Mini und ich gehen heute ins Kino, wollen Avatar schauen. Also eigentlich kommen wir nachmittags da an um festzustellen, dass wir nur noch für die Vorstellung um halb elf abends zwei der letzten paar Karten bekommen, zumindest für die 3D-Fassung. Und nur die wollen wir gucken, alles andere gibt es ja unlängst auf gefälschten DVDs zu kaufen oder im Internet zu finden.
Jene normale Version gibt es auch nur noch bis Freitag in normalen Kinos zu sehen, danach muss sie einer einheimischen Produktion weichen. Ich sage "muss", da sie es wirklich muss, auf Druck der Regierung. Anscheinend, weil der Hype zu groß sei und zu viele die anscheinend nicht viel vertretenen Kinos ansteuert, was die Straßen verstopft und zu Unfällen und Verletzten führen kann, so hat Mini es zumindest vernommen. Das ist natürlich Bullshit, denn nun sind die Publikationsstätten noch auserwählter und vor diesen müssten die Staus und Unfälle noch größer sein und die Verletzten quasi Tote.
Die Wahrheit ist aber, dass es in dem Film um Landvertreibung geht und nachdem Chinesen im Netz schon geschrieben haben, dass nur sie das Leid der Na'vi nachvollziehen könnten, da sie von Zwangsumsiedlung betroffen sind. Und bevor nun eine große Meute sich dieses Gedanken bewusst wird und es vielleicht zu Unruhen kommt, schränkt man lieber den Zugang zu diesem Unterhaltungsfilm ein, indem nur noch auserwählte 3D-Kinos den Film zeigen dürfen. So einfach geht das mit der indirekten Zensur.
Nun haben wir also noch sieben Stunden Zeit. Wir gehen ins Teehaus, das eigentlich ein gemütlicher Ort sein könnte, aber hier hat man es mit dem Heizen noch nicht so gelernt. Danach könnte ich mal wieder einen Frisör gebrauchen. Dieser sagt, ich müsste kurz warten, was dann aber knapp 45 Minuten dauert, weil die Wasserhähne streiken. Und so bekomm ich auch keine 20 Minuten Kopfmassage, sondern nur ein zweiminütiges Haarewaschen. Und was macht ein Frisör mit einem Kopfhaar, das in einen über Wochen angezüchteten Vollbart übergeht? Nun, er entsinnt sich seiner Lehre, die da sagt, dass man zum Schluss die Koteletten rasiert. Ohne zu fragen. Jetzt gibt es also eine klare zentimeterbreite Schneise, die "Haar" von "Bart" trennt. Ist schließlich nicht das gleiche, da gehört eine Grenze dazwischen. Und mit Grenzen hat man es ja hier.
Einem Essen folgt ein Gang durch den Walmart und dann geht der Film auch endlich mal los. Guter Film. Und was die Technik heute so alles kann. Das Kino ist somit zum Bersten gefüllt. Gefüllt mit Handy-Besitzern, die jedem Anrufer mitteilen müssen, was sie denn gerade so machen. Und was sie davor machten und gedenken, anschließend zu tun. Nun, ich wüsste nicht, wie man hier ohne Mobilfunk zurechtkäme, das Telefon hat eine große Rolle im Alltag eingenommen, im Flugzeug wird es erst kurz vorm Start ausgeschaltet und sobald bei der Landung die Reifen das erste Mal den Boden berühren, sind bereits die Starttöne mehrere Handtelefone zu hören, kurz danach die ersten Mitteilungen, dass man gelandet ist. Aber ich schweife ab.
Zuhause angekommen meint Mini es gut mit mir und will den Film noch einmal auf Englisch laufen lassen, damit ich auch alles verstehe. Aber ich schlafe dann doch recht früh ein.
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genayiv0129
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