räumlichkeiten gerne an der Klima-Anlage rum, sie pustet dann 30 °C warme Luft anstatt 17 °C kalte hinein. Und es ist erstaunlich, wie lange es dauert, bis jemand es merkt. Und um 18 Uhr komme ich zu meinem Highlight des ganzen Praktikums: Ich darf die Feierabend-Klingel drücken und somit vielen Menschen eine Freude machen.
Der Abend ist dann von ein paar Tiefschlägen geprägt: Ich kann mein Handy anscheinend gar nicht umtauschen. Das geht wohl gar nicht. Hier ist man froh, wenn man etwas los ist. Dann hat es nicht aufgehört zu tropfen. Mittlerweile an drei Stellen. Und der Putz löst sich langsam. Bald haben wir vielleicht einen Durchbruch zu Philipps Wohnung oben. Und dann will ich die heute erfassten Praktikumsberichtdaten vom USB-Stick holen und darf feststellen, dass dieser virenverseucht ist.
Schön ist das nicht!
Tag 136: Umtausch ausgeschlossen.
LiYuan hat Hunger und lädt mich ein. Nun, das ist keine schlechte Idee, denn bis ich Luke aus seinem komatösen Schlaf geweckt habe, ist schon wieder abends und mein Magen verlangt jetzt schon was. Also geht es in eines der Restaurants vor dem Campus. Denke ich. Und hoffe ich. Denn ich bin noch ziemlich müde. LiYuan hat aber ihre eigenen Pläne und weiß, wo es viel besser schmeckt, nämlich beim alten Campus, also wird erstmal Bus gefahren. Und da schmeckt es tatsächlich gut und mein Magen dankt es mir. Allerdings esse ich, verständlich nach einer langen Nacht, langsam, um den Bauch nicht zu überfordern. Zudem fehlt noch etwas der Appetit. Zumal ihn mir auch der Typ am Nachbartisch etwas raubt. Dieser hat nämlich schon aufgegessen. Und jetzt raucht er unerlässlich. Das ist ja auch ok. Leider mag er den Rauchgeschmack aber scheinbar nicht so. Denn er macht sich den klebrigen Sirup der Cola zunutze, um das auf der Zunge und im Rachen liegende Nikotin daran zu binden. Mit einer Geräuschkulisse, die einem brüllenden Löwen ähnelt, sammelt er dann den Sirup wieder zusammen, spielt mit dem dickflüssigen Klumpen etwas auf der Zunge, um ihn, zur Kugel geformt, gekonnt vorbei an Tischkannte und beiden Beinen zu Boden fallen zu lassen. Diese Prozedur wiederholt er sieben Mal, bis sich zwischen seinen Füßen ein kleiner See, braun und glibberig, gebildet hat. Dann geht er. Mir tut etwas die Dame leid, die sich danach an den Tisch setzt und mit ihren FlipFlops immer schön durch das Speichel-Nikotin-Sirup-Gemisch gleitet.
Ich esse dennoch auf. (Und im Wohnheim dann sogar noch den BigMac, den mir die anderen aufgehoben haben. McDonald's hat hier nämlich eine Lieferfunktion. Das sollte ich mir für die nächsten Kater-Sonntage merken.)
Eigentlich habe ich schon gestern beschlossen, heute mein Handy umzutauschen. Denn das ist einfach zu langsam und funktionell recht kompliziert. Jetzt bin ich eigentlich schon ganz in der Nähe des Ladens, aber natürlich habe ich das Telefon nicht dabei, geschweige denn die Verpackung. Also wird das ganze auf den Abend verschoben. Dort angekommen erkennt man mich natürlich sofort wieder und binde gleich neun Angestellte. Man erklärt mir, dass man das nicht einfach umtauschen könnte. Ich müsste, genau wie mit der Kamera, in die Nähe des Glockenturms. Darauf habe ich aber eigentlich gar keine Lust, also versuche ich, den Verkäufern einfach privat mein Produkt zu verkaufen. Leider ohne Erfolg, sodass mir nichts übrig bleibt, als morgen nach der Arbeit dahinzufahren. Ich nehme aber trotzdem schon mal ein günstiges Gerät mit, gleichen Modells wie Lukas'. Weil ihnen die Sache mit dem Umtausch unangenehm ist, schenken sie mir noch einen Ersatz-Akku. Jetzt habe ich also schon, den vom letzten Telefon mitgezählt, drei Akkumulatoren für ein Handy. Zumindest mit dem Strom sollte ich erstmal keine Probleme mehr haben.
Tag 135: Gewonnen und verloren.
Unsere Mannschaftskameraden feiern diesen Sieg bereits wie den Titel und hüpfen wie wild aufeinander, bis sie nur noch ein einziger Haufen Chinesen sind. Dass das nicht gut ist, zumindest nicht für alle, zeigt sich dann beim auseinanderpflücken. Unsere Nummer 9 hat wohl etwas zu weit unten gelegen, denn er hat zwischen Oberlippe und Nase eine klaffende Wunde und auch das Kinn ist aufgerissen, das Blut fließt in Schwallen. Nach etwas Untersuchung der Sachlage bilden wir einen kleinen Suchtrupp und finden tatsächlich auf dem Spielfeld seine beiden oberen Schneidezähne, einen samt Wurzel, wieder.
Glücklich wirkt er nicht, der 9er. Aber letztendlich hat er es auch nicht so eilig, den Arzt oder das Krankenhaus aufzusuchen, um zumindest den Cut nähen zu lassen. Oder zum Juwelier, damit er sich eine Zahn-Kette machen lassen kann. Nächste Woche werde ich sehen, was aus ihm geworden ist.
Trotzdem das Spiel um halb neun angepfiffen wurde und um halb elf beendet ist, habe ich mir das Gesicht leicht angebrannt. Der Sonne wegen, die nach zwei Tage Regen mal wieder kommt und mit ihren wärmenden Strahlen für viel Verdunstung des nicht ablaufenden Wassers in der Stadt sorgt. Klimamäßig ist es also wieder sehr schön schwül.
Mit einem kleinen Umweg über das Elektronikgeschäft, die mir zwar ein neues Handy verkaufen, aber sagen, dass ich mit dem Kamera-Blitz-Problem zu einer anderen Filiale gehen solle, geht es zurück ins Wohnheim und erstmal ins Bett.
Abends ziehen wir wiedermal einen Geburtstag vor, nämlich Nadines. Die hat morgen. Und da haben Hanna und Thomas sich sehr gut ins Zeug gelegt. Es gibt Schweinebraten mit Rotkohl und Semmelknödeln (bei denen mir vorgeworfen wird, sie zerstört zu haben, weil ich den ersten zu voreilig ungeformt ins Wasser geschmissen habe). Sehr gelungen, sehr lecker.
Es geht heute zur Abwechslung mal ins Salsa, einer Disco, deren Gäste etwas versnobter sind. Mit Ausnahme des Kellners, der uns die Getränke klaut, die uns unsere 'Freunde' (sie haben uns bei sich sitzen lassen und wir haben uns gegenseitig mit Getränken versorgt, bis sie gegangen sind) uns hinterlassen haben. Natürlich ist es auch besser, die angebrochenen Flaschen wegzukippen, als den Deutschen was zu lassen. Ich mache ihm deutlich, dass er gerne vom Tisch fernbleiben darf und einen anderen schicken darf. Zum Dank räumt er den ganzen Tisch auf, als wir noch einmal tanzen gehen.
Dann kommt es zum weiteren Highlight des Tages, bzw. der Nacht: Straßenessen. Guter Hühnerschenkel, kleingeschnibbelt in ein Brot, das vorher frittiert wird. Fantastisch. Und dann soll das nächste Highlight kommen: Schwimmen. Thomas und ich schleichen extra die ganz große Runde um den Campus herum, geben keinen Mucks von uns und am Schwimmbad ist weit und breit niemand zu sehen. Letztendlich müssen wir dann dem Mond danken, dass sein, von der Sonne reflektierendes Licht (also danke ich streng genommen doch der Sonne, oder einfach beidem) auf dem Wasser abermals reflektiert. Sofern Wasser da ist. Da aber kein Licht reflektiert, können wir leicht schlussfolgern, dass die Banausen das Wasser raus gelassen haben und werden letztendlich vor einem Sprung in Comicmanier mit Landung auf dem harten Beton bewahrt.
Und was macht man dann, wenn der Badespaß nicht befriedigt wird? Man kommt auf ganz tolle Ideen. Man ruft den Herren Papa über Skype an. Natürlich im gut angeheiterten Zustand, aber der merkt das mit Sicherheit nicht. Und die ehrenwerten Großeltern auch nicht.
Es ist wieder hell, als ich mich entschließe, endlich mal schlafen zu gehen.
Tag 134: Von Medien und Elektronikgeräten.
Jetzt bin ich also schon mal mobil kaum erreichbar. Und andersrum kann ich auch hier keinen erreichen. Und um das ganze noch ein bisschen schlimmer zu gestalten, hat man sich in diesem wunderbaren Land dazu entschieden, neben Youtube, meinem Blog und anderen Seiten auch noch Facebook zu zensieren. Allerdings sollte ich vielleicht eher die Uiguren dafür verantwortlich machen. Ich nehme an, die haben angefangen.
Um mal die Damen in der Vorstufe zu testen, wie sie es so mit der Technik haben und weil wir den Bildschirmschoner (ein Aquarium mit tollen Fischen) so gerne mögen, ziehen wir heute in der Mittagspause Maus und Tastatur aus den Rechner. Als wir dann etwas zu spät zurückkommen, hämmert die gute Qu auch schon auf der Tastatur rum. Komischerweise funktioniert die Maus, die hat sie nämlich tatsächlich wieder reingesteckt. Lukas steckt dann mal die Tastatur wieder ein, es funktioniert aber noch nicht, weshalb Qu wieder unter den Tisch krabbelt und noch einmal umsteckt. Dann wird neu gestartet. Es funktioniert wieder nicht. Scheint wohl kaputt zu sein. Dann schauen wir noch einmal nach und holen den Tastaturstecker wieder aus dem Mausanschluss raus. 'Aber das lilane passt viel schöner in das grüne Loch!', protestiert sie.
Sie schweigt, als nach einem weiteren Neustart alles funktioniert.
Um weiter bei Elektronikgeräten zu bleiben: Seit einiger Zeit entsteht beim Fotografieren mit meiner Digitalkamera mit Blitzlicht Rauch nach dem Auslösen. Zwar habe ich bereits nachgeforscht, dass das an Staub auf dem Blitz liegen könnte. Aber das muss morgen, wenn ich sie umtausche, ja kein anderer wissen.
Tag 133: Strafarbeit
Bei einer Auflage von über 10.000 ist das eine feine Aufgabe. Hinzukommt, dass die Aufkleber auf dem Bogen (18 Stück umfassend) zu stark ausgestanzt wurden, sodass das Silikonpapier auch durchtrennt ist. Somit wird für das Ablösen des Kleblings vom Silikonpapier ein guter Fingernagel und viel Geduld gefordert. Um die ganze Aufgabe auch noch geiler zu gestalten (und vielleicht auch, weil das Ablösen dann etwas leichter und etwas schneller geht), dass sämtlicher Klebling, der nicht gebraucht wird, also alles, was für den Müll ist, auch noch vom Silikonpapier gelöst werden sollte. Neben 10.000 guten Aufklebern kommen jetzt also noch 10.000 Rahmen und 30.000 Kleber, die für die Nähmaschinen ausgespart werden.
Heute ist der dritte Tag dieser Aufgabe. Und wir werden fertig. Ich hoffe, der Kunde lässt eine Menge springen.
Tag 132: Invasion
Da in der Vorstufe seit Tagen nichts zu tun ist, ist hier die Freude am größten und die Damen erfreuen sich unserer Scherze und Geschichten. Auch in der Weiterverarbeitung geht's rund. Wir täuschen vor, zu helfen, in Wirklichkeit benutzen wir aber die Makulatur zum Bau eines Fußballs.
Das angedachte Match mit dem Ball im fällt leider ins Wasser, da heute endlich mal der erhoffte und angekündigte Regen endlich mal eintrifft.
Dieser Regen zwingt uns am Abend auch endlich mal dazu, in der Wohnung zu bleiben, da Aktivitäten wie Tischtennis, Kreidemännchen malen und Leute mit der Wasserpistole abschießen keinen Sinn machen. Also werden endlich die Ferien etwas mehr geplant, die Ende nächster Woche beginnen. Und da steht jetzt ganz oben Japan auf dem Programm.
Tag 131: Herr Nilsson
Herr Nilsson braucht nicht viel Schlaf. Aufgrund des schmächtigen Körpers und der optimal angepassten Temperaturen geht nicht viel Energie verloren, sodass Herr Nilsson gerne einmal länger als alle anderen Arbeiter arbeitet. Wenn es dann einmal schläft, träumt Herr Nilsson von einem zweiten Arbeiteräffchen, mit dem es um die Wette arbeiten kann. Zu zweit macht alles viel mehr Spaß, findet Herr Nilsson.
Vor einiger Zeit hat es eine Veränderung in der Firma gegeben. Statt eines zweiten Arbeiteräffchens kamen zwei fremdwirkende Personen in die Buchbinderei. Diese sind viel blasser als alle anderen, aber auch viel größer und kräftiger. Nach anfänglichem Zögern packten diese beiden menschenähnlichen Wesen bei der Arbeit ordentlich mit an.
Affen benutzen oft Stöckchen als Hilfsmittel. Und sie sind sehr lernfähig. Dieser Fähigkeit hat sich Herr Nilsson bedient und lernt seit jeher ohne Scheu von den blassen Menschen. Am meisten liebt es den Schabernack, den die beiden oft treiben. Ihm gefällt es, Papierkügelchen zu basteln und sie nach anderen Arbeitern zu schmeißen.
Übelnehmen tut es ihr keiner. Zumeist lachen alle nur und erfreuen sich der guten Stimmung, die Herr Nilsson verbreitet.
Tag 130: Chinesischer Biergarten.
Im Hof stehen die obligatorischen Plastik-Camping-Bestuhlung (Beine sind am Tisch angeschraubt), die anscheinend schon gut von dicken Leuten eingesessen oder von der heißen Sonne geformt wurden, denn sie passen sich dem unebenen Betonboden gut an und wackeln nicht. Über den Hof sind Drahtseile gespannt (und zwar ziemlich straff, da das eine ganz schöne Entfernung ist) und die typischen Glühbirnchen in kitschig bunten Farben hängen daran. Dass sie leuchten, erleben wir heute leider nicht, ist aber bestimmt gigantisch. Es mangelt vielleicht an dem ein oder anderen Baum, aber da die Sonne um halb sieben sowieso nicht mehr knallt, soll uns das heute mal egal sein.
Zu Essen gibt es, wie könnte es anders sein, Gegrilltes. Typisch in kleinen Portionen an Spießen für einen eigentlich geringen, hierzulande aber recht hohem Preis. Leider gibt's zu dem ganzen nur ein Einheitsgewürz, in dem lediglich die Schärfe variierbar ist. Mit diesem Gewürz wird auch das Pizzabrot gut bestäubt. Variationen bieten hingegen die Fleischsorten. Allerdings ist Hühnchenfleisch nicht gleich Hühnchenfleisch, sondern etwas anderes vom Huhn. Knorpelähnlich, würde ich schätzen. Letztendlich will ich aber nicht behaupten, dass es nicht schmeckt.
Zum Glück werden wir beim Bier nicht enttäuscht, das es sogar frisch gezapft gibt. Und es gibt kleine 2 l-Fässer an den Tisch, welche wir aber nicht beziehen. Wir müssen ja noch fahren.
Tag 129: Chinas Wachstum.
Nicht so toll kommt es, wenn sich das Wachstum auch auf die Menschenanzahl auswirkt. Vor allem nicht auf die derer, die in irgendeiner Weise Interesse an mir haben. So wird mein Schlaf heute des Öfteren unterbrochen. Zunächst von LiYuan, die das mit dem Schwimmen für bare Münze gehalten hat und dann leider vor verschlossenen Türen stand. Also von innen. Im Wohnheim. Das macht nämlich erst zwischen sechs und sieben wieder auf. Dann klingelt ab halb elf ein paar Mal mein Handy, es ist Spätzle. Zum Glück kann ich mittlerweile auch mit geschlossenen Augen den Bimmelkasten auf lautlos stellen. Und dann klopft es auf einmal an der Tür. Es ist wieder Spätzle. Und er ruft gleichzeitig an. Die Kombination von Klopfen und Klingeln bringt mich leider zu sehr durcheinander, sodass ich in der Hektik das Telefonat annehme. Und jetzt hab ich verloren.
Er will nur kurz in unserer Wohnung auf Audrey, seine Freundin warten. Und zwar, weil es draußen zu heiß ist und er letzte Woche sein Wohnheimszimmer räumen musste, sodass wir jetzt der einzige Zufluchtsort sind. Ich dürfte aber natürlich weiterschlafen, weil ich anscheinend erbärmlich aus der Wäsche schau.
Als ich das erste Mal die Augen wieder öffne, ist er nicht mehr im Wohnzimmer. Er steht stattdessen vor der Klimaanlage in meinem Zimmer. Aber das soll mich ja nicht dran hindern, die Augen wieder zu schließen. Dann wird es wieder laut und ich sehe, dass nun auch Audrey angekommen ist und sich beide begrüßen. Meinen Augenaufschlag bemerken sie nicht und ich simuliere weiterhin den Schlafenden. Als es dann wieder still wird, schaue ich mal wieder auf und sehe nun auch die kleine Dame, die mir später als Audreys Schwester vorgestellt wird. Und nachdem ich dann das vierte Mal aufwache und auch noch Automn, eine Freundin Audreys, genauso schweigend die Klimaanlage anhimmelnd mitten in meinem Zimmer steht, ziehe ich die Notbremse und steh einfach mal auf. Wer weiß, wie viele sonst noch kommen.
Ich bin aber niemandem deswegen böse, erst recht nicht, da ich kurz darauf zum Essen eingeladen werde, was auch gleich sämtliche Kater-Ansätze vertreibt. Ich fühle mich also gerüstet für eine Shoppingtour mit den Häschen aus der Druckvorstufe. Leider muss ich mal wieder kundtun, dass Lukas heute 'wirklich krank' ist. Woran genau das liegt, weiß ich nicht, da Thomas und mir der Nudelsalat bekommen ist und Lukas die Flasche Whisky, die er aus dem 1+1 geschmuggelt hat, in den frühen Morgenstunden wie einst Robin Hood an die um Almosen bittenden verteilt hat. Fakt ist, dass sein Körper vom ständigen Rennen zur Örtlichkeit sehr ermattet ist.
Leider finden wir in der Stadt keine Hawaii-Hemden, lediglich Hosen in selbigem Muster. Um meine Kolleginnen aber nicht zu enttäuschen, kaufe ich mir eine fantastisch aussehende pinke Chiller-Hose.
Bei der Wiederankunft im Wohnheim ist dann nicht mein Zimmer überlaufen, sondern mein Email-Postfach, da die Chinesinnen, die jetzt nach Deutschland fahren dürfen, noch ein 'Motivationsschreiben' für ihren Auslandsaufenthalt schreiben müssen. An wen das geht, weiß ich nicht, aber ich sollte doch bitte mal drüberlesen und korrigieren. Am besten das ganze in roter Schrift. Und reicht man einer Dame den kleinen Finger, packen die anderen die restlichen, sodass ich, anstatt noch etwas zu auszuruhen, sechs dieser Schreiben unter die Lupe nehme.
Tag 128: Ich liebe Lutscher.
Trotz zweier zwischendurch eingeführten Ruhephasen wollen wir am Abend noch nicht so fit werden. Zu dritt sitze ich mit Lukas und Thomas da, redend, ein wenig Flüssigkeit aufnehmend und vor allem darauf wartend, dass der erste sagt, dass das mit dem Abendprogramm heute wohl keinen Sinn hat. Aber keiner sagt es. Jeder weiß, dass der andere eigentlich viel zu müde ist, aber dennoch will keiner den ersten Schritt machen. Und dann geht es gen Mitternacht tatsächlich noch raus, Richtung 1+1. Draußen sehen wir, dass bei Fu, der illegalerweise zurzeit mit der Freundin in der leerstehenden Wohnung lebt, noch Licht brennt. Und weil es alleine schon so gut mit dem Taxi passt, rufen wir ihn kurz raus und die beiden begleiten uns tatsächlich. Ob sie wissen, auf was sie sich einlassen? Mit zwei Taxis erreichen wir den Club, er ist voller denn je, da dieses Wochenende Michael Jackson-Wochenende ist. Komischerweise läuft nicht einmal seine Musik. Ob man hier auch nur versucht, Profit aus dessen Ableben zu schlagen, wie es, laut Bild-Zeitung, alles momentan zu tun gedenken?
Ich denke eigentlich, dass es sich um zwölf Flaschen Bier handeln würde, wenn ich auf den Preis von 240 Yuan tippe (ein Bier kostet schon alleine 30 Yuan). Letztendlich kriegen wir für den Preis aber doch gleich 24 Flaschen. Ein ganzes Stück Arbeit für 3,5 Trinker, aber da muss man durch. Aber wir schaffen es nicht. Schließlich will noch getanzt werden und, ganz wichtig in einer Disco, geschlafen. Ich lass nämlich ab nach drei die Musik einfach mal Musik sein und den Tresen Kopfkissen und schlafe ungehindert über eine Stunde. Als ich erwache, sehe ich, dass Fus Freundin es mir nachgemacht hat, während sich Lukas und Thomas eine halbe Flasche Whisky ergaunern konnten. Mit den beiden komm ich heute also nicht mehr weit, und somit fahre ich mit Fu und der Dame schon mal vor.
Erwachen tu ich eine halbe Stunde nach meiner Ankunft durch einen Strahl kühlen Wassers in mein Gesicht, denn leider haben Luke und Thomas die Wasserpistole, mit der wir eigentlich nur auf andere Mitbewohner oder auf die Kinder im Hof schießen, sobald sie laut sind. Das ist aber gar nicht schlimm, denn so komme ich noch in den wunderbaren Genuss von Thomas' Nudelsalat. Zudem rufen wir noch LiuRong und LiYuan an, die sich allerdings nicht wirklich an der Idee, jetzt schwimmen zu gehen, erfreuen können. Und auch wir müssen diese Idee verfallen lassen, da in China die Uhren nun mal anders ticken und es ab fünf Uhr draußen furchtbar hell ist.
Der aufmerksame Leser wird merken, dass der Titel nichts mit dem Text zu tun zu haben scheint. Und das ist auch so.
Von Theresa bekomm ich heute übrigens zu hören, dass ich kein guter Freund bin. Schließlich komm ich sie nicht besuchen, sondern ziehe es vor, mich woanders zu amüsieren. Allerdings brauch ich da kein schlechtes Gewissen haben, denn auch sie schaut sich bestimmt nicht ausschließlich unsere Printprodukte an.
Tag 127: Richtige Arbeit.
Mittags wird das Wochenende zum ersten Mal eingeläutet. Zum Essen gibt es Bier, das wir in unserem Stammrestaurant jetzt schon günstiger bekommen. 600 ml für 2,50 Yuan. Beim Supermarkt auf dem Campus gibt es dafür gerade einmal 330 ml. Das geht natürlich ein bisschen in den Kopf und macht müde. Wir stellen glücklich fest, dass das Zwischenlager nicht, wie gewöhnlich, abgeschlossen ist und so darf ich freudig die Erfahrung machen, dass es sich auf einem Papierstapel sehr gut schlafen lässt.
Anschließend dürfen wir die ersten ausgedruckten Fotos begutachten und unterschreiben. Da dieser Fan sehr gut drauf ist und verständlich spricht, gesellen wir uns zu ihr und liefern den Rest des Tages Akkord-Arbeit und kleben Verpackungen zusammen. Es ist doch ein tolles Gefühl, der Firma endlich einmal weitergeholfen zu haben.
Nach Feierabend läuten wir das Wochenende ein zweites Mal beim Stammrestaurant ein, bevor es shoppen geht. Erst gibt es einen feinen Hut im Klamottengeschäft, anschließend wird der Carrefour (französische Supermarktkette) erforscht, wir müssen aber feststellen, dass es kaum europäische Ware gibt.
Am Rest des Abends breche ich Theresa mal wieder das Herz, da ich auch heute nicht zu ihr kommen kann. Morgen gibt es nämlich gleich zwei Spiele. Erst das wichtige Achtelfinale vom Turnier, dann ein Liga-Spiel. Und nachdem ich heute schon so hart gearbeitet hab, käme das überhaupt nicht gut, wenn ich den Körper noch durch einen Disco-Besuch schünde.
Tag 126: Tollster Arbeitstag bisher.
Glücklicherweise ist der Akku gut geladen und die Speicherkarte ist leer, denn sobald die fotosüchtigen Chinesen das Bildaufnahme-Gerät aus Japan erblicken, ist eine regelrechte Hysterie ausgelöst. Die Arbeit wird spontan niedergelegt und jeder möchte sein eigenes Bild mit den tollen Hechten aus dem Ausland machen. Zudem werden die Maschinen abgestellt, damit wir besser auf ihnen posieren können.
Zwischendurch werde ich stets um die Speicherkarte gebeten, damit die ersten Bilder auf die Firmen-PCs gezogen werden können. Dafür muss der Abteilungsleiter der Weiterverarbeitung sogar sein Strategie-Spiel unterbrechen, das er gerne und häufig zum Arbeitszeitvertreib spielt.
Die Zeit bis zum Mittag ist damit wie im Flug vergangen und auch danach geht es gut weiter. In der Vorstufe überlässt eine Kollegin einer Kundin ihren Computer, die jetzt die ganze Arbeit macht. Somit langweilt sie sich auch nur und ist sehr daran interessiert, mit uns viel Mist zu reden und Quatsch zu machen. Beim Anschauen der Kamera fällt ihr dann ein Hawaii-Hemd auf, das wir Sonntag fotografiert haben, da wir uns momentan nichts sehnlicher wünschen, als ein kitschig buntes, bequemes Sommerhemd. Sie bietet uns an, am Sonntag mit uns auf die Suche nach einem solchen edlen Stoff zu machen. Nach drei Stunden dort ist mal wieder etwas Fotosession angesagt, dann sollen wir uns noch auf den Sesseln ausruhen und dann ist es auch schon sechs Uhr. Feierabend.
Schneller vergingen die neun Stunden in der Firma bislang an keinem Tag. Morgen sollte ich auf keinen Fall die Kamera vergessen.
Tag 125: Alltagstauglichkeit?
Wir kommen natürlich nicht pünktlich, aber da wir sowieso später kommen dürfen, kümmert das keinen. Wir freunden uns etwas mit dem Bediener des Heißfolienprägetiegels an und einmal pro viertel Stunde ist einer von uns dran und darf die fertig geprägten Bögen auf die Palette stapeln. Wirklich viel Arbeit ist das nicht, aber immerhin etwas.
Nach dem Mittag bleiben wir zufällig eine Stunde im wohlklimatisierten Eingangsbereich auf den Ledersesseln sitzen und reden mit Kunden, bzw. schlafen. Hier wird noch etwas gequatscht, da noch etwas Papier gestapelt und irgendwann ist dann doch tatsächlich Feierabend.
Fu, der illegalerweise für ein paar Tage in die für uns reservierte aber nicht genutzte Wohnung gezogen ist, da seine Freundin ihn besuchen kommt (er verspricht uns aber, dass beide in verschiedenen Räumen schlafen), kocht heute für uns. Bzw. sein Weib tut es. Da dies über zweieinhalb Stunden dauert, ist nachher wie vorher (da zu hungrig) keiner von uns wirklich in der Lage, das benutzte Geschirr abzuwaschen.
Aber wir weichen es wenigstens ein. Das ist der halbe Abwasch. Und damit ein Zeichen, dass wir ein wenig alltagstauglich sind.
Tag 124: Extrem wichtige Termine.
Zur Beruhigung des schlechten Gewissens nehmen wir trotzdem jede Maschine genau unter die Lupe, suchen ihre chinesische Bezeichnung raus, erfragen Maschinendetails und schreiben alles nieder. Das reicht allerdings gerade mal für den Vormittag, doch was ist am Nachmittag?
Zum Glück wurde mir gestern geschrieben, dass wir heute um vier ein Fußballspiel hätten. Ich habe eigentlich schon abgesagt. Aber mit einer kleinen Verdrehung der Tatsachen, zum Beispiel der Umwandlung von 'Freundschaftsspiel' zu 'extrem wichtiges Spiel', müssen wir gar nicht lange reden und wir bekommen gerne früher Feierabend. Der Abteilungsleiter fragt uns nämlich auch heute wieder, ob wir nicht schon in Urlaub wollen.
Um vier bekommen wir Feierabend. Gegen fünf sind wir zuhause. Wir gehen den Rückweg nämlich langsam an. Um fünf sind wir aufm Platz. Gegen sechs wird das Spiel angepfiffen. Es ist nur ein Testspiel, die zweite Garnitur darf erstmal ran. Zur zweiten Halbzeit, also lange nach sechs, was mit dem eigentlichen Feierabend gleichzusetzen ist, darf ich ran.
Wir gewinnen unser 'extrem wichtiges Spiel' knapp. Also eigentlich doch recht locker. Also ziemlich ungefährdet. Fünfzehnzueins. Mindestens. Irgendwann zähl ich nicht mehr mit.
Tag 123: Hoher Besuch.
Also gilt es, uns drei Stunden in der neuen Abteilung, der Druckweiterverarbeitung (da sind Lukas und ich jetzt zusammen) zu akklimatisieren. Dort werde ich (ich bin zentrale Anrufstation, wenn unsere Betreuerin etwas zu verkünden hat) angerufen. Die Frage, ob wir bei der Arbeit sind, ist eher als Floskel gedacht, denn es soll doch bitte noch jemand eine Rede vorbereiten. Leben und Studieren in China und vielleicht noch ein paar kulturelle Unterschiede. Ich leite die Bitte per SMS an die anderen weiter, von denen wir uns abends immer anhören dürfen, wie langweilig es doch den ganzen Tag sei. Sie müssten eigentlich Zeit haben. Dennoch weigern sie sich. Durchweg alle. Durch die Bank durch. Diese Antwort ignoriere ich aber erstmal.
Dann geht es auch schon in der prallen Mittagshitze zurück. Die Zeit zwischen Ankunft und Anwesenheitspflicht im Deutschclub lässt eine Dusche, jedoch kein Mittagessen zu. Dort angekommen werde ich abermals angerufen. In unserer Wohnung sei noch eine Gitarre, die würde noch gebraucht. Der Weg zurück ist zwar nicht der weiteste, aber es ist verdammt heiß. Aber gut, sie wird geholt.
Und dann dauert es doch fast noch eine Stunde, bis der hohe Besuch ankommt. Es werden ein paar Filme, bzw. Power-Point-Präsentationen abgespielt, dann sollen wir doch noch was sagen. Und natürlich ist es die Schuld der zentralen Ansprechstation, wenn sich keiner meldet. Allerdings hasse ich Reden. Und ich bin kein Mann der vielen Worte. Und ich spreche sehr schnell. So fällt meine 'Rede', in der ich eigentlich nur kurz vorstelle, was wir hier so machen, sehr kurz aus.
Allerdings habe ich auch großen Kohldampf, nur haben leider alle Mensen ab spätestens zwei Uhr nichts mehr zu essen. Also wird der eigentlich als frei angedachte Nachmittag zum Kochen verwendet. Und das ist immer ein Teufelskreis: Unser Geschirr wird nur sauber, wenn wir wieder kochen, da wir es brauchen. Der Aufgabe des Spülens komme ich meistens nach, da Thomas und Luke schon mit Messer und Brett bewaffnet sind. Dann spül ich fein säuberlich alles (was verdammt lange dauert, weil Lukas das mit dem Einweichen noch immer nicht so richtig verstanden hat und sich somit oft eine harte Kruste bildet) und schon ist es wieder dreckig. Und nach dem Essen bleibt das dann auch erstmal so. Bis zum nächsten Essen.
Anschließend wird Fußball gespielt und dann ist es wieder so spät, dass es in den Mensen auch kein Abendessen mehr gibt. Der Magen wird nur mäßig gestopft, sodass er zum Einschlafen nicht murrt. Meinem geplanten Stopp des Gewichtsverlusts (bislang ca. 5 kg in) kommt das nicht gerade zugute.
Tag 122: Touristenprogramm die zweite.
Trotzdem bekommt er es nicht gebacken, etwas zu Essen zu beschaffen. Und als wir um halb zwei die Mensen aufsuchen, gibt es lediglich noch zwei Teigwaren, die für über den Tag reichen müssen, da wir schon gleich mit Alex und Gothe von der Grafia verabredet sind. Es steht mal wieder ein Touristenprogramm auf dem Plan. Letztendlich bietet Xi'an ein paar Sachen an, allerdings nicht so viele und erst recht nicht für Regentage, von denen wir heute Morgen zumindest einen erwischt haben.
Auf dem Weg in die Innenstadt wird das Wetter allerdings besser und wir können mal wieder die Stadtmauer per Tandem umrunden. Und in die Kalligraphiestraße. Und letztendlich zur Licht- und Wassershow an der großen Wildganzpagode. Und zwischendurch darf natürlich ein Barbesuch mit gutem deutschen Bier nicht fehlen.
Mittlerweile rufen die Leute nicht mehr einfach nur 'Ausländer' hinter uns her, sondern rufen ob meiner fabulösen Haarpracht nur noch Beckham. Das ganze in chinesischer Aussprache und stets unterschiedlich, aber ich weiß ja, was gemeint ist. Ich wäre trotzdem froh, wenn sie in Zukunft hinter Beckham einfach mal 孟豪, also meinen chinesischen Namen hinterherrufen könnten.
Ich schlafe um elf Uhr ein. Ein Novum!
Tag 121: Langer Samstag.
Wir hoffen erstmal auf milde Umstände, aber unser Captain nimmt uns jede Hoffnung, dass Lukas so spielen dürfte, sodass jener sich auf den Weg zur Uni machen muss. Unterdessen spielen wir schon mal recht erfolgreich. Und ich darf das erste Mal einen Freistoß schießen. Und ich versenke ihn. Weil ich so toll bin. Ansonsten spiele ich persönlich etwas bescheiden, was aber keiner merkt, weil ich ja ein Tor geschossen habe. Und nur das zählt.
Letztendlich gewinnen wir 3:1, Lukas darf in der zweiten Hälfte noch ran und über einen kleinen Umweg durch Klamottengeschäfte auf der Suche nach kitschigen Hawaii-Hemden sind wir schon um halb zwölf wieder auf dem Campus. Der ganze Samstag liegt also noch vor uns. Und den nutzen wir. Und wie wir ihn nutzen. Ich schlaf drei Stunden und dann ist auch schon wieder abends. Alibimäßig hole ich noch den Staubsauger von den Damen, aber benutzt wird er heute nicht mehr.
Es wird langsam langweilig, wenn ich vom Abend berichte, denn auf Wunsch der Damen gehen wir in den Nono-Club. Hanna hat anscheinend vergessen, dass sie die dortige Musik damals schon nicht mochte, denn sie flucht eigentlich nur die meiste Zeit darüber. Ich werde nach meiner gestrigen Wartesession von sämtlichen Angestellten persönlich begrüßt und da wir jetzt Freunde sind, ist es selbstverständlich, dass auch unser Bier getrunken wird, zumindest teilweise und in kleinen Mengen und stets nur nach dem obligatorischen Anstoßen. Während der ersten Minuten klingelt auch unbemerkt mein Handy dreimal. Es ist, natürlich, Theresa, die wissen will, wo ich bin. Sie ist komischerweise in Zivil da und kann den ganzen Abend bei uns verbringen. Ob sie gefeuert wurde?! Um zwölf hat sie Geburtstag, das weiß aber anscheinend nur ich.
Hanna und Nadine gehen eine halbe Stunde vor uns. Für die Zukunft sollten wir Buben wissen, dass das nicht gut ist, da sie uns somit die Chance nehmen, den Pool aufzusuchen. Denn als wir wiederkommen, scheinen die Sicherheitsbeamten schon wieder in Alarmbereitschaft zu sein. Ab dem Campus-Tor folgt uns unauffällig einer und aus der Nähe des Pools kommen Stimmen. Wir warten noch ein wenig im Schutze der Dunkelheit und können die Stimmen schnell den Damen zuordnen, die schnellen Schrittes und der gegenseitigen Ermahnung, still zu sein, Richtung Wohnheim eilen. Wir lassen es uns nicht nehmen, sie auf Chinesisch anzusprechen und es braucht eine ganz schön lange Zeit, bis sie merken, dass nur wir es sind.
Irgendwie ist meine Müdigkeit noch nicht so fortgeschritten (es ist ja auch erst kurz nach zwei) und so ruf ich mal den Bruder an, der sich noch auf der Geburtstagsfeier meines Großvaters aufhält. Es ist nur noch der enge Familienkreis anwesend und sie sind sehr gewillt, mit mir auf ein Bier anzustoßen. Zum Glück ist auch noch ein zweites im Eisfach. Und zum Glück stoßen sie mit mir an, denn nur so rette ich auch noch die anderen Dosen vor dem Einfrieren.
Und um dann noch ein wenig sentimentaler zu werden, lege ich nach erzwungener Beendigung des Telefonats (Skype-Guthaben ist alle) Michael-Jackson auf und lese alte Blogeinträge aus meiner Stuttgart-Zeit. Und dann ist es auch schon fünf. Wahnsinn.
Tag 120: Ich werde Theresa wohl nicht heiraten.
Ich denke, hier habe ich nicht nur einen Platz zwischen ihnen an den Computern sondern auch in ihrem Herzen reserviert.
Wenn ich mich nicht gerade unterhalte, so ist ab dem späten Nachmittag dann SMS-Action rund um Theresa angesagt. Heute würde sie erst um zehn mit der Arbeit beginnen, vorher lädt sie zum Essen. Und das kann man ja mal mitnehmen. Sie müsste also eigentlich wissen, dass ich um sechs Uhr Feierabend habe, dann mit dem Rad entweder nach Hause oder in die Stadt fahre. Sie soll mir lediglich einen Zeitpunkt und den Ort nennen, aber das lässt auf sich warten, bis ich dann auf dem Fahrrad sitze und mal anrufe. Ich versteh sie nicht (Telefonieren ist zwar billig, aber ebenso billig ist oft die Netzqualität) und warte auf ihre SMS. In dieser fragt sie aber nur, wo ich denn gerade sei. Ich erkläre ihr nochmal die Not der Lage, dass es heute 40 °C war und die Luft in den Straßen bestimmt, da gestaut, nochmal heißer ist, sie soll nicht solche Lappalien erfragen sondern sagen, wo es hinginge. Acht Uhr Kentucky Fried Chicken (also richtig gutes Essen...), ist gebongt. Ich kann also erst nach Hause und duschen.
Ich komm trotz angekündigter leichter Verspätung pünktlich und ruf dann nach einer viertel Stunde mal an. Es geht aber keiner ran, stattdessen erhalte die die SMS, dass Madame gerade duscht. Ich solle im Nono-Club warten. Klar, wo sonst.
Dort warte ich dann bei zwei (kostenlosen) Wässerchen und unterhalte mich mit dem Personal. Gute Leute. Diese klären Theresa dann auch auf, dass ich eine Stunde da sitze, was sie gar nicht fassen kann, da es doch erst halb zehn ist, als sie den Laden betritt.
Beim Essen erfahre ich, dass Sonntag ihr Geburtstag sei. Diesmal wirklich. Chinesen hätten anscheinen zwei Geburtstage und der 28.6. sei von ihrer Mutter jetzt bestätigt worden. Wenn Chinesen aber nun zwei Geburtstage haben und sie mir schon vier Daten genannt hat... ist sie dann zwei Personen, also schizophren? Und da stell ich mir das erste Mal die Frage: Handelt es sich im Falle einer (um den Club zu übernehmen angestrebten) Hochzeit um Polygamie und ist somit illegal? Mir kommen nicht zum ersten Mal Zweifel, ob es das ganze wert ist.
Immerhin wird meine vorangegangene Wartezeit damit wettgemacht, dass mir anschließend im Club eine ganze Karaffe Whiskey-Eistee vor die Nase gesetzt wird und ich tatsächlich nichts zahlen muss. Diese hat eigentlich einen stolzen Preis von 300 Yuan, so viel habe ich hier insgesamt noch gar nicht verzehrt, glaube ich. Das Würfelspiel wird wieder ausgepackt, damit schneller getrunken wird. Erst mit ihr, dann mit ihr und ihren Freunden, dann nur noch mit ihren Freunden, da sie für eine Weile weg ist. Ich verstehe mich gerade prächtig mit den zwei Herren, als mein Arm grob angepackt wird und ich von einer wütenden Theresa zum Gehen aufgefordert werde. Ich denke zunächst, der Grund sei, dass ich sie anscheinend nicht ausreichend beachtet hab, aber irgendwie war was mit einer anderen Dame, die nicht ganz freundlicherweise mit einem umgangssprachlichen Wort für 'Prostituierte' betitelt wird. Geschlagen hätte man sich. Oder so. Ich bekomm aber irgendwie keine klare Antwort, wir müssten nur auf irgendwas warten. Klar, gewartet habe ich heute ja auch noch nicht genug.
Nach knapp einer halben Stunde habe ich immer noch keine Aufklärung erhalten und das Warten hat noch immer kein Ende, also zieh ich mal die Notbremse und gehe.
Das ist auch besser so, denn morgen haben wir um halb neun ein Spiel. Um halb neun morgens.
Die sind doch verrückt, die Chinesen.
Tag 119: Heute wirklich krank.
Wie schon die letzten Male, an denen es Feuertopf zu essen gab, hat man am nächsten Tag noch seinen Spaß damit. Zwar sagt man, von scharfem Essen hat man zweimal was, aber das ist definitiv untertrieben, ich habe am Morgen gleich dreimal das Vergnügen des 'Afterburns', sodass ich Lukas doch wecken muss, um an seine Tabletten zu kommen. Denn ich habe keine große Lust, den zweiten Donnerstag in Folge gelangweilter weise zuhause zu verbringen, während die Arbeiterbienen sehnsüchtigst auf mich warten.
Und die Tabletten scheinen auch anzuschlagen. Aber ich kann hier nur jedem folgendes mit auf den Weg geben: Eine Radfahrt kann die längste des Lebens werden, wenn die Tabletten doch noch nicht angeschlagen haben. Zumal auch noch frei nach Murphy alle Ampeln auf rot umspringen, wenn man sich in ihrer unmittelbaren Nähe befindet.
Ich habe schon im Gefühl, dass ich heute der einzige Deutsche in der Firma bleibe, entschuldige den armen kleinen Mann, der sich dann mittags meldet und seinen Zustand mir mit einem Mordskater und den üblichen Verdauungsproblemchen seine Abwesenheit erklärt, damit, dass er vormittags was zu tun hat, aber dass er diesmal auch wirklich krank ist. Mein Gott, in nur einem Jahr bin ich genauso alt wie er jetzt... bin ich dann auch so gebrechlich? Ich klammere mich fest an den letzten Strohhalm der Hoffnung, den das Nichtanfangen des Rauchens darstellt.
Die Aussage, dass Luke dieses Mal wirklich krank ist, stößt auf große Belustigung, denn bisher hat niemand anscheinend jemals in Betracht gezogen, dass man auch mal so tun kann. Aber für die Zukunft wissen sie jetzt bescheid und ich habe einem ehrlichen Völkchen mal wieder die Welt erklärt und somit meinen alltäglichen Auftrag auch für heute erfüllt.
Tag 118: Abenteuer Essen gehen.
Mein Arbeitskollege steht vor mir und hat kein weiches Herz, sodass er eine Frau, die sich vorbeizuschmuggeln versucht, lautstark auf die Reihenfolge hinweist, sodass sie die Ohren zuhält. Da die beiden jetzt so abgelenkt sind, ist die gute Frau auf der anderen Seite der Speisen so freundlich und bevorzugt mich, sodass mein Warten nur von sehr kurzer Dauer ist. Kurz nachdem ich wieder an der frischen Luft bin (heute bei 40 °C) wird es in dem Raum plötzlich ziemlich laut und es kommt ein Herr, eine Dame fest im Griff und laut fluchend raus. 'Du schlägst mich, dann schlag ich dich!' brüllt er (das kann ich sogar verstehen) und hat Mühe, die Frau, die den Tränen nahe ist, im Griff zu halten, da sie wild mit allen Körpergliedern umherwirbelt. Kurz darauf kommt auch Lukas heraus, mit Reis besudelt und klärt mich auf, dass nach einem kleinen Geschubse der Mann einfach mal die Faust ausgepackt hat und ohne Rücksicht auf das schwächere Geschlecht einen Treffer im Gesicht gelandet hat, welcher gleich erwidert wurde. Das nenn ich mal Emanzipation! Ein bisschen Reis flog dann noch, was Lukas aber egal war, da sich jetzt auch für ihn eine Lücke in der Schlange gebildet hat.
Während wir draußen essen, lädt uns unser Vorgesetzter noch zu einem friedlichen Dinieren am Abend ein. Das ganze findet dann in einem wirklich mal stilvoll eingerichteten Restaurant (eigentlich hat man es hier mit schöner Deko nicht so, Hauptsache alles ist bunt und kitschig und leuchtet und ist aus Kunststoff) statt. Es gibt Fisch, im Feuertopf am Tisch gekocht. Lukas fischt sich irgendwann den Kopf raus und gönnt sich neben den guten Backen nacheinander mit Schwinden der Hemmungen Zunge, Gehirn (welches er aus irgendeiner Öffnung saugt) und Augen. Wahnsinn. Einen ganzen Fischkopf verputzt er. Das könnte ich nicht, schließlich handelt es sich um einen Artgenossen.
Auch wenn dieses Essen eigentlich recht harmonisch abläuft, handelt es sich doch inoffiziell auch um einen Kampf. Gerne wird einem immer etwas mehr von der ziemlich scharfen Soße aufgetan und natürlich muss man austesten, ob die Deutschen wirklich so trinkfest sind, wie man es immer hört, sodass gerne und häufig angestoßen wird und das Glas nach jedem Mal leer sein muss, sodass unbemerkt viele Flaschen geleert werden, wobei sich die Chinesen auch gerne mal mit dem Trinken abwechseln. Aber was soll man machen, wir sind ja eingeladen.
Und als wir uns dann vom Tisch erheben, muss ich zugeben, dass ich ganz schön einen im Kahn habe. Lukas geht es nicht besser, aber das Wegbier wird noch dankend eingepackt. Unser Rückweg dauert dann auch gleich dreimal so lange wie sonst, sodass es fast Mitternacht ist, als wir ankommen.
Bis dahin hat Theresa schon sieben SMS geschrieben und genauso häufig angerufen. Zuerst berichtet sie, dass sei heute Geburtstag hat. Ich gratuliere artig, bzw. lass meinen Vorgesetzten anrufen, ihr gratulieren und ausrichten, dass ich nicht kommen kann, da mein Chef mich zum Essen eingeladen hat. Dann sagt sie allerdings, sie hätte doch erst morgen Geburtstag. Was für ein Glück, dass ich um Mitternacht noch wach bin und in der Stimmung, selber anzurufen und zu singen. Sie wirkt etwas verwundert und behauptet abermals, dass sie erst morgen Geburtstag hat. Im Laufe des Abends hat sie also dreimal die Meinung über ihr Geburtsdatum geändert. Beim nächsten Besuch möchte ich dann gerne ihren Pass sehen.
Tag 117: China deine Englischkenntnisse
Jaja, die Chinesen und ihr Trend zur Benutzung von Anglizismen. Noch kommt dabei viel Scheiße raus. Und zwar deshalb, weil kaum einer richtig Englisch kann und somit Worte und Texte hauptsächlich kopiert werden. Und da die ganzen Buchstaben sich ja so ähnlich sehen, werden sie auch gerne mal vertauscht. So will unsere Praktikantin heute zum Beispiel das nicht wirklich schwere und häufig vorkommende Wort 'Real' schreiben, heraus kommt ein 'Beai'. Und natürlich heißt es hier auch 'Mvchlnery' und nicht 'Machinery'. Und selbst Werbeanzeigen im Bus für ein Krankenhaus bleiben von Kopierfehlern nicht verschont, so heißt es dann auch 'hospiatl'. Zu all diesen kleinen Schreibfehlern kommen dann noch mehr oder minder gravierende typographische Fehler, besonders bei der Wort- und Satztrennung.
Dass das ganze auch Vorteile haben kann, sieht man bei der Produktpiraterei. Keiner kann behaupten, dass diese oder jene Kleidung den Namen eines großen Designers ziert, denn wer bitte kennt schon einen 'Calvln Kleln'. Und mein Levi's-Gürtel schließt gleich aus, dass er original ist, denn auf der Schnalle steht 'Levi's Origihal Riveteo'.
Fantastisch ist auch, dass alle das Wort 'Hallo' für Englisch halten. Ich war am Anfang immer überrascht, dass sämtliche Leute (auf der Straße wird uns dauernd nur 'Hallo' hinterhergerufen, oder, hauptsächlich von kleinen Kindern, '老外' ('Laowai', 'Ausländer'), als ob wir uns unserer nicht chinesischen Herkunft nicht bewusst seien.) gleich merken, dass wir Deutsch sind und uns also so begrüßen, bis man mir verständnislos mitteilte, dass das Englisch sei. Letztendlich ist ein Ort, der so ähnlich ausgesprochen wird, Grund für die Verwandlung vom 'e' zum 'a'. Oder doch ein Druckfehler?
Tag 116: Morgenmuffel wohin man schaut.
Und ich? Ich erfreue mich wie üblich an diesem neuen Tag, lege Alexander Marcus auf, meine Zunge ist beladen mit Sprüchen, die gerne ins Gehör der anderen dringen wollen, und das ganze nur zu einem Zwecke: Zum Wohlergehen meiner Kommilitonen. Womit wird es gedankt? Mit verschlechterter schlechter Laune, mit Kopf schütteln, mit Augen verdrehen, mit genervtem Gestöhne, mit der Bitte, die, Pardon, ich werde zitieren, 'die Fresse' zu halten.
Aber gut, damit ist jetzt Schluss. Ich bin doch kein Don Quichotte, der gegen die Windmühlen der Griesgrämigkeit kämpft. Ich bin auch nur ein armer Kommilitone, der morgens auch lieber liegenbliebe, aber sich verpflichtet fühlt, auch mal aufzustehen. Ab heute, so nehme ich es mir vor, wird mein Tag auch nur aus einer bösen Miene bestehen, mit dem Hang zur Genervtheit. Ich werde ein Morgenmuffel sondergleichen werden.
Aber heute bleibe ich zunächst noch nett. Ich warte, ein Frühstückssteak verzehrend, sogar mit Lukas die halbe Stunde, bis die Medizin (die er erst nach Aufforderung nimmt) wirkt und er wirklich leer ist. Und dann folgt er mir tatsächlich mit dem Rad zur Arbeit. Und er steht sie durch. Ein Teufelskerl.
Abends möchte ich dann eigentlich früh ins Bett. Aber erstmal müssen wir kochen, gute Schweinesteaks müssen weg. Und dann muss ich mein Handy aufladen, geldmäßig. Wir nähern uns übrigens Mitteilungszahl 2500. Und dann kommt Spätzle. Und dann geh ich doch noch Tischtennis spielen. Und dann kommen noch Bierchen und Frank the Tank. Und als sie gehen, kommt Jojo, und belagert noch meinen Computer. Gerne auch mal länger, weil er fälschlicherweise denkt, dass wir alle nicht bei der Arbeit gewesen wären. Der gute hat nämlich selber erst um sieben Uhr abends den Weg aus dem Bett gefunden. Und dafür, dass er gerade erst aufgestanden ist, ist er verdammt gut drauf.
Wenigstens einer!
Tag 115: Jojo feiert Geburtstag.
Obligatorisch wird heute also ausgeschlafen, die Metro besucht und anschließend das Fleisch angemacht, heute sind es über sechs Kilo, da während der Taxifahrten noch fieberhaft Leute eingeladen werden.
Letztendlich kommen auch mehrere, aber viel Hunger bringen sie nicht mit. Neben chinesischen Freunden kommen auch noch zwei Deutsche, deren Vater Jojo mal kennengelernt hat. Allerdings erweisen sich die Knaben als ein wenig anders gestrickt, als wir, was auch am zarten Alter von 18 und 14 Jahren liegen mag, zumindest haben nicht viele etwas dagegen, als sie etwas früher wieder aufbrechen. Komischerweise betrachtet man die anderen 老外, Ausländer, in der Stadt sowieso rasch mal sehr argwöhnisch, wobei ich die Ursache hierfür noch nicht erforscht hat. Vielleicht machen sie einem den Exotenstatus streitig.
Letztendlich sind gegen elf alle verschwunden, nach dem Aufräumen ist es aber schon gegen zwölf, sodass wir noch reinfeiern können, zumal Jojo nicht ins Wohnheim zurück muss, weil er Denis' Zimmer übernommen hat, solange der sich woanders rumtreibt. Es gibt noch guten Kuchen (der auch alle wird, aber 25 Schweinesteak habe ich umsonst durchgegrillt, die dienen für's morgige Abendessen) und dann kommen wir wieder auf die glorreiche Idee, den Körper von sämtlichen Rußpartikeln zu befreien, am besten im Pool.
Zu viert ziehen wir los, leider bemerken nur Thomas und ich den blauen, immer wiederkehrenden Lichtschimmer an der Wand und wissen sofort, dass der Security-Golfwagen auf unseren Fersen ist, was uns schnell ins Gebüsch treibt. Es ehrt Hanna und Jojo, dass sie anscheinend sehr anständige Kinder waren, denn sie fliehen nicht sofort. Das ist aber eigentlich doof, da ein Security-Mensch vom Wagen abspringt und jetzt in ihrer Nähe bleibt. Das wissen nur Thomas und ich nicht, sodass wir nach einer Sicherheitsviertelstunde im Schatten doch in die Falle springen.
Der Sicherheitsbeamte ist aber dann doch ganz locker drauf. Er wüsste, wohin wir gehen wollen, er könnte das auch verstehen, da auch er am liebsten schwimmen würde. Aber solange seine Kollegen unterwegs sind, geht das nicht und die bleiben am Wochenende gerne in Poolnähe. Den Grund dafür erzählt er uns aber nicht.
Dienstag, 7. Juli 2009
Hallo Gefolge
aufgrund von Arbeit und Prüfungen hatte ich wenig Zeit den Blog auf aktuellem Stand zu halten. Geht doch bitte auf www.chiina.info
hegdl,
Torben
Sonntag, 21. Juni 2009
Tag 114: Ausbeutung geistiger Kräfte.
Gestern ging es nicht zu lange, wir waren auch nicht mehr schwimmen, unser heutiges Spiel beginnt erst um sechs Uhr abends, jetzt muss ich nur noch am Tag gut ausruhen, mich gesund ernähren und schon dürfte ich perfekt vorbereitet sein für ein gutes Fußballspiel.
Leider habe ich die Rechnung ohne Jie gemacht, der mittags, wie gestern mit mir abgemacht (aber von mir ebenso verdrängt), mit Essen ankommt und mich so aus dem Bett holt. Es gibt Ente und zwar eine ganze. Frittiert nehme ich an. Schmeckt sehr gut, ist gut fettig und macht gleich so träge, dass man eigentlich wieder ins Bett möchte. Das geht aber nicht, weil es darum geht, seine Bachelor-Thesis zu übersetzen, zumindest teilweise. Zwei Kapitel, acht Seiten, davon viele Bilder.. ich gebe uns eine Stunde, vielleicht zwei.
Das hätte auch geklappt, hätte ich mich mit Backpropagation-neuronalen Netzen, Matlab und der chinesischen Sprache sehr gut ausgekannt. Das tu ich aber nicht und so zieht sich das lange hin, weil ich neben den Wörtern auch noch die Bedeutung begreifen muss.
Mein Kopf ist gegen Abend dann ziemlich matt und mein Bauch meldet auch wieder Hunger an. Aber viel Zeit ist nicht mehr, es reicht nur noch für ein Croissant und dann geht's zum Fußball. Dass wir so verlieren, kann sich wohl jeder ausmalen.
Und heute Abend, man höre und staune, machen wir außer einem Spaziergang zum Pool, um zu schauen, wie er wohl bewacht ist, nicht viel.
Tag 113: Ich sagte radikaler!
Es hat die Nacht geregnet und da wir keine Lust haben, dass uns der ganze Straßendreck via Hinterrad am Körper hochspritzt, genehmigen wir uns ein Taxi. Die Idee hatten aber mehrere, sodass wir auf der ganzen Strecke über 12 Minuten komplett stehen (am Taximeter wird eine derartige Statistik aufgeführt). Dabei kann man dann aber beobachten, wie freie Helfer in FlipFlops versuchen, aus dem sich angestauten Fluss wieder eine Straße zu erschaffen, indem sie Gullideckel anheben und mit gekonnten Fußbewegungen das Wasser in diese Richtung zu befördern versuchen. Oder Verkehrspolizisten, die kurz ihre Stiefel ausziehen, um einen gigantischen Schwall kühlen Nass' hinauszuschütten. Diese verfluchte Bodenversiegelung.
Bei der Arbeit nennt man mich heute einen Simulanten. Unerhört. Dennoch bin ich nicht sehr nachtragend und bring etwas Freude in den Laden, als ich ihnen Heimatbilder zeige. Und Euro-Münzen. Mit etwas Verwunderung höre ich mir Fragen an, ob das mit den Münzen nicht sehr schwer sei, wenn man zum Beispiel mal 100 Euro zahlen muss. Und, wie viel ich denn überhaupt davon für das ganze Jahr mitgenommen hätte und wo man sie umtauschen kann.
Nach der Arbeit gehen Lukas und ich noch zum Frisör. Wie so häufig mal. Und heute denk ich mir, dass es ruhig mal etwas radikaler zugehen könnte und was passt da besser als ein blondgefärbter Irokesenschnitt? Aber wie Philipp vor kurzem beschrieben hat, bekommt man oft nicht das, was man will. Ich will einfach nur den Kamm gefärbt und den Rest recht kurz geschnitten. Es wird schon problematisch bei der Wahl der Färbung. Es gibt zwei koreanische (mittelgut und gut) und eine chinesische (sehr schlecht) und es bedarf harter Verhandlungen, dass ich wirklich nur die mittelgute haben will. Dann zeig ich an den Haaren, was blonder sein darf und was nicht, male es sogar am iPod auf und man versichert mir fünfmal, dass sie wüssten, was ich meine. Man fängt dann aber doch an, den halben Kopf mit dem Wasserstoffperoxid zu bedecken, das dürfen sie dann gleich aber wieder auswaschen, als ich mich beschwere. Der Kamm bleibt zwar zu breit, aber meine Hoffnungen liegen noch auf dem Schnitt. Dieser wird vom Meister persönlich vorgenommen und ich habe noch nie jemanden so lange für einen Maschinenschnitt brauchen sehen. Und das Ergebnis ist, dass oben alles lang bleibt. Radikaler, sagte ich doch, aber das krieg ich heute nicht mehr in den Kopf rein und so darf Lukas zuhause nochmal nach dem Langhaarschneider greifen.
Anschließend geht es in die Stadt. Aus Mangel an guter Alternativen geht es abermals in den Nono-Club. Ich habe mir zwar neben der Frisur noch eine Brille mit neutralen Gläsern und dominantem Rahmen (hat man uns mal im 1+1 geschenkt, passt zu mir nicht wirklich) aufgesetzt, dennoch erkennt Theresa mich sofort und kommt hysterisch "You are handsome, you are handsome!" schreiend auf mich zugerannt.
Das muss wahre Liebe sein.
Tag 112: Kranke Hühner.
Heute ist ein ganz und gar unschöner Tag. Beim Aufstehen geben Lukas und ich uns gegenseitig die Klinke der Klotüre in die Hand, das ganze Fleisch von gestern hat zwar gut geschmeckt, aber ist anscheinend nicht das, was der Körper gerade so brauchte. An Arbeit ist so zumindest erstmal nicht zu denken, was Ersatzpapa aber auch gleich versteht. Zum Arzt sollen wir und uns ausruhen. Aber wir haben ja noch Medikamente hier, die für Beruhigung sorgen, aber eigentlich auch nur die Taktzahl der Gänge herabsetzt.
Der Tag wird dann wider Erwarten langweilig. Ich dachte, man könnte so viel an einem freien Tag machen, so viel interessantes, aber das ist heute definitiv nicht der Fall. Regen ankündigendes Wetter trübt die Stimmung weiter, sodass es heute ein eher verlorener Tag war. Aber glücklicherweise bleiben uns noch so einige, an denen ich das heute verpasste aufholen kann.Donnerstag, 18. Juni 2009
Tag 111: Enzyme. Fehlende.
Da die Wettervorhersage Gewitter ankündigt, nutzen wir mal die öffentlichen Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu kommen. Der Morgen vergeht aufgrund vielen Smalltalks ziemlich schnell und mittags schwenkt das Wetter tatsächlich in Regen um, kurzfristig, bevor es wieder drückend wird. Aber irgendwas liegt da in der Luft, das sich ermüdend auf mich auswirkt. Und dann mache ich es einfach mal einer Kollegin gleich und teste die Oberflächenbeschaffenheit des Tisches mit meiner Stirn. Es ist mir unangenehm, als man mich nach ich weiß nicht wie viel Zeit aus der Traumwelt rausholt (aus der ich nur schwer zu wecken bin), um sich wieder mit mir zu unterhalten, aber da es hier zur Mentalität dazugehört, dass man schläft, wenn einem danach ist (Kunden nutzen oft die Couch in der Firma), schwindet das schlechte Gewissen baldigst.
Sofern ich nicht gute Gespräche führe, nutze ich die Pausen, um Theresas SMS-Anfragen zu beantworten. Sie hat mich schließlich Samstag zuletzt gesehen und es wird mal wieder Zeit. Also will ich eigentlich nach der Arbeit mal kurz auf ein Feierabendbierchen vorbei, um zu gucken, wie mein zukünftiger Club unter der Woche so läuft, aber dann kommt noch ein Kollege dazwischen, der Lukas und mich zum Essen einlädt. Und das kann man ja nicht ausschlagen, also geht es erst mit ihm in eine Fressgasse, es gibt gegrilltes Fleisch. Ausschließlich Fleisch (man möge mir verzeihen, dass ich Magen und Knorpel dazuzähle). Des Kollegen Freundin kommt noch hinzu und es ist recht lustig, zumal wir so gut wie alles verstehen, was sie sagen. Zwar erklärt er uns am Anfang noch, dass er keinen Alkohol trinken kann, weil er ihn nicht verträgt, dennoch lässt er gerne Nachschub an Bier kommen und hält sich selber nur gering zurück. Die Quittung für die fehlenden Enzyme zum Alkoholabbau bekommt er dann prompt, als wir an die frische Luft treten (es ist bereits gegen zehn) und sämtliches verschlungenes Fleisch sich am Fuße eines Baumes wiederfindet.
Anschließend geht es mit einem Taxifahrer, der nicht von der schnellsten Sorte ist (was seine Auffassungsgabe betrifft) für mich in den Nono-Club (während des Essens gab es neun Anrufe, ich sollte mich beeilen) und für Lukas nach Hause. Der Laden ist nicht schlecht besucht, mir werden sechs Bier hingestellt (für einen Preis, für den ich nicht mal drei bekäme, aber wir sind ja Freunde) und einen Obstteller gibt's auch noch geschenkt. Ich bin großzügig und teile alles. Zwischendrin werde ich von anderen Gästen an deren Tische gezogen, um eine Runde Trink-Würfel-Spiel zu spielen. Da ich aber ein Talent dafür habe, wird meine Kehle aber eher selten von ihren Getränken geflutet, auch deshalb, weil ich schon nach kurzer Zeit von einem Kellner gebeten werde, wieder an den anderen Tisch zu gehen, die Theresa erwartet mich. Sehnlichst. Und ein bisschen sauer.
Für einen Mittwoch besteige ich dann ziemlich spät das Taxi, dessen Fahrer erstmal in die andere Richtung fährt und mich sehr verwundert anschaut, als ich ihn frage, wo er denn hin will. Ich geleite ihn dann sicher zum Campus und zum Dank kann er mein Geld nicht wechseln, sodass ich erst hoch in den vierten Stock sprinten muss, um kleinere Scheine zu besorgen.
Dann wird aber geschlafen.
Tag 110: Positives Auffallen?
Lukas und ich kommen heute zu der Erkenntnis, dass wir diese Woche bei der Arbeit wohl nicht am positivsten auffallen, sofern wir überhaupt noch auffallen. In erster Linie gibt es momentan keine Aufträge, oder zu viele auf einmal, sodass morgens kaum jemand in meiner Abteilung anzutreffen ist und nachmittags hingegen alle, jeweils mit einem Kunden auf dem Schoß, der Extrawünsche bei der Produktgestaltung hat. Also nutze ich morgens die Computer, die frei sind (sofern sie nicht gerade mal wieder ausgeschlachtet und ihrer Hardware beraubt wurden) und bearbeite meine China-Bilder. Nachmittags, aus Mangel an Platz in der kleinen Vorstufenabteilung, gehe ich gerne mal Lukas beim Druck besuchen, weise ihn und seine Kollegen auf die Puderschicht auf den Maschinen hin, fachsimpel vor mich hin und bewege Lukas zu einer Raucherpause, die wir dann draußen oder im kühlen Eingangsbereich auf den Ledersesseln verbringen, wo wir der Empfangsdame, die auch eine ganz große im Zeittotschlagen ist, Gesellschaft leisten. Da wir uns aber auch nicht mehr so viel zu sagen haben (nach über drei Monaten aufeinanderhocken gehen auch mal die Themen aus), kann es auch passieren, dass wir jeweils mit unseren iPods da sitzen und Tetris-Rekorde jagen. Bisher bin ich noch der beste!
Man sollte meinen, dass wir nach so einem Tag gut ausgeruht sind, aber abends liegen wir auch nur noch auf der Couch. Im stillen Einvernehmen geloben wir Besserung für die nächsten Tage!
Tag 109: Xi'an nights.
Da Xi'an nicht an einem Meer liegt und auch nicht einer Sandwüste gleicht, besteht kaum die Möglichkeit, dass es nach sehr hohen Temperaturen am Tage in der Nacht auf ein erträgliches Schlafklima abkühlt. Und so kommen wir langsam in die Phase, in der guter Schlaf kostbar und rar wird.
Neben der nicht angenehmen Temperaturen kommen nämlich noch Störeinflüsse wie nächtliche Baustellenarbeiten (ich kann mir vorstellen, dass es angenehmer ist, nachts zu arbeiten und nicht in der prallen Sonne) inklusive Sprengungen und lauten LKW und Parasitenbesuche von Mücken und anderem Getier.
So schläft man immer etappenweise und sorgt in den Pausen immer für ein Stoßlüften durch die Klimaanlage, geht mit der Fliegenklatsche auf die Pirsch (weil Lukas bei sich vergessen hat, das Fliegengitter am geöffneten Fenster zu schließen) und trinkt was, bevor man sich wieder eine kühle Stelle auf dem Bett sucht.
Und dabei plag ich hier auf ganz hohem Niveau. Denn bei mir funktioniert die Klimaanlage und ich kann das Fenster schließen und ich habe Strom, sodass ich einen elektrischen Raumbedufter, der Insekten verscheucht, in Betrieb nehmen kann.
Wenn ich da an die armen Studenten denke, die zu sechst in einem Zimmer schlafen, ohne Klimaanlage, ohne Strom und das alles in ihrer Prüfungsphase.
Gute Nacht.Tag 108: Bullenhitze
Nachdem ich immer wieder samstags am Stock gehe, muss der Sonntag in erster Linie für Entspannung herhalten. Diese beschränkt sich zunehmend auf Tätigkeiten in den eigenen vier Wänden, da es hier noch einigermaßen erträglich ist, was nicht zuletzt an zwei funktionierenden Klimaanlagen liegt.
Draußen haben wir nämlich mal wieder 37 °C, trocken und stickig, schon kurze Wege stimulieren die Schweißdrüsen auf's Äußerste und die diffus streuenden Lichtstrahlen der senkrecht über uns stehenden Sonne reizen die Augen so sehr, dass sie die Klischee-Form der Inländer annehmen, zwangsweise.
Und dann les ich auf der Homepage der allseits beliebten BILD-Zeitung, dass Mallorca-Urlauber gewarnt werden, da auch bei ihnen bis zu 37 °C erreicht werden kann. Sie sollen sich nicht zu viel draußen aufhalten und viel trinken. Wurden wir gewarnt? Wurde uns das Fußballspielen untersagt? Wurde uns gesagt, dass Flüssigkeitsaufnahme gut ist, aber nicht unbedingt die von Bier?
Nein, uns vergisst man hier draußen ganz einfach. Und die Vögel von Mallorca haben wenigstens überall ein Meer zum Abkühlen, wir nur einen Swimmingpool, der eingezäunt ist und nur desnachts, wenn dieser Zaun abgekühlt ist, überstiegen werden kann.
Stinkwütend ob dieser Nachrichten will ich das Netz verlassen und da kommt LiuRongs, also Bierchens Bitte, sie für zehn Minuten zum Arzt zu begleiten, weil sie Angst vor Spritzen hat, genau richtig. Dieser befindet sich 30 Meter neben dem Wohnheim und das ganze soll doch eigentlich kein Problem sein, aber es entwickelt sich dann doch zu einer Odyssee.
Zuerst muss ich bemängeln, dass dieser Arzt nicht gerade krankengerecht ist, zumal die meisten wahrscheinlich Sportunfälle als Grund für ein Erscheinen haben. Denn um zu den zwei Doktorinnen zu gelangen, geht es erstmal eine lange Treppe hinauf und dann steht man vor einer Tür, die nur mit sehr viel Kraft zu öffnen ist und durch die ich gerade so passe. Einige kleine Damen können froh sein, dass ich also über eine Stunde da sitze und ihnen die Türen öffne, während Bierchen und die Ärzte auf der Suche nach ihrer Krankenakte ist (hier haben schließlich so viele den gleichen Namen und dann kommt noch hinzu, dass eine Freundin die Spritzenmedizin von der Apotheke mitgebracht hat, natürlich auf ihren Namen und selbst hier ist das dann wohl kompliziert, als Arzt sowas anzuerkennen).
Irgendwann ist das dann auch zu Ende und ich darf mich zu unseren guten Seelen des Austauschs, den Damen nach oben begeben, da sie Lasagne gemacht haben. Und hier funktionieren beide Klimaanlagen recht bescheiden, weshalb das Essen sich zur anstrengendsten und schweißtreibendsten Aktion des Tages entwickelt.
Sonntag, 14. Juni 2009
Tag 107: Immer wieder samstags.
Wie kommt es eigentlich, dass man mindestens einmal die Woche vollkommen gerädert aufwacht, vorzugsweise samstags, obwohl man am Abend zuvor doch noch vor Energie nur so sprühte. Und warum kommt einem die Erkenntnis viel zu spät, dass das ganze für ein mittagliches Fußballspiel in der prallen Sonne bei 37 °C nicht das förderlichste sein kann?
Ich weiß es nicht. Aber heute ist wieder so ein Samstag. Verkatert, da die Hitze und Kindergeschrei einen durchgängigen Schlaf nicht ermöglichen, müde, leerer Magen, da es zeitlich nur für ein kleines Frühstück reicht und dann das Spiel im Stadtstadion, in dem die Luft steht, genauso wie die Sonne, senkrecht überm Feld, sodass selbst an den Tribünen Schatten Mangelware ist. Und, na klar, eingecrèmet ist man natürlich nicht. Stattdessen nagen noch die Chlorreste aus dem Schwimmbadwasser an der gereizten Haut.
Ich mach zum Leidwesen des Captains keinen guten Eindruck und handel schonmal aus, dass es wahrscheinlich nicht für's ganze Spiel reichen wird, schon gar nicht, wenn man mich als linken Flügelflitzer einsetzt, aber ich rufe zumindest die erste Halbzeit eine ordentliche Leistung ab und wir gewinnen sogar, trotz meiner Auswechslung.
Nichtsdestotrotz versprechen wir, dass wir den nächsten Freitag anders angehen werden, denn das Spiel heute ist nur der Anfang von einem siebenwöchigen Turnier, bei dem jedes Spiel wichtig ist.
Anschließend freu ich mich auf's Bett, aber dann kommt die nächste Erkenntnis: Das Spiel ist gegen halb fünf zuende und zu dieser Zeit, so hat es sich irgendwann mal jemand ausgedacht, dürfen alle Taxifahrer Pause machen. Das einzige Gefährt, dessen Fahrer gewillt ist, uns noch zu fahren, überlassen wir den Damen, die dann schätzungsweise zwanzig Minuten später, fit, den Campus erreichen, während wir uns müde auf der vierzigminütigen Busfahrt abquälen.
Und dann reicht es für eine ganze halbe Stunde Schlafnachholung, da es ab sieben in der Mensa nichts mehr zu essen gibt. Bis zu diesem Essen hat sich Theresa bereits dreimal gemeldet und fragt, wann wir heute kämen. Sie versteht das mit der Müdigkeit nicht so ganz und sieht keinen Grund, warum wir dem Nono fernbleiben sollten. Thomas und ich letztendlich um elf auch nicht mehr und so gönnen wir uns noch einen zweistündigen Aufenthalt, locker, ohne Tanzen, nur im Sitzen, die Tänzerinnen beobachtend. Und ab und zu gesellt sich Theresa dazu. Jene empfängt mich zuvor übrigens mit einer hysterischen Umarmung und den Worten, dass sie uns sehr vermisst hat. Für jede Minute, die sie an diesem Abend nicht da sein kann (da sie ja arbeitet) entschuldigt sie sich fünfmal und letztendlich wirkt sie leicht enttäuscht, dass wir heute nicht für so viel Furore sorgen.
Bei unserer Ankunft auf dem Campus sehen wir, dass sich der Polizei-Golfwagen, der ab und zu rumfährt um nach dem Rechten zu sehen, vor dem Schwimmbad positioniert hat. Ich stempel das mal als Zufall ab.
Tag 106: Des Nono-Clubs Managerin.
Es ist endlich wieder Freitag, es kann endlich wieder abends auf die Pirsch gehen. Und da wir das 1+1 mittlerweile kennen und mal anderen Clubs die Chance geben wollen, lassen wir uns von der Werbeschaltung im Grooves-Magazin (englisches Magazin, hauptsächlich für Austauschstudenten mit Erlebnisdrang gedacht) leiten und planen für heute mal den Nono-Club in der großen Südstraße aufzusuchen. Zuvor muss aber natürlich gearbeitet werden. Dennoch wollen Lukas und ich uns eigentlich schon in der Mittagspause etwas auf das Wochenende einstimmen und gucken, wie viel Bier man in einer Stunde so schafft. Leider haben wir die Rechnung ohne den Chef gemacht, denn, so groß die Auswahl an Restaurants in Firmenumgebung auch ist, Chef und Abteilungsleiter müssen sich natürlich das aussuchen, in dem wir sitzen. Unsere Schnapsidee ist also im Nu zunichte gemacht.
Egal, abends ist die Stimmung dennoch da und wir betreten den Laden. Er ist deutlich kleiner als die altbekannten Discos, dafür ist die Musik besser und man wird herzlicher empfangen. Es kümmern sich gleich mehrere Bedienstete um unser Wohl und auch die englischsprechende Managerin wird herangezogen um festzustellen, ob alles in Ordnung und nach unseren Wünschen ist.
Und diese scheint entweder einen guten Geschäftssinn zu haben oder sie hat sich nur spontan in mich verliebert. Denn Theresa, 21, verlangt umgehend meine Nummer und fordert mich zum Tanz auf der Bühne auf, die eigentlich nur von den Attraktionen des Abends, singenden und tanzenden, angestellten Damen und Herren, genutzt wird. Auf dieser Bühne wird sich unsere deutsche Delegation den ganzen Abend aufhalten und eine Tanzshow par Excellence hinlegen. Und das ganze bis lange nach drei Uhr, obwohl der Club eigentlich ab zwei geschlossen hat und wir das ein oder andere mal auch auf diese Zeit hingewiesen werden. Zwischendurch werden wir noch Theresas Freunden vorgestellt, die sich bei der Getränkebestellung etwas übernommen haben und nun Hilfe von uns brauchen. Dann heißt es aber irgendwann tatsächlich, dass wir gehen müssen und so muss mal wieder der Pool für den Ausklang des Abends hinhalten.
Ich hoffe, dieser wird in Zukunft nicht doller bewacht, denn durch das Hinterlassen von Lukas Boxer-Short dürfte nicht so schwer ausfindig zu machen sein, wer hier Hausfriedensbruch begangen hat.
Vorm Einschlafen erhalte ich noch eine Gute-Nacht-SMS von Theresa, die mich in zuckersüße Träume geleitet.
Tag 105: Die lieben Fremdsprachen
Heute erleide ich auf meinem Weg zur Arbeit einen herben Rückschlag. Ich habe bisher immer gedacht, dass ich wohl der Verkehrsteilnehmer mit der größten Rück-, Vor- und Nachsicht bin und das geringste Hindernis darstellen würde: Ich sehe Bushaltestellen voraus und wechsle auf die mittlere Spur, um den Bussen Platz zu machen. Ich bin der einzige, der den Schulterblick dabei vollzieht. Ich suche mir rechtzeitig die Spur zum Abbiegen. Und nach einer roten Ampelphase bin ich der erste, der die Kreuzung überquert hat und keiner kann sich ob meines zu langsamen Anfahrens beschweren.
Und dann kommt heute das: Ich bin kurz vorm Ziel, muss von der zweispurigen Straße nach der Kreuzung mit der 100 Sekunden-Ampelschaltung nur noch links in die Seitenstraße der Firma einbiegen und fahre also gleich ganz links, bis von rechts ein Auto neben mir fährt und zwei entgeisterte Insassen mir klarmachen wollen, dass das eine Autospur wäre und ich sollte gefälligst ganz rechts fahren. Da ich es natürlich besser weiß, setze ich ein Lächeln auf, fluche auf Deutsch 'Yak, halt die Klappe, bitte' und füge ein '谢谢', 'Danke' in der hiesigen Sprache an, um gleich darauf links einzubiegen. Dennoch bin ich erbittert.
Bei der Arbeit ist die Chefin der zur Firma gehörenden Werbeargentur anwesend und registriert als einzige, dass ich das meiste doch wirklich schon kann und ich werde mal gut gefordert, auch, was die Sprache angeht, denn sie redet ununterbrochen mit mir. So geht die Zeit gut rum.
Lukas wird heute von einem Kollegen zum Essen nach Hause eingeladen und ich werde von Jojo in die Kalligraphie-Straße zitiert, da er gerade Besuch von einem Franzosen hat. Ich erfreue mich an der Herausforderung, mal wieder eine andere Fremdsprache zu probieren, muss aber feststellen, dass in meinem Kopf momentan nur noch Platz für Chinesisch ist. Die Kommunikation hakt zum Teil schon an leichten Vokabeln wie dem Wort 'ich'. Zwar verstehe ich alles, was er mir sagt, aber ich kriege keine Antwort raus, die nicht irgendwann automatisch fließend von Französisch auf Chinesisch wechselt. Mein, man möge mir dieses Selbstlob verzeihen, eigentlich ziemlich gutes Französisch weicht also einem noch immer recht erbärmlichen Chinesisch. Ein Jammer. Ein Tag voller Rückschläge.
Tag 104: Praktikantinnen
Bei der Arbeit bin ich seit dieser Woche in der Vorstufe gelandet, in der vorzüglich Bild- und Textgestaltung am Computer durchgeführt wird. Die Computer sind allerdings so abgezählt, dass für die normale Besatzung schon einer zu wenig vorhanden ist und wenn dann noch ich dabei bin plus zwei Praktikantinnen von einer Schule aus einer anderen Stadt, so herrscht zumeist für vier Leute Beschäftigungslosigkeit, hauptsächlich für uns unbezahltes Personal, was aber natürlich nur allzu verständlich ist.
Wie verbringt man also diese Zeit? In erster Linie mit dem Vortäuschen von Interesse, was die Arbeit der anderen angeht. Dann wird viel Blödsinn geredet und etwas Deutsch beigebracht.Eine große Belustigung für die zwei patenten, jungen Damen ist mein deutscher Name, dessen Aussprache ihnen schwer fällt, bis ich ihnen mithilfe von chinesischen Schriftzeichen eine Art Lautumschrift vorlege. So heiße ich jetzt 米二口, was wortwörtlich 'Reis Zwei Mund' bedeutet. Sie bringen mir im Gegenzug bei, wie man unbemerkt von den anderen im Raum Musik hören kann und erzählen mir, dass sie die sieben Wochen Praktikum nicht nach Hause zurückkehren können und stattdessen in einer der Garagen auf dem Firmengelände nächtigen. Ich möchte ihnen am liebsten liebevoll den Kopf tätscheln und mein Beileid aussprechen.
Das Kopftätscheln ist nämlich zur Zeit etwas wie unser neues Hobby geworden und auf unserem abendlichen Streifzug über den Campus sind nicht viele Köpfe kleiner Kommilitoninnen davor sicher. Die anfängliche Scheu wandelt sich schnell in ein Lächeln und einer stolzen Dame, die vor Glück fast zu platzen droht, sodass es einem ans Herz geht.
Ja, wir befinden uns weiter auf unserem Weg zur wunderbaren Völkerverständigung.
