Ein feiner Tag ist es heute nicht. Philipp, Chenshu und Mini verlassen uns heute, während uns Andy schon vor ein paar Tagen im Stich gelassen hat. Thomas und ich bleiben alleine zurück. Auf einem verwaisten Campus. Denn fast alle Studenten sind schon ausgeflogen und auch der Supermarkt ist geschlossen, hat seit Wochen sowieso nur noch den Bestand verkauft und nicht nachgefüllt (wobei das Bier leider komischerweise als erstes ausverkauft war), lediglich die Wachmänner an den Toren bleiben uns treu. Und die sind zurzeit glücklich. Vielleicht die glücklichsten Menschen des Landes. Denn sie haben letztendlich auch am Hintertor ein richtiges Tor stehen. Eines, das nur mit einer einzigen Fernbedienung auf- und zuzukriegen ist. Dann fährt es und faltet sich wie eine Ziehharmonika zusammen, obwohl es aus Metall ist. Das ist ein Wunderwerk der Technik und unsere Wachmänner haben es wirklich verdient, nachdem sie zwar am Haupteingang stets eine kleine Schneise nur kontrollieren mussten, hinten aber offen standen, wie ein Scheunentor. Jetzt sind wir endlich komplett eingezäunt.
Zum Glück hat uns Philipp noch ein paar Getränkegutscheine aus dem 1+1 überlassen, die uns über unsere Abschiedsschmerzen hinwegkommen lassen. Und diesen kommen Thomas und ich heute nach. Und siehe da, wir kommen ziemlich früh an und die Garderobenhexe ist noch nicht angepisst, nimmt unsere Jacken kommentarlos entgegen. Vielleicht wirkt Thomas auch mit seinen langen schwarzen Haaren wie eine Chinesin auf den flüchtigen Blick.
Egal, woran es liegt, wir siegen heute über diese Garderobenhexe, trinken ein zugegeben nicht gerade sehr leckeres Bier, oder auch zwei und sind früh wieder am Hintertor. Der Wachmann schläft und wir schieben das Tor selber auf. Da ist scheinbar doch noch ein wenig Arbeit vonnöten, aber dann gibt es auch hier ein richtig funktionierendes Tor!
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