Sonntag, 24. Januar 2010

Tag 327: Ungewohnt schnell.

Wir müssen schon wieder früh aufstehen. Um zehn Uhr treffen wir uns bei einem Gebäude, dessen Bezeichnung ich nicht weiß, in dem man aber sein Visum verlängern kann. Und das geht heute ungewohnt schnell. Das Männchen vom Auslandsamt ist pünktlich, vor uns in der Schlange steht nur ein Mensch, sämtliche Papiere sind schon ausgefüllt und unterschrieben, es müssen nur noch Fotos von uns mittels Digitalkamera geschossen werden und ein überschaubarer Betrag an Yuan den Besitzer wechseln, dann sind wir auch schon fertig.
Dass wir dennoch nicht sofort zurückfahren, liegt daran, dass oben genanntes Gebäude sich in unmittelbarer Nähe meiner Praktikumsstelle befindet. Nun könnte man denken, dass ich dort mal wieder einen Besuch abstatte, aber das würde zu viel Zeit kosten und zuhause wartet die Frau. Vielmehr kenne ich in dieser Region ein Restaurant, in dem es sehr gute grüne Nudeln gibt.
Das öffnet aber erst bald, wobei wir nach der offiziellen Öffnungszeit immer mal wieder vertröstet werden und somit fast eine Stunde auf unser Essen warten, aber es lohnt sich.
Für knapp eine Woche habe ich jetzt Ruhe von Behördengängen und dem ganzen Rotz, und auch dann muss ich nur meinen Reisepass wieder abholen. Vielleicht kann ich nun endlich mal gut ruhen und einen gesunden Schlafrhytmus finden.
Falsch gedacht, denn Philipp hat Besuch am Start und der muss in das Nachtleben eingeführt werden, zumal wir noch Getränke im 1+1 gelagert haben. In der Woche bleibt uns jetzt sowieso nur noch dieser Laden, da die anderen spärlich besucht sind oder wie das Salsa weiterhin Ausweise von Minderheiten verlangen. Diese liegen ja nun bekanntlich bei den Behörden. Und dass sich das Salsa mit dieser Maßnahme selber zugrunde richtet, scheint wohl noch nicht aufgefallen zu sein. Denn ich kenne keinen, der mehr als das Nötigste mitnimmt, erst recht keinen viel zu großen Reisepass, der kaum in die Hosentasche passt und viel zu wertvoll ist, alsdass man ihn den Taschendieben in einer lokalen Diskothek aussetzt.
Und das Salsa war einst dafür bekannt, dass sich hier mehr Ausländer tummeln, die auch gerne mal was liegen lassen. Nun kommen diese nicht mehr in altbekannter Fülle und somit ist auch der Reiz für viele weltoffene Einheimische nicht mehr vorhanden und diese bleiben fern, was den Tanzschuppen noch leerer macht und auch für die restlichen Gäste unattraktiver.
Das Fazit ist, dass hier seit Monaten die Mitarbeiter rausgeschmissen werden, man am Eingangsbereich aber dennoch weiter freudig allen reisepasslosen Gästen den Weg zum Ausgang weist.
Selber Schuld.

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