Tag 309: Neujahr des Wartens.
Mittags um eins denkt sich Denis, wir hätten genug geschlafen. Also weckt er mich aus meinem komatösen Schlaf in meinem Campingstuhl neben den Schließfächern in der Mall unseres Vertrauens am Pier des Kowlooner Hafens. Wir bemerken, dass wir mindestens geduldet wurden, denn um uns herum wurdegewischt und auch unser Müll wurde entfernt.
Nach einer Nudelsuppe kann es eigentlich nach Bangkok gehen. Eigentlich. Wären da nicht noch zehn Stunden bis zum Flug und noch einige Kilometer und Grenzen nach Shenzhen zu überbrücken. Busbahnhof, Bus rein, Grenze Hong Kong zu China, Bus raus, penibelste Passkontrolle, Bus rein, Flughafen. Zwischendrin immer mal wieder warten. Die Hälfte der zehn Stunden sind dann geschafft.
Am Flughafen betreiben wir dann mal Körperpflege. Die Füße wollen auch mal wieder atmen. Und der Belag auf den Zähnen stört. Und dann sitzen wir den Rest der Zeit in unseren Stühlen (ich bin mit noch immer dankbar, sie mitgenommen zu haben, denn so müssen wir uns nicht mit dem gemeinen Pöbel die Metallbänke teilen) vorm Pizza-Hut neben den 7eleven (eine der besten Erfindungen der Neuzeit, Danke, Herr Siebenelf) und schlafen oder lesen oder essen oder nutzen das weltweite Internet, das einfach so im Flughafen rumliegt.
Gegen Mitternacht heben wir dann ab. Wir sitzen in einer AirAsia Maschine und die Stewardessen scheinen nebenberuflich Models zu sein. Zudem stören sie kaum, da Speisen und Getränke kostenpflichtig sind und man so nicht alle paar Minuten was vor die Nase gesetzt bekommt.
Dank Zeitvershiebung landen wir um drei Uhr nachts in Bangkok. Den Passkontrolleuren ist anzumerken, was sie von Nachtschicht an einem Feiertag halten, wir stehen eine halbe Stunde in der Schlange, obwohl wir nicht sehr weit hinten stehen.
Natürlich fahren die Shuttlebusse erst um sieben Uhr wieder in die Stadt. Was macht man nun? Erstmal rauchen. Also Denis. Feuer dafür schnorrt er sich bei einer attraktiven Dame. Diese erweist sich aber schnell wegen ihrer großen Hände und der tiefen Stimme als unser erster Ladyboy.
Wir könnten jetzt noch vier Stunden hier überbrücken, haben ja Stühle und genug Erfahrung in Sachen Warten, aber für die über zwanzig Grad selbst um diese Zeit sind wir deutlich zu warm angezogen. Also Taxi. Für rund zehn Euro Festpreis werden wir chauffiert. Aber nicht irgendwie. Wir besteigen ein pinkes Taxi mit Gastank. Trashig.
Vierzig Minuten, in denen wir zwanzig 7eleven passieren (wir kämen also locker ohne Hotel über die Runden), später sind wir endlich am Zielort.
Nach dem Recherhieren, welches lokale Bier am besten munden mag, fallen wir endlich wieder in ein Bett.
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