Mittwoch, 6. Januar 2010

Tag 310: One Night in Bangkok.

Tag 310: One Night in Bangkok. 
Das Frühstück verschlafen wir um fünf Stunden. Beim Erwachen bemerken wir, was für ein tolles Hostel wir eigentlich erwischt haben. Ruhige Lage, dennoch in der Altstadt nicht weit vom Schuss, großes, bequemes Bett, Flachbild-TV, Internet, schönes Bad, etc. für sechs Euro die Nacht. Also buchen wir gleich noch für eine dritte Nacht. 
Als wir das klimatisierte Zimmer verlassen, trifft uns sofort der Schlag. Dreißig Grad. Stehende Luft. Schmutzige Straßen. Fischgeruch. Bangkok ist nicht wirklich sauber. So läuft man nachts auch gerne mal durch ein Rudel Ratten, das den nicht abgeholten Müll genießt. 
So schauen wir heute Nachmittag zunächst ein paar Tempel und Schreine an, denn dort ist es sauber. Und dann fällt uns ein, dass wir irgendwas vergessen haben. Richtig. Essen. Das nächstbeste Restaurant ist somit Anlaufstation. Hier gibt's nur vegetarische oder gar vegane Kost, aber die kann erstaunlicherweise auch was. Das Restaurant auch. Denn hier zeigt sich der komplette Unterschied zu China: sind dort die Straßen sauber (mal abgesehen von der Luftverschmutzung; Müll findet man kaum, immer ist einer zugegen, der ihn wegräumt), so wird in Restaurants gerne auf den Boden gerotzt und auch Essensreste landen dort, so watet man hier draußen durch Müll (theoretisch ist auch jemand zugegen, um ihn abzuholen, aber der betreibt vor Ort Mülltrennung und nimmt nur das mit, was etwas Geld bringt), in Restaurants kann man dafür fast vom Boden essen, wenngleich da keine Reste landen.  
Wir fahren noch etwas Boot, irgendwo hin, einfach den Fluss rauf, ist günstiger als Taxi. Einen liegenden Buddha sehen wir, das muss dann aber auch reichen an Kultur. Wir lassen uns zur Kosan-Straße bringen, wo es neben T-Shirt-Läden viele Bars gibt, seriöse und in den Seitenstraßen unseriöse mit Tischtennis-Spielen. Letztere suchen wir selbstverfreilich nicht auf, wird im Intenet doch stets davon abgeraten. 
Nun ist der Abend angebrochen, ein erstes Bier getrunken, wir aber noch nicht wirklich akklimatisiert, ziemlich matt. Zu einem ziemlich hohen Preis lassen wir uns von einem Tuk Tuk zunächst in das wunderlicherweise nur zwei Straßen entfernte Hostel zurückbringen (mangels Plan wissen wir nicht wirklich, wo wir sind). 
Thai-Boxen wär eine Alternative für den Abend. Am Stadion angekommen merken wir leider, dass die Information im Hostel über die Preise nicht ganz richtig war und dreißig Euro können wir besser investieren. Zum Beispiel auf dem Nachtbasar. Gut ist hier, dass die Verkäufer nicht so penetrant sind, wie in China. Schlecht ist, dass sie dafür auch wenig in Verhandlungslaune sind. T-Shirts bekommt man so nur zu Preisen zwischen vier und fünf Euros, dafür sind die Aufdrucke deutlich schöner und fehlerfrei. Zu guter letzt sorgt ein gigantisches Angebot dafür, dass wir uns nicht entscheiden können, wir schlagen also nicht sonderlich groß zu. 
Das gesparte Geld können wir besser investieren. Zum Beispiel in der Cowboy-Street. Hier bedarf es keinerlei Arbeitsuniform, um zu wissen, wer was ist. Das sieht man am Geschlecht. Alle Frauen, oder die, die so aussehen und sich dafür halten sind Bedienstete, alle Männer sind Kundschaft. Punkt. In den Bars findet man keinen männlichen Kellner. Das übernehmen die alten Frauen, während die jungen dazu verpflichtet sind, gelangweilt auf den Podesten zu tanzen oder sich an den Kunden, zumeist angetrunkenen, doppelt so alten kräftigen Buben mit schütterem, ergrautem Haar, zu schmiegen und nach einem Drink zu fragen. Wir passen also nicht ganz in das Klientel, sind wir doch im gleichen Alter wie die Belegschaft und wenig daran interessiert, anderen Damen Drinks zu spendieren. Nur gucken, nichts anfassen und gut auf unser Geld aufpassen, lautet die Devise. 
Zunächst klappt das ganz gut mit dem Fernhalten, denn sobald ein Mädel von unserer deutschen Herkunft erfährt, verdreht sie die Augen und zieht wortlos ab. Wir finden nicht heraus, welches Klischee von uns hier gängig ist. 
Nur Beehh schreckt unsere Nationalität nicht ab, denn Beehh liebt uns. Glaub ich. Darum legt sich Beehh auch richtig ins Zeug. Aber Denis und ich sind zum einen vergeben und zum anderen selbstredend nicht daran interessiert, etwas daran zu ändern. Also zeigt sich bei uns nicht die gewünschte und von ihr garantiert fest eingeplante Reaktion. 
Highlight des Abends ist dann die nich eingeplante Schlägerei zwischen zwei Damen auf dem Tanzpodest. Normalerweise sollte man da einschreiten, aber das überlassen wir lieber den Mamas, den kräftigen Damen, die wahrscheinlich respekteinflößender sind als jeder Lude von St. Pauli.
Beehh legt sich dessen unbekümmert weiter richtig ins Zeug. Vergebene Liebesmüh, denn bei Ladenschluss (ab drei Uhr ist in Bangkok Sperrstunde) ist der Funke immer noch nicht übergesprungen. 
Jetzt tut Beehh mir Leid, hat sie sich doch so viel Mühe gegeben und sich garantiert in uns verliebt. Um ihr zu zeigen, dass es nicht an ihr liegt, lüge ich und sage ihr, dass Denis und ich ein Paar sind. Ob sie sich besser fühlt, weiß ich nicht. 
Anschließend geht es auf der Straße richtig ab, denn viele Tänzerinnen sind Hobby-Alkoholiker und setzen sich bewaffnet mit einer großen Flasche Schnaps und einem Eimer Wasser (gegen den Geschmack) in den Dreck und betrinken sich. Müssen wir uns nicht antun, wir gehen schlafen.           

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